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Aliens, Swayze und ein Zeitreisebär

22. Oktober 2012

Es gibt immer wieder solche Filme, bei denen ich mich krampfhaft frage, warum sie nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen haben. Ich möchte für den nun folgenden Film ein etwas krasses Beispiel wählen: Schauen wir uns doch einmal „The Cabin in the Woods“ an. Der Film wäre gut und gerne ein Kandidat für genau diese Rubrik gewesen, wenn nicht der Name Joss Whedon auf dem Filmposter stehen würde. Whedons Erfolge – gerade durch „The Avengers“ – haben aus seinem Namen einen Kassenmagneten gemacht, weswegen sich Produzenten dann wohl auch mal was trauen (möglicherweise ein bisschen so wie bei Chris Nolan und „Inception“). Tatsache ist doch, dass nur wenn der Name auf dem Plakat Erfolg verspricht, trauen sich Verleiher und Produzenten ein bisschen mehr.

Wenn keine große Namen vorhanden sind, dann muss man auf viele Filmperlen lange warten. Und so ist es dann leider auch so, dass wohl kaum ein Mensch wirklich viel mit dem Namen Joseph Kahn anfangen kann. Taucht der auf einem Filmplakat auf, fragen sich einige höchstens: „Ist das der Bruder vom Olli Kahn? Macht der Filme?“ Solch ein Risiko ist dann doch zu hoch, da muss die DVD ausreichen. Vor allem, wenn man sich zu diesem No-Name-Regisseur dann auch noch die vollkommen wirre Story zu seinem „Detention“ anhört:

Die junge Riley (Shanley Caswell) ist an ihrer Schule ein typischer Außenseiter. In ihrer Clique an sich zwar beliebt, aber gesamt gesehen ein Außenseiter. Riley ist verliebt in Clapton (Josh Hutcherson), doch der mag die heiße Cheerleaderin Ione (Spencer Locke). Die wiederum ist aber mit einem fiesen Schläger zusammen. Als wenn diese ganze merkwürdige Konstellation nicht schon schlimm genug wäre, beginnt auch noch ein Serienmörder Schüler umzubringen – ganz im Stile des „Cinderhella“-Streifens, der gerade im örtlichen Kino läuft. Der Direktor der Schule (Dane Cook) ist daher felsenfest davon überzeugt, dass a) der Mörder ein Schüler ist, der b) auf die „Cinderhella“-Filme steht und c) noch weiter morden wird.

Ich sehe jetzt schon die ersten gähnen. Ich höre förmlich die ersten an „Scream“ denken und ich kann fühlen, wie die ersten das Interesse an einer weiteren Teenie-Horror-Klitsche verlieren. Aber all diesen Menschen möchte ich eins sagen: Bitte ignoriert eure Abneigung gegen Kahns „Detention“, denn genau wie Whedon möchte auch Kahn einfach nur parodieren und sich über ganz bestimmte Stereotype lustig machen. Nur was Whedon mit seinem „Cabin in the Woods“ gemacht hat, ist gegen Kahns Nachsitzen wie ein langweiliger Kindergeburtstag.

Kahn jongliert mit Genres, das einem schwindelig werden könnte. Der Film fängt an, wie „Easy A“ – wir tauchen ein in die Gedankenwelt von Riley, erleben ihren Schulalltag. Dann wird daraus „Scream“, um anschließend so eine Art „Breakfast Club“ zu werden. Doch ist das dann kein gewöhnlicher Club, denn „Donnie Darko“ sitzt auch mit drin. Die vielen verschiedenen Filmtitel (und man erkennt noch einige andere Verweise) sollen euch nur ein Bild davon verschaffen, was Kahn hier macht: „Detention“ ist ein abgedrehter, kaum in Worte zu fassender Streifen, der Teenie-Komödie mit Horror, Aliens und Zeitreisen verbindet.

Anfangs wirkt das Ganze wirklich ein wenig überladen, aber Kahn führt einen mit einer erstaunlichen Leichtigkeit durch seine absurd-geile Story, dass man eigentlich nie den Spaß daran verliert. Dass der ganze Streifen Spaß macht, liegt dann nicht zuletzt auch bei den Schauspielern. Josh Hutcherson ist großartig… endlich habe ich einen Grund, den Mann doch irgendwie zu mögen. Vor diesem Film hatte ich immer noch die Hoffnung, dass Katniss ihn vielleicht doch noch beseititgen könnte. Das ist hiermit aber offiziell vorbei. Auch der Rest ist großartig. Shanley Caswell überzeugt ebenfalls und erinnert mit ihrer Art an Juno und Olive aus „Easy A“.

„Detention“ ist großartig. Schräger Humor trifft abstrakte Erzählweise, die sich auf mehreren Zeitebenen abspielt. Wahrscheinlich wäre nur ein David Lynch in der Lage, diesen Film gleich beim ersten Mal zu verstehen. Alle anderen sind da gezwungen, sich das Ganze noch mal anzuschauen – inklusive Kopfschütteln, Amüsieren, Mitraten und Totlachen. Joseph Kahns Film ist wirklich ein Film, der sich jeder Bezeichnung entzieht – ein grandioser durchgedrehter Spaß.

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (filmischer Genre-GAU, den man selber gesehen haben muss, um es zu glauben)

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13 Kommentare leave one →
  1. 22. Oktober 2012 10:04

    Hm, klingt abstrus. Das gefällt mir! Vor allem die filmischen Verweise, die du hier aufzählst, gehören auf jeden Fall zu Filmen, die mir sehr gut gefielen (ja, beinahe alles Lieblingsfilme). Dann hat der Film ja schon mal Potential… Wird vorgemerkt.
    Wird dich wenig überraschen, dass ich zum ersten Mal von DETENTION höre ^^

    • donpozuelo permalink*
      22. Oktober 2012 13:12

      Überrascht mich tatsächlich kaum!!! Wenn ich nicht auf einem anderen wunderbaren Blog von diesem skurrilen Meisterwerk gelesen hätte, dann würdest du diese Rezension wahrscheinlich nie hier lesen 😉
      Es ist wirklich ein herrlich abstruser Film, der einfach nur richtig Spaß macht.

  2. 22. Oktober 2012 13:23

    Klingt gut. Ich setz ihn mal auf die Liste. Leider ist genau diese aktuell schon zu lang. Dauert also etwas.

    • donpozuelo permalink*
      22. Oktober 2012 13:27

      Zu lang kenn ich irgendwie. Meine Liste ist auch noch ewig lang und wird wohl noch lange darauf warten, verkleinert zu werden. Ist ja mit solchen Sachen wie mit einem Fass ohne Boden 😉

      Aber diesen Film kann man ruhig ganz nach oben schieben. Wirklich gut!!!

  3. luzifel permalink
    22. Oktober 2012 23:34

    ALTER SCHWEDE – WAS FÜR EIN GEILER FILM!! So absurd und gut gemacht und witzig und kreativ – ich liebe ihn! Danke für den Tip ^^

    • donpozuelo permalink*
      23. Oktober 2012 09:00

      😀 Freut mich. Musste mich ja für „Broken Flowers“ bei dir revanchieren 😛

  4. 23. Oktober 2012 06:57

    Ok, aufhören mit den Lobeshymnen. Ist ja schon vorgemerkt!

    • donpozuelo permalink*
      23. Oktober 2012 09:01

      😀 Sehr gut!!! Dann kann Joseph Kahn mir ja endlich das vereinbarte Entgelt zahlen!!!

  5. 23. Oktober 2012 23:13

    Sag ich doch, der ist großartig 😀

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