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Die Acht Teufel von Kimon

17. Oktober 2012

Es wird mal wieder Zeit, sich ein wenig aufzuregen. Und das, wie ich finde, zu Recht. Als großer Anime-Fan suche ich mir ja gerne mal ein paar neue Filme aus. Leider muss ich da immer viel zu oft feststellen, dass gerade unsere beliebten Technik-Märkte unerhört hohe Preise für die DVDs verlangen. Da würde man dann mal eben 22 bis 27 Euro bezahlen, nur um einen einzigen Film zu bekommen. Und auch abwarten lohnt nicht, denn scheinbar gibt es immer nur wenige Stückzahlen von den DVDs, weswegen die dann ihren hohen Preis über Wochen behalten. Eine unverschämte Sauerei… ist ja dann wohl auch kein Wunder, warum kein Mensch die DVDs kauft oder sich die Filme einfach im Internet anschaut.

Aber der Don ist ja ein ehrenhafter Bursche und schleicht einfach weiter um die Regale herum und wartet… geduldig im Schatten, um dann zu zuschlagen, wenn das Preisschild von einem unachtsamen Mitarbeiter ausgetauscht wird. So kam ich dann auch in den Besitz von Yoshiaki Kawajiris „Ninja Scroll“, ein Film, der mehr als 15 Jahre lang gegen die deutsche Zensur kämpfen musste, um überhaupt legal in Deutschland gekauft werden zu können. Warum? Na, weil der voll brutal ist. Und dabei auch voll gut.

„Ninja Scroll“ spielt im Japan der Edo-Zeit. Der Shogun der Dunkelheit will die Regierung stürzen. Dafür braucht er Gold und Krieger. Das Gold beschafft er sich, indem er eine Epidemie ausbrechen lässt, um in Ruhe Gold schmuggeln zu können. Doch so eine Epidemie lässt die Regierung natürlich aufschrecken, die daraufhin eine Gruppe Ninjas losschickt, um der Sache nachzugehen. Außer der Giftprüferin Kagero überlebt aber niemand diesen Auftrag, denn die Acht Teufel von Kimon stehen auf der Seite der Bösen, acht Krieger mit übernatürlichen Fähigkeiten. Doch wie es der Zufall so will taucht in diesem Augenblick der Ninja Jubei auf – ein freischaffender Arbeiter, wenn man so will. Jubei wird kurzerhand für die Regierung engagiert und geht gemeinsam mit Kagero gegen die Acht Teufel vor… denn zum Glück haben auch Jubei und Kagero die eine oder andere Fähigkeit, um sich zu wehren.

Vielleicht mal eines vorweg, vom Optischen her ist „Ninja Scroll“ nicht das, was man sonst so vielleicht von Animes erwartet. Statt großer Kulleraugen und fein gezeichneten Figuren begegnen uns hier ein harter Zeichenstil. Die Figuren sind ziemlich groß und eckig. Gerade bei den weiblichen Figuren muss man sagen, dass dieser kantige Stil nicht unbedingt hilfreich ist. Die Frauen sehen eher aus wie Männer und wirken unattraktiv… egal, wie viel nackte Haut sie dann am Ende zeigen. Damit will ich sagen, an den Stil muss man sich anfangs ein wenig gewöhnen.

Wenn das aber passiert ist, erwartet den Zuschauer eine ordentliche Portion geballter Ninja-Action. Nach dem Ende des Films versteht man fast ein wenig, warum es so lange gedauert hat, bis die FSK den Film freigegeben hatte. Yoshiaki Kawajiri verlangt so einiges von seinen Zuschauern – da werden Köpfe gespalten, Gliedmaßen herausgerissen, Schädel eingeschlagen. Die arme Kagero wird dann auch noch zwei Mal misshandelt, bevor sie sich gegen ihre Peiniger erwehren kann. Klar, durch die Animation kann man da etwas Abstand nehmen, dennoch bleibt die Gewalt äußerst grafisch und der Bildschirm versinkt hier und da im Blut.

Allerdings sollte man nicht den Fehler begehen, „Ninja Scroll“ nur auf seine Gewalt zu reduzieren. Wer einen gewalttätigen Actionfilm sehen will, der ist damit bestens bedient; aber „Ninja Scroll“ bietet auch eine durchweg spannende Geschichte, die mit zahlreichen interessanten Charakteren aufwarten kann. Gerade Jubei spielt auf den „Lone Gun Man“ ab, den ja auch schon Kurosawa mit seinem „Yojimbo“ ein würdiges Denkmal gesetzt hat. Alles in allem versteckt sich unter „Ninja Scroll“ auch ein klassischer Action-Film, bei dem der einsame Held gegen eine Übermacht antritt… nur ist das Ganze halt ein cooles Anime-Ninja-Dingens geworden.

Für Anime-Fans ist „Ninja Scrolls“ auf jeden Fall was. Alle anderen sollten sich vielleicht doch erst einmal mit Miyazaki anfangen 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (blutgetränktes Ninja-Abenteuer, bei dem es nur nie so wirklich um irgendwelche Scrolls geht – aber egal…)

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