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Die japanische Arielle (?)

10. Oktober 2012

Gibt es eigentlich irgendeinen Umweltpreis? So was in der Richtung wie den Oscar oder den Nobelpreis – nur halt für besondere Verdienste für die Umwelt, die Welt und die Menschen an sich? Wenn ja, finde ich, sollte Hayao Miayazaki den bekommen. Am besten gleich mehrfach… denn kein anderer hat für mich besser über große Umweltprobleme gesprochen als der Japaner mit seinen Filmen. Ob nun die Gefahr vor der Zerstörung der Wälder, eine allgemeine Zerstörung der Umwelt durch den Menschen oder die Verschmutzung des Wassers… egal, ob es nun ein Hauptthema oder nur eines von vielen ist, die Umwelt liegt Miayazaki sehr am Herzen. Und gleichzeitig schafft er es, das Ganze so zu verpacken, dass es nicht unbedingt vordergründig belehrend ist. Seine Filme machen einfach nur Spaß, und erst am Ende denkt man sich: „Oha, da habe ich doch tatsächlich noch die ein oder andere wichtige Lektion gelernt.“

So auch bei seinem letzten Film „Ponyo – Das große Abenteuer am Meer“. Wenn man jetzt sehr unfair sein möchte, dann könnte man meine Überschrift nehmen und den Film die japanische Variante zu Disneys „Arielle“ nennen: Ein kleines Wassermädchen (soll angeblich ein Goldfisch sein, sieht nur irgendwie nicht unbedingt wie einer aus) „verliebt“ sich (kann man so auch nicht wirklich sagen, aber mir fehlt jetzt das bessere Wort) in einen kleinen Menschenjungen und will daraufhin, unbedingt selbst ein Mensch werden. So weit, so gut. Klingt entfernt wie Disneys Story… doch Miayazaki ist (wie fast immer) einfach tausendmal besser als Disney, weswegen sich hinter „Ponyo“ noch sehr viel mehr verbirgt: Ponyos Vater, der gegen die Umweltverschmutzung durch die Menschen ankämpfen will; mehrere Familiengeschichten und die große Frage, was man bereit ist aufzugeben.

In erster Linie ist „Ponyo“ mal ein klassischer Kinderfilm. Ponyo ist ein kleines, süßes Meer-Fisch-was-auch-immer-Mädchen und ihr Freund an Land ist der kleine Sosuke. Man möchte sie einfach nur niedlich oder putzig nennen, doch darf man dann keinesfalls denken, dass die Figuren kitschig angelegt wären. Gerade die kleine Ponyo hat es faustdick hinter den Ohren und präsentiert sich als kleines Mädchen, das ihren eigenen Weg gehen will. Mit dem kleinen Sosuke wird auch noch mal eine interessante Mutter-Sohn-Geschichte aufgebaut. Sosuke und seine Mutter Lisa leben die meiste Zeit allein in ihrem Häuschen und müssen sich auch allein allen Widrigkeiten stellen.

Diese Widrigkeiten bestehen vor allem darin, dass Ponyo ein Elixier ihres Vaters im Meer freisetzt, wodurch es zu einem Taifun kommt, der Mond nähert sich der Erde an, der Meeresspiegel steigt dramatisch, Urzeitfische tauchen plötzlich wieder auf… und nur Ponyo kann wieder für Ordnung sorgen. Miyazaki setzt wieder auf die gewohnte Bildgewalt. Gerade die wunderbaren Unterwasser-Bilder sind großartig. Da möchte man am liebsten sofort mit runter tauchen. Hier spielt Miyazaki mit dem illustren Bild untergegangener Städte und regt so auch ein wenig den Forscher- und Abenteuerdrang in seinem Zuschauer an.

Anders als bei „Mononoke“ oder „Nausicäa“ bleibt „Ponyo“ aber zu jeder Zeit kindgerecht. Man muss keine Angst vor abgetrennten Körperteilen oder Kriegsmassakern haben. Es geht wirklich nur um die Entwicklung des Kinderpaares – das ist teilweise sehr rührend, aber immer auch mit einem Augenzwinkern oder einem frohen Lachen verbunden. Doch bevor jetzt alle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: „Ponyo“ funktioniert auch für Erwachsene ausgezeichnet. Es ist halt wie es ist: Miyazaki kann man vertrauen (außer natürlich wir reden von Goro 😉 ). So ist auch aus „Ponyo“ wieder ein wunderbarer Film mit sehr viel Seele und Liebe für viele kleine Details geworden und definitiv kein „Arielle“-Abklatsch.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Miyazaki kehrt zum Kinderfilm zurück – Fans werden trotzdem ihre wahre Freude daran haben)

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14 Kommentare leave one →
  1. 10. Oktober 2012 07:49

    Hm, die Figuren, die sehen immer alle aus wie die Biene Maja. Das stört mich dermaßen, dass ich solche Filme schon nicht mehr schaute, als die Kinder noch klein waren. Außer Biene Maja natürlich

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2012 15:13

      Okay, ich gebe zu, hier bei den Kinderfiguren ist das wirklich ein klein wenig ungewohnt. Aber die sehen ja nicht alle in jedem Film so aus. Es gibt genügend wirklich tolle Filme, da sollte man sich vom Aussehen der Figuren nicht erschrecken lassen.

  2. 10. Oktober 2012 08:25

    Da hab ich damals den Trailer gesehen. Das Problem ist, dass ich mit zahlreichen Animes nix anfangen kann. Eine Ausnahme macht da höchstens „Prinzessin Mononoke“.

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2012 15:14

      Wenn dir Mononoke gefällt, dann solltest du bei Miyazaki schon noch einiges mehr finden. Und bei anderen natürlich auch: Ich empfehle da mal ganz spontan „Akira“ oder „Ghost in the Shell

  3. 10. Oktober 2012 08:48

    Hat er auch verdient…Ponyo is süss, lehrreich und dazu noch gut und unterhaltsam!

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2012 15:14

      Auf jeden Fall sehr süß und lehrreich und auch super gut!!! Und verdammt unterhaltsam 😉

  4. luzifel permalink
    10. Oktober 2012 09:06

    Hab den Film damals irgendwann mal gesehen weil Miyazaki drauf stand. Ich fand ihn gut und unterhaltsam für einen Kinderfilm. Ich kann mich also nur der Wertung anschließen..

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2012 15:15

      Ich bin auch der Meinung, dass wenn ich mal Kinder habe, die den auf jeden Fall vorgesetzt bekommen 😀

  5. 10. Oktober 2012 21:41

    „Umweltreis“ soll es geben. Habe ich gehört. 😉

    Und Ponyo IST eine Adaptation von „Die kleine Meerjungfrau“, da liegst du natürlich schon richtig. Überhaupt liegst du richtig. Ein grossartiger Film.

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2012 22:51

      Jaja…

      Aber ich nehme das jetzt mal als Kompliment, dass hier einer noch ordentlich alles mitliest 😉

      Die Adaption bezieht sich dann ja schon eher auf das Märchen an sich, nicht die Disney-Nixe, die wiederum ja auch nur eine Adaption des Märchens ist. Mmmh… zu spät, um richtig zu argumentieren 😀

      Bleiben wir also dabei: Ein großartiger Film!!! Hoffe, der gute Onkel Miyazaki hat mal bald wieder was Neues auf Lager!

      • 10. Oktober 2012 23:21

        Für die Antwort auf die letzte Frage solltest du nächstens mal meinen Blog besuchen. 😉

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2012 23:39

          Ich werde dran denken!!! 😉

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