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Von wegen Betonschuhe!!!

5. Oktober 2012

Kriminell zu sein ist auch nicht mehr das, was es mal war. Wenn die Mafia früher mal jemanden um die Ecke bringen wollte, reichten die besagten Betonschuhe und ein schöner tiefer Fluss. Den Rest erledigten dann die Fische. Für alle Mafiosi, die keinen Fluss und kein Beton in der Nähe hatten, musste ein Loch und eine gute alte Schaufel herhalten. Aber wie wir schon aus Scorseses „Casino“ gelernt haben, ist das mit den Löchern auch immer so eine Sache: „A lot of holes in the desert, and a lot of problems are buried in those holes. But you gotta do it right. I mean, you gotta have the hole already dug before you show up with a package in the trunk. Otherwise, you’re talking about a half-hour to forty-five minutes worth of digging. And who knows who’s gonna come along in that time? Pretty soon, you gotta dig a few more holes. You could be there all fuckin‘ night.“ Und bei all dem CSI-Kram, mit dem die Polizei selbst die kleinsten Fitzelchen noch findet, hätte ein Nicky Santoro ganz schön viel zu tun.

Dieses Löcher-Problem hat sich auch in der Zukunft nicht geändert. Im Gegenteil, die Polizei und ihre Forensik ist noch besser geworden und erschwert den bösen Buben das Geschäft. Also was machen die? Die schicken ihre „schmutzige“ Wäsche in die Vergangenheit und lassen die dort bereinigen. Einer dieser sogenannten „Looper“ ist Joe (Joseph Gordon-Levitt). Er tötet und entsorgt die Jungs aus der Zukunft und führt so ein recht komfortables Leben… bis zu dem Tag, als sein altes Ich (Bruce Willis) vor seiner Flinte auftaucht. Nur eine Sekunde zögert Joe, aber das reicht schon aus und der alte Joe kann fliehen. Und so muss Joe sich selbst jagen…

Seit „Inception“ ein so übermäßiger großer Erfolg war, in dem Science-Fiction sich gekonnt mit tiefsinniger und vielschichtiger (!!!) Story verband, warten wir wohl alle insgeheim darauf, dass der nächste Sci-Fi-Kracher vorbei kommt. Nur irgendwas mit Träumen geht jetzt nicht mehr. Was wäre also besser als Zeitreisen??? Gut, bei „Source Code“ hat das nur bedingt funktioniert, bleibt also die Frage, funktioniert es bei „Looper“ besser?

Ja, das tut es. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson geht behutsam an das Thema Zeitreisen ran… ein Thema mit unzähligen Paradoxen. Ein Thema, bei dem man sich schnell in Ungereimtheiten verlieren kann. Zum Glück passiert Johnson das kaum. Stattdessen bietet er ein paar sehr witzige (und brutale) Ideen rund um das Thema „Was stellen wir mit dem jungen Ich an, um das alte Ich zu quälen“. Johnson beweist hier großes Einfallsvermögen und liefert dadurch gerade in der ersten Hälfte von „Looper“ eine ordentlich blutbefleckte Action-Abfolge, die uns deutlich machen soll, was dem armen Joe noch so bevorsteht.

Erstaunlicherweise steht dem guten Joe dann aber erst mal eine kleine Pause vor. Zur Mitte des Films beruhigt sich das Geschehen etwas und man könnte fast vergessen, dass es sich bei „Looper“ um einen Science-Fiction-Film handelt. Hier nimmt sich Johnson erstaunlich viel Zeit, um beide Joes näher zu beleuchten. Er gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu entfalten. Statt nur stumpfer Action lernen wir den Menschen hinter dem Looper kennen. Einigen köntne das nach dem recht rasanten Anfang etwas die Stimmung nehmen, aber gerade hier zeigt sich dann Johnson großartiges Gespür für die Geschichte und ihre Figuren.

Mit Joseph Gordon-Levitt erleben wir den traurigen Abstieg vom coolen Sunny-Boy. Anfangs noch eine verdammt coole Sau muss er sich verändern, um das kommende Chaos zu bewältigen. Gordon-Levitt überzeugt dabei als junger Bruce Willis genauso wie als manchmal etwas überforderter Ex-Looper. Er ist sympathisch und projiziert das auch auf seine Figur. Bruce Willis bekommt in „Looper“ endlich mal wieder die Möglichkeit, als Action-Held zu punkten. Gleichzeitig bürdet ihm Johnson auch ein paar sehr harte Aufgaben auf, vor denen selbst ein John McClane zurück geschreckt wäre. Und gerade das macht die kurzen Auftritte von Willis so sehenswert… sein alter Joe wirft die ganzen moralischen Bedenken von Zeitreisen auf. Kann man das Böse aus der Zukunft bekämpfen, indem man es in der Vergangenheit tötet? Wie wir schon in „Back to the Future“ gelernt haben, ist das eine schwierige Frage, die Willis dennoch mit äußerster Härte beantworten will.

Johnson geht mit „Looper“ konsequent seinen Weg und das hat mir besonders gefallen. Gerade beim alten Joe hätte er erzählerisch den Schwanz einkneifen können, tut es aber nicht. Johnsons „Looper“ macht daher auf vielen verschiedenen Ebenen Spaß: zum einen bekommt man gute Action geboten, zum anderen beschäftigt sich der Film auch mit den schwierigen Fragen von Zeitreisen. Das Ganze bekommen wir dann von einer wunderbaren Riege von Schauspielern serviert, so dass „Looper“ nach all den Post-Inception-Filmen wirklich Hoffnung macht, dass beim Science-Fiction noch so einiges geht… auch ohne Christopher Nolan.

Wertung: 8,5 von 10 Punkten (Zeitreisen unterhalten halt doch, wenn man es richtig macht)

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13 Kommentare leave one →
  1. 5. Oktober 2012 08:01

    War gerade gestern drin und bin VÖLLIG verknallt. Mir gefällt die optische Unaufgeregtheit…und dass irgendwie alles so herrlich unspektakulär ist und dabei wesentlich mehr vom Hocker haut, als wenn sie alles opulenter gemacht hätten.

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2012 08:06

      Optische Unaufgeregtheit… sehr passend, ja. Opulenter hätte aber auch einfach nicht zu der Story gepasst. Was ist an einem Maisfeld schon opulent? 😉 Von daher hat Johnson schon alles richtig gemacht.

  2. 5. Oktober 2012 09:08

    Geniales Konzept, genialer Look, geniale Schauspieler! Passt!

  3. 5. Oktober 2012 12:32

    Ich bleibe gespannt. Und will doch immer mehr ins Kino^^

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2012 13:24

      Zu viele gute Kritiken können so was auslösen 😉 Dann mal schnell ins Kino. Ich bin sicher, es wird dir gefallen.

  4. 5. Oktober 2012 20:52

    Man, Du warst ja richtig fleißig! Ja, hier bin ich auch gespannt. Die Ausschnitte sehen zwar sehr cgi-mäßig aus, aber mal sehen, Eure Kritiken sind ja sehr gut.

    • donpozuelo permalink*
      6. Oktober 2012 14:49

      Naja, das mit dem CGI ist wirklich nur im Trailer. Alles andere sieht ganz „normal“ aus 😉

  5. 14. Oktober 2012 11:12

    ich konnte dem film ja leider nicht viel abgewinnen…

    • donpozuelo permalink*
      14. Oktober 2012 22:21

      Schade!!! Ich fand den echt super. Seit langem mal wieder was Vernünftiges im Sci-Fi-Bereich.

Trackbacks

  1. Review: Looper (Film)
  2. Review: LOOPER | ChristiansFoyer

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