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Das Produkt des Krieges

26. September 2012

Dalton Trumbo hat es genau richtig gemacht. Da schreibt er einen Roman, und als dieser verfilmt werden soll, übernimmt Trumbo die Regie einfach selbst. Gut, Autoren als Regisseure ist nicht unbedingt immer gut. Ich denke da nur an Frank Miller und seinen verzweifelten Versuch, „The Spirit“ zu verfilmen. Ich habe diesen Film bis jetzt zwei Mal angefangen und nie zu Ende geguckt. Nur weil jemand schreiben kann, heißt das also noch lange nicht, dass er auch gute Filme machen kann. Aber gut, das ist jetzt nur ein Beispiel und eigentlich wollen wir ja über Dalton Trumbo sprechen.

1971 verfilmte Trumbo seinen 1939 veröffentlichten Roman „Johnny got his gun“. Der Titel ist ein Seitenhieb auf die damalige Kampagne „Johnny get your gun“, die junge Männer dazu bewegen sollte, sich für den Militärdienst anzumelden. Und wie viele zieht auch der junge Johnny „Joe“ (Timothy Bottoms) begeistert los, um für sein Land zu kämpfen. Schließlich muss man dem Ruf folgen. Johnny zieht also in den Krieg, lässt Freundin Kareen (Kathy Fields) und alles andere zurück. Doch der Krieg fordert seinen Tribut. Bei einem Angriff verliert Johnny so gut wie alles. Ohne Arme, ohne Beine, ohne Gesicht wird Johnny in ein Krankenhaus eingeliefert. Für die Ärzte wird er nun zum spannenden Forschungsobjekt, denn Johnny lebt noch. Die Ärzte bescheinigen, dass der Patient rein gar nichts mehr spürt, doch da irren sie: Johnny spürt alles, was um ihn herum passiert. Aber er kann nichts tun, außer sich in seinen Gedanken zu verlieren… und hoffen, dass er sich doch irgendwie bemerkbar machen kann.

„Johnny got his gun“ (auf deutsch: „Johnny zieht in den Krieg“) ist wohl am ehesten das, was man einen echten Anti-Kriegsfilm nennen kann. Viele Filme beanspruchen diesen Titel, doch bis jetzt kenne ich nur Trumbos Film, der es wirklich hinbekommt. Trumbo verzichtet auf Schlachten, die Qualen auf dem Schlachtfeld. Es gibt nur eine kurze Einstellung, in der wir Johnny in einem Kraterloch zusammengekauert sehen… Sekunden vor der Bombe, die sein Leben verändert.

In tristen Schwarz-Weiß-Bildern werden wir Zeuge, wie das Objekt Patient behandelt wird. Schwestern vollziehen mechanisch ihre Arbeit, Spritze hier, Check da. Man kümmert sich zwar um Johnny, aber ohne sich wirklich zu kümmern. Der Krieg hat ihn geholt, der Krieg spuckte ihn wieder aus und ist fertig mit ihm. Jetzt dient Johnny nur noch der Wissenschaft… die sich im Kriegsdienst jede Freiheit nimmt. Und das Ganze dann noch als große Tat abtut, wenn der Arzt sagt: „Was wir an ihm lernen, kann anderen helfen.“ Richtig, doch trotzdem hätte auch Johnny etwas mehr Beachtung verdient.

Und so verliert sich Johnny in seinen Gedanken. Flüchtet in alte Erinnerungen an seinen Vater, an Kareen. Oder er kämpft gegen seine Schuldgefühle, redet sogar mit Jesus (Donald Sutherland). Die Erinnerungen oder Gedankenwelt von Johnny präsentiert uns Trumbo dann in Farbe. Durch die Rückblenden erfahren wir von Johnnys einfachem Leben, mit einem pessimistischem Vater, der seinem Sohn nur wenig zu bieten hatte. Wir erfahren von einem Johnny, dessen einzige Möglichkeit tatsächlich das Soldatenleben zu sein schien. Immerhin würde er dadurch vielleicht zu mehr kommen als sein alter Herr. Doch schon im nächsten Augenblick verfolgen ihn genau diese Gedanken, wenn er eine vorwurfsvolle Kareen trifft, die ihn ständig nur fragt, warum er denn nur gehen musste. Niemand hätte ihn gezwungen. „Johnny got his gun“ geht auf so vielen verschiedenen Ebenen gegen das Bild des ruhmreichen Soldaten vor. Trumbo macht die Gesellschaft, die Armee, aber auch Johnny selbst verantwortlich. Am Ende war er es nämlich, der sich freiwillig meldete.

„Johnny got his gun“ ist ein schockierender Film, ohne das er dazu auf die Gewalttaten des Krieges direkt eingehen muss. Dalton Trumbo hat mit seinem ersten und einzigen Film einen wahrhaft grandiosen Film geschaffen, der seine Botschaft lautstark hinausbrüllt: „Johnny got his gun and damn does it suck!!!“

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein wahrhaftiger Anti-Kriegsfilm!!!)

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7 Kommentare leave one →
  1. 26. September 2012 17:55

    1971 ist der erst gedreht wurden? Gibts da schon einen älteren? Das ist doch der, wo es dem Soldaten irgendwann gelingt, Kontakt aufzunehmen, oder?

    • donpozuelo permalink*
      26. September 2012 19:13

      Ja genau. Das ist der Film. Das Buch erschien 1939, der Film kam dann tatsächlich erst ’71.

  2. 25. November 2012 15:04

    Es gibt so Filme, über die ich immer viel gehört und gelesen, aber nie gesehen habe. Hier bin ich mir nicht sicher. Als Teenager war ich ja mehr dem anspruchsvollen Film geneigt, als heute und die Bilder habe ich klar vor Augen. Habe einfach schon zu viel gesehen, da verschwimmt die Erinnerung schon mal ^.^

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2012 15:06

      😀 Dann einfach noch mal nachholen! Der lohnt sich!

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