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Wiedersehen macht Freude?

21. September 2012

Wenn der Name Anderson fällt, wird der allgemeine Filmfreund hellhörig und dreht sich vor Aufregung im Kreis. Wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt. Anderson, Anderson, Anderson. Doch mitten im Kreiseln muss man dann doch innehalten, welcher Anderson ist denn nur gemeint (die weibliche Anderson können wir hier nämlich ausschließen, die lässt schon lange niemanden mehr vor Aufregung im Kreis drehen). Ist mit Anderson, der gemeint, der sich durch charmante und liebenswerte Komödien einen Namen gemacht hat? Oder doch eher der Anderson, der mit vielschichtigen Dramen auf sich aufmerksam machte? Oder reden wir hier am Ende doch über den Horror-Reihen-Experten Anderson?

In diesem Fall wollen wir vom Horror-Reihen-Anderson sprechen und mal die nach wie vor faszinierende Tatsache außen vor lassen, dass Wes, Paul Thomas und Paul W.S. definitiv nicht mit einander verwandt sind und trotzdem alle den gleichen Namen und die gleiche Profession ausüben.

Paul W.S. Anderson beschert uns dieser Tage einen weiteren „Resident Evil“-Film. Clever, wie irgendjemand beim Verleih nur war, hat man da die Ziffern weggelassen. So muss man schon ein wenig genauer überlegen, der wie vielte Teil „Resident Evil: Retribution“ jetzt ist. Er kam definitiv nach „Afterlife“ und ist damit schon der fünfte Teil der Reihe. Wieder einmal darf sich Zombie-Amazone Alice (Milla Jovovich) mit der bösen Umbrella-Corporation anlegen. Dieses Mal allerdings direkt in einem riesigen Testgelände von Umbrella. Nach den Ereignissen aus „Afterlife“ wurde Alice nämlich gefangen genommen. Um aus der riesigen unterseeischen Station auszubrechen, muss sie die einzelnen Zombie-Teststationen durchlaufen. Zum Glück hat sie dabei aber ein wenig Unterstützung von draußen.. denn nicht nur die Zombies und Umbrella machen der Guten zu schaffen, sondern auch die eigene Vergangenheit.

Wer mich und meinen Blog hier ein wenig genauer kennt, der weiß, dass ich an und für sich ein großer Fan der „Resident Evil“-Reihe bin. Anderson hat ein gutes Konzept gefunden, dass hauptsächlich darauf aus ist, seine verdammt heiße Frau Jovovich in noch heißeren Outfits gegen fiese Zombie-Herden kämpfen zu lassen. Dabei gibt es dann ordentlich choreografierte Action-Szenen und jede Menge auf die Fresse. Mit jeder Fortsetzung wurde dann diesem Rezept nur eine winzig kleine Zutat hinzugefügt… und es funktionierte. „Resident Evil“ war immer gute Unterhaltung, die sich sehen lassen konnte.

Doch wie in jeder Reihe kommt irgendwann das schwarze Schaf. Und das heißt hier leider „Retribution“. Statt nur eine kleine Zutat hinzu zu fügen, versucht Anderson alle vorherigen Filme in diesem zusammen zu führen. Der Klontechnik sei Dank tauchen hier plötzlich selbst die wirklich Toten (welcome back, Michelle Rodriguez) wieder auf. Dazu packt Anderson dann auch noch all die lustigen Zombie-Viecher, die in den letzten Teilen für ordentlich Furore sorgten und erschafft einen merkwürdigen Mischmasch-Film, der nicht so richtig zünden will.

Die Story wirkt dadurch unnötig überladen und albern, was auch daher kommt, dass Jovovich und ihre Schauspiel-Kollegen öfter als sonst ganze Sätze sprechen müssen. Noch verkrampfter kann das dann gar nicht aussehen. Dazu kommt dann noch diese unsinnige und unnötige Vergangenheitsbewältigung, die Alice zwar mehr Tiefe verleihen soll, aber nur im Sande verläuft. „Resident Evil: Retribution“ wirkt wild zusammen gewürfelt und strotzt nur so vor Storylöchern und fragwürdigen Handlungen. Da wartet Alices Rettungskommittee, umzingelt von fiesen Zombies, minutenlang auf einen Typen, der mit seinem Navi die neue Route berechnen soll. Nach wilder Schießerei sagt ihm sein Gerät dann, dass sie am besten durch den Hintereingang verschwinden sollten… gute Sache, die ich ihm auch so hätte sagen können. Von solchen Beispielen gibt es viele in „Retribution“, was den ganzen Spaß irgendwie kaputt macht.

Ja, Spaß macht „Retribution“ an einigen Stellen dann nämlich doch. Die Action-Szenen sind nämlich nach wie vor echt sehenswert. Vor allem auch in 3D. Da hat sich Anderson mit seinem Team echt viel Mühe gemacht. Allerdings hätte ich mir hier und da weniger Slow-Motion und ein wenig mehr Martial-Arts gewünscht. Zu oft wird dann hier doch einfach zur Schußwaffe gegriffen. Das haben wir aber in anderen Teilen schon wesentlich besser gesehen.

„Retribution“ ist, das muss man an dieser Stelle leider sagen, ein Film, der auf seinen Nachfolger zu arbeitet. Der Cliffhanger suggeriert nämlich zwei Sachen: 1) „Retribution“ hätte man locker in zehn Minuten erzählen können („Yeah, wir befreien Alice, damit sie uns befreien kann“) und 2) der Nachfolger scheint jetzt schon interessanter zu werden als dieser Film.

Paul W.S. Anderson hat seiner Reihe mit diesem Film nichts Gutes getan. Selbst „RE“-Fans wie ich müssen sich das eingestehen. Es bleibt nur zu hoffen, dass auf „Retribution“ „Resident Evil: Atonement“ kommt, in dem alles wieder ein wenig besser wird.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Action gut, 3D gut, Jovovich/Li Bingbing heiß, der Rest Scheiß)

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23 Kommentare leave one →
  1. 21. September 2012 07:39

    Ich hab den letzten Teil schon nicht mehr gesehen. Teil 1 war gut, Teil 2 Müll, Teil 3 sehr gut und dann, ja, dann war Ende für mich. Klingt auch nicht wirklich so, als ob ich mehr sehen müsste. Habe aber auch irgendwie nichts anderes erwartet. (Irgendwie schade.)

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2012 08:57

      Teil 3 und 4 fand ich super. Das hat einfach irgendwie Spaß gemacht. Vor allem auch der vierte Teil. Aber das jetzt wirkt einfach so dahin gerotzt. Wie gesagt, nur der Cliffhanger macht Freude auf mehr.

      • 21. September 2012 09:35

        Von Cliffhangern hab ich jetzt eigentlich mal schön langsam die Schnauze voll… 😉

        Teil 4 fandest du super? Hmm, hab da ganz andere Geschichten gehört. Vielleicht doch mal nachholen.

        • 21. September 2012 10:03

          Teil 4 war echt gut. Was alle andere da sagen, weiß ich nicht… ich fand den super.

          Ja, Cliffhanger sind immer so eine blöde Sache. Werden aber irgendwie in letzter Zeit auch immer beliebter. Siehe Alice, siehe Bourne…

  2. 21. September 2012 10:56

    Seb, Du bist der beste und sooo aktuell. Danke!

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2012 17:00

      That’s me!!! Now you know why you read me!!! 😉

  3. 21. September 2012 14:35

    Puh, wenn der Paul WS Anderson hier noch mehr Zeitlupen verwendet als im direkten Vorgänger, hat sich die Serie für mich vollends erledigt. Klar, irgendwie macht die Milla in ihren knappen Outfits schon Laune, wenn sie sich durch Zombiehorden und Über-Zombies ballert und kämpft. Aber ein bisschen Story verlange ich dann doch auch von einem Actionfilm, zumal fünf Teile ja durchaus Raum für etwas Charaktertiefe lassen würden.
    Wenn der im TV läuft, werde ich bestimmt mal wieder reinschalten, aber trotz 3D wohl nicht Geld dafür bezahlen.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2012 17:07

      TV-Free-Premiere reicht sicherlich vollkommen aus! Der Vorgänger, der ebenfalls gutes 3D zu bieten hat, funktioniert auch wunderbar in 2D und hatte zudem noch eine halbwegs spannende Geschichte. Das fehlt leider Gottes in diesem Teil.

  4. 22. September 2012 10:14

    hab keinen der Filme je gesehen und sie machen mich auch nicht wirklich an :/

    • donpozuelo permalink*
      22. September 2012 20:49

      Schade, bis jetzt waren sie nämlich ziemlich gut. Vielleicht solltest du es mal probieren.

  5. 22. September 2012 18:15

    So schlecht dieser Teil auch ist, so große Lust hat man danach sich den Nachfolger anzuschauen. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der kommende mit Sicherheit spannender wird als dieser, aber das ist ja auch vorprogrammiert, oder?

    Und von dem Typen, der die neue Route berechnet: Ich habe erwartet, dass er einen richtigen Plan hat – denn genau wie du, hätte ich auch die Gabe gehabt, allen zu sagen, dass sie sich einfach nach hinten verziehen sollen 😉

    Und der Anfang war unnötig und die Familienszene ebenfalls. Immer wieder diese nutzlosen Szenen.

    • donpozuelo permalink*
      22. September 2012 20:51

      Ja, der Nachfolger dürfte mit Sicherheit spannend werden. Ich habe mich nach dem Ende gefragt, warum sie die Alice-Befreiungsnummer nicht in 10 Minuten abfrühstücken und dann so richtig zur Sache kommen… aber gut, warten und hoffen wir auf den nächsten Teil. Der verspricht viel.

      Die Familienszenen und all das Drumherum war wirklich unnötig. Wie gesagt, nur um ein wenig Tiefe zu bieten, war mir das zu dürftig.

      • 22. September 2012 20:57

        Meiner Meinung nach hat dies gar nichts dazu beigetragen, Tiefgang zu bieten und außerdem möchte ich einen Actionfilm sehen und keinen Film mit Tiefe.
        Außerdem hätte Wesker Alice natürlich innerhalb von Sekunden befreien können.
        Das Ende verstehe ich ebenfalls nicht. Sie hat ja ein bestimmtes Ziel vor Augen und dann gehen sie gemeinsam raus!??? WTF? Sie hasst W. doch bis aufs Blut!

        • donpozuelo permalink*
          22. September 2012 21:47

          Alles merkwürdiger Scheiß. Ich hätte auch erwartet, dass sie ihn innerhalb von Sekunden an die Wand klatscht. Keine Ahnung, was der gute Mr. Anderson da verzapft hat. Bad guy turns good kommt hier irgendwie gar nicht gut. Wäre zu unerklärlich und auch ziemlich doof.

        • 22. September 2012 22:07

          Als Good Guy sehe ich ihn nicht; ich denke, er möchte einfach nur seine Rasse (der er eig gar nicht mehr angehört) eitel wie er ist, retten und sich dessen bewusst ist, dass es zu anstrengend wäre, dies alleine zu tun. Oder so.
          Ich mein nach ihrer Ansage wartet sie einfach ab und schaut sich mit ihm das Szenario an!? Absolut unlogisch. Aber andererseits fackelt sie ja oft lange herum….

        • donpozuelo permalink*
          22. September 2012 23:40

          😀 Ein Film voller Rätsel. Hoffen wir mal, dass sie bald ihren Verstand zurück bekommt 😉

  6. 8. Oktober 2012 22:20

    bin ja schon mal gespannt auf den abschließenden 6ten teil …

    • donpozuelo permalink*
      9. Oktober 2012 09:22

      Willkommen!!!

      Soll der sechste Teil denn tatsächlich ein abschließender sein??? 😉 Man kann da ja nie so ganz sicher sein. Aber nach dem Cliffhanger freue ich mich da auch schon drauf. Sieht zumindest interessanter aus als der komplette fünfte Teil 😉

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