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Dissociative Identity Disorder

17. September 2012

So lautet der offizielle Titel für eine Krankheit, die die meisten als Multiple Persönlichkeitsstörung kennen. Und gerade die Filmbranche liebt diese Störung, die ja von vielen Psychologen als Humbug angesehen wird. Aber egal, wie man zu diesem Krankheitsbild steht, fürs Kino eignet sich sowas bestens… ich verweise nur auf James Mangolds „Identity“. Und was im Kino funktioniert kann ja auch gut als Serie funktionieren.

Und eigentlich könnte ich jetzt wieder meine Einleitung von „The River“ verwenden und über Steven Spielberg als TV-Produzenten palavern, der einfach kein Glück im Kleinen zu haben scheint. Und eigentlich könnte ich auch wieder anfangen über diese Stripperin zu reden, die von der Stange zum Goldmann kam und zur gefeierten Autorin wurde. Doch das sind ein paar viele „Eigentlichs“ und so rede ich einfach nur von einer Serie namens „United States of Tara“, die Steven Spielberg produzierte und die sich unsere altbekannte Stripper-Dame Diablo Cody („Juno“, „Young Adult“) ausgedacht hat.

Willkommen in Overland Park, einem kleinen Vorort von Kansas City. Hier führt Familie Gregson scheinbar ein Bilderbuchleben: Vater Max (John Corbett) ist Landschaftsgärtner und ein echter Kumpeltyp, Mutter Tara (Toni Collette) ist Künstlerin, fürsorgliche Hausfrau, gute Ehefrau und Super-Mama. Sohnemann Marshall (Keir Gilchrist) ist der Streber, aber ein liebenswerter, der sich gerade in der heißen Phase der Pubertät befindet. Tochter Kate (Brie Larson) ist ein kleiner Rebell. Die Gregsons sind die All-American-Family… mit ihrem Fotoalbum könnte man für ein schönes Amerika werben. Doch gerade Bilderbuchfamilien stehen ja dafür, dass es hinter der Fassade meistens ganz, ganz anders aussieht. Und so ist es auch bei den Gregsons: Mama Tara hat nämlich ein großes Problem – sie leidet unter DID (siehe Titel). D.h., dass Tara in Stresssituationen gerne mal in eine andere Persönlichkeit schlüpft… davon gibt es insgesamt sieben, die der Zuschauer im Laufe von drei Staffeln kennenlernen wird. Am prominentesten ist aber die in den 50er Jahren hängengebliebene Hausfrau Alice, der Ketten rauchende Trucker-Typ Buck und die ewig 16-jährige T.

Es steht bereits im Titel der Serie und auch die – verzeiht – etwas längere Inhaltsangabe machen es deutlich: „United States of Tara“ ist eine reine Toni Collette-Show. Das ist zum Glück auch gelungen. Den Emmy 2009 und den Golden Globe 2010 hat Collette zu Recht bekommen. Sie schafft es scheinbar mühelos, von einer Persönlichkeit in die nächste zu schlüpfen. Und das ist nicht dann einfach nur nach dem Motto: „Oh, ich bin jetzt ein anderer.“ Collette gibt jedem ihrer Alter Ego eine ganz eigene Persönlichkeit. Sie verändert Körperhaltung, Verhaltensmuster oder Sprache… Über den Verlauf der Serie erkennt man dann schon die Anzeichen: Taras Augen flattern komisch, sie neigt den Kopf und man fragt sich schon fast freudig erregt, wer kommt denn jetzt wohl als nächstes.

In der ersten Staffel wirkt die Persönlichkeitsstörung noch sehr witzig. Es geht hauptsächlich darum, überhaupt erst einmal Tara und ihr Problem darzustellen. Da entstehen dann teilweise herrlich skurrile Konflikte (z.B. wenn Mutter Tara sich nicht gegen den miesen Freund der Tochter wehren kann und dafür Trucker Buck daher kommt und ihm ordentlich eins auf die Nase gibt). Doch bereits in Staffel Eins wird deutlich, dass Cody und Spielberg nicht nur lustig sein wollen. Es gibt auch ernstere Töne – schließlich kommen Taras Persönlichkeiten nicht von ungefähr… ein dunkles Geheimnis wartet darauf enthüllt zu werden. Insgesamt ist die erste Staffel super, doch vernachlässigt sie ein wenig zu sehr die anderen Personen der Familie (bzw. lässt sie recht oberflächlich zurück).

Zum Glück wird das im zweiten Jahr von „United States of Tara“ besser. Es kommen zwar neue Persönlichkeiten hinzu, doch nimmt man sich hier endlich auch ein wenig mehr Zeit, die anderen Charaktere auszuloten. Taras Kampf gegen ihre Alter Egos überträgt sich fast schon sinnbildlich auf alle anderen Figuren, die ebenfalls auf der Suche nach sich selbst sind. So kommt ein bisschen mehr Fahrt in die zweite Staffel, bietet mehr Drama und mehr Comedy.

Die großen Erwartungen (es geht nach wie vor darum, warum Tara ihre verschiedenen Persönlichkeiten entwickelte), die die zweite Staffel aufkommen ließ, kann die dritte und finale Staffel nicht ganz erfüllen. Zum Ende hin schaffen es die Macher aber trotzdem noch, der ganzen Geschichte einen würdigen Abschluss zu verschaffen.

„United States of Tara“ wurde durch das deutsche Free-TV wieder einmal mit schlechten Sendeplätzen gestraft (ein Schicksal, das schon viele gute Serien traf). Die Serie hat ihre Höhen und Tiefen, bleibt aber dank einer wunderbaren Toni Collette und ihrer sympathischen Fernsehfamilie sehenswert. Zumal man drei Staffeln ja schnell mal geguckt hat 😉

Wertung:

Staffel 1: 7,5 von 10 Punkten (die Grundidee fasziniert, doch werden dabei alle anderen Figuren außer Acht gelassne)

Staffel 2: 9 von 10 Punkten (neben Tara kommen endlich auch die Familienmitglieder selbst zum Zuge und geben der Serie etwas mehr Schwung)

Staffel 3: 7 von 10 Punkten (langsamer Anfang, starkes Ende und ein guter Abschluss der Tara-Geschichte)

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5 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2012 10:19

    Die erste Staffel habe ich ähnlich eingeschätzt, wie du. Danach bin ich ausgestiegen. Einfach zu wenig Zeit und zu viele andere Serien.

    • donpozuelo permalink*
      17. September 2012 11:22

      Ein großes Problem. Das stimmt. Es gibt zu viele Serien und zu wenig Zeit, sie alle zu würdigen 😉

      • Sebastian permalink
        17. September 2012 16:50

        True that. Ich würde ja echt gerne mal reingucken, aber ich komme einfach nicht dazu, und es wartet noch so viel anderes … :p

        • donpozuelo permalink*
          17. September 2012 18:45

          Ja, wir Seriengucker haben es schon nicht leicht 😉 Kaum hat man eine Sache beendet, wartet schon das nächste Highlight. Bei mir liegen auch noch so viele Serien auf Halte… ich bräuchte ein zusätzliches Leben, um da hinterher zu kommen 😉

Trackbacks

  1. Undercover-Schüler | Going To The Movies

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