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Marty hatte Recht

14. September 2012

Kann Joss Whedon eigentlich irgendwas falsch machen? Ist der Mann unfehlbar? Wenn man sich so sein Repertoire mal anschaut, dann scheint das fast zu zutreffen. Da muss man ja schon sagen, dass ein Fehlschlag mal gar nicht so verkehrt wäre, damit wir sicher sein können, dass Joss Whedon tatsächlich von dieser Welt ist. Denn mal ehrlich: Alles, was der Mann anfasst, wird zu Gold… (und selbst Sachen, die andere ihm nicht gönnen, sind und bleiben golden!!!!)

Nach seinem unglaublichen Erfolg mit der Rächergruppe hat sich Whedon dann erst einmal aufs Schreiben und Produzieren. Und das ein Whedon auch darin einfach nur grandios ist, sehen wir in „The Cabin in the Woods“… obwohl, genau genommen, gab es diesen Erfolg schon lange vor den „Avengers“, nur wusste das Studio damals noch nicht so genau, was man mit diesem Film eigentlich machen sollte. War das jetzt ein Horror-Film? Oder ist es doch eher Science-Fiction? Möglicherweise ist es am Ende plötzlich doch ein satirischer Blick auf Voyeurismus und Sensationsgeilheit? Vielleicht ist es auch alles auf einmal???

Vielleicht ist richtig… und das macht es schwierig eine Inhaltsangabe zu schreiben, die nicht gleich voller Spoiler ist. Der Film beginnt in einer Art Wissenschaftsstation, in der sich die Techniker Sitterson (Richard Jenkins) und Hadley (Bradley Whitford) auf ihre Arbeit vorbereiten. Und das, womit sie arbeiten, sind fünf Teenager, die Urlaub in einer kleinen Hütte im Wald machen. Die Freunde Dana (Kristen Connolly), Curt (Chris Hemsworth), Jules (Anna Hutchison), Holden (Jesse Williams) und Marty (Fran Kranz) wollen ausspannen… mitten in dieser Wildnis. Doch leider wissen die Fünf nicht, dass Sitterson und Hadley sie ständig im Auge haben, sie mit Pheromonen beeinflussen und ihnen dann auch noch ein paar ungebetene Gäste auf den Hals jagen. Doch warum nur???

Von der ersten Szene an macht Regisseur Drew Goddard und Joss Whedon deutlich, „The Cabin in the Woods“ ist kein gewöhnlicher Horror-Streifen. Da schwebt immer was im Hintergrund, dieses pochende „Warum das alles?“. In klassischer „LOST“-Manier (ja, Goddard war an der Serie beteiligt) spielt der Film gekonnt mit seinem großen Geheimnis, das erst sehr langsam seine wahre Form annimmt. So muss das sein: Ein Drehbuch, das zu fesseln weiß…

Und dabei auch ein wenig zum Schmunzeln einlädt. Whedon und Goddard zeigen, dass sie sich im Horror-Genre auskennen. Zahlreiche Verweise ehren alte Horror-Klassiker wie „Evil Dead“ und die Figurenkonstellation schreit förmlich nach Teenie-Schlitzer-Film. Natürlich ist das alles gewollt: das dumme Blondchen, der Kiffer, das Alpha-Männchen, die Vorsichtige und der, der nachdenkt. Jeder Horror-Fan kennt sich mit diesen Stereotypen aus, weiß, wann wer zu sterben hat und wer möglicherweise überleben darf. Das alles ist Schnee von gestern und erzeugt im Normalfall nur ein müdes Gähnen. Doch es geht Goddard und Whedon ja gerade darum, diese Stereotypen auf den Arm zu nehmen.

Dazu gibt es dann ja schließlich Sitterson und Hadley, die mysteriösen Puppenspieler im Hintergrund. Richard Jenkins und Bradley Whitford sind großartig… denn sie spielen uns. Sie sind wie die Horror-Fans, die genau wissen, was wann wie passieren muss. Und sie lassen es geschehen. Hier könnte man jetzt hochtrabend klingen wollen und sagen, dass Whedon ein wenig diese vierte Wand zerstört. Doch statt dem Kinozuschauer sitzen da zwei Typen, die Wetten abschließen, welche Todesart wohl als nächstes kommt. Als geneigter Horror-Fan kann man darüber nur schmunzeln, denn man kann sich nur selbst in den beiden wiederfinden.

Mit „The Cabin in the Woods“ beweist Whedon, dass er der richtige Mann ist, um das Kino mit ein paar verrückten Ideen aufzumischen. Doch wenn man das Ganze wirklich etwas kritischer betrachten will, dann verbauen sich Whedon und Goddard auch einiges. Was mich tatsächlich am meisten gestört hat, ist die Tatsache, dass Whedon die Katze eigentlich fast schon ein wenig zu früh aus dem Sack lässt. Dadurch verliert der Horroranteil schnell seinen Reiz… schließlich weiß man ja, wer dafür verantwortlich ist. Auch könnte man kritisch anmerken, dass der Film in seinen ersten Minuten schon zahlreiche Hinweise darauf Preis gibt, die auf das große „Warum“ hindeuten.

Wenn man wollte, könnte man schon meckern. Aber warum sollte man? „The Cabin in the Woods“ ist ein wirklich geiler Film geworden mit einer wirklich überaus charmanten Kristen Connolly in der Hauptrolle und einem Drehbuch, das keine Wünsche mehr übrig lässt. Meckern hilft nicht, aber wenn ich noch einmal darf: Gerne hätte ich mir den Film noch etwas ironischer, fieser gewünscht… da hätte der gute Joss vielleicht mal einen Blick auf „Tucker and Dale vs. Evil „ werfen sollen.

Wertung: 8,5 von 10 Punkten (Horror meets Big Brother – schön gemacht, Goddard und Whedon)

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24 Kommentare leave one →
  1. 14. September 2012 09:04

    Wird definitiv noch geschaut. Whedon hat mich noch nie enttäuscht und da sollte solch ein spaßiger Genreausflug genau das Richtige sein!

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2012 09:32

      Wenn dir „Tucker and Dale“ auch gefallen hat (ich glaube, das war der Fall 😉 ), dann bist du hier genau richtig. Wie gesagt, hier und da hätte ich es mir zwar ein wenig bissiger gewünscht, aber trotzdem enttäuscht Whedon nicht. Wirklich ein geiler Film.

  2. 14. September 2012 11:50

    Also Whedon ist fehlbar! Sein Drehbuch zu Alien 4 war ziemlicher Mist. Aber ansonsten hat der Mann schon tolle Ideen und einen wahnsinnig unterhaltsamen Stil.
    Immer noch fühle ich in mir den Drang, diesen Film zu gucken.

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2012 11:52

      Oh, wieder was gelernt. Ich wusste gar nicht, dass Whedon bei Alien 4 seine Finger im Spiel hatte. Sonst hätte ich sicher nicht so angefangen 😉 (oder es zumindest erwähnt). Aber dann ist es ja auch gut, dann kann der Mann also doch auch mal in die Tonne greifen. Solange er es nicht zu oft macht, ist alles gut. Genau wie bei „Cabin in the Woods“. Einfach nur gut, unbedingt angucken!!!

    • 14. September 2012 12:10

      Von seinem Drehbuch ist bei „Alien 4“ leider nicht mehr viel übrig geblieben. Doch das was man noch erkennen kann fand ich klasse! Überhaupt ist der Film unterschätzt.

      • donpozuelo permalink*
        14. September 2012 12:56

        Um mich in diese Diskussion stürzen zu können, fehlt mir leider die genaue Kenntnis des Films. Ich habe den damals nur im Kino gesehen und seitdem nicht mehr. Ich weiß, dass ich viele Dinge mochte, vieles aber auch nicht. Muss ich dringend mal nachholen.

  3. 14. September 2012 20:04

    Also bis jetzt fanden den Film nur diese Möchtegern-Intellektuellen bei Moviepilot schlecht. Was im Umkehrschluss heißen MUSS, das dieser Film gut ist – was er ja tatsächlich auch ist. Am liebsten würd ich den glatt noch mal gucken, wegen all der Dinge, die einem vielleicht beim ersten Mal nicht aufgefallen sind, weil man nicht wusste worauf man achten muss.

    • 14. September 2012 23:03

      Wie, der ist da doch ganz gut weggekommen, also für Moviepilotverhältnisse.

    • donpozuelo permalink*
      15. September 2012 14:30

      Ich habe doch nirgends geschrieben, dass ich den schlecht fand. Von möchtegern-intellektuell möchte ich mich dann doch distanzieren. Bitte! Es ist ein toller Film. 8,5 Punkte sind doch gut. Mich haben ja auch nur klitzekleine Sachen gestört. Ansonsten war es toll.

  4. 14. September 2012 23:06

    Ich fand ihn großartig. Hatte ihn per Schicksalsschlag zweimal hintereinander gesehen (erst Sneak, dann Preview) und muss sagen, deutsch wie englisch gleich gut (was ja auch selten ist) und schon was ganz Besonderes. Da hatte ich fast nix dran auszusetzen 😀

    • donpozuelo permalink*
      15. September 2012 14:32

      Ich habe nur die deutsche Variante gesehen und muss auch sagen, dass ich das echt gut fand. Ein guter Film mit ordentlich schräger Idee.

  5. 15. September 2012 18:57

    Ich finde deinen Ansatz vom Zuschauer, der die Rolle der beiden Wissenschaftler einnimmt, sehr interessant. Der ist mir nicht aufgefallen, aber jetzt wo dus sagst: Stimmt 🙂

    • donpozuelo permalink*
      15. September 2012 19:40

      Zumindest als Zuschauer. Nicht als Knöpfedrücker 🙂

      • 16. September 2012 02:13

        Ja ne. Ist klar. 😉 Obwohl der Zuschauer durch die Nachfrage auch ein bisschen mitendscheidet, welche Knöpfe gedrückt werden.

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