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Schwieriges Erbe

12. September 2012

Die meisten Drogenabhängigen, die Hollywood uns liefert, sollen uns schocken. Es sind tragische Figuren, die in ihrer Sucht untergehen und nur in den seltensten Fällen auf Erlösung hoffen können. Es kommt nur selten vor (außer bei Mafia/ Gangster-Filmen), dass Drogen-Konsum in Filmen allzu positiv wegkommt. Der letzte „coole“ Abhängige, an den ich mich noch erinnern kann, war Bradley Cooper in „Ohne Limit“. Sein kleines Medikament namens NZT hätte ich nach dem Film auch furchtbar gerne gehabt. Nie waren Medikamenten- bzw. Drogenmissbrauch attraktiver. Nebenwirkung??? Keine Sorge. Solange fleißig eingenommen wird, bleibt das Leben sauber und schön.

Jetzt kommt ein neuer Abhängiger ins Kino, der mit gleich zwei Problemen zu kämpfen hat: a) Er braucht auch seine Drogen, um seinen genetisch verbesserten Körper auf Trab zu halten und b) er muss in die Fussstapfen eines großen Mannes treten. Die Rede ist vom Supersoldaten Aaron Cross (Jeremy Renner). Cross gehört dem Project Outcome an, bei dem Agenten dank Gentechnik physissch und psychisch verbessert wurden. Doch dann passiert da diese doofe Sache mit diesem einen Agenten namens Jason Bourne, der andere Geheimprojekte auffliegen lässt. Die Medien stürzen sich auf die Bourne-Affäre, und so muss CIA-Mann Eric Byer (Edward Norton) dafür sorgen, dass Ruhe in die Situation kommt. Sein Befehl: Alles vernichten! Auch die verbesserten Agenten. Cross steht somit auf einmal auf der Abschussliste… was ihm gehörig gegen den Strich geht. Doch um sich zu wehren, braucht er mehr von seinem Stoff (hier liebevoll „chems“ genannt) und so wendet sich Cross an Marta (Rachel Weisz). Die steht ebenfalls auf Byers Abschussliste, denn sie ist für die „chems“ mitverantwortlich. Zu zweit versuchen Cross und Marta gegen die Schergen der CIA anzugehen.

Ja, richtig… irgendwo fiel der Name Bourne. Aber das war’s dann auch schon. Und auch wenn es „The Bourne Legacy“ heißt, stimmt eigentlich nur der „Legacy“-Teil. Denn eigentlich war ja Bournes Geschichte nach drei sehr erfolgreichen Filmen erzählt. Fertig, aus!!! Aber wir wissen ja, wie das so in Hollywood ist. Ein gutes Franchise kann man nicht sterben lassen. Zum Glück hat man für den vierten Bourne/ ersten Cross-Teil eine gute Prämisse gefunden: „Es gab niemals nur einen.“ Tataaaaaa… wo es einen Super-Agenten gibt, da gibt es mehrere. Und fertig ist der Lack. Doch funktioniert Bourne ohne Bourne?

Nur bedingt. Klar, als großer Fan von Jason Bourne muss man sich schon sehr daran gewöhnen, dass es Bourne in diesem Film eigentlich nur noch in TV-Nachrichten zu sehen gibt. Ansonsten haben wir halt nur unseren Junkie Jeremy Renner. Und der gute Mann hat ja eh einen guten Lauf: Erst „Mission: Impossible 4“, dann „Avengers“ und jetzt „Bourne“. Renner wird immer mehr und mehr ein wahrer Franchise-Mann, aber wenigstens bekommt er hier endlich mal die ganze Aufmerksamkeit. Renner rennt und springt, fährt und flucht, kämpft und kämpft. Renner ist ein Allrounder, hat eine äußerst sympathische Leinwandpräsenz und macht seinen Job als Bourne-Ersatz ziemlich gut. Allerdings hat auch er sehr damit zu kämpfen, seinem Cross etwas mehr Tiefe zu verleihen. Ein paar lose eingestreute Rückblenden helfen da auch nicht. Jason Bourne und sein Gedächtnisverlust haben der Figur einfach viel mehr gegeben. Aaron Cross ist einfach ein Soldat, der sich freiwillig bearbeiten lässt und anschließend einfach nur um sein Überleben kämpft.

Für einen Action-Film mit einer Länge von über zwei Stunden wird in „The Bourne Legacy“ dann auch wahnsinnig viel geredet. Viele Erklärungen am Anfang versuchen, die Bourne-Cross-Geschichte miteinander zu verbinden. An und für sich klappt das auch ganz gut, nur sind wir im Kino und nicht im Lesezirkel. Für einen Bourne-Film folgen dann auch erstaunlich mittelmäßige Fights und Stunts. Ja, das sieht alles super aus. Ja, das ist alles toll choreografiert… aber wirklich spektakulär ist da nichts. Einzig und allein die Verfolgungsszene durch Manila lässt das Actionherz etwas höher springen. Hier zeigt sich das „Vermächtnis“ dem alten Bourne fast ebenbürtig, erinnert im gleichen Atemzug aber auch sehr stark an die Township-Hetzjagd aus „Safe House“.

Insgesamt ist „The Bourne Legacy“ ein überflüssiger Film. Er ist nicht schlecht, aber erstmal ist er überflüssig. Was vor allem auch daran liegt, dass der Film seine Geschichte gar nicht erst zu Ende erzählt. Ohne einen nennenswerten Abschluss werden wir einfach auf einen kommenden Teil vertröstet. So viel Zuversicht muss man erst einmal haben. Immerhin überzeugt Renner… als einer der wenigen. Rachel Weisz kann kaum punkten, sieht aber neben Renner nett aus. Edward Norton als „Bösewicht“ bekommt viel zu wenig Zeit, doch macht damit das Beste. „The Bourne Legacy“ konnte mich dennoch nicht voll überzeugen. Ohne das Bourne im Titel hätte ich dem Ganzen vielleicht noch eher was abgewinnen können. Doch wer in die Fußstapfen von Bourne treten will, der muss schon etwas mehr bieten als nur einen Junkie.

Wertung: 5 von 10 Punkten (unnötig, aber macht sich auf Renners Lebenslauf sicher auch nicht schlecht)

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11 Kommentare leave one →
  1. 12. September 2012 07:43

    Ja, so wie der Trailer aussah…Nun ja, meine Befürchtungen scheinen sich bewahrheitet zu haben. Sehr schade.

    • donpozuelo permalink*
      12. September 2012 08:45

      Find ich auch. Aber das Geld muss fließen. Siehe „Spider-Man„… alles nicht so rund, aber es wenn es genügend Leute ins Kino lockt…

      • 12. September 2012 11:56

        Sie sollen ja Geld zusammenbringen, damit sie viele neue schönere Filme machen können. Aber können die nicht den geneigten anspruchsvollen Besucher vorwarnen? 😉

        • donpozuelo permalink*
          12. September 2012 12:55

          Dafür hast du ja mich!!! 😉 Sei hiermit vorgewarnt!!!

        • 12. September 2012 21:34

          Du machst DEREN Arbeit? Du solltest Dich bezahlen lassen 😉

  2. 14. September 2012 11:34

    uhm, ok… zwecks Heimkino-Tipp… weiß noch nicht. 😉

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2012 11:36

      😀 Überleg’s dir!!!

  3. Sebastian permalink
    17. September 2012 16:50

    Die Meinung teilt irgendwie auch beinahe jeder. Was ja nicht weiter wundert, denn Fortsetzungen mit anderen Darstellern sind eigentlich immer eine doofe Idee. Obwohl Renner, wennd er Rest funktioniert hätte, die perfekte Besetzung gewesen wäre. Man vergisst ja gerne, dass der Typ es fertig gebracht hat, als Actiondarsteller zwei jahre in Folge für einen Oscar nominiert zu werden. Er sollte sich jetzt nur nicht zu sehr im Mainstream einrichten.

    Naja, vielleicht mal auf DVD.

    • donpozuelo permalink*
      17. September 2012 18:47

      Renner passt ja auch wirklich gut in die Rolle rein. Und mittlerweile kann der Mann sich da wohl auch nicht mehr rausreden: Er wird mehr und mehr Mainstream. Aber wer drei Franchise-Produkte gleichzeitig jongliert, der muss sich wohl auch nicht beschweren. Und wer weiß, vielleicht bekommt sein Hawkeye ja auch noch sein eigenes Spin-Off. Wenn Tom Cruise ihm dann im nächsten „M:I“ noch mehr Freiraum lässt, dann muss sich Renner um wirklich nichts mehr Sorgen machen. Was dann für uns auch wieder ein bisschen schade ist… oder auch nicht, je nachdem, wie man das so sieht… 😉

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