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There’s magic out there!

7. September 2012

Steven Spielberg hat es nicht leicht und dabei hat der Gute doch schon so viel erreicht. Hat Dutzende wirklich gute Filme gedreht, darunter auch starke Filmklassiker, für die er auf Ewigkeit in Erinnerung bleiben wird als Hollywoods Märchenonkel. Mit der großen Leinwand hat Spielberg wirklich kein Problem, doch es scheint fast so, als würde ein Spielberg einfach nicht ins Fernsehen passen. Zumindest hat er im TV schon mehr Bruchlandungen gehabt als im Kino.

Erst zuletzt wurde seine Dino-Serie „Terra Nova“ abgesetzt, da regnet mir – dank einem Bekannten – eine neue Spielberg’sche Serie ins Haus, die sich nicht lange gehalten hat. Nur acht Folgen lang konnte Spielberg auf dem Amazonas lang… danach wurde die Serie abgesetzt. Doch zu Unrecht, wie ich finde, denn für „The River“ hatte Spielberg ein interessantes Konzept, dass unter anderem von „Paranormal Activity“-Regisseur Oren Peli mitentwickelt wurde. Und wer Peli kennt, weiß: „Der Mann liebt es gruselig! Und der Mann liebt Found Footage!“ Gut, found footage ist jetzt nicht meine große Liebe, aber bei acht Folgen kann man ja zumindest mal in die Pilotfolge schauen:

Wir befinden uns auf dem Amazonas – genauer gesagt, in einem noch nicht kartographierten und daher unerforschtem Teilgebiet des Flusses, das von den Einheimischen nur „Boiuna“ genannt wird. Hier wollte der TV-Entdecker Emmett Cole (Bruce Greenwood) mit seinem Kamera-Team Magie finden, denn angeblich gibt es im Inneren dieses Gebietes ein unberührtes Fleckchen Erde, auf dem von der Zivilisation unberührte Menschen leben. Und vielleicht noch sehr viel mehr. Doch auf seiner Suche nach diesem Fleckchen, vorsichtig „The Source“ genannt, verschwindet Cole. Sechs Monate später machen sich sein Sohn Lincoln (Joe Anderson) und seine Frau Tess (Leslie Hope) auf, um Cole zu finden. Mit dabei ein Kamera-Team, um sie zu begleiten und Security-Mann Kurt (Thomas Kretschmann), um sie zu beschützen.

Mal keine Dinos, nix mit Aliens und auch kein bisschen Science-Fiction – „The River“ ist vielmehr so eine Art „LOST trifft Crocodile Hunter Steve Irwin trifft Blair Witch Project auf einem Boot mitten auf dem Amazonas“. Also vielleicht im entferntesten Sinne eine Indiana-Jones-Hommage. Denn Spielbergs Emmett Cole hat so einiges von unserem unerschrockenen Abenteurer – bis auf Peitsche und Hut natürlich. Auf jeden Fall hat Spielberg mit „The River“ einen Glücksgriff gelandet. Möchte man meinen, wenn man mal außer Acht lässt, dass nach acht Folgen schon wieder Feierabend war.

Doch die acht Folgen sind spannend – denn die Serie bedient wirklich den Alexander von Humboldt in uns. Dies ist unberührtes Territorium, das vor uns nur dieser Emmett Cole betreten hat. Dies ist das Land der Legenden alter spanischer Konquistadoren. Hier spürt man die Magie in jedem Blatt, in jedem Baum und in jedem Tier. Und diese Magie möchte – wenn möglich – unberührt bleiben. Wehrt sich. Vor allem gegen Unwissende.

„The River“ verläuft dabei in zwei Bahnen: Durch alte Tapes lernen wir Emmett Cole kennen, der schon ein Wissender zu sein scheint. Da gibt es Aufnahmen, wie er wie Jesus übers Wasser läuft oder durch schiere Willenskraft Feuer erzeugt. Dieser Mann scheint voll im Einklang mit der Natur zu leben, doch je weiter er sich ins Innere von „La Boiuna“ wagt, desto gefährlicher wird es auch für ihn. Doch das sind alles nur erklärende Rückblenden, denn hauptsächlich geht es natürlich um die Crew, die nach Cole sucht.

Hier bekommen wir dann unser „LOST trifft Blair Witch Project“. Dabei darf ich mit Freude verkünden, dass die ganze Wackelkamera-Thematik nicht annähernd so nervig wie gedacht. Klar, wenn sie durch den Dschungel rennen, laufen auch zwei Kameraleute nebenher. Doch genauso oft installieren eben diese beiden auch feste Kameras… sowohl auf dem Schiff als auch an Land. Somit wird das Bild nicht ständig durchgerüttelt… nur halt, wenn der Wald plötzlich anfängt zu summen, Äste sich mysteriös bewegen und man als wahrer „LOST“-Fan den Schwarzen Rauch hinter dem nächsten Baum erwartet.

Spannend sind die acht Folgen auf jeden Fall. Oren Peli nutzt den Dschungel und den Fluss gut aus. Was könnte gruseliger sein als die Vorstellung, verschollen in einem dichten Urwald zu sein? Man packe noch ein paar Legenden der Ureinwohner dazu, die wahr werden… und voila, es passt! „The River“ überzeugt durch eine kontinuierliche Handlung… je tiefer es in den Wald geht, desto merkwürdiger werden die Ereignisse.

Doch neben dem ganzen Gruselfaktor geht es natürlich auch in „The River“ um die Menschen – zwischenmenschliche Beziehungen, Hass, Liebe und jede Menge Geheimnisse. Thomas Kretschmann als deutscher Security-Typ und Bruce Greenwood als verschollener Emmett Cole sind dabei wohl noch die bekanntesten Namen. Das heißt aber keinesfalls, dass nicht auch der Rest der Besetzung gut ist.

Es sind am Ende nur acht Folgen geworden, doch ich gestehe, dass mir „The River“ so eigentlich perfekt gefällt. Klar, man hätte daraus auch einfach nur einen Film machen können, doch der hätte nicht die gleiche Wirkung gehabt, weil man ihn arg hätte kürzen müssen. Länger als acht Folgen kann ich mir die Serie irgendwie auch nicht vorstellen. Denn: In diesen acht Folgen wird vieles aufgeklärt… es bleiben einige Rätsel ungelöst, aber schlimmer als bei LOST ist es nicht – hier kann man sich nämlich tatsächlich so hier und da einiges zusammenreimen. Und auch der Cliffhanger im Finale ist fies, aber ja nicht untypisch fürs Horror-Genre.

Soll heißen, man kann mit acht Folgen leben. Und ich bin der festen Meinung, dass „The River“ so ungewollt besser geworden ist, als wenn es noch zusätzliche staffeln gegeben hätte – als Miniserie funktioniert das einwandfrei.

Wertung: 8 von 10 Punkten (eine Fahrt auf diesem Fluss ist nicht immer schön, aber definitiv sehr sehenswert)

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7 Kommentare leave one →
  1. 7. September 2012 08:14

    Ich hab die Serie ja nach dem Piloten abgebrochen. War mir viel zu nervig mit dem blöden Kameragewackel. Zudem doofe Dialoge und Charaktere. Dabei hätte mir das Setting ausgezeichnet gefallen!

    • donpozuelo permalink*
      7. September 2012 09:06

      Das Kameragewackel mag ich ja für gewöhnlich auch überhaupt nicht, aber im Laufe der Serie legt sich das und ist erträglich. Die Charaktere fand ich eigentlich ziemlich gut… aber die entwickeln sich ja auch erst im Laufe der Serie, die – ich sage es nochmal – auch mit acht Folgen gut unterhält. War mal was anderes…

  2. 8. September 2012 22:22

    Okay, bis jetzt noch nichts von gehört, aber das klingt sehr gut. Ich werde mich gleich mal umsehen 😀

    • donpozuelo permalink*
      9. September 2012 21:58

      Auf jeden Fall!!! Ist wirklich sehenswert… egal, was andere hier so sagen 😉

      • 9. September 2012 23:58

        Die Wackelkameraoptik finde ich nicht so berauschend, aber egal, die Stories gefallen mir. Ich mag diese abenteuerliche Mysterytour ganz gerne. Habe gerade Episode 5 abgeschlossen und überlege, ob ich das noch zu Ende ansehe 😀

        • donpozuelo permalink*
          10. September 2012 07:10

          An die Wackelkamera musste ich mich auch erst gewöhnen, aber ich fand, es war zu ertragen. Und mal ehrlich: wenn du schon bei Episode 5 bist, dann kannst du auch gleich noch die letzten drei mitnehmen. 😉

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