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Killer auf Irrwegen

5. September 2012

Es tut immer wieder gut, mal einen Film zu sehen, von dem man eigentlich gar nichts weiß. Vielleicht fiel hier oder da mal der Hinweis: „Das ist ein guter Film!“, aber mehr auch nicht. Gerade in einer Zeit, wo PR gerne auch mal sehr, sehr, sehr viel früher anfängt, Erwartungen zu schüren, ist so was doch auch mal nett. Eine kleine filmische Überraschung, so zu sagen. Wenn sich dieser Film dann auch noch als echt spannender Genre-Mix entpuppt, ist man dann richtig glücklich, den Film gekauft zu haben. Doch dann folgt das bittere Ende… im wahrsten Sinne des Wortes. Vollkommen perplex sitzt man vor dem Fernseher, möchte selbigen am liebsten aus dem Fenster schmeißen… tut es dann aber nicht, sondern denkt noch einmal nach. Und schaut den Film noch einmal. Und irgendwann sicher noch einmal… denn dies ist ein Film, der eine Mehrfach-Sichtung verlangt.

Der Film? „Kill List“ von Ben Wheatley, einem britischen Filmemacher. Darin treffen wir auf Jay (Neil Maskell) und Gal (Michael Smiley), zwei ehemalige Soldaten. Nach einer nicht näher beschriebenen Katastrophe, die die beiden in Kiew erlebt haben, versucht Jay Abstand von seinem Leben als Soldat zu bekommen. Er versucht sich als glücklicher Familienvater… gemeinsam mit seiner Frau Shel (MyAnna Buring) und Sohn Sam (Harry Simpson). Doch Gal kommt eines Abends mit seiner neuen Freundin Fiona (Emma Fryer) und erzählt etwas von einem neuen Job. Durch die anhaltenden Geldprobleme stimmt Jay zu. Ein zwielichtiger Klient gibt den beiden eine Liste – die „Kill List“, die Jay und Gal nach und nach abarbeiten. Doch dabei geraten die beiden immer tiefer in einen Mysterium: Warum bedanken sich alle Opfer bei Jay? Was haben die Opfer mit einander zu tun? Wer ist der Klient und was will er??? Als Jay und Gal dann auch noch auf einen merkwürdigen Kult treffen, ist das Chaos komplett.

Ben Wheatley ist mit „Kill List“ ein geiler Genre-Mix gelungen: Es fängt als scheinbar harmloses Familiendrama über eine zerrüttete Familie an, wird dann zum Thriller, um am Ende in die Grusel-Horror-Schiene zu geraten. Die Schauspieler sind super, besonders auf Neil Maskell liegt ja irgendwie die ganze Verantwortung. Seine Figur ist die vielschichtigste, weil sie auch die kaputteste ist. Dazu kommt, dass Maskells Jay ja immer stärker mit dem Auftrag in Konflikt gerät. Er nimmt sich die Gräueltaten seiner „Opfer“ mehr und mehr zu Herzen und gerät in einen wahren Gewaltrausch.

„Kill List“ ist ein atmosphärisch dichter Film. Wheatley streut im ganzen Film kleine Rätsel ein. Merkwürdige Symbole, merkwürdige Aussagen, merkwürdige Hinweise… diese Rätsel kulminieren dann in einem wahrlich rästelhaften Schluss. Das Ende von „Kill List“ hatte mich beim ersten Mal echt gefrustet. Ich kam mir förmlich betrogen vor. Zu viele Dinge blieben ungeklärt, zu viele Fragen unbeantwortet? [SPOILER]Warum kritzelt Fiona dieses merkwürdige Zeichen hinter den Spiegel von Jay? Warum bedanken sich alle beim ihm? Warum krönen sie ihn am Ende? Und warum lacht Shel ihn zum Schluss an? [SPOILER-ENDE] Fragen über Fragen, die dank zahlreicher Internetforen (ich war froh, nicht allein mit meinem Problem zu sein) und einer weiteren Sichtung etwas aufgeklärt wurden.

Es gibt mehrere höchst interessante Theorien zu dem Geschehen in „Kill List“, einige davon klingen recht plausibel, andere (z.B. die Traumtheorie) eher abgedroschen. Tatsächlich hilft es, sich mal in einschlägigen Foren umzuschauen und dann den Film noch einmal zu gucken. Da wird aus „Kill List“ ein kleines filmisches Rätsel und der Film macht fast noch mal doppelt so viel Spaß. In gewisser Weise ist Wheatley ein Kubrick’sches Meisterwerk wie „2001“ gelungen, das den Zuschauer auffordert, sich seine eigenen Gedanken zum Film zu machen. Das ist zwar im ersten Augenblick echt frustrierend, aber das legt sich… glaubt mir. „Kill List“ ist echt sehenswert… mit jedem Mal ein wenig mehr 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (beim ersten Mal frustierend, beim zweiten Mal super, beim dritten Mal bestimmt noch mehr… diesen Film muss man einfach mehrmals sehen)

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5 Kommentare leave one →
  1. 5. September 2012 08:22

    In gewisser Weise ist Wheatley ein Kubrick’sches Meisterwerk wie „2001“ gelungen

    Wenn ich solche Sätze lese, stirbt jedes Mal ein kleiner Teil von mir…

    „Kill List“ ist einer der schlechtesten Filme des Jahres – nicht mehr und nicht weniger 🙂

    • donpozuelo permalink*
      5. September 2012 08:56

      Nein!!! So was darfst du nicht sagen. „Kill List“ ist auf seine Art und Weise schon recht abgedreht, aber durchaus sehenswert. Und jetzt Vorsicht: Fast schon wie bei Lynch weiß man am Ende nicht so wirklich, was man da eigentlich gesehen hat 😉

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