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Fieser Klingelstreich

27. August 2012

Klingelstreiche waren früher noch irgendwie witzig. Man nahm seinen ganzen Mut zusammen, rannte die Auffahrt entlang, duckte sich unter einem Fenster hinweg, sprang zum Klingelknopf, drückte entweder einmal richtig lange oder mehrmals hintereinander und flitzte dann so schnell wie möglich in Deckung, um sich in sicherer Entfernung über die verdutzten Gesichter tot zu lachen. Mann, Mann, Mann, was waren das früher doch für einfachere Zeiten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie Klingelstreiche in der Großstadt jemals funktionieren würden: Einmal die ganze Klingelleiste vorm Hauseingang durch drücken und irgendjemand macht dann von seiner Wohnung die Tür auf. Schnarch!!!

Aber gut… in Zeiten von kriminellen Subjekten öffnet sowieso kaum noch jemand seine Tür, wenn er nicht jemanden erwartet. Und das ist ja auch eine gute Sache. Man kann ja nie wissen, wer da so vor der Tür steht. Dass man aber selbst auf dem Land nicht unbedingt jedem, der klingelt die Tür aufmachen sollte, zeigt uns Bryan Bertino in „The Strangers“.

„The Strangers“ ist wieder so ein Film, der behauptet, auf wahren Begebenheiten zu beruhen. Doch Regisseur und Autor Bertino gab an, dass die Inspiration – die wahre Begebenheit – nur aus seiner Kindheit stammte, wo mal jemand an seiner Haustür klingelte und sich nach einem Nachbarn erkundigte, der gar nicht da war. In der Nacht darauf wurde in das Haus eingebrochen… da kann man doch schon mal einen Film draus machen, oder nicht?

Gut, dieses An-die-Tür-klingeln taucht dann auch im Film auf. Kristen (Liv Tyler) öffnet einer jungen Frau, die sich dann aber schnell wieder verdrückt. Kristen ist dann mit ihren Sorgen in dem großen einsamen Haus allein, denn schließlich hat sie gerade erst den Antrag ihres Freundes James (Scott Speedman) abgelehnt. Der ist dementsprechend ziemlich sauer und fährt erst mal ein wenig durch die Gegend. Doch als er dann nach Hause kommt, muss er feststellen, dass er und Kristen ein großes Problem haben: Drei maskierte Fremde haben es sich zur Aufgabe gemacht, das junge Paar zu terrorisieren. Einfach so… „weil ihr zu Hause wart.“

„The Strangers“ gehört zu den Audio-Kommentar-Filmen. D.h., es ist einer von diesen Survival-Thrillern, bei denen man eigentlich nur zwei Sachen tut: 1) Den Schauspielern Anweisungen geben, wie sie sich verhalten sollen und 2) fluchen, wenn sie genau das nicht machen und lieber irgendwelchen Blödsinn veranstalten. Wo haben die eigentlich ihren Adrenalinrausch, der einem angeblich im Überlebenskampf den Hals retten soll. In diesem Redefluß der Zuschauer erkennt man dann aber auch gleich noch zwei weitere Dinge: 1) Man lernt viel über die Menschen, mit denen man den Film schaut 😉 und 2) vergisst man bei all dem eigenen Gebrülle, dass der Film doch ein ganz kleines großes bisschen Müll ist.

Bryan Bertino verarscht uns zwar mit der „wahren Begebenheit“, doch versucht er sichtlich, „The Strangers“ dennoch als spannenden Film zu inszenieren. Anfangs macht „The Strangers“ auch echt noch Hoffnung: erst ein Klingelstreich, dann Geräusche vor dem Haus… wer sind diese Menschen??? Was wollen sie??? Fragen über Fragen… auf die wir keine Antwort bekommen. Sie scheinen es nur zum Spaß zu machen. Sie wollen die Bewohner des Hauses erst mental fertig machen… bevor sie dann so richtig handgreiflich werden. Da sich Kristens Freund James anfangs nur selten blicken lässt, war mein erster Gedanke: „Der gehört dazu!“ Aber Pustekuchen… Denn im Laufe des Films bekommen sowohl Kristen als auch James auf die Glocke.

 

Dabei verspielt Bertino dann die zuvor gut aufgebaute Stimmung: 1) „The Strangers“ wird zu einem furchtbar langweiligen Audio-Kommentar-Film, bei dem die Kommentare dann auch schnell mal sehr abfällig werden können. 2) Liv Tyler ist die größte Fehlbesetzung überhaupt. Als zauberhafte Elfe hat ihr leeres Gesicht vielleicht noch funktioniert, aber in „The Strangers“ hätte ich da schon ein paar mehr Angstfalten erwartet. Doch die gute Liv bleibt stocksteif… was nur zu noch mehr doofen Audio-Kommentaren der Zuschauer führt. Gleiches lässt sich auch zu Scott Speedman sagen, der seiner Rolle als „heldenhaft Mann“ nicht gerecht wird. Ich meine: Wenn ich schon eine Schusswaffe habe und die anderen nicht, dann setze ich die doch ein klein wenig cleverer ein. Mann, Speedman!!! Blöd!!!

„The Strangers“ möchte gerne einer dieser Filme sein, in denen es darum geht, dass die größte Gefahr in gelangweilten Landeiern besteht. Bryan Bertino möchte gerne über die Sinnlosigkeit von manchen Gräueltaten sinnieren, möchte uns deutlich machen, dass wahrer Horror kein Monster braucht, wenn doch der Mensch das schlimmste Monster von allen ist. Doch in Filmen wie „Eden Lake“ oder „Funny Games“ wurde das sicherlich besser gezeigt… mit stärkerer Besetzung, besserer Story und dementsprechend auch besseren Audio-Kommentaren. „The Strangers“ hat all das nicht.

Wertung: 4 von 10 Punkten (kurzweiliger Thrill mit einer erschreckend langweilig spielenden Liv Tyler)

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4 Kommentare leave one →
  1. 27. August 2012 10:11

    Ich denke mal, dass in diesem „Landeier“-Genre „Funny Games“ bis auf Weiteres unerreicht bleibt. Zumindest für mich.

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2012 20:32

      Soweit ich gehört habe, muss ich dir da wohl Recht geben!

  2. 27. August 2012 21:34

    Fand ich jetzt nicht ganz so schlecht, doch im Prinzip hast du schon Recht. In dem Genre fand ich noch „Motel“ ganz gut.

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2012 22:34

      „Motel“ ist für mich schon zu lange her 😉

      Die Grundidee des Films ist schon auch sehr interessant, nur leider wirklich nicht besonders effektiv umgesetzt.

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