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Satansbraten?

24. August 2012

Mein Vater sagt immer: „Alles Schlechte ist für was Gutes!“ Man muss halt nur das Schlupfloch finden, durch das man das Gute selbst in einer beschissenen Situation erkennen kann. Und so sollte man wohl auch an den Reboot/ Remake-Wahn von Hollywood herangehen. Es kommen so viele Filme in die Kinos, die auf anderen Filmen basieren, dass man ständig nur über die Fantasielosigkeit von Hollywoods Studios meckern könnte. Man könnte aber auch die Energie des Meckerns auf etwas anderes richten: Um richtig meckern zu können, schaut man sich einfach zu jedem geplanten Remake das Original an. Schwupp… schon hat das Ganze auch was Gutes: Vielleicht entdeckt man hier und da ja auch noch einen wahren Klassiker.

Da hätten wir zum Beispiel, die Nachricht, dass die kleine Chloe Moretz im Remake von „Carrie“ die Titelrolle übernehmen soll. „Carrie“… da war doch was. Stimmt, die Sache mit dem Schweineblut… die wohl bekannteste Szene aus dem Film, den Brian De Palma 1976 in die Kinos brachte.

Carrie (Sissy Spacek) hat es nicht einfach: In der Schule wird sie von ihren Mitschülerinnen gemobbt, zuhause erwartet sie ihre streng katholische Mutter Margaret (Piper Laurie). Nur ihre Mitschülerin Sue (Amy Irving) versucht, die schüchterne Carrie ein wenig aufzubauen. Eine Einladung zur Prom-Abschlussfeier soll Carrie das nötige Selbstvertrauen geben. Doch mit ihrem wachsenden Selbstvertrauen entdeckt Carrie auch, dass sie telekinetische Fähigkeiten hat.

„Carrie“ basiert auf einer Geschichte von Stephen King. Und wenn man King hört, dann denkt man gleich Horror. Aber so wirklich das Horrormärchen liefert DePalma mit diesem Film gar nicht ab. Vordergründig ist „Carrie“ ein Teenager-Drama, eine etwas abgefahrene Coming-of-age-Story. Die junge Carrie ist gefangen zwischen zwei Welten: dem Mobbing an der Schule und dem religiösen Wahn ihrer Mutter. Eine eigene Persönlichkeit kann sie da gar nicht aufbauen, sich nirgendwo wirklich geborgen fühlen. DePalma zeigt uns Carrie als unschuldiges Opfer, ein Mädchen ohne Ausweg…

Und für dieses Mädchen hat DePalma mit Sissy Spacek die perfekte Schauspielerin gefunden. Spacek sieht auf den ersten Blick nicht wirklich hübsch aus. Sie ist eine graue Maus, ein Niemand. Die Vorstellung, dass sie unter den „hübschen Mädchen“ zu leiden hat, fällt nicht schwer. Spacek leidet für die Kamera, dass es weh tut. Sie ist für diesen Film einfach das perfekte Opfer. Doch wie uns schon so manche Teenie-Komödie aufgeklärt hat, kann aus der grauen Maus ein schönes Wesen werden. Und so gelingt auch Spacek diese Transformation. Sie wird Prom-Queen. Sie steht auf dem Gipfel. Nur wer hoch steigt, der fällt auch tief.

Womit wir dann wieder bei der viel zitierten Schweineblut-Szene wären. Hier kommt dann alles zusammen, was vorher nur im Verborgenen passierte. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir es immer noch mit einer Stephen King-Verfilmung zu tun haben. Während sich der Film vorher nur an wenigen Stellen mit Carries telekinetischen Kräften auseinander setzt, bringen diese nach der Schweineblut-Attacke das Chaos über die Schule. Ein herrliches Chaos, ein befreiendes Chaos – für Carrie und den Zuschauer, der sich vor lauter Spannung an dieser Stelle wohl schon fast erleichtert zurücklehnt… endlich wehrt sich Carrie!!!

Aber ich habe eh schon viel zu viel erzählt. Wichtig ist nur, dass „Carrie“ ein toller Film ist, der gekonnt Horror mit Teenie-Drama verbindet, ohne dabei überzogen zu wirken. Gleichzeitig wird auch deutlich, dass für ein Mädchen wie Carrie der wahre Horror darin liegt, sich ihrer Umgebung zu stellen. In welcher Form auch immer. DePalma baut die Spannung dabei in Ruhe auf… es ist die Ruhe vor dem Sturm. Als Zuschauer spürt man die nahende Bedrohung, jederzeit könnte etwas passieren.

Brian DePalmas Film ist großartig! Warum also ein Remake??? Auch diese Frage werden wir wohl nie vollständig beantworten können. Es bleibt die Hoffnung, dass Regisseurin Kimberly Peirce es schafft, die Geschichte genau so spannend zu erzählen wie DePalma. Wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm… das Original bleibt und bleibt gut.

Wertung: 9 von 10 Punkten (gekonnte Kombination aus Horror und Drama mit einer umwerfend guten Sissy Spacek)

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11 Kommentare leave one →
  1. Loretta Cosgrove permalink
    24. August 2012 10:00

    Wieder eins dieser komplett überflüssigen Remakes, bei denen ich konkrete Abrißbirnenphantasien bezüglich des ausführenden Studios entwickle…

    • donpozuelo permalink*
      24. August 2012 13:45

      Willkommen!!! 😉

      Ja, diese Abrißfantasien kann ich durchaus nachvollziehen.

  2. 24. August 2012 11:56

    Nun, zur Frage: Warum ein Remake? Weil gerade jüngerer Zuschauer das Original gar nicht kennen. Ich wäre auf den Film ebenfalls nicht aufmerksam geworden, hätte ich nicht von Moretz Besetzung im neuen Film gelesen. Wer will schaut sich das Original (welchem ich wahrscheinlich eher 7 oder 8 Punkten geben würde…), die anderen vielleicht das Remake – damit gewinnen alle. Finde ich gerade bei diesem doch schon älteren Film wirklich nicht schlimm.
    Mir war der Film aber tatsächlich zu ruhig, dafür sind die Effekte für die Zeit schon sehr beeindruckend, wenngleich aus heutiger Sicht eher mit einem Lächeln, denn einem Schrecken zu begegnen.

    • donpozuelo permalink*
      24. August 2012 13:48

      Klar kennen jüngere Zuschauer nicht das Original. Nur dann sollte man ihnen einfach das Original zeigen. In zu vielen Fällen geht das Remake nämlich mal eben ganz böse in die Hose. Gerade was die alten Horror-Klassiker angeht… ich nennen mal nur Texas Chainsaw Massacre, A Nightmare on Elm Street oder Halloween. Allesamt überflüssig, weil das Original nach wie vor wunderbar funktioniert. Das hat dann in dem Sinne wirklich nichts mehr mit dem Alter der Zuschauer zu tun.

      Und das man heutzutage die alten Filme ein bisschen belächelt, ist ja klar. Wenn ich überlege, dass Leute damals schreiend aus „Der Exorzist“ gerannt sein sollen… 😉

  3. 26. August 2012 01:51

    Wie nur 9 Punkte?
    Und waaaas ein Remake? Wozu? Nur damit die Mädels Handys in der Hand haben und modernere Klamotten an?
    Der geht nicht besser. Meine Meinung.

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2012 09:50

      Der geht auch wirklich nicht besser. Ein toller Film. Und ja, eigentlich hätte er 20 Punkte verdient. Sorry!

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