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Ich will mich nur erinnern!

22. August 2012

Ich hasse es, wenn Regisseure von Remakes folgenden Spruch bringen: „Mein Film ist kein Remake, sondern eine Neuinterpretation des Stoffes.“ Bullshit!!! Wenn’s einen ähnlichen Film schon einmal gab, dann ist das für mich ein Remake. Bei David Finchers „Verblendung“ musste man das sehr häufig lesen und ich habe es nicht als Neuinterpretation verstanden. Was gibt’s bei einem dicken Wälzer auch schon groß an neuen Interpretationsmöglichkeiten? Bei einer Kurzgeschichte kann ich das schon eher verstehen, und selbst das bleibe ich dabei: Neuinterpretation ist nur ein schöneres Wort für Remake!

Auch „Underworld“-Spezialist Len Wiseman versteckt sich viel mehr hinter dem Wort Neuinterpretation. Doch am Ende bleibt sein „Total Recall“ auch nur ein Remake. Einziger gravierender Unterschied zu Paul Verhoevens Original: Keine einzige Szene spielt auf dem Mars. Stattdessen treffen Arbeiter Douglas Quaid (Colin Farrell) auf einer zerstörten Erde wieder, in der nur noch die United Federation of Britain und die Kolonie Australien existieren. Verbunden durch einen durch die Erde führenden (!!!) Tunnel – genannt „The Fall“ – reisen die Arbeiter von der Kolonie in die Fabriken nach Britannien. Klassischer kann man seine Gesellschaft nicht in zwei Hälften teilen. Klar, dass es da Widerstand gibt. Doch davon will Quaid nichts wissen, er will nur seinen Kopf ein bisschen frei kriegen und geht daher zu REKALL. Hier will er sich eine Erinnerung, eine nahezu perfekte Illusion, einpflanzen lassen: Quaid als Geheimagent. Doch irgendwie wirkt diese Illusion verdammt real. Plötzlich steht Quaid zwischen der Föderation und den Rebellen. Seine eigentlich so liebe Frau Lori (Kate Beckinsale) will ihn töten und eine geheimnisvolle Fremde (Jessica Biel) will ihm helfen.

Ich gebe ehrlich zu, ich hatte wirklich nur die schlimmsten Erwartungen. Arnie ist im Original einfach nicht zu toppen. Paul Verhoevens Film ist Kult. Ein Remake würde nur zwangsläufig dazu führen, dass einem das noch einmal vor Augen geführt wird. Aber… oh, Wunder… ich sitze im Kino und bin geplättet. Positiv überrascht, geradezu ergriffen von der Tatsache, dass dieses Remake ganz und gar nicht beschissen ist.

Len Wiseman verarbeitet den Stoff nahezu mühelos zu einem spannenden Action-Kracher (wenn man sich überlegt, dass Experte Kurt Wimmer am Drehbuch mitgearbeitet hat, sollte einen das eigentlich nicht verwundern). Gespickt mit jeder Menge grandioser Action lässt Wiseman uns keine Zeit zum Nachdenken. Ja, man möchte immer wieder erwähnen: „Das ist fast genauso wie bei Verhoevens Original!“. Aber da jagt der Film auch schon weiter… durch eine Kolonie, die mich mit ihren dunklen Gassen und fliegenden Autos stellenweise sehr an „Blade Runner“ erinnert hat. Insgesamt gesehen ist der neue „Total Recall“ sehr viel düsterer und dreckiger. Man merkt viel stärker, dass die Menschen in der Kolonie wirklich in ihrem eigenen Dreck ersticken. Überall nur Menschen, kein einziger freier Platz. Selbst der Himmel scheint zugepflastert mit Wohnblocks. Es ist eine überzeugende Umgebung, die Wiseman hier erschafft… eine, aus der man nur allzu gerne entfliehen würde.

Doch wie schon gesagt, diese Flucht wird zu einem Fiasko und schon sehr bald fliegen uns die Kugeln nur so um die Ohren. Wiseman setzt dabei auf klassische Verfolgungsjagden, Schießereien und Kämpfe. Die sind grundsolide inszeniert, liefern vernünftige Stunts und sehen ziemlich genial aus. Besonders bei der Verfolgungsjagd durch ein Liftsystem, bei dem sich die würfelartigen Kabinen sowohl horizontal als auch vertikal verschieben, haut es einem echt die Schuhe weg. Das ist wirklich ein Highlight – gut choreografierte Action mit allem, was dazu gehört.

Bleibt also nur noch die Frage: Kann Colin Farrell Arnie das Wasser reichen? Ich finde, er kann! Ob nun ein museklbepackter Arnie oder ein durchtrainierter Farrell… zumindest hat Farrell ja seit seinem Brügge-Ausflug den verwirrten Dackelblick perfekt drauf. Den kann er hier dann gut gebrauchen. Große Überraschung des Films ist aber Kate Beckinsale: Hier darf sie endlich mal ihre Selene abstreifen und zur eiskalten Bitch werden. Sie macht Quaid das Leben aber mal so richtig zur Hölle und genießt das Ganze auch noch. Großartig, Kate rocks as evil bitch!!! Glanzleistung von Beckinsale. Dagegen stinkt der Rest der Truppe dann ein wenig ab: Bryan Cranston bekommt als Fiesling viel zu wenig Zeit und Jessica Biel bleibt nur schmückendes Beiwerk. Doch dank einer wirklich grandiosen Beckinsale und einem tollen Katz-und-Maus-Spiel mit Farrell würde mein Punkt hier eindeutig zum Remake gehen.

Wenn ich mein Erlebnis im Kino beschreiben würde, dann würde ich sagen: Es ist wie mit „Super 8“. Ungewollt geguckt und zum absoluten Überraschungshit geworden. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich das Original jetzt weniger gut finde, aber Wiseman hat es wirklich geschafft, ein gelungenes, actiongeladenes Remake zu machen. Auch wenn man das Original an vielen Ecken und Enden wiedererkennt, gibt Wiseman dem Ganzen doch auch seine eigene Note… nur die Frau mit den drei Brüsten, die bleibt. Ohne die hätte Wiseman diesen Film aber auch wirklich nicht machen können 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (Überraschung: hin und wieder klappt so ein Remake dann mal doch)

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28 Kommentare leave one →
  1. 22. August 2012 07:13

    Yaaay. 🙂

  2. 22. August 2012 09:54

    Du bist der erste der ihm gute Note gibt…trotzdem werd ich ihn mir niocht ansehen…3 Titten hin oder her!

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2012 12:06

      Allein wegen der 3 Titten 😉 Obwohl man sie im Original häufiger sieht als im Remake 😉 Trotzdem ein guter Film. Ich stehe zu meiner guten Note.

  3. luzifel permalink
    22. August 2012 10:02

    Muss.. Film.. Gucken!!

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2012 12:07

      Das sagst du so oft!!! 😉 Guckt doch einfach!!! 😉

  4. 22. August 2012 10:34

    Das mit dem düsterer und dreckiger (auch ernster) erinnert mich sofort an die neuen Batman-Filme. Damit schwimmt der Film ja sozusagen auf der Trendwelle mit und wird seine Fans finden. Ich werde ihn mir vielleicht noch ansehen. Vielleicht ergeht es mir wie dir. Vielleicht auch nicht. Sollte ich dazu kommen, werde ich gespannt sein.

    Dass du das Remake bevorzugst, lässt mich schaudern. Eigentlich müsste ich es jetzt schon fast sehen,…

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2012 12:08

      Nach meiner „Prometheus„-Misere war ich echt froh, dass mir der Film so gut gefallen hat. Und auch sehr erstaunt. Was den optischen Kick angeht, gefällt mir das Remake tatsächlich ein klein wenig besser als das Original. Was das Original aber nicht weniger sehenswert macht. Deswegen haben sie ja auch die gleiche Punktzahl bekommen.

      • 22. August 2012 12:14

        Ja, das mit der Punktzahl hab ich schon gesehen. 😉 Nur eben der kleine Satz „Doch dank einer wirklich grandiosen Beckinsale und einem tollen Katz-und-Maus-Spiel mit Farrell würde mein Punkt hier eindeutig zum Remake gehen.“ macht mich einfach nur noch fertig. 😀

        • donpozuelo permalink*
          22. August 2012 14:07

          Dann warte bis du Beckinsale in Aktion gesehen hast. Da kann auch Sharon Stone nichts mehr retten. Das Biest stand ihr zwar auch gut, aber bei Beckinsale kommt’s irgendwie doch eher unerwartet und funktioniert richtig gut.

  5. 22. August 2012 10:35

    Das hatte ich nun nicht erwartet. Werde vielleicht mal im Heimkino reinschauen, wenn es die Blu-ray gibt…

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2012 12:09

      😀 Ich auch nicht. Wirklich nicht!!! Ich hatte erwartet, dass ich eine Hasstirade auf Len Wiseman und Hollywoods allgemeinen Remake-Boom schreiben würde. Und dann war ich auf einmal super unterhalten!!! Manchmal geht es im Leben doch ganz anders 😉

  6. 22. August 2012 10:51

    Deiner Einleitung muss ich schon ein bisschen widersprechen. Im Fall von Total Recall hast du schon Recht, weil es ja (auch vom Titel her) klar am Arnie-Film orientiert ist, und nicht am Buch. Aber Dragon Tattoo war eine Verfilmung des Buches, und nur weil es so eine schon gab, hat es diese nicht neu umgesetzt, sondern ging den direkten Weg zur Vorlage. Das ist imho dann schon eine Neuinterpretation. Man spricht von LOTR ja auch nicht von einem Remake, nur weils da mal so einen Animationsfilm gab („Hinder me?!“).

    Zu deiner Review: Kann ich so unterschreiben. Abgesehen von den Darstellern, und dass ich einige Dinge etwas stärker gewichtet habe. Insgesamt aber ein unterhaltsamer Actionfilm. Macht Spass.

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2012 12:12

      Da würde ich dir wieder widersprechen!!! Im Endeffekt war auch Finchers Film für mich nur ein Remake. Ob nun am Buch orientiert oder nicht… aber ich glaube, dass ist jetzt Auslegungssache (denn auch wenn es zu LOTR einen Animationsfilm gab, macht das Jacksons Filme auch ein wenig zu einem Remake… aber das ist meine Meinung 😉 ).

      In jedem Fall fand ich „Total Recall“ gelungen. Auch von den Schauspielern. Macht halt wirklich einfach nur Spaß 😉

      • 22. August 2012 12:23

        Also strenggenommen würde man tatsächlich von einer Neuinterpretation sprechen, aber es hat natürlich Spielraum für Diskussionen. Ein Remake ist ja letztlich ein Film, der sich in irgendeiner Art an einem bereits bestehenden Film orientiert, bzw. diesen aufwärmt. Und du sagst ja, dass jede sogenannte Neuinterpretation ein Remake ist, was ich etwas heiss finde. Weil das würde dann auch heissen, dass wenn Regisseur X ein Buch verfilmt ohne zu wissen, dass es schonmal eine Verfilmung gab (unwahrscheinlich, klar) und folglich nicht davon beeinflusst werden kann oder irgendwelche Ziele, das neu umzusetzen verfolgt, sondern nur ein Buch verfilmen will, trotzdem ein Remake macht, nur weil es die Begrifflichkeit so will? Glaube ich nicht, bzw. macht imho nicht so Sinn 😉

        • donpozuelo permalink*
          22. August 2012 14:09

          Ja, okay… ich versteh dich ja, Owley. Es liegt halt alles im Auge des Betrachters. Bei manchen Filmen (siehe Herr der Ringe) würde ich jetzt auch nicht so streng von einem Remake sprechen. Aber im „Total Recall“-Fall kann ich nur sagen: Es ist und bleibt ein Remake.

  7. 22. August 2012 14:22

    Der Trailer sieht ja echt geil im Kino aus (auch in 3D wenn ich mich recht erinnere). Da ich das Original nicht kenne (verzeiht mir, ich bin halt noch sooo jung 😉 ), würde ich sogar recht unbefleckt in den Film gehen. Mal schauen, ob sich dafür Zeit findet – interessanter wird er durch diese Review auf jeden Fall schonmal.

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2012 14:43

      Interessanterweise gibt’s den Film ja gar nicht in 3D 😉 (oder doch… keine Ahnung, ich habe ihn auf jeden Fall normal in 2D gesehen und das hat schon ausgereicht).

      Ich denke auch, dass dir der Film ohne die Vorkenntnis gut gefallen könnte. Jede schlechte Kritik, die ich lese (und davon gibt’s so viele), vergleicht immer nur mit dem Original. Ist ja auch legitim, nur tut man dem Film damit auch ein wenig unrecht. Beide Filme sind super und sehr zu empfehlen. Meine Meinung!!! 😉

      • 22. August 2012 14:47

        Gefährliche Aussage mit dem Vergleich… 😉 Hast du ja auch irgendwie gemacht.

        • donpozuelo permalink*
          22. August 2012 14:51

          Klar, man kommt ja auch um Vergleiche nicht herum. Nur sollte man immer aufpassen, was man wie vergleicht. Und vor allem sollte man sich nicht zu sehr verbohren. 😉

        • 22. August 2012 14:55

          Das ist auch meine Philosophie. Man muss sich nur oft dazu zwingen.

        • donpozuelo permalink*
          22. August 2012 15:13

          Oh ja…

  8. 28. August 2012 10:28

    Ich dachte Kate Beckinsale wäre bei den Good Guys….
    Ich warte bevorzugt dann doch darauf, dass der Film im TV läuft – Mir fehlt irgendwie der Trash-Charakter!

    • donpozuelo permalink*
      28. August 2012 11:57

      Der Trash-Charakter fehlt wirklich ein wenig. Dafür muss man dann das Original nehmen. Aber für Beckinsale als Evil Bitch lohnt sich das Ganze schon. 😉 (Heimkino reicht da aber wohl tatsächlich aus.)

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