Skip to content

Life’s a Bitch

17. August 2012

Ich bin ja auf einer Mission – und diese Mission heißt: Nach und nach alle Filme von Michael Fassbender zu schauen, um meine These zu festigen, dass der Mann einfach mal zu den ganz Großen gehört. Diese Ergebnisse schicke ich dann an die Academy, die ihn schändlicherweise bei ihrer letzten Verleihung für seinen Film „Shame“ nicht einmal bedacht hat. Aber gut, vielleicht spielt da einfach noch der verletzte Stolz der Academy eine Rolle – wer würde schließlich erwarten, dass jemand der mit Filmen wie „300“ oder „Eden Lake“ zu einem Charakterschauspieler wird.

Auf jeden Fall habe ich mittlerweile schon so einiges Fassbender-Material gesichtet… und wenn man das so tut, stößt man zwangsläufig auch auf die kleine britische Perle „Fish Tank“. Darin spielt Michael Fassbender Connor. Connor ist ein Typ, der in das Leben der jungen Mia (Katie Jarvis) hereinplatzt. Mia lebt nämlich mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester im englischen Essex. Der Familie fehlt Geld, Mia fehlen die Perspektiven – so wirklich viel scheint ihr das Leben nicht bieten zu können. Viel hat sie schon versucht – sei es nun ein halbtotes Pferd von ein paar Zigeunern zu befreien oder ihr Traum vom Tanzen. All diese Dinge bringen Mia nicht wirklich weiter, doch als ihre Mutter mit Connor ausgeht, scheint sich das Blatt zu wenden. Connor gibt der Familie etwas Stabilität, vielleicht sogar Hoffnung… doch wie so viele von Mias Hoffnungen zerplatzt auch diese und hinterlässt ein riesiges Chaos. Mia fällt dann eine folgenschwere Entscheidung.

Man merkt es vielleicht schon an der Inhaltsangabe – so richtig ist „Fish Tank“ eigentlich kein Michael Fassbender-Film. Der muss sich hier nämlich damit abfinden von Katie Jarvis an die Wand gespielt zu werden. Fassbender füllt aber seine kleine Nebenrolle als der scheinbare Ritter in weißer Rüstung hervorragend aus. Er spielt den liebenswerten Kerl, den Kumpel-Typ, der dieser kleinen kaputten Familie etwas schenkt, was sie schon lange nicht mehr hatte: Das Gefühl, tatsächlich eine Familie zu sein. Und dann stellt sich heraus, dass doch alle Männer nur Schweine sind und auch ein Fassbender da keine Ausnahme macht 😉

Doch wie gesagt, es geht hier nicht um ihn, sondern um Katie Jarvis. Auch wenn ich ihr in diesem Film die angeblich 15-Jährige einfach nicht abkaufe (dazu sieht sie dann vielleicht doch ein klein wenig zu alt aus). Jarvis spielt sich in „Fish Tank“ die Seele aus dem Leib. Sie ist eine Rebellin, eine Kämpferin, eine Suchende. Wie der Titel des Films schon ausdrückt, fühlt sie sich gefangen in ihrem kleinen Fischglas, das ihr Leben ist. Sie will raus, sie will in die Freiheit – weg von der Tatsache, dass sie eigentlich nur eine kleine „Ghetto-Göre“ ist. Wenn sie sich ihre Freunde anschaut, sieht sie nur, wie ihre Zukunft in dieser Gegend sein könnte. Wenn sie sich ihre Mutter anschaut, sieht sie das Gleiche. Wer würde da nicht rebellieren? Doch Regisseurin und Drehbuchautorin Andrea Arnold lässt nicht viel Platz für Freude. Und mitten in diesem Chaos steht Katie Jarvis alias Mia. Ohne ihre Ausstrahlungskraft wäre „Fish Tank“ ein langweiliger Film. Aber wenn man sich Jarvis‘ Biografie anschaut, ist sie wie geschaffen für diesen Film. Denn wenn man Wikipedia Glauben schenken darf, war Jarvis nicht weit davon entfernt, selbst zu einer Mia zu werden.

In dem Falle wäre „Fish Tank“ für sie fast schon ein autobiografischer Film. Auf jeden Fall ist der Film aber eine sehr realistische und teilweise auch sehr erschreckende Milieu-Studie über ein verzweifeltes Mädchen an einem aussichtslosen Ort. Und das ist dann auch wieder ein Verdienst der Regisseurin. Sie verschleiert nichts. Da raucht selbst Mias kleine Schwester in ihrem Zimmer, während die Mama eine Etage tiefer lieber versucht ihrem Jugendwahn mit wilden Partys nachzugehen. Da lebt Mia inmitten von hässlichen Betonklötzern, inmitten vom Gebrüll der spielenden Kinder und der fluchenden Nachbar. „Fish Tank“ gibt uns ein Bild von einem Stadtteil, der seinen Bewohnern keinen Ausweg liefert und in dem es nur heißt: „Gefressen oder gefressen werden“. Und nach diesem Motto orientiert sich dann auch Mia

„Fish Tank“ ist ein fesselnder Film – Andrea Arnold nimmt sich Zeit, um ihre Mia vorzustellen, damit wir am Ende nachvollziehen können, warum Connors Verrat sie zu drastischen Konsequenzen führt. „Fish Tank“ stimmt nachdenklich und bleibt noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis… Und auch wenn Michael Fassbender sich hier vor Katie Jarvis geschlagen geben muss, ist „Fish Tank“ für Fassbender-Fans ein absolutes Muss.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Meet the real Vicky Pollard!!!)

Advertisements
10 Kommentare leave one →
  1. 17. August 2012 09:21

    Oh ja! Das ist ein ganz großartiger Film! (Obwohl ich natürlich erst Mal überlegen musste, wer Michael F. ist *hüstel*, aber die Aufklärung kommt ja recht schnell)

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2012 09:26

      Wie bitte??? Überlegen, wer Michael Fucking F. ist… geht ja gar nicht!!!

      Aber im Ernst: Wirklich ein toller Film. Und Herrn F. kann ich nach wie vor nur weiterempfehlen. Egal, was er macht. Sogar „Prometheus“ verleiht er noch ein klein wenig Klasse 😉

  2. 17. August 2012 10:32

    Alle Männer NUR Schweine? Wird dieser Blog neuerdings von einer Feministin geschrieben? 😉 Ínteresse am Film ist aber erregt.

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2012 10:44

      Dieser blog wird von einem Schwein geschrieben! Und es freut sich, dass Interesse am Film geregt wurde. (Außerdem bezieht sich die Männer/ Schweine-Aussage nur auf diesen Film… natürlich… grunzgrunz)

      • 17. August 2012 11:44

        Du feministisches Schwein du!

        • 18. August 2012 19:03

          Hups, das könnte jetzt auch missverstanden werden. Ein Hoch auf die Frauen, die sich die Männer/Schweine Untertan gemacht haben. Oder so 🙂

  3. 17. August 2012 13:55

    Ich dachte schon, du seist auf einer Mission, der Welt großartige Filme vorzustellen und sie vor schlechten zu warnen. Nun gut, deine Mission ist nicht weniger ehrenhaft.
    Und ich sehe gerade, dass du wie ich nicht umher kommst, Jarvis über Fassbender anzusiedeln – zumindest in diesem Film 😉

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2012 14:07

      Die Mission Fassbender und die Mission Gute Filme gehen ja zum Glück fast immer Hand in Hand 😉 Ausnahmen gibt’s da natürlich immer. Aber dieser Film ist ja wirklich mehr ein Jarvis-Film. Und das ist auch gut so.

  4. 19. August 2012 01:33

    Ja ein klasse Film.
    Mit Fassbender hast Du Dir ja was vorgenommen :-))

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2012 22:50

      Man braucht ja immer ein Ziel… da passt das ganz gut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: