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Wohnen auf eigene Gefahr

13. August 2012

Serien heutzutage sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und das ist auch verdammt gut so. Ich finde in den letzten zehn Jahren hat man sich gerade im Bereich der Serien extrem gesteigert. Gerade die Amis sind experimentierfreudiger geworden – mit mehr Sinn für zusammenhängende Geschichten, die ihre Zuschauer über längere Zeit an Figuren binden sollen. Und diese Figuren sind in den seltensten Fällen die wahren Saubermänner… man nehme nur die Hank Moodys, Dexter Morgans oder Walter Whites dieser neuen Serienwelt. Die haben mehr Dreck am Stecken als der ganze Denver-Clan zusammen. Und das macht sie so sympathisch. Endlich sehen wir mal Figuren in TV-Serien, die teilweise unglaublich verdorben und dennoch so absolut menschlich sind.

Vorbei auch die Zeiten, in denen in einer Folge eine Geschichte erzählt wird. Heute sind Serien Filme, die einfach nur in mehrere Teile zerstückelt werden. Nehmen wir unser jüngstes Lieblingsbeispiel „Game of Thrones“: Geile Story, die über mehrere Folgen fesselt.

Jetzt stieß ich vor einiger Zeit über eine Serie, die man mir wärmstens ans Herz legte, die mich aber dennoch stutzen ließ. Erdacht wurde sie nämlich von zwei Herren, deren bisherige Serienkonzepte mir nicht unbedingt zusagten: Ryan Murphy und Brad Falchuk haben ja großen Ruhm durch die Musical-Serie „Glee“ erreicht. Ich weiß, die Serie wird gelobt und gefeiert ohne Ende, aber mit Musicals kann man mich jagen. Steh ich wirklich nur sehr selten drauf. Nun ist es aber wohl so, dass Murphy und Falchuk mal was ganz anderes machen wollten und so erschufen sie „American Horror Story“ – eine Serie viel eher nach meinem Geschmack als singende High School Kinder.

Psychologe Ben Harmon (Dylan McDermott) zieht mit seiner Frau Vivien (Connie Britton) und Tochter Violet (Taissa Farmiga – ja, sie ist mit Vera Farmiga verwandt) von Boston nach L.A. Hier wollen die Harmons nach einer Fehlgeburt und Bens Affäre mit einer Patientin einen Neustart wagen. Doch die ohnehin schon schwierige Lage der Familie wird durch den Umzug nicht besser: Da wäre Nachbarin Constance (großartig: Jessica Lange), die sich ungefragt in die Gelegenheiten der neuen Nachbarn einmischt und natürlich darf man nicht vergessen, dass das neue Haus der Harmons auf der sogenannten „Murder Route“ liegt. Denn das Haus hat eine dunkle Vergangenheit… eine Vergangenheit, die auch die Harmons einholt.

„American Horror Story“ vermischt klassische Horror-Haus-Elemente mit Familiendrama, springt dabei in Rückblenden in der Zeit zurück, um die verschiedenen Morde des Hauses zu erklären. Richtig spooky wird es aber erst, wenn die „Geister“ der Vergangenheit die Harmons heimsuchen. Da wäre zum Beispiel Haushälterin Moira O’Hara, die für Vivien als alte Jungfer erscheint, doch in Bens Augen ein sexy Hausmädchen wird. Dann gibt es da auch noch den Rubber Man, ein Typ im Ganzkörperlatex-Anzug, der schon so einige Bewohner des Hauses auf dem Gewissen hat. Das wirklich Schräge an einigen Figuren ist, dass man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (dann, wenn es ihre Rückblende gibt) gar nicht weiß, ob sie nun real oder doch nur Geister sind. In „American Horror Story“ ist diese Grenze nämlich ziemlich schwammig.

Neben den sehr schönen Gruselsequenzen, die zwar alle Old School, aber nicht weniger spannend sind, gehören die Beziehungskämpfe zwischen Geistern und Lebenden zu den Höhepunkten der Serie. Denn wie so oft verfolgen die Geister ihre eigenen Ziele. Dylan McDermott und Connie Britton funktionieren als disfunktionales Ehepaar hervorragend. So ein Geisterhaus kann den Versuch, die Beziehung zu kitten, ganz schön durcheinander bringen. Wenn dann auch noch so fiese Biester wie Jessica Lange in der Nachbarschaft zu finden sind, wird ein perfides Verwirrspiel um Liebe, Hass und Verrat aus diesem kleinen Horror-Märchen.

Mit nur 12 Folgen ist die erste Staffel von „American Horror Story“ gut ausgefüllt, nimmt sich Zeit für seine verschiedenen Figuren und bietet alles, was man von einem subtilen Grusel-Drama so erwartet.

Wertung: 9 von 10 Punkten (wer im Mörderhaus sitzt, soll sich nicht über Geister wundern)

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21 Kommentare leave one →
  1. 13. August 2012 09:59

    Da ich die Serie notgedrungen alleine und nachts schauen müsste, werde ich wohl einen Bogen darum machen. Irgendwann muss ich ja auch Schlaf bekommen… 😉

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2012 14:03

      Nachts und alleine würde ich die Serie auch nur den ganz, ganz Harten empfehlen. Nur ein Bogen würde ich nicht drum machen. Die ist wirklich gut, vielleicht ergibt sich ja eine Tagssichtung noch. 😉

  2. 13. August 2012 13:25

    Na, alleine wegen des Rubber Mans muss man dort schon mal reinschauen. Ich glaube, es wird ein guter Lückenfüller für die derzeitige Sendepause meiner Lieblingsserien.

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2012 14:07

      Ja, der Rubber Man hat ein paar fiese Auftritte.

      Mit nur 12 Folgen (die man dann auch ziemlich schnell hinter einander schaut) ist „American Horror Story“ der perfekte Lückenfüller. Nur blöd, dass man so lange auf Staffel 2 warten muss.

      • 14. August 2012 20:50

        Ist er etwa ein Sadist? 😀

        • donpozuelo permalink*
          14. August 2012 21:30

          Wie kommst du denn jetzt nur darauf???

        • 5. September 2012 23:33

          Der verführt ja einfach fremde Frauen, sowas. Die erste Episode ist vielversprechend.

        • donpozuelo permalink*
          6. September 2012 10:18

          Der macht aber auch noch mehr als nur das!!! Abwarten!

        • 8. September 2012 19:37

          Oha, nach der anfänglichen Euphorie muss ich eingestehen, dass ich die nächsten Episoden langweilig, flach und vor allem lückenhaft empfinde. Die Charaktere reagieren unrealistisch. Habe ab der vierten Episode keine Lust mehr auf den Rest. Schade.

        • donpozuelo permalink*
          9. September 2012 21:58

          Das tut mir Leid. Ich fand die Serie super.

  3. 15. August 2012 12:54

    Starke Serie! Bin vor allem gespannt, wie sie das in der zweiten Staffel weiter führen wollen, die ja mit der ersten nichts mehr zu tun haben soll.

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2012 14:11

      Da bin ich auch sehr gespannt. Ein paar von den alten Gesichtern sollen ja auch zu sehen sein, aber Zeit und Ort sollen ja komplett verschieden sein. Fast schon ein wenig schade, wenn man bedenkt, wie die erste Staffel endete. Aber gut… ich bin mir sicher, es wird wieder stark werden.

  4. 19. August 2012 01:31

    Wie, Du hast sie bis zu Ende gesehen und gibst trotzdem 9 Punkte?
    Ich fand sie richtig gut bis zur 7. Folge, dann ging es Berg ab. Die letzten beiden Folgen oder drei hätte ich am liebsten den Fernsehen umgeschmissen so schlecht fand ich die.
    Dylan McDermott ist für meinen Geschmack total fehlbesetzt und ganz furchtbar schlecht, also der ganz große Schwachpunkt der Serie. Wäre da nicht Jessica Lange gewesen, hätte das alles nicht funktioniert. Sie hat ne Menge rausgerissen.
    Eine zweite Staffel sehe ich mir nicht an.

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2012 22:49

      Echt so mies, ja???

      Ich habe alle Folgen gerne gesehen. Von daher bin ich auch schon gespannt auf den Ausflug in die Psychiatrie 😉

    • 7. September 2012 07:52

      Die letzte Folge war vielleicht etwas verhauen, aber die Serie bleibt doch wohl trotzdem weit im grünen Bereich

      • donpozuelo permalink*
        7. September 2012 09:02

        So kann man es auch ausdrücken. Ich bin nach wie vor sehr gespannt, wie sie es in „Asylum“ weiterführen.

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