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Bärenflüsterin

3. August 2012

Kinder wollen nie so wie ihre Eltern wollen! Scheint ein eisernes Gesetz der Natur zu sein. Mein Vater wollte immer, dass ich entweder Arzt werde oder zur Bundeswehr gehe, ich wollte immer Regisseur werden. Tja, und jetzt bin ich beim Fernsehen… wer hat nun gewonnen? Irgendwie keiner so richtig, denn der Konflikt zwischen Eltern und ihren Kindern ist einer, bei dem niemand so wirklich gewinnen kann. Wird es zu ernst, gehen ganze Familien dran kaputt. Wird „normal“ gekämpft, schaltet man hier und da mal auf Durchzug, redet nicht mehr miteinander oder lässt den Besuch zu Hause mal ausfallen. Normale Sachen halt. Und dabei wissen wir doch, dass unsere Eltern nur das Beste für uns wollen. Ist ja auch ihr gutes Recht. Ob wir zuhören wollen, ist unser gutes Recht!

Um diesen Generationenkonflikt geht es auch in Pixars neuestem, mittlerweile 13. Animationsfilm „Brave“ oder wie es bei uns heißt: „Merida – Legende der Highlands“. Darin lernen wir die junge Merida kennen, Tochter des Königs Fergus und seiner Königin Elinor. Während Fergus alles verkörpert, was wir vom wilden Highlander erwarten, ist Königin Elinor das genaue Gegenteil: elegant, grazil und ganz die fürsorgliche Mutter. Problem für sie ist nur, dass die junge Merida sehr viel mehr nach ihrem Vater kommt: Sie ist wild, gut mit dem Bogen, liebt Ausritte und hasst es, ihre Aufgaben als Prinzessin wahrzunehmen. Ganz besonders das Heiraten. Und so verwundert es dann auch niemanden, dass Merida sich nichts sehnlicher wünscht, als eine verständnisvolle, nicht ständig nörgelnde Mutter. Ein Wunsch, den ihr eine alte Hexe nur zu gerne erfüllt, doch die gewünschten Veränderungen sind nicht so ganz, wie Merida sich das erhofft hat: Ihre Mutter wird zur Bärin!

Die 13 hat ihren Ruf als Unglück bringende Zahl natürlich weg. Aber eigentlich muss sich Pixar vor so was nicht fürchten… oder etwa doch??? Wenn ich ganz, ganz ehrlich sein soll: Story-technisch überzeugt „Merida“ nicht hundertprozentig. Wenn man ehrlich ist, sind es einfach nur alte Disney-Märchen wie „Arielle“ oder „Die Schöne und das Biest“, die hier noch mal in etwas anderem Look aufgebrüht wurden und mit den klassischen Disney-Tierchen versehen wurden. In „Merida“ steckt als mehr Disney als Pixar: das junge, ungestüme Mädchen, die strenge, aber liebevolle Mutter, der wilde Vater. Es sind nette Figuren, die auch alle sehr schön mit einander harmonieren… oder auch nicht. Halt die klassische Familie im Zwist mit dem Erwachsen-Werden. Einzig und allein die Tatsache, dass Merida die erste Disney-Prinzessin ist, die nicht verzweifelt nach Prince Charming sucht, macht diesen Rotschopf etwas interessanter.

Man kann schon sagen, dass „Merida“ ein lustiger Familienfilm ist. Ich habe vor allem in der ersten Hälfte herzhaft gelacht. Wie für Disney typisch ist das ja die Komödien-Hälfte, in der wir die ganzen lustigen Schotten kennen lernen und miterleben, wie die Welt von Merida immer wieder mit der ihrer Mutter kollidiert. Doch wie gesagt, dass ist alles mehr Disney… mehr so ein Abenteuer für kleine Mädchen, ein Märchen darüber, dass nicht jede Veränderung gut und nicht jeder Ratschlag der Eltern schlecht ist.

Jetzt werden sich einige fragen, was dann bitte an „Merida“ wirklich Pixar ist? Nun, zuerst einmal gibt es wieder einen grandiosen Kurzfilm namens „La Luna“ und anschließend gibt es dann „Merida“. Und hier zeigt sich vor allem natürlich im Animationsgeschick, was Pixar so einzigartig macht. Wenn Pixar sich ein Thema – in diesem Fall Schottland – vornimmt, dann wird so lange daran gearbeitet, bist es auch wirklich sitzt. Und Pixars Schottland ist wirklich atemberaubend schön geworden: Ob nun die Lochs, die Wälder oder die Burgen – hier wird Schottland so richtig lebendig. Mit der passenden, wirklich gut ausgewählten Musik wird „Merida“ ein netter Trip nach Schottland. Pixar wackelt da auch nicht lange, schickt sein Animationsteam auch gerne mal zum Schwerttraining oder direkt ins Land von Nessie, damit auch wirklich alles stimmt. Und es stimmt in diesem Fall einfach alles – sogar die schottischen Akzente im Original.

Verdammt großes Lob muss man dem Team aber für die kleine, mutige Merida selbst aussprechen. Dieser Mix aus Ronja Räubertochter und Pumuckl ist Hammer – ich sage nur: Diese Haare!!! Wahnsinn!!! Meridas Lockenpracht wirkt so echt, man möchte am liebsten mit den Haaren durchstreifen. Wirklich beeindruckende Haarbeit… da muss sich selbst Disneys „Rapunzel“ hinten anstellen.

Technisch ist „Merida“ ein waschechter Pixar, doch die Story stinkt förmlich nach einem etwas gelangweilten Disney-Autoren-Team. „Merida“ ist zwar lustig und auch spannend, aber nichts Neues. Aber egal, wenn man für 13 Euro einen so tollen Trip nach Schottland bekommt, kann man eine vorhersehbare Disney-Story verschmerzen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (diese Haare – wow, einfach nur wow… ach ja, und der Film ist ein klassischer Disney… ohne das Singen)

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23 Kommentare leave one →
  1. 3. August 2012 08:08

    ich offe du hast ihn dir im O-Ton angesehen :P…und jap er wirkt fast mehr wie ein Disney als wie ein Pixarfilm…und du weisst sie ist nur eine Zeichentrickfigur…du kannst die Haare nicht streicheln 😀

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2012 08:49

      Ich will die Haare aber streicheln… ich willl, ich will, ich will 😉

      Und ja, ich habe den Film im Original gesehen. Alles andere wäre frevelhaft 😉

    • 3. August 2012 10:18

      Aber Nora kann man streicheln. NORA!!!

      • 3. August 2012 10:38

        Nora würd ich jederzeit streicheln 😉

        • donpozuelo permalink*
          3. August 2012 11:08

          Ihr nun wieder…. Aber Nora hat nicht ansatzweise so tolle Haare wie Merida 😉

        • 3. August 2012 12:31

          Kann es sein dass du so gewisse vorlieben und Neigungen im Bezug auf Haare hast? 😀

        • donpozuelo permalink*
          3. August 2012 13:22

          Diese Frage lasse ich jetzt einfach mal unbeantwortet 😛

        • 3. August 2012 22:17

          Merida wäre nur besser als Nora, wenn sie hier und Nora wäre!

        • donpozuelo permalink*
          4. August 2012 09:08

          Jetzt reicht’s aber!!! Ich werde meinen Blog nicht als Nora Tschirner-Lobhudelei-Schrein verkommen lassen. Wir wollen wir ernsthaft über den Film sprechen und nicht über Nora Tschirner…. 😛

        • 4. August 2012 10:12

          Aber, aber…

  2. 3. August 2012 11:29

    La Luna ist wahrscheinlich der bessere Film, den man bei dem Kinobesuch zu sehen bekommt. Aber Brave ist eben ein wundervoller Mix aus Disney und Pixar. Die Geschichte ist eben sehr kindgerecht, während die Animationen und Technik bis zur Perfektion getrieben wird.
    Gefiel mir sehr gut und den würde ich im O-Ton vielleicht sogar noch einmal im Kino sehen wollen…

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2012 11:33

      Ja, im O-Ton macht der schon viel her. Die Akzente sind einfach super.

      Wie gesagt, war meine Erwartungshaltung eine andere. Ich hatte mehr Pixar erhofft. Trotzdem bleibt es ein guter Kinderfilm!!!

  3. 5. August 2012 18:00

    Ich kann an dem Film nichts finden, was mich stört. Für mich einer der besten Pixar-Filme. Ich bin wirklich erstaunt, dass viele ihn nur „nett“ finden. Der Film ist eben gerade kein Disney, weil er die typische Märchenstory neu aufrollt und sie anhand dieses Streits zwischen Merida und ihrer Mutter erzählt, und dieses Problem ins Zentrum rückt.

    Aber gut, ich zähle auch Cars zu den besten Pixar-Filmen, vielleicht liegt das nur an mir.

    Ich hoffe aber, ihr seid sitzengeblieben bis zum Schluss?

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2012 21:59

      So richtig gestört hat mich auch nichts, nur so ganz hat „Merida“ dann doch nicht meine Erwartungen erfüllt. Ein guter Film, den man aber definitiv nur im O-Ton sehen sollte.

      Und so ein klein bisschen Disney ist er doch. Und ja, die letzte Szene nach den Credits habe ich auch gesehen 😛

      • 8. August 2012 10:36

        Was kam da? Ich wurde gestern von meiner Liebsten rausgezerrt. *grr*

        • donpozuelo permalink*
          8. August 2012 11:20

          SPOILER: Nur so viel – Meridas Bestellung von der Hexe wird geliefert!

  4. 6. August 2012 18:32

    Bei 13€ würde ich eher auf die Blu-Ray warten. Kinobesuche werden aber auch nicht billiger -_-

    • donpozuelo permalink*
      6. August 2012 19:10

      Da hast du wohl Recht, leider verpasst du dann diesen glorreichen 3D-Moment, bei dem man einfach seine Hände ausstrecken und in Meridas HAaren rumwuscheln möchte. 😉

      Okay… das war jetzt mein letzter Haare-Kommentar, versprochen 😉

      • 7. August 2012 16:04

        Ich habe nen 3D Fernseher 🙂

        • donpozuelo permalink*
          7. August 2012 16:14

          Ach soooo….

          Na dann habe ich nix gesagt 😉

  5. 8. August 2012 10:35

    Ich habe ihn gestern gesehen und sehe das ganz ähnlich wie du. Die Geschichte ist tatsächlich nur aufgebrüht. Genau das hat mich gestern am meisten gestört.

    • donpozuelo permalink*
      8. August 2012 11:16

      Jaja, Animationen waren TOP, der Rest eher nicht. Trotzdem bleibt es immer noch ein recht witziger Film!!!

Trackbacks

  1. Es lebe das Haar-Spray! | Going To The Movies

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