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Super geht auch ohne Kostüm

30. Juli 2012

Es fing, so biblisch sich das auch anhören mag, mit dem Feuer an. Ein Mann fängt Feuer und liebt es. Mit der menschlichen Fackel begann eine große Liebe, die anschließend erst in „Scott Pilgrim“ fortgesetzt wurde. Anschließend gab’s dank Superserum den übermächtigen „Captain America“, der dann mit seinen „Rächern“ auf Bösewichte losging. Damit wird deutlich: Chris Evans mag Superkräfte. Und irgendwie hat Evans ja auch diesen Look: der All-American-Boy, der ganz gut in Kostüme passt, um den Superhelden zu geben. Ihm kaufe ich den Superhelden schon ab.

Einen Superhelden habe ich da aber ausgelassen, denn der kommt ganz ohne Kostüm aus und hat auch keinen coolen Superhelden-Namen. Er heißt einfach nur Nick. Nick ist ein „Mover“ – eine telekinetischer Veranlagter in einer Welt, in der es viele Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten gibt. Da gibt es die, die die Zukunft voraussehen können oder Schnüffler, die wie menschliche Bluthunde agieren. All diese Menschen werden von der „Division“ überwacht – eine Art Geheimorganisation, die die begabten Menschen zu ihren eigenen Zwecken nutzen wollen. Ein Schicksal, dass Nick nicht teilen möchte und doch immer wieder der „Division“ in die Quere kommt. Besonders kritisch wird es, als die junge Seherin Cassie (Dakota Fanning) zu Nick kommt und ihm von einem Koffer voller Geld und einer jungen Pusherin in Gefahr berichtet. Eigentlich will Nick aber nichts damit zu tun haben, doch die Pusherin ist seine Ex und die Division ist ihr auf der Spur.

Regisseur Paul McGuigan hat mit seinem Film „Push“ mal einen Superhelden-Film gemacht, der ganz ohne kostümierte Superhelden auskommt. Irgendwo zwischen den „X-Men“ und „Heroes“ angesiedelt haben wir es hier aus unbekannten Gründen mit Menschen zu tun, die plötzlich anders sind. Vielleicht ist es die nächste Stufe der Evolution oder irgendein Gen-Defekt – auf jeden Fall sind diese Menschen unter uns. Und in „Push“ wie auch bei den „X-Men“ versucht natürlich immer irgendjemand, seinen Nutzen aus diesen Menschen zu ziehen. „Push“ entwickelt daher eine gute Dynamik – es kommt zu einer Art Kleinkrieg, Division gegen die anderen.

Was gute Action mit pfiffiger Story angeht, hat McGuigan ja bei „Lucky Number Slevin“ schon bewiesen, dass so etwas möglich ist. Mit „Push“ hebt er die Messlatte noch einmal ordentlich an. Der Film macht auf mehreren Ebenen viel Spaß, sodass ich mich abermals wundern muss, warum wir Kinogänger nie in den Genuss gekommen sind. Auf der einen Seite haben wir da interessante und vor allem unterschiedliche Charaktere, die sich nicht nur durch ihre besonderen Fähigkeiten auszeichnen. Ob nun Nick oder Cassie oder irgendjemand sonst – jeder hat eine Vergangenheit, die sie nicht loslässt. So kämpfen diese neuen „Übermenschen“ mit sehr menschlichen Problemen. Das und die Tatsache, dass sie sich halt nicht hinter Masken und Kostümen verstecken, machen die Figuren so interessant.

Auf der anderen Seite lässt McGuigan aber auch die Action nicht zu kurz kommen. Die verschiedenen Fähigkeiten kommen zur Genüge zum Einsatz. Und auch hier kommt man um den „Heroes“-Vergleich nicht drum herum: Die Seher zeichnen ihre Visionen in rätselhaften Bildern, die Pusher zwingen ihren „Opfern“ ihren Willen auf – fehlten eigentlich nur noch die Flieger und die bösen Superschurken. Aber auch „Push“ schafft es in seinem Zuschauer diesen Wunsch nach so einer Superkraft zu erwecken. Und so habe ich während des Films hin und her sortiert, welche der tollen Fähigkeiten ich denn gerne hätte – Pushen wäre tatsächlich schon ziemlich cool 😉

Was dem Film den letzten Schliff gibt, ist die Tatsache, dass wir nicht in irgendeiner großen amerikanischen Stadt unterwegs sind, in der sich Gut gegen Böse durch riesige Straßenschluchten kämpft. Stattdessen befinden wir uns in Hongkong – kleine, enge Straßen, riesige, laute Märkte, kleine Fischer- und Hausboote vor dem Hintergrund riesiger Wolkenkratzer. In dieser Stadt, die der Story einen netten mystischen Touch gibt, tobt sich „Push“ dann so richtig aus.

Und abermals muss ich mich schon sehr wundern, warum der Film kein größeres Publikum gefunden hat. Fernab von Hochglanz-Hollywood-Action wirkt „Push“ trotz klarer Linie sehr frisch. Schnell inszeniert und mit interessanten Figuren bestückt beweist sich Paul McGuigan einmal mehr als verkannter Action-Regisseur.

Wertung: 8 von 10 Punkten („Heroes“ als Film, davon hätte ich gerne noch einen zweiten Teil gesehen)

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26 Kommentare leave one →
  1. 30. Juli 2012 09:43

    8 Punkte? Echt? ich fand den Film echt voll von Logiklöchern und die schauspielerei war ja auch nicht die allerfeinste…aber vielleicht bin auch einfach kein Dakota-Fan…im Gegensatz zu der Elle 😛

    • donpozuelo permalink*
      30. Juli 2012 09:48

      Och, so schlimm fand ich das nicht. Und wo mal ein paar Löcher drin waren, wird’s durch Action übertönt. Kann man sich angucken, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben 😉

      • 30. Juli 2012 09:59

        Stimmt :D…aber trotzdem hätte ich ihm höchstens 6 Punkte gegeben 😉

        • donpozuelo permalink*
          30. Juli 2012 10:14

          Ich bleibe bei meinen 8 Punkten. Vielleicht ist es der verletzte „Heroes“-Fan in mir, der sich nach der ersten Staffel nicht mehr so richtig mit der Serie anfreunden konnte, der sich über diesen Film freut. Aber im Großen und Ganzen ein spannender Film…

        • 30. Juli 2012 10:35

          Heroes hab ich auch nur die erste staffel gesehen…die erste Folge von Staffel 2 erinnerte mich zu sehr an Ninja Turtles 3 XD

        • donpozuelo permalink*
          30. Juli 2012 11:13

          Es ging tatsächlich nur die erste Staffel. Die war wirklich super. Danach habe ich dann auch ganz schnell damit aufgehört.

  2. 30. Juli 2012 13:59

    Sollte ich dem imho ziemlich lahmen, aber bisher seinen Zweck als oberflächlicher 0815-Held erfüllenden Chris Evans also nochmal eine Chance geben?

    • donpozuelo permalink*
      30. Juli 2012 15:22

      Das musst du im Endeffekt selbst entscheiden, aber eigentlich kann ich da nur „Ja“ sagen. Und sooo lahm ist der gute Chris ja nun auch nicht.

  3. 31. Juli 2012 22:59

    Ja, den mochte ich auch. Der ging ja völlig schlecht bewertet unter, leider. Man konnte in ja vor zwei oder drei Jahren als extra Free Film auf dem FFF ansehen (Sonntag mittags 🙂 ), so habe ich ihn wenigstens auch mal in Kino gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      1. August 2012 07:08

      Echt? Sehr cool! So richtig verstehe ich ja auch nicht, warum der nicht mehr Beachtung bekommen hat. Sehr schade, aber der Regisseur kennt sich ja mit sowas aus. Siehe „Lucky Number Slevin“ 😉

  4. 31. Juli 2012 23:24

    Ein Film mit Chris Evans…. und ab auf den Wunschzettel!

    • donpozuelo permalink*
      1. August 2012 07:11

      😀 Gute Entscheidung. Für Chris Evans-Fans definitiv ein sehenswerter Film.

      • 1. August 2012 10:50

        Ja, aber mein Wunschzettel ist größer als mein Budget 😀
        Aber auf die zwei Filme kommt es ja auch nicht mehr an!

  5. 1. August 2012 16:03

    Fand ich auch sehr unterhaltsam – mir gefiel das Zusammenspiel von Fanning und Evans ziemlich gut. Sicher nicht immer ganz in sich stimmig, aber toll inszeniert und sehenswert.

    • donpozuelo permalink*
      1. August 2012 16:50

      Fanning und Evans haben wirklich gut mit einander funktioniert. Auch der rest war in Ordnung. Wie gesagt, der Film hätte mehr Aufmerksamkeit durchaus verdient.

  6. 11. August 2012 18:22

    Fand den, angesichts so zahlreicher Comicverfilmungen, ziemlich gut, weil er das Superheldenthema in die reale Welt transportiert. Die verschiedenen Fähigkeiten waren auch ziemlich cool und Djimon Honsou gefällt mir wie fast immer sehr gut als Bad Guy. Allerdings finde ich auch, dass man ihm ruhig mal mehr Spielraum geben könnte, als in den meisten Filmen.
    Und Chris Evans hat mich in dem Film mehr überzeugt als in den grausigen Fantastic Four-Versuchen und dem meinen Erwartungen hinterherhinkenden Captain America.

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 19:29

      Naja, Fantastic Four war sowieso großer Schrott. (Das könnten sie tatsächlich mal rebooten 😉 )

  7. 13. August 2012 13:33

    Die niedliche Dakota war in Hide & Seek richtig gut. Wie spielt sie denn hier?

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2012 14:09

      In „hide & Seek“ war sie ja wirklich noch ganz klein und niedlich. In „Push“ ist sie schon ein bisschen größer und ein bisschen mehr in der Pubertät. Niedlich ist sie zwar nicht, aber verdammt gut.

      • 3. September 2012 11:30

        Habe ihn jetzt endlich auch gesehen. Diesen Hollywood-Asia-Mashup fand ich sehr ansprechend. Und Dakotas Schauspielleistung war tatsächlich überzeugend. Schönes Popcornkino. Mit ein bisschen mehr Tiefe wäre er hervorragend.

        • donpozuelo permalink*
          3. September 2012 11:45

          Zu viel Tiefe darfst du dann aber bei Popcorn-Kino auch nicht erwarten 😉

  8. luzifel permalink
    13. August 2012 15:57

    Schicker Film.. Hab ihn gerade gesehen und finde die Aufmachung sehr angenehm. Gute Empfehlung ^^

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2012 16:28

      Danke, danke!!! Ich finde auch, dass dieser Film mehr Beachtung verdient hätte. Und zu einer Fortsetzung würde ich auch nicht „Nein“ sagen 😉

Trackbacks

  1. Igor und Victor | Going To The Movies

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