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Death of a pornstar

27. Juli 2012

Es mag jetzt sehr fies klingen und es klingt auch eigentlich sehr fies, aber es ist trotzdem irgendwo wahr: Nimmt sich ein Film des Themas Rache an, funktioniert das am besten mit Kindern. Die repräsentieren dann so etwas wie die Unschuld in Person und rechtfertigen die Rachetaten dann noch am ehesten. In den meisten Fällen ist es dann ein Elternteil, das sich rächt, hin und wieder aber sogar das Kind selbst. Prominentestes Beispiel ist da ja nach wie vor die kleine, zarte Mathilda, die sich den Profikiller Leon aussucht, um ihr Trainer zu sein. Da wird aus dem Opfer Kind ganz schnell der Rächer Kind. Und das hebt den Rachefilm dann gleich noch wieder auf eine ganz neue Ebene. Wenn ein Erwachsener Rache übt, sollte dieser immer die Konsequenzen berechnen. Wenn ein Kind Rache übt, dann nehmen wir das als Zuschauer hin – die unschuldigen Wesen sind einfach von ihrem ganzen Zorn, ihrer Ohnmacht überwältigt und ziehen ohne groß nachzudenken in den Krieg. Und wenn die Kinder noch zu klein sind, um sich dem Konzept der Rache hinzugeben, dann müssen das halt die Erwachsenen tun.

So ein Erwachsener ist auch der Priester August. Weil sich seine Schwester mehr und mehr in ihrer Karriere als Porno-Star „Princess“ wohl fühlt, kommt August damit nicht klar. Doch lange kann er sich vor seinen Gefühlen nicht verstecken. Durch den Tod von Princess muss sich August seinen Ängsten stellen und tapfer sein, denn „Princess“ lässt die kleine Christina zurück. Ein verstörtes Kind, das in der Welt der Pornografie eindeutig zu viel gesehen hat, was ein Kind nicht sehen sollte. Deswegen, und weil er Princess‘ Freund Charlie für den Tod seiner Schwester verantwortlich macht, krempelt der brave Priester die Ärmel hoch und begibt sich auf einen Rachefeldzug.

Mit „Princess“ zeigt sich einmal mehr, dass es bestimmte Dinge gibt, die sich besser als Zeichentrick porträtieren lassen. Ich weiß nicht, wie ich das richtig in Worte fassen soll, aber wenn ich die kleine Christina als reales Mädchen vor mir hätte, dann wäre die Story echt schwer zu schlucken. Und „Princess“ ist harter Tobak – auch in seinen groben Pastellfarben. Dadurch, dass sich das aber in dieser Zeichentrick-Welt abspielt, kann ich mir als Zuschauer viel besser eine Barriere zum Geschehen schaffen. Schließlich ist meine Welt real und das, was ich sehe, „nur“ ein Zeichentrick. So kann ich mich selbst belügen, mich selbst vor diesem Horror schützen, vor dem, was der kleinen Christina alles passiert ist.

Doch August lebt in dieser Welt, und auch wenn er jahrelang versucht hat, es zu leugnen, mit Christina an seiner Seite kann er es nicht mehr. Nicht nur wegen Christina, sondern auch wegen einer Kiste voller Videokassetten – dem schlechten Gewissen, dass August nur zu gerne unter Verschluss gehalten hätte. Regisseur Anders Morgenthaler nutzt die Kassetten für seine Rückblenden, die er dann zusätzlich noch als Realfilm abspielt. Durch diese Tapes tauchen wir tiefer ein in den Mann August und erfahren, was ihn wirklich bedrückt. Dass, was er in der Vergangenheit getan hat, könnte möglicherweise auch ein Auslöser dafür gewesen sein, dass seine Schwester zum Porno-Star wurde. Ist August also ebenso schuldig wie die, die er nun anfängt zu jagen? August ist versucht also nicht nur seine Schwester zu rächen und seine Nichte zu schützen, sondern auch um seine Fehler zu bereinigen.

Was Fehler-Bereinigung angeht, geht August ganz unchristlich zur Sache. „Princess“ ist, wie schon bereits erwähnt, in seiner Gewalt harter Tobak. Richtig fies werden die Szenen, in denen die kleine Christina dann selbst mit zu packen darf. Dann entlädt sich kindlicher Zorn auf sehr brutale Art und Weise auf den Peinigern ihrer Mutter.

Zum Glück verliert sich „Princess“ aber nicht in seinen Szenen… es ist wie bei „Drive“: harte, brutale Gewalt treffen auf Drama. Immer wieder kehrt Morgenthaler zu seinen Figuren zurück. Dabei geht es ihm weniger um Christina und mehr um den von seinen eigenen Dämonen gequälten August.

„Princess“ ist ein harter, düsterer Film, der zwei Sachen sehr deutlich macht: Man kann seiner Vergangenheit nicht entfliehen und Rache führt zu nichts. Die Toten werden dadurch nicht wieder lebendig und man belastet sein Gewissen nur noch mehr.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Art von Rachefilm, der begeistert und verstört)

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16 Kommentare leave one →
  1. 27. Juli 2012 08:08

    Klingt cool. Wo findet man den Film? – Hab ihn grad gefunden. Danke. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Juli 2012 08:14

      Ja, genau. Da findet man den Film. Da, wo du ihn gefunden hast. 😉

      Wirklich sehr zu empfehlen. Lief irgendwann mal auf arte um ein Uhr morgens. Und obwohl ich doch tierisch müde, ließ mich der Film nicht einschlafen.

      • 27. Juli 2012 08:16

        Kann ich mir vorstellen. Wurde vom Trailer gerade hellwach.

        • donpozuelo permalink*
          27. Juli 2012 08:58

          Kein Film für Weicheier!!! 😉

  2. 27. Juli 2012 10:59

    Rachefilme kann es ja nicht genug geben. Aber das ganze in Zeichentrick klingt noch mal interessanter. Bis auf die Anime-Szene aus Kill Bill Vol. 1 wüsste ich keinen vergleichbaren Film. Ich merke ihn mir mal ganz dick vor.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juli 2012 13:21

      Die Anime-Szene aus Kill Bill Vol. 1 fand ich großartig. Das hier geht tatsächlich in die Richtung… und das ganze 90 Minuten lang 😉

  3. 28. Juli 2012 09:34

    Ich war doch etwas enttäuscht von dem Film – was auch am wirklich tollen Trailer lag, der jede Menge versprochen hat, das so nicht ganz eingelöst wurde.
    Trotzdem beileibe kein unnötiger Streifen, das Gefühl, dass unterm Strich aber viele Mlglichkeiten ungenutzt blieben, blieb mir am Ende aber erhalten.

    • donpozuelo permalink*
      29. Juli 2012 21:44

      Das war mein großer Vorteil. Ich kannte vorher wirklich gar nichts von diesem Film. Weder Trailer noch sonst was. Der lief einfach plötzlich mitten in der Nacht auf arte und ich war begeistert. Es hilft manchmal halt doch, einfach „dumm“ in einen Film zu gehen 😉

  4. 28. Juli 2012 10:50

    Danke…ich musste letzthin wieder an diesen Film denken wusste aber nicht mehr wie er hiess 🙂

    • donpozuelo permalink*
      28. Juli 2012 17:46

      Freut mich, wenn ich helfen kann.

  5. 31. Juli 2012 23:18

    Und ab auf den Wunschzettel!

  6. luzifel permalink
    13. August 2012 15:58

    So.. Hab den Film gerade gekauft. In 3 Tagen hab ich meine DVD und dann kann ich mal sehen ob dein Lob gerecht war ^^

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2012 16:29

      Aber von mir kriegst du dein Geld nicht zurück, sollte er dir nicht gefallen. 😉 Bin mir jedoch ziemlich sicher, dass du den Film mögen wirst.

      • luzifel permalink
        9. Oktober 2012 10:00

        Kranke Scheisse.. Guter und verstörender Film ^^ Der Kauf hat sich gelohnt..

        • donpozuelo permalink*
          9. Oktober 2012 10:09

          Freut mich!!!

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