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Wie der Vater, so der Sohn?

23. Juli 2012

Es ist nicht immer leicht, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Vor allem dann nicht, wenn dieser Vater einen „großen“ Namen hat. Egal, was man macht, die Vergleiche zum Vater sind unausweichlich. Da behelfen sich einige mit Namensänderungen, andere einfach damit, dass sie genau das Gleiche versuchen wie ihr alter Herr. Namensänderungen können helfen, irgendwann kommt dieses kleine Geheimnis aber eh zum Vorschein… und den eigenen Vater einfach zu kopieren, klappt auch nur in den seltensten Fällen. Zumal da dann auch immer die Sprüche kommen: „Das hat der Vater aber sehr viel besser gemacht!“

So was dürfen wir auch Goro Miyazaki sagen. Und dabei hat er das gar nicht verdient, denn eigentlich wollte der gute Goro viel lieber im Landschaftsbau arbeiten, doch auf mir unbekannten Umwegen wagte er sich dann doch in Papas Studios. Erstaunlicherweise war Goros erster Projekt eins, dass seinem berühmten Vater Hayao Miyazaki verwehrt war. Denn der hatte sich bereits in den 80er Jahren darum bemüht, die „Erdsee-Saga“ der amerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin verfilmen zu dürfen. Nur kannte man Miyazaki da im Westen noch nicht so gut und so lehnte die gute Frau ab. Ein paar Jahrzehnte später wollte sie ihn dann auf einmal doch, nur war Miyazaki Senior da eigentlich schon auf seinen Ruhestand eingestellt, weswegen nun Sohnemann Goro die Regie übernehmen konnte.

Guins „Erdsee-Saga“ ist eine Trilogie, doch Goro Miyazakis Film „Die Chroniken von Erdsee“ beschränkt sich nur auf den letzten Band der Reihe. Darin trifft Erzmagier Sperber auf den jungen Prinz Arren, der von einem bösartigen Schatten verfolgt wird. Gemeinsam reisen Sperber und Arren durch das Land, dass durch den bösen Magier Cobb ins Chaos gestürzt wird. Bei Sperbers Freundin Tenar finden die beiden Unterschlupf, doch Cobbs Schergen machen sie ausfindig. Verstecken geht nun nicht mehr… und so macht sich die kleine Gruppe um Erzmagier Sperber auf, um Cobb zu besiegen.

Man muss es gleich vorweg sagen, die fehlenden Informationen aus den ersten beiden Bändern der „Erdsee-Saga“ machen sich in diesem Film doch bemerkbar. Man lernt zwar die Figuren ganz gut kennen, aber irgendwie bleiben sie nur leere Hüllen, die auch die ein oder andere Rückblende oder einfache Erzählung nicht wirklich füllen kann. Man spürt beim Schauen, dass man hier etwas sieht, das vorne und hinten irgendwie nicht ganz rund ist. Die Geschichte um einen Magier, der das ewige Leben sucht und dabei das Tor zwischen Leben und Tod öffnet, macht irgendwie keinen Sinn. Überhaupt entwickelt Miyazaki die Geschichte äußerst langsam – nach einem kurzen Prolog, in dem sich zwei Drachen fetzen und Arren anschließend seinen eigenen Vater umbringt, versackt die Handlung in Langeweile. Statt sich mehr um das Mysterium der kämpfenden Drachen, Arrens Geheimnis oder Erdsee zu widmen, bekommen wir so eine Art „Heidi“-Ersatz: Friedliches Bauernhofleben… „Die Chroniken von Erdsee“ klingt doch aber allein schon vom Titel her wesentlich epischer und pompöser als Leben auf dem Bauernhof.

Doch mit dem Auftauchen von Cobbs Schergen kommt wieder ein wenig Fahrt in den Film. Miyazaki haut noch ein paar mehr geheimnisvolle Dinge auf den Tisch und versucht das Ganze in einem großen Showdown enden zu lassen. Leider merkt man dann nur sehr stark, dass die Story weder Hand noch Fuß hat. Hier fehlt wirklich die lange Vorgeschichte der Roman-Reihe und so wird aus „Die Chroniken von Erdsee“ ein verwirrendes Fantasy-Spektakel, dass überhaupt kein Spektakel ist. Vielmehr ist es ein Gähn-Fest und dem Namen Miyazaki unwürdig.

Studio Ghibli und der Name Miyazaki stehen seit jeher für grandiose Anime-Filme. Miyazaki selbst ist ein großartiger Geschichtenerzähler, der mit viel Liebe fürs Detail und sehr viel Fantasie an seine Filme geht. Jeder seiner Filme ist ein Fest für die Augen und auch für die Seele. Goro Miyazaki hat dieses Talent aber leider nicht geerbt. Stattdessen muss sich Goro damit begnügen, den eigenen Vater zu kopieren.

Und diese Kopien sind für Kenner von Miyazaki Senior so offensichtlich, dass es schon ein wenig weh tut, dass der Junior selbst damit nur Schindluder treibt. Besonders viel geklaut hat Goro bei „Nausicaä“ – ob nun das Figuren-Design oder die Städte oder Wagen. Alles erinnert an die Geschichte aus dem Tal der Winde. Dazu kommt dann noch ein Hauch „Mononoke“ mit einem verfluchten Arren und einer geheimnisvollen Schönen an seiner Seite. Eigentlich bestehen „Die Chroniken von Erdsee“ aus vielen Miyazaki-Zitaten, die ziemlich übel zu einer langweiligen Geschichte zusammengeschustert wurden.

Zum Glück für uns hat Miyazaki Junior seitdem nicht mehr viel gemacht… vielleicht ist er doch wieder zum Landschaftsbau zurückgekehrt.

Wertung: 2 von 10 Punkten (Miyazaki kopiert Miyazaki und das ziemlich schlecht)

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12 Kommentare leave one →
  1. 23. Juli 2012 06:56

    2 PUNKTE SIND SOGAR NOCH ZUVIEL!!!!

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2012 09:28

      Eigentlich schon, am ehesten noch 10 Punkte weniger wegen dem Namens-Vertrauensbruch 😉

  2. 23. Juli 2012 11:59

    Ich kann ja nur wie immer bei Ghibili-Produktionen sagen – kenne ich nicht, interessiert mich auch nicht. Allerdings wird mir das bei diesem speziellen Film bestimmt keiner vorwerfen.

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2012 13:28

      😀 Bei diesem Film macht dir definitiv niemand einen Vorwurf. Bei den „vernünftigen“ Ghibli-Filmen schon 😉

  3. 25. Juli 2012 21:20

    Bei der Einleitung dachte ich schon du leitest über wie Arren mit seinem Erbe umgeht, wolltest wohl aber „Spoiler“ vermeiden. Stimmt, der Film ist wirklich ziemlich unrund, aber audiovisuell trotzdem noch sehr gut, das restliche Studio kann ja nichts dafür, dass die Handlung schlecht umgesetzt ist. Daher hab ich 6/10 vergeben, wobei ich da auch zwischen 5 und 6 schwankte. Wusste jedenfalls nicht, dass es gar kein Originalwerk war, danke für die Info.

    • donpozuelo permalink*
      26. Juli 2012 07:04

      Willkommen 😉

      Gut, das Audiovisuelle war schon gut, aber im Endeffekt auch nur vom Papa geklaut. Wenn Sohnemann schon was machen will, dann vielleicht doch ein wenig mehr als nur „Copy-and-Paste“ 😉

  4. 31. Juli 2012 23:17

    Ach, ich bin wohl wirklich die einzige, die ihn nicht mal so schlecht findet. Ich habe deutlich schlimmere Filme gesehen und überlebt!

    • donpozuelo permalink*
      1. August 2012 07:10

      Ich fand den schon wirklich schlimm… langweilig und langatmig. Und wenn dann noch der Name Miyazaki druntersteht, werden hier noch zusätzliche Hoffnungen zerstört. Zum Glück war es nur der Sohn, sonst wäre ich komplett vom Glauben abgefallen 😉

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