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Mein Freund, der Baum

18. Juli 2012

Jeder Trickfilm braucht irgendeine Moral. Eine wichtige Botschaft, die zwar für die kleinen Zuschauer in bunten Bildern versteckt wird, aber unheimlich wichtig ist. Disney hat das schon immer gern gemacht und vor allem auch gut. Schließlich will man ja keine Belehrungen hören, sondern einen spannenden und schönen Film sehen. Nun ist das mit der Moral der Geschichte immer so eine Sache: Wie verpackt man das Ganze??? Super offensichtlich und in jedem zweiten Satz oder vielleicht doch eher als unterschwellige Botschaft? Und was für eine Geschichte erzählt man überhaupt?

Eine nahezu unerschöpfliche Quelle für die Amerikaner scheint Dr. Seuss zu sein. Der hat knapp 50 Kinderbücher geschrieben, von denen etliche für Film und Fernsehen adaptiert wurden. „Der Grinch“ dürfte vielleicht noch am geläufigsten sein. Jetzt kommt „Der Lorax“ und möglicherweise einer der schlimmsten Moralfilme überhaupt.

In der kleinen Stadt „Thneed-Ville“ gibt es keine Bäume. Alles ist aus Plastik, selbst frische Luft wird in Flaschen geliefert. Der junge Ted möchte das Nachbarsmädchen Audrey beeindrucken, denn die wünscht sich nichts sehnlicher als einen echten Baum. Zum Glück kennt Teds Oma das Gerücht, dass weit draußen hinter den Mauern der Stadt ein Einsiedler wohnt, der wissen könnte, wo man einen Baum bekommt. Ted macht sich auf den Weg zu diesem Einsiedler, der ihm dann die Geschichte erzählt, wie er den Wald zerstörte und damit den Zorn des Lorax – so eine Art Schutzbeauftragter der Bäume – auf sich brachte.

Kapitalismus ist schlecht!

Die Industrie zerstört Lebensträume!

Die Gier nach Geld ruiniert Freundschaften!

Konsum macht willenlose Menschen aus uns!

Die Rodung von Wäldern führt zu einer absoluten Katastrophe!

Umweltverschmutzung bringt nur Unglück!

Das sind nur einige der vielen Parolen, die in „Der Lorax“ vorkommen. Und leider sind die nicht unterschwellig in einer netten oder gar spannenden Geschichte verpackt, die mit vielen bunten und lustigen Tierchen punkten kann. Nein! Hier wird fein nach Schema F gearbeitet: Die Geschichte von Ted dient als Rahmenhandlung, die eigentliche Geschichte mit dem Lorax wird als lange Rückblende erzählt. Es gibt keine großen Überraschungen, keine kleinen, aber feinen Wendungen. Ich fand den Film furchtbar langweilig, weil man einfach schon ab Minute 1 genau weiß, in welche Richtung das alles gehen wird. Ich bin mir sicher, dass Dr. Seuss das in seinem Kinderbuch etwas charmanter gelöst hat, aber der Film tut dies nicht.

Hauptsache, es gibt ein paar lustige Tierchen und eine wuschelige Hauptfigur. Paah!!! Aber das ist langweilig. Da bleibe ich dann doch lieber bei „Wall-E“. Da wird mir die Wichtigkeit von Umweltschutz wenigstens auf schönere Weise dargeboten. In „Der Lorax“ könnte genauso gut ständig einer vor mir stehen und mir diese Parolen einfach an den Kopf hauen. Natürlich sind das alles wichtige Botschaften, aber ich dachte immer noch, dass es auch ein wenig um die Unterhaltung geht. Da ist ja mittlerweile jede Werbung unterhaltsamer als „Der Lorax“.

Es gibt nur eine einzige Sache an „Der Lorax“, die zumindest halbwegs erwähnenswert ist: Wie für Animationsfilme üblich, werden große Namen gebraucht, um den Figuren eine Stimme zu geben. Da hat man im Original dann Zac Efron für Ted, Taylor Swift für Audrey, Ed Helms aus „Hangover“ als den Einsiedler und Danny „The Penguin“ DeVito als den Lorax. Und aus welchen Gründen auch immer – vielleicht ist ihm die Figur so ans Herz gewachsen: Danny DeVito spricht auch in der deutschen Fassung den Lorax. Fleißig deutsch gelernt und dann geht das schon. Dadurch klingt der Lorax dann tatsächlich auch noch ein wenig mehr nach amerikanischem Moral-Apostel, aber hat zumindest Charakter und zeugt von einer gewissen Hingabe DeVitos.

Aber nur wegen Danny DeVito muss man nun wirklich nicht in diesen Film gehen. „Der Lorax“ überzeugte mich so gar nicht: Die Geschichte war vorhersehbar, die Figuren größtenteils doch eher eindimensional. Bleibt die Frage, ob Greenpeace als Hauptsponsor fungierte und man deshalb so auf große Botschaften gesetzt hat. Ich für meinen Teil finde, dass die Macher des Films sich lieber noch mal die alten Disney-Filme und vor allem „Wall-E“ angucken sollten. Dann nämlich werden sie merken, dass ihr Film – so wie er jetzt ist – vollkommen überflüßig ist.

Wertung: 3 von 10 Punkten (lustige Tiere: ja, langweilige Story: ja, Moral: JAAAAA, TÖTET KEINE BÄUME, SONST TÖTET IHR UNS ALLE!!!!!! Der „perfekte“ Kinderfilm also!)

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7 Kommentare leave one →
  1. 18. Juli 2012 07:22

    Was schaust auch für a Zeug an… Also ich geh in „The Raid“. 😀

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2012 07:28

      Ich brauchte nach so viel Action mal was Sanfteres… Geh mal lieber in „The Raid“. Da gibt’s auch auf die Fresse, aber wenigstens keine Standpauken 😉

  2. 18. Juli 2012 16:15

    Cool, dass der deutsche Markt doch wieder so wichtig ist, dass ein Schauspieler sich selbst synchronisiert. Das ist mir zumindest abgesehen von Phil Collins Gesängen bei Tarzan noch gar nicht vorgekommen – aber das lockt mich jetzt trotzdem nicht ins Kino.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2012 19:28

      Ich glaube, das hat jetzt weniger mit dem deutschen Markt als mit der Tatsache zu tun, dass DeVito in fast allen europäischen Versionen seine Rolle selber spricht – spanisch, russisch und noch irgendwas sind auf jeden Fall noch mit dabei. So sahnt der „kleine“ Mann einfach auch mal ein wenig mehr Geld ein 😉

      Und ja, ich finde dieser Film sollte wirklich niemanden in die Kinos locken. Zu schade ums Geld!!!

  3. 20. Juli 2012 18:32

    Enttäuschend. Auch Kinderfilme können anspruchsvoller sein.

Trackbacks

  1. Im Wald herrscht Krieg! | Going To The Movies

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