Skip to content

Tiefseealiens

16. Juli 2012

Wenn ein Mann Salzwasser im Blut hat, dann ist es wohl James Cameron. Eigentlich könnte man ihn als den Jacques Cousteau Hollywoods bezeichnen. Das Meer hat auf Cameron ja eine fast schon magische Anziehung, wohl deswegen taucht er erst zur Titanik, dann an die tiefste Stelle der Erde. Das Meer ruft und Cameron folgt. Da verwundert es niemanden, dass er seine Pläne für weitere „Avatar“-Filme gerne auch unter Wasser verlagern würde.

Dass Cameron filmisch ganz gut ins Wasser passt, hat er nicht nur mit „Titanic“ bewiesen, auch sein Ausflug in die dunklen Tiefen des Kaimangrabens lässt sich sehen. Hier lässt Cameron nämlich ein Atom-U-Boot auf Grund gehen und Ed Harris soll es mit Hilfe seiner Crew und seiner mobilen Unterwasser-Ölplattform, der Rig, bergen. Und sie müssen schnell sein, denn auch die Russen zeigen großes Interesse an dem U-Boot. Zum Glück kommen Bud und seine Mannschaft, die durch eine kleine Gruppe Navy-Seals erweitert wurde, rechtzeitig an. Doch erweist sich die Bergung schwerer als gedacht: Über dem Wasser kommt ein Sturm auf – sowohl Wetter-technisch als auch politisch, unterm Wasser machen die Soldaten Stress. Und dann sind da noch diese merkwürdigen Lichter – statt Russen stoßen Bud und seine Leute auf Aliens, die das Wasser manipulieren können.

Dass es sich bei „The Abyss“ eigentlich um Science-Fiction handelt, ist nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen. Vorrangig ist Camerons Tiefsee-Ausflug am Katastrophenfilm orientiert, der eine etwas oberflächlich konstruierte internationale Krise auf den Buckel geschrieben bekommt. Dadurch und durch das Hinzukommen der Soldaten in Buds Team wird eine gewisse Hektik in die Handlung mit eingebracht. Alles muss schnell, schnell gehen. Leben hängen davon ab.

Aber gut, große, tiefgründige Geschichten erwarten wir nicht von James Cameron. Dafür überzeugt er ganz auf der technischen Seite. Die Tauchgänge zum U-Boot, im U-Boot oder mit den kleinen Beibooten der Rig sind schon sehr aufwändig und gut gemacht. Man bekommt ein Gefühl für diese erdrückende Dunkelheit der Tiefsee, in der man sich mit Bedacht bewegen muss. Lange bewegt sich „The Abyss“ nur rund um die Story des U-Boot-Hebens, nur hier und da lässt Cameron mal etwas durchs Bild flitzen oder aufleuchten, dass vermuten lässt, dass der Film mehr als nur ein Unterwasser-Film ist.

Aber bevor wir zu den Tiefseealiens kommen, reden wir doch mal über das Unterwasser-Drama in der Rig. Auch hier besticht Cameron nicht unbedingt durch tiefgründige Charaktere. Es ist wie bei so vielen seiner Filme: Die Figuren müssen sich den Effekten geschlagen geben. Ed Harris bemüht sich ein möglichst brummiger (Tief-)Seebär zu sein, doch kaum ist seine Ex Lindsey (Mary Elizabeth Mastrantonio) wieder da, wird der Mann zur Maus. Gut, es gibt die typischen Streitigkeiten, bei denen man schon ab Minute Eins weiß, dass sie sich am Ende doch noch kriegen werden. Der Rest von Buds Crew ist – wie in jedem klassischen Action-Streifen mit mehreren Personen – buntgemischt. Vom Technik-Freak mit Schmuseratte über einen bärtigen Brummbär bis hin zur einzigen Frau unter den Männern ist alles vertreten. Da bekommt jeder mal so seinen kurzen Moment, aber das war’s auch schon. Michael Biehn als eiskalter Soldat bringt der ganzen Unterwasser-Party den Bösewicht-Faktor.

Also nichts Neues… aber das Rezept reicht aus, denn seien wir mal ehrlich: Wir haben schon bei „Avatar“ irgendwann nicht mehr auf die Figuren geachtet! Dieses Konzept „Style vor Tiefe“ funktionierte für Cameron ja auch schon früher. Und so beeindrucken in „The Abyss“ halt nicht nur die Unterwasser-Settings, sondern natürlich auch die Tiefseealiens und ihre Wasserspielchen: Anfangs sieht man ja nur Lichter, aber dann kommt dieser Erkundungswasserschlauch, der sich einmal durch die ganze Rig bewegt. Das sieht extrem geil aus (und hat verdient sein Zitat in „Donnie Darko“ bekommen). Bei den Aliens selbst versucht sich Cameron an merkwürdigen Quallenwesen. Da kann man sich nun streiten, ob die wirklich so der Hit sind. Auf jeden Fall ist es mal was anderes – und es passt auch noch zu den Umweltbedingungen, in denen die Außerirdischen seit Jahren gelebt haben.

„The Abyss“ geht auch die „Friedliche-Aliens“-Schiene… es ist ein wenig wie „Unheimliche Begegung der dritten Art“ – unter Wasser und ohne Musik. Aber auch mit seinem Alien-Aufruf zeigt sich Cameron wieder etwas unkreativ. Alles wird relativ schnell aufgelöst und geklärt – immerhin schaut die Special Edition des Films etwas mehr genauer auf die Beweggründe unserer außerirdischen Freunde.

„The Abyss“ ist halt ein typischer Cameron-Blockbuster – absolut sehenswert dank großartiger Effekte, dafür etwas lau und vorhersehbar, was die Geschichte und ihre Figuren angeht. Da ist James Cameron aber der einzige Regisseur, dem ich das nicht sonderlich übel nehme.

Wertung: 8 von 10 Punkten (wer außer Cameron hätte was über Tiefseealiens machen können?)

Advertisements
8 Kommentare leave one →
  1. 16. Juli 2012 11:03

    Stimmt irgendwie. Das einzige Drehbuch von Cameron, das mir gefällt, ist zu TITANIC. Da bekommen die Figuren immerhin annähernd Tiefe und auch die Geschichte reißt immer mal wieder kleinere Konflikte an.
    Allerdings ist der Typ so ins Wasser vernarrt, dass ich THE ABYSS auch einfach mal eine Chance geben muss, wenn die Gelegenheit sich ergibt.

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2012 11:25

      „The Abyss“ ist auf jeden Fall sehenswert! Auch wenn man Cameron Story-Löcher immer wieder vorwerfen kann, weiß er, wie man die anderweitig stopft 😉

  2. 16. Juli 2012 12:21

    „The Abyss“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Großartig – sowohl visuell, als auch (zumindest für mich) inhaltlich. Hast du die längere Fassung gesehen? Ist auf jeden Fall ein deutlicher Zugewinn. Kann die Blu-ray schon nicht mehr erwarten…

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2012 15:18

      War die längere Fassung, die ich persönlich auch sehr bevorzuge. Ich habe mal die alte und dann die neue Fassung gesehen und da liegen schon Welten dazwischen.

  3. 20. Juli 2012 09:12

    Für einen Science-Fiction-Film anno 1989 immer noch sehenswert. Nur der deutsche Titel „Abyss – Abgrund des Todes“ ist wirklich ein Lacher.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2012 09:43

      Deutsche Titel sind immer irgendwie ein Lacher. „Abgrund des Todes“ ist so irreführend, dass es schon richtig weh tut!!!

Trackbacks

  1. 28:06:42:12 « Going To The Movies
  2. Auf nach Pandora « Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: