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Überirdische Farbklänge

2. Juli 2012

Wenn ihr ein Ufo seht, dann nennt der „Experte“ das eine Begegnung der ersten Art. Doch um diese Art von Kontakt wirklich bestätigt zu bekommen, müsst ihr euch den Ungläubigen stellen. Und die werden euch möglicherweise eher auslachen, für verrückt halten und nur mit dem Kopf schütteln.

Doch als fleißige Ufo-Fanatiker lasst ihr euch von so etwas natürlich nicht abschrecken. Unermüdlich forscht ihr weiter, bis ihr tatsächlich einen physischen Beweis für dieses Ufo in der Hand haltet. Das nennt der „Experte“ eine Begegnung der zweiten Art. Jetzt könnten die Ungläubigen vielleicht schon ein wenig stutzig werden und vielleicht bekommt ihr auch Besuch von ein paar netten Männern, die irgendeiner streng geheimen Regierungsorganisation angehören.

Jetzt steht einer Begegnung der dritten Art nichts mehr im Wege und hier habt Kontakt zu dem Ufo oder seinen Insassen. Dann wäre der Experte vollkommen aus dem Häuschen, ihr höchstwahrscheinlich auch und auch alle anderen, die vorher nur ungläubig den Kopf geschüttelt haben. Wäre nur noch die Frage zu klären, wie diese Begegnung abläuft.

Die meisten „Experten“ schlagen erst einmal ein paar Handwaffen vor. Man kann ja nie wissen, was das so für Dinger sind, die da mit ihrem Ufo Kontakt mit uns aufnehmen. Lieber auf Nummer Sicher gehen. Hollywood liebt die Waffen-Variante – da macht es mehr Knall und wesentlich mehr Bumm. Es gibt wohl wirklich nur einen Menschen, dem wir es gestatten, dass er uns Xylophon oder Klavier für den Erstkontakt empfiehlt. Aber immerhin kennt sich Steven Spielberg ja mit guten Außerirdischen aus und so verwundert es auch niemanden, wenn seine Begegnung der dritten Art eine sehr musikalische ist.

In der Wüste Gobi taucht ein altes Schiff wieder auf, in der mexikanischen Wüste Sonora taucht eine verschollen geglaubte Fliegerstaffel wieder auf und an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt berichten Menschen von Ufo-Sichtungen. Auch der Elektriker Roy Neary (Richard Dreyfuss) und die alleinerziehende Jillian (Melinda Dillon) haben die Ufos gesehen und werden seitdem von der Vision eines Berges verfolgt. Auf der Suche nach dem Berg stoßen die beiden nicht nur auf weitere Ufo-Jünger, sondern auch auf das Militär. Ein französischer Wissenschaftler namens Lacombe ist Leiter der militärischen Aktion, denn er hat entdeckt, dass die Ufos mit bestimmten Tönen zu kommunizieren versuchen.

Erst mal eines gleich vorweg: Der deutsche Titel „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ ist ein wenig irreführend. Spielberg fängt zwar ein bisschen unheimlich an: flackernde Lichter, plötzliche Stromausfälle, kläffende Hunde und vibrierende Häuser, in denen es zugeht, als würde ein Poltergeist wüten. Doch die Außerirdischen selbst werden nie als „Monster“ dargestellt. So richtig unheimlich werden eher die von den Ufos „Besessenen“.

Richard Dreyfuss spielt diesen Ufo-Süchtigen Roy toll. Gequält von Visionen, die er selber nicht versteht, ruiniert der Besuch der Außerirdischen sein ganzes Leben. Roy entfremdet sich mehr und mehr von seiner Familie, besessen davon das Rätsel hinter den Besuchern zu lösen. Eine Verbündete findet er in Jillian, deren kleiner Sohn von den Außerirdischen entführt wurde. Beide erfüllen so das Klischee der Ufo-Nerds, dass wir durch Serien wie „Akte X“ eingetrichtert bekommen haben: Alles in ihrem Leben dreht sich nur noch um das eine – die fliegenden Untertassen und der Grund für ihren Besuch.

Und viel erfahren wir wahrhaftig nicht für ihren Besuch. Anfangs sind es nur tanzende Lichter am Himmel. Aber das Beste hat sich Spielberg ja eh für den Schluss aufgehoben… und ich gestehe, dass ich bis vor Ewigkeiten auch nur diesen Schluss kannte. Zum Ende hin nimmt „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ ja schon fast biblische Züge an: Roy als Moses, der auf den hohen Berg steigt, um dort mit den Außerirdischen zu reden. Man kann da natürlich viel solches Zeug reininterpretieren, aber in erster Linie ist das einfach nur beste Spielberg-Wohlfühl-Unterhaltung. Wenn das Musikspiel zwischen Menschen und Ufos losgeht, ist schon ein bisschen Gänsehaut angesagt. Hier können wir uns dann dem Wunsch nach Erlösung durch unsere außerirdischen Freunde hingeben. Vielleicht ist das Ganze nicht so dramatisch wie E.T.s Abschiedsszene, aber trotzdem toll gemacht.

„Unheimliche Begegnung der dritten Art“ hat ja nun schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber es ist nicht nur der Nostalgie-Faktor, der diesen Film so sehenswert macht. Gleichzeitig gehört Spielbergs Film zu einem der ersten Filme, bei dem ich furchtbar gerne eine Fortsetzung gesehen hätte. Die Reise ins All für Roy und Co. war wohl mal geplant, wurde dann aber nie umgesetzt. Aber da Hollywood ja gerade im wilden Reboot-Remake-Fieber ist, könnte das vielleicht ja doch noch mal passieren.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Spielberg gibt uns die Hoffnung auf Erlösung durch friedliche Musikfreunde aus dem All)

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6 Kommentare leave one →
  1. 2. Juli 2012 17:35

    Welche der unzähligen Fassungen hast du gesehen? Mit oder ohne Ende im Alien-Schiff?

    • donpozuelo permalink*
      2. Juli 2012 22:43

      Die neuere Version… mit Schiff in der Wüste Gobi und Blick ins Innere des Alien-Schiffes. Wieso, gibt’s Mängel an der neuen Variante?

      • 2. Juli 2012 23:06

        Soweit ich weiß gibt es drei Versionen: Die ursprüngliche Kinofassung, dann die Special Edition mit Erweiterungen und Blick ins Alien-Schiff und den Director’s Cut mit noch mehr Erweiterungen, aber ohne Blick ins Alien-Schiff.

        Ich kenne die Special Edition von früher und den Director’s Cut von der letzten Sichtung. Welche Fassung nun besser ist? Vermutlich würde ich das nächste mal wieder den Director’s Cut sehen…

        • donpozuelo permalink*
          3. Juli 2012 07:36

          Ich find’s ja fast schon ein wenig anstrengend, dass es gerade bei den alten Klassikern immer Dutzende Versionen gibt. Wenn ich mir allein überlege, wie oft man sich auch „Blade Runner“ anschauen könnte und jedes Mal einen anderen Film sehen würde… schon ein wenig verrückt.

          Aber ich glaube, bei „Close Encounters“ reicht mir die Special Edition-Fassung… statt weiterer Editionen hätte ich ja dann tatsächlich gerne eine Fortsetzung gesehen. Die ja wohl angeblich auch geplant gewesen war.

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