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Spinne gegen Echse

27. Juni 2012

Wenn man in diesen Tagen die Tage „Reboot“ und „zu früh“ in den Mund nimmt, dann braucht man keine lange Einleitung mehr, um zu wissen, dass es um „The Amazing Spider-Man“ geht. Tobey Maguires Spidey war noch nicht einmal richtig kalt, da wurde schon das Reboot gefordert. Unverständlich, wenn man doch bedenkt, was Sam Raimi da mit seinen drei Filmen aufgebaut hat. Gut, der dritte Teil war jetzt vielleicht nicht so der Hit, aber doch bitte Teil 1 und 2. Aus welchen Gründen braucht man denn dann nur drei, vier Jahre nach dem Aus der Film ein Reboot? Klar, Geld!!!

Und so dürfen wir diese Tage das „Spider-Man“-Reboot erleben. Und Regisseur Marc Webb – ja, der gleiche Mann, der „(500) Days of Summer“ gemacht hat – hat mit diesem Film eine schwere Bürde zu tragen. Nicht nur, dass man nach Raimis Erfolgen einiges von ihm erwartet. Nein, das Wort „Reboot“ schreit auch immer gleich Christopher Nolan und „Batman Begins“, sprich: ein Reboot, das wirklich alle von den Socken gerissen hat. Nur schon mal so viel: Ein Nolan-Reboot ist der neue „Spidey“ keineswegs.

Großer neuer Ansatz von „The Amazing Spider-Man“ soll Peter Parker sein. Ja, richtig, der Mann hinter der Maske. Deswegen bekommen wir auch vorab mal seine Eltern zu Gesicht. Doch leider erfahren wir nur, dass sein Vater für Oscorp arbeitete, plötzlich fliehen muss und deswegen den kleinen Peter bei Onkel Ben und Tante May schicken muss. Cut zur Highschool. Peter ist jetzt ein Teenager, ist heimlich verliebt in Gwen Stacy, wird von einer mutierten Spinne gebissen, wird Spiderman, macht Jagd auf Bösewichte und gerät in die Fänge vom ebenfalls mutierten Dr. Connors, der zum Echsenmann wird.

Man sieht also, bis auf ein paar kleine Kleinigkeiten ist Webbs „The Amazing Spider-Man“ nicht sehr viel anders als Raimis „Spider-Man“. Nur halt, dass Peter Parker und seine Probleme stärker in den Vordergrund geschoben werden sollen. Doch außer der Tatsache, dass die Vorgeschichte mit seinen Eltern kurz erwähnt wird, bleibt auch dieser Peter Parker der, den wir schon kennen. Einzige Ausnahme: Statt Mary-Jane liebt er erst mal Gwen Stacy.

Webbs größtes Problem (und auch eines, dass er nicht wirklich zu bekämpfen weiß) ist, dass die Erinnerungen an Raimis Spidey einfach viel zu frisch sind. Auch in diesem Film muss Parker erst einmal seine Kräfte erlernen – bei Webb macht er das nur alles sehr viel schneller und dann gleich auch wesentlich brutaler. Webbs Spidey ist kein Voll-Nerd mehr, er hat gut gemachte Haare, Kontaktlinsen und fährt cool mit dem Skate-Board durch die Gegend. Seine Einsamkeit ist von ihm gewollt. Einzig und allein den Zeitpunkt, wann Peter das Kostüm anlegt, verlängert Webb. Und so braucht es eine ganze Weile, bis der wahre Spidey wirklich vor uns steht. Dieses Mal zumindest mit Netzdüsen Marke Eigenbau – was Comic-Fans freuen wird, die so sehr gegen Raimis „Naturdüsen“ waren.

Ganz große Schwierigkeiten bereitete Webb und seinem Team wohl auch die Vermeidung der Worte „Great Power“ und „Great Responsibility“. Wer auch immer diese Szene zwischen Peter Parker und seinem Onkel geschrieben hat, gehört bestraft. Dieser Dialog kommt so quälend rüber. Mit aller Macht wird versucht, dass man nicht diesen einen prägnanten und viel zitierten Satz zu wiederholen. Und dabei ruiniert man sich nebenbei die eine große Lehrstunde von Ben Parker. Naja, immerhin darf er Peter noch mitteilen, dass große Geheimnisse immer eine Gefahr in sich tragen… wer ein Auge zudrückt, kann das gelten lassen.

Doch bei all den Vergleichen zu Raimi, die „The Amazing Spider-Man“ in seinen Zuschauern hervorruft, muss man doch eines sagen: Wenn Webbs Variante der allerallererste Spidey-Film gewesen wäre, wäre er super. Auch wenn einige Dialogszenen zwischen Peter und Gwen sehr steif wirken. Webbs Spidey ist wesentlich ernster als Raimis und man vermisst ganz stark den guten Daily Bugle und Peters Probleme mit einem gewissen Herausgeber. Doch bei all dem Meckern muss man trotzdem sagen: Der Film läuft reibungslos. Die Action kommt in „The Amazing Spider-Man“ nicht zu kurz. Die Netzschwingaktionen mit den eingestreuten Point-of-View-Sequenzen sind der Hammer und der neue Spidey bewegt sich teilweise noch flinker und noch präziser als der alte.

Mit Andrew Garfield bekommen wir einen guten Tobey Maguire-Ersatz. Sympathisch und intelligent – der perfekte Hybrid aus Nerd und Held. Garfield bekommt seine lustigen Spidey-Einzeiler, bekommt seine tragischen Momente und meistert sie alle bravourös. Zu Emma Stone will ich nicht viel sagen: Die Frau könnte einen Kaktus spielen und es wäre einfach nur toll. Dementsprechend ist ihre Gwen nicht einfach nur so ein nettes Püppchen, sondern ein Weib mit Biss und Charme. Großes Lob auch an Rhys Ifans, der zwar nie und nimmer an Alfred Molina ran, aber er gibt seinem „Bösewicht“ dieses gewisse Etwas. Er ist nicht wirklich böse, eher verzweifelt. Gut ist auch Sally Field als neue Tante May, die mir dann tatsächlich sogar besser gefallen hat als die liebe Rosemary Harris.

Alles in allem ereilt „The Amazing Spider-Man“ das Schicksal, zwar gut, aber eigentlich überflüssig zu sein. Es ist ein geiler Action-Sommer-Blockbuster für all die, die vorher noch nie auch nur einen Spider-Man-Film gesehen haben (gibt’s solche Menschen überhaupt?). Für alle anderen ist es zwar immer noch ein vor allem optisch geiler Film (3D-Netzschwingen durch New York plus Emma Stone – what’s not to like???), doch bei der Story kommt nicht viel neues bei raus. Schade eigentlich, aber es kann mit den Nachfolgern ja nur besser werden. Und hoffentlich traut sich jemand, mit Gwen Stacy wirklich so zu verfahren, wie es auch in den Comics der Fall ist.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Story ist altbekannt, nur optisch ein bisschen verbessert)

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34 Kommentare leave one →
  1. 27. Juni 2012 10:15

    Hm, schade … Könnte allerdings sein, dass ich ihn etwas besser bewerten würde, weil ich Andrew Garfield dem lieb-nervigen Tobey um Längen vorziehe. Fand ja auch die ersten Filme mehr schlecht als recht. Na ja. Unterm Strich gehört Spidey halt doch eher zu den uninteressanteren Superhelden.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2012 10:37

      Du hast jetzt nicht gerade gesagt, dass Spidey zu den uninteressanteren Superhelden gehört, oder??? Da habe ich doch garantiert was falsch gelesen. Da sollte doch bestimmt stehen, „Spidey ist toll, interessiert mich persönlich aber eher weniger, weil ich ein großer Spinnenphobiker bin.“ Gut, das wir das geklärt haben.

      Zum Film: Wenn dir die Raimi/Maguire-Filme tatsächlich nicht gefallen haben, dann könnte die Webb/Garfield-Variante vielleicht tatsächlich was für dich sein. Für mich als Raimi-Fan kommt dieser Reboot einfach etwas zu früh. Trotzdem ist und bleibt auch der neue Spidey ein klasse Film, der sich gut auf seine Hauptfigur einspielt. Und Garfield ist ebenfalls wirklich gut, vielleicht wirklich besser als Maguire. Auf jeden Fall ist Emma Stone eine große Bereicherung und tausendmal besser als die doch eher langweilige Kirsten Dunst, die in den alten Filmen immer aussah, als würde sie gleich einschlafen.

  2. 27. Juni 2012 11:03

    Ich bin immer noch nicht schlüssig ob ich den Reboot gut oder schlecht finden soll…einersetis brauchte es nach Spiderman 3 schon ein bisschen mehr ernsthaftigkeit aber der Anstatz gefällt mir irgendwie nicht…Spiderman war ja anders als Batman immer zu einem Stück komisch oder witzig.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2012 11:08

      Also den Reboot an sich finde ich auch unnötig. Raimi hat doch zwei (!!!) gute Filme abgeliefert. Wahrscheinlich ist dieses Reboot eher der Tatsache geschuldet, dass man komplett neue Gesichter hat. Wie gesagt, wenn es der erste Spidey gewesen wäre, wäre es super gewesen. Ein wenig mehr Witz hätte ich mir auch gewünscht, aber ich hoffe mal, dass sie das in den Nachfolgern noch besser hinbekommen.

      Großer Hingucker sind tatsächlich die Netzschwing-Aktionen in 3D und POV durch New York!!! Sehr geil!!!

  3. 27. Juni 2012 17:50

    Hm, ich will für den Film mal wieder den Schritt ins Kino wagen. Das habe ich seit über einem Monat trotz interessanter Filme nicht geschafft.
    Aber wenn ich schon höre, dass der 3D-Effekt mal tatsächlich sichtbar und auch noch cool sein soll, dann sitzt das Geld nicht mehr so tief in der Tasche.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2012 20:07

      Also… „The Amazing Spider-Man“ kann man sich schon im Kino anschauen. Sollte man auch tun. Was die 3D-Effekte angeht: Das ist in vielen Szenen schon ziemlich cool gemacht, dennoch finde ich immer noch, dass es ohne 3D auch funktioniert hätte. Es ist halt eine Grundsatzdiskussion: In so vielen 3D-Filmen ist die Technik eigentlich überflüssig. Aber der gute Spidey hat schon ein paar sehr coole 3D-Sachen dabei…

  4. 27. Juni 2012 22:26

    Haha ein Emma Stone-Anbeter 😆
    Wirklich reizen tut er mich ja nicht, dafür sind die Raimis noch zu nahe dran, aber irgendwann werde ich mal reinsehen 😀

    • donpozuelo permalink*
      28. Juni 2012 08:46

      Wieso, bist du auch ein Stone-Anbeter oder was hat das zu bedeuten? 😉

      Ich finde ja auch, dass die Raimis noch zu nahe dran sind, aber anschauen kann man ihn sich schon. Ich wiederhole mich gerne: Ich hoffe, sie machen was aus der Gwen-Stacy-Geschichte.

  5. 28. Juni 2012 08:25

    Hättest du nicht vor mir geschrieben, würde ich sagen, du hast abgeschaut. 😉 Ich bin froh, dass ich deine Kritik erst nach meiner Sichtung gelesen habe, denn sonst hätte wohl oder übel ich alles einfach nur abtippen können. 😀

    Wieder einmal eine tolle Kritik und Meinung, die ich 1:1 mit dir teile. Der Film macht ganz klar Spaß, auch wenn er nicht notwendig gewesen wäre.

    • donpozuelo permalink*
      28. Juni 2012 08:49

      Ich sage ja: Brüder im Geiste 😉

      Da ich ja aber ein großer Spider-Man-Fan bin, hoffe ich ja, dass alle nachfolgenden Filme besser werden. Und vielleicht nimmt man sich da dann mal ein wenig mehr Zeit für Venom und Co. 😉

      • 28. Juni 2012 08:57

        Geht mir ähnlich. Ich freue mich auf den nächsten Teil und bin gespannt, wie es weitergehen wird. Zum einen wg. Gwen Stacy und zum anderen wg. der neuen (alten) Gegner.

        • donpozuelo permalink*
          28. Juni 2012 09:08

          Ich hoffe ja nur, dass sie im nächsten Teil dann auch den „Daily Bugle“ endlich mal ein bisschen besser ins Licht rücken. Da ist noch viel komisches Potenzial drin!!! Hauptsache ist, sie finden einen guten J. Jonah Jameson.

        • 28. Juni 2012 09:10

          Oha,… ich glaube kaum, dass jemand den großartigen J.K. Simmons übertreffen kann, lasse mich aber gerne überraschen.

        • donpozuelo permalink*
          28. Juni 2012 09:11

          Ich glaube das auch nicht, aber man kann sich ja immer überraschen lassen. Ich könnte mir Michael Sheen sehr gut vorstellen.

        • 28. Juni 2012 09:15

          Zum Glück stand jetzt nicht „Charlie“ vorne dran… 😉

        • donpozuelo permalink*
          28. Juni 2012 09:30

          Um Gottes willen… sowas darfst du doch nicht im Internet schreiben. Das findet nur jemand und wir sind dann Schuld, wenn es wirklich wahr wird. Ich meine, den Choleriker hätte er schon gut drauf, Zigarren kann er auch rauchen… Moment, was spricht jetzt gegen ihn? 😉

  6. 29. Juni 2012 08:20

    „Alles in allem ereilt „The Amazing Spider-Man“ das Schicksal, zwar gut, aber eigentlich überflüssig zu sein.“ Bam, you nailed it. Perfekt. 🙂

    Könnte nicht stärker deiner Meinung sein. Fand es auch unnötig, dass man sich so um Uncle Bens Leitsatz foutierte… Das war unnötig. Leider spielte Emma Stone wohl wirklich besagten Kaktus, denn in ihrer Rolle als *hüstel* SIEBZEHNJÄHRIGES Ding überzeugte sie nun echt nicht.

    Was mich auch störte, war dass The Lizard zusätzlich noch etwas gar viele Aspekte vom Green Goblin thematisierte – das ganze Schizophrenie-Zeug. Wenn wirklich der Green Goblin im zweiten Teil kommt, braucht es da verdammt viel, um den Charakter vom Lizard abzuheben. Wovon mich das grässlich dämliche Easter Egg bislang noch nicht überzeugen konnte…

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2012 09:08

      Danke!!!

      Nix gegen Emma Stone, bitte! 😉

      Diese Lizard-Goblin-Nummer hat mich auch stark gestört. Und ja, das Easter-Egg deutet ja wirklich auf den Goblin hin. Da bin ich dann auch gespannt, wie sie den umsetzen wollen. Alles in allem fand ich die Lizard-Nummer jetzt nicht so hundertprozentig überzeugend, wie ich es gerne gehabt hätte.

      • 29. Juni 2012 09:11

        Emma war lau. Punkt. Das würde ich auch sagen, wenn ich sie mögen würde. 😉

        • donpozuelo permalink*
          29. Juni 2012 09:13

          Sagen wir es mal so: Die Figur der Emma Stone hat einfach zu wenig Platz im Film bekommen. Kurz mal auftauchen, gleich in Parker verliebt sein, ein bisschen schmachten – das war’s. Da war ja nicht viel drin für die gute Emma. Das Skript hat Schuld 😛

        • 29. Juni 2012 09:15

          Ich mag sie nicht besonders, fand sie aber weitaus angenehmer als Kirsten Dunst. Punkt.

        • donpozuelo permalink*
          29. Juni 2012 09:21

          Richtig!!!

      • 29. Juni 2012 09:25

        Jaja klar. Immer das Script, ne? 😛 Und vielleicht mag mich ja ihr Dahinscheiden happy stimmen 😀

        • donpozuelo permalink*
          29. Juni 2012 09:33

          Auch wenn es fies klingt, aber darauf hoffe ich auch. Das wäre mal konsequent.

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