Zum Inhalt springen

Jäger des gefallenen Sterns

20. Juni 2012

Ich mag England! Gut, jetzt in Zeiten der Fußball-Europameisterschaft ist das vielleicht für den ein oder anderen ein gewagter Kommentar, aber es geht mir gar nicht um den Fußball. Es geht mir mehr um die Literatur und den Film. Bei der Literatur muss ich sagen, bin ich ein großer Fan der Fantasy-Autoren. Vor allem Mr. Terry Pratchett und Mr. Neil Gaiman. Während sich Pratchett ja durch seine Scheibenwelt-Romane in mein Herz geschrieben hat, begeistert Gaiman ja auf eine fast noch vielseitigere Weise. Gaimans Bücher sind immer einen Blick wert. Ob nun der Gang in ein etwas anderes London in „Neverwhere“, die Reinkarnation von Odin auf Reisen in Amerika in „American Gods“ oder ein Spinnengott, der Sorgen mit seinen Söhnen hat („Anansi Boys) – Gaiman überzeugt durch schräge Ideen und spannende Geschichten. (BTW: Auch als Comic-Buchautor hat Gaiman seine Fangemeinde begeistern können.)

Und wenn Fantasy-Master Pratchett mit so einigen Filmen beschert wurde, wäre es ja nur fair, wenn auch Gaiman ebenfalls mal von der Filmindustrie angesprochen wird. Soweit ich weiß, wurde sein Roman „Neverwhere“ schon als Mini-Serie verfilmt, aber nur zwei Bücher schafften es auch in die Kinos. „Stardust“ ist eines davon (das zweite ist „Coraline“).

Aus „Stardust“ wurde bei uns mal eben „Der Sternwanderer“: In dem kleinen englischen Dörfchen Wall versucht der junge Tristan Thorn (Charlie Cox) die schöne Victoria (Sienna Miller) für sich zu gewinnen. Bei einem Picknick beobachten die beiden, wie ein Stern vom Himmel fällt und Tristan will Victoria eben diesen Stern als Liebesbeweis zu schenken. Doch dafür muss Tristan über eine Mauer… und hinter dieser Mauer liegt das magische Königreich Stormhold. Und hier ist Tristan nicht der einzige, der hinter dem gefallenen Stern her ist. Zum einen hat die Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer) es auf den Stern abgesehen… sie braucht ihn, um sich und ihren beiden Schwestern ewige Jugend gewährleisten zu können. Zum anderen ist da Prinz Septimus (Mark Strong), der auch sein Interesse an dem Stern hat. Ach ja, und bevor ich das Wichtigste vergesse: Dieser Stern ist kein Stern, sondern eine junge Frau namens Yvaine (Claire Danes).

Man muss es Gaiman ja lassen, der Mann weiß, was er will. Bereits Ende der 90er Jahre wollte man seinen Roman verfilmen, doch Gaiman war von den ersten Plänen wenig begeistert und stellte sich gegen das Projekt. Erst als sein Freund und Kupferstecher Matthew Vaughn vorbeikam, war sich der Brite sicher, dass aus „Stardust“ ein guter Film werden könnte. Dabei ist „Stardust“ nach „Layer Cake“ erst Vaughns zweiter Film… und doch der Beweis, dass Vaughn ein guter „Literaturverfilmer“ ist (wie man an den Nachfolgern „Kick-Ass“ und „X-Men“ schön gesehen hat).

Vaughn hat aus „Der Sternwanderer“ definitiv einen würdigen Gaiman-Film gemacht. Der Film überzeugt als amüsantes und spannendes Märchen, in dem viel von der Gaiman’schen Fantasie wieder zu finden ist. „Der Sternwanderer“ ist eine schnell inszenierte Hetzjagd mit tollen Figuren. Danes und Cox liefern ein süßes Leinwandpärchen ab, bei denen man zwar schon am Anfang weiß: „Die kommen zusammen!“. Doch bevor das passiert, lässt uns Vaughn noch ein wenig kochen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Michelle Pfeiffer überzeugt als böse Hexe im Schönheitswahn. Ob ich allerdings Robert De Niro als tuntiger Pirat wirklich gut heiße, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall ist es schon irgendwie recht witzig und Kino-Gott De Niro schafft es dann irgendwie doch noch, diesem merkwürdigen Piraten genügend Würde zu verleihen. Auf der Schurkenseite hätten wir dann neben Frau Pfeiffer noch Mark Strong… ein von Macht besessener Mensch, der ein großes Problem hat: Die Geistern seiner ermordeten Brüder verfolgen ihn auch Schritt und Tritt.

Man kann damit vielleicht festhalten, dass „Der Sternwanderer“ vor allem durch eine gut aufgelegte und wirklich perfekt passende Besetzung glänzt. Jeder Schauspieler verleiht seiner Figur – habe sie auch einen noch so kurzen Auftritt – die nötige Tiefe, die Liebenswürdigkeit oder halt die Boshaftigkeit, die mit ihr einher geht.

Dazu kommt Vaughns scheinbar natürliches Händchen für ein geschicktes Geschichten-Erzählen: „Der Sternwanderer“ wird nicht einmal wirklich langweilig. Die wilde Hetzjagd, um als erster beim Stern zu sein, bietet genug Möglichkeiten für Fantasy, Comedy und Action. Und natürlich darf auch ein wenig Romantik nicht fehlen. Eine gute Mischung, die Vaughn zu einem gelungenen Märchen zusammenpackt. Gaiman darf wohl mehr als zufrieden sein – ich kenne zwar die literarische Vorlage nicht, aber „Der Sternwanderer“ ist unverkennbar ein Gaiman. Ein wenig verrückt, aber gut!

Wertung: 9 von 10 Punkten (witzige und fantasievolle Jagd nach einem Stern)

11 Kommentare leave one →
  1. 20. Juni 2012 09:47

    Ja, ein toller Film! Gestern erst die Blu-ray davon geholt 🙂

  2. 20. Juni 2012 10:58

    Von Gaiman habe ich bisher nur „Coraline“ gelesen. Das orientiert sich zwar eher an einem jüngeren Publikum, war aber dennoch eine schöne Geschichte. Den Film zum Buch habe ich noch davor gesehen und muss sagen, dass er die Vorlage sogar noch übertrifft. „Der Sternenwanderer“ klingt dadurch und durch deine Kritik ja ziemlich interessant.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juni 2012 12:50

      Bei mir ist es genau andersrum: Ich habe „Coraline“ nur gelesen und den Film nicht gesehen. Aber wenn du sagst, dass der Film gut ist, dann trifft ja meine Behauptung zu, dass Gaiman-Bücher einfach nur gut verfilmt werden können. 😉

  3. 4. Juli 2012 11:13

    Will ich sehen. Hast Du den?

    • donpozuelo permalink*
      4. Juli 2012 12:56

      Der lief im Fernsehen. Aber die DVD dürfte sicherlich nicht die Welt kosten!!

  4. 4. Juli 2012 11:18

    Du solltest einen imdb.com-Link einbauen, damit man die Filme gleich in die Watchlist legen kann! 🙂

  5. 8. Juli 2012 22:06

    Ich habe mich verliebt! Alles stimmt.

    • donpozuelo permalink*
      8. Juli 2012 23:09

      Freut mich! Und zum Thema imdb.com… mmhh, ich werd’s mir überlegen!

Trackbacks

  1. Knopfaugen sind nicht für jeden! « Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: