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Familienchaos

11. Juni 2012

Ich bin seit jeher ein großer Fan von Sitcoms gewesen, aber in letzter Zeit ist das Gebiet der Sitcoms heiß umkämpft – zum größten Teil von Serien, die mich nicht mehr wirklich vom Hocker reißen. Viele Serien sehen für mich einfach nur noch wie ein Aufguß der „Friends“-Formel aus. Aber mittlerweile langweilen mich auch die Serien, die anfangs noch gerne gesehen habe: Nehmen wir nur „How I Met Your Mother“. Da macht jetzt eigentlich auch schon jeder mit jedem rum und nach zig Jahren kennen wir immer noch nicht mehr von der Mutter als ihren Regenschirm und ihren Fuß. Anfangs war das alles noch witzig, doch mit der Zeit wirkt die Serie auch sehr ausgelutscht und gewollt in die Länge gezogen. Gleiches gilt auch – und ich glaube gar nicht, dass ich das jetzt schreibe – für „The Big Bang Theory“. Meine geliebten Nerds kämpfen nun nicht mehr allein gegen die Tücken der Normalo-Welt: Selbst Sheldon Cooper hat sowas wie eine Beziehung. Ich habe das Gefühl, dass alle Sitcoms, die auf dem Freunde-treffen-sich-Prinzip beruhen, irgendwann in die gleiche Richtung laufen und mehr und mehr zu langweiligen Beziehungssoaps mit Witzen verkommen.

Ich gucke zwar beide Serien noch, aber mit immer weniger Freude. Es war für mich also Zeit, mich nach was Neuem umzuschauen. Dabei bin ich einem altem Schema gefolgt: Die einzige Sitcom, die mich selbst nach neun Staffeln nicht enttäuschte, war „King of Queens“. Und das lag wohl daran, dass man sich da seinem Serienkonzept immer treu bleiben konnte. Hier hatte nicht auf einmal jeder was mit jedem, denn hier ging es um die Familie. Gut, vielleicht eine etwas merkwürdige Familie, aber das Konzept hatte Bestand. Also lautete meine Aufgabe: „Ausschau halten nach einer Familie!“

Und ich fand mein Glück gleich bei drei Familien: Oberguru Jay Pritchett (Ed O’Neill) ist mit der sehr, sehr, sehr viel jüngeren Kolumbianerin Gloria (Sofia Vergara) verheiratet und muss sich mit ihrem Sohn Manny (Rico Rodriguez) rumschlagen. Jays Tochter aus erster Ehe Claire (Julie Bowen) ist mit dem Immobilienmakler Phil Dunphy (Ty Burrell) verheiratet und ist gestresste Hausfrau und Mutter von drei Kindern: der stark pubertierenden Haley (Sarah Hyland), der neunmalklugen Alex (Ariel Winter) und dem einzigen und etwas speziellem Luke (Nolan Gould). Und als dritte Familie wäre da noch Jays Sohn Mitchell (Jesse Tyler Ferguson), ein Anwalt, der glücklich und zufrieden mit seinem Lebenspartner Cameron (Eric Stonestreet) und Adoptivtochter Lily lebt. Und diese „Modern Family“ schlägt sich mit den üblichen und manchmal auch unüblichen Problemen des Alltags herum.

Das erste Gute gleich vorweg: „Modern Family“ kommt ohne lästiges Studiogelächter aus, denn die Serie von Steven Levitan und Christopher Lloyd kann seine Zuschauer auch zum Lachen bringen, ohne dass man gesagt bekommt, an welcher Stelle man nun extrem lachen soll. Natürlich wird auch in „Modern Family“ wieder heile Welt gespielt, da brauchen wir uns nichts vormachen. Von finanziellen Problemen und den Sorgen Normal-Sterblicher sind diese wunderschönen Menschen weit entfernt. Aber deswegen gucke ich solche Serien auch nicht, dazu brauche ich sie auch nicht, denn die Probleme und Sorgen Normal-Sterblicher erlebe ich am eigenen Leib.

„Modern Family“ ist im Stile einer Dokumentation gedreht. Immer wieder werden die normalen Handlungsstränge unterbrochen, um die einzelnen Personen im Interview zu Wort kommen lassen. Auf den ersten Blick mag das albern wirken, aber es sorgt dafür, die Situationskomik noch zu unterstreichen – quasi als Kontrapunkt. Gleichzeitig merkt man die Dokumentarkamera in sehr vielen Einstellung. Sei es, weil sie hier und da mal wackelt oder etwa, weil irgendjemand verstohlen oder entsetzt in die Kamera schaut. Verfluchter Mist, die Kamera ist immer dabei!

Hier treffen sich drei grundverschiedene Familienarten – die Scheidungsfamilie, die glückliche Großfamilie und die gleichgeschlechtliche Beziehung. So hat „Modern Family“ das Vergnügen, sich in jeder Folge aus einer Reihe von Figuren etwas aussuchen zu können: Entweder die Folge „schaut“ bei allen drei Familien im Wechsel vorbei oder sie überschneiden sich. Dabei dürfen dann die Darsteller zeigen, was sie können: „Modern Family“ hat alle Klischees da, die man in solchen Familien sucht: der Vater, der verzweifelt versucht, einen auf cool zu machen, die gelangweilte Hausfrau, die sich auch schon mal wegen einem gewünschten Stopschild in Schwierigkeiten bringt, Kinder mit ihren Teenager-Problemen oder ein alter Mann, der eine viel jüngere und viel heißere Frau heiratet und sich jedes Mal vor jüngeren Männern beweisen muss.

„Modern Family“ spielt mit diesen Klischees, ohne das sie lästig werden. Sie sind passend und bieten die beste Möglichkeit, sich den ein oder anderen Darsteller als Identifikationsfigur zu nehmen. „Modern Family“ ist durchweg sympathisch und gut besetzt. Natürlich kennt sich Ed O’Neill mit schrecklich netten Familien bereits aus, aber auch alle anderen sind toll. Alle tragen dazu bei, dass „Modern Family“ zu einer wirklich sehenswerten Serie wird.

Es ist eine schräge Familiesaga übers Erwachsenwerden, übers Älterwerden, über das Familie-Werden. „Modern Family“ ist gute Unterhaltung, perfekt zum Abschalten. Und auch nach drei Staffeln ist die Luft noch nicht raus… aber gut, drei Staffeln sind in Comedy-Jahren ja auch noch nicht wirklich viel. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Serie entwickelt. Allerdings mache ich mir wenig Sorgen, denn das Konzept steht und funktioniert bestens!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Familienchaos mal drei – großartig!!!)

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10 Kommentare leave one →
  1. 11. Juni 2012 09:13

    Eine treffende Beschreibung einer großartigen Serie! Meine Kritik hast du ja auch schon gelesen und da liegen wir ja voll und ganz auf einer Linie. Ich hoffe die Serie bleibt auch weiterhin so frisch, wie bisher – dann darf sie gerne noch ein paar Staffeln durchhalten.

    • donpozuelo permalink*
      11. Juni 2012 09:17

      Danke, danke!!! Ich hoffe auch, dass sie noch gut so weiter machen. Nach dem Cliffhanger in Staffel 3 darf man ja noch ein paar tolle Staffeln erwarten!!! 😉

  2. 11. Juni 2012 19:58

    Ich habe die dritte Staffel noch nicht zu Ende geguckt. Aber es stimmt schon, dieses Chaos-Familie ist wahnsinnig lustig. Und zu dem Zeitpunkt als die Serie rauskam, war der Mockumentary-Boom ja noch nicht so ausgelutscht. Obwohl, das ist er ja heute noch nicht so richtig. Dadurch wirkt die Serie erfrischend anders und hebt sich so wie COMMUNITY eben aus der Masse hervor.

    • donpozuelo permalink*
      12. Juni 2012 13:17

      „Community“ muss ich mir unbedingt als nächstes mal anschauen! höre da ja auch nur gutes drüber.

  3. 13. Juni 2012 17:48

    Ganz großartige Serie, zumindest bis dahin, wo ich sie kenne (gegen Ende erster Staffel).

    • donpozuelo permalink*
      13. Juni 2012 21:50

      Ich kann dir sagen, es bleibt auch in den folgenden Staffeln großartig. Klar, es gibt immer mal eine Folge, die nicht sooo der Brüller ist, aber im Großen und Ganzen bleibt „Modern Family“ erstklassig und witzig!!!

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