Skip to content

Auf ein friedliches Zusammenleben

8. Juni 2012

Ich muss ja jetzt mal eine Lanze für Super RTL brechen. Ja, das ist nicht unbedingt DER TV-Sender… und wenn die sich auf ihrer Homepage als der mit „Abstand der beliebteste Fernsehsender bei Kindern“, dann glaube ich, sollten die das noch einmal überdenken. Denn was ja schon ein wenig traurig ist, dass Super RTL ja nur vom „TV-Abfall“ lebt. Haufenweise Wiederholungen und alte Trickfilme. Ich glaube, da liegt Nickelodeon mittlerweile etwas weiter vorn. Aber gut, ich wollte ja was Gutes über Super RTL sagen. Super RTL hat sich nämlich zahlreicher Animes angenommen, um die mal einem breiteren (haha!) Publikum zu präsentieren. Natürlich orientierte man sich bei der Auswahl auf die Klassiker… und die schon bekannteren Filme. Und das bedeutet, es gab hauptsächlich Studio Ghibli-Filme zu sehen. Von „Chihiros Reise ins Zauberland“ über „Nausicäa aus dem Tal der Winde“ bis hin zu „Mein Nachbar Totoro“ gab’s Miyazaki pur. Doch zum Glück waren auch ein paar Titel mit dabei, die sonst eher selten im TV laufen… und bei denen die Programmplaner von Super RTL offenbar nicht wussten, dass die Filme möglicherweise nicht zur gewöhnlichen Zuschauerschar des Senders passen.

Anders kann ich es mir auf jeden Fall nicht erklären, dass da auf einmal Shinji Aramakis neue 2004er-Version von „Appleseed“ zu sehen war. Und „Appleseed“ hat definitiv nicht den zauberhaften Märchencharakter eines Studio Ghibli-Films. Nach dem Dritten Weltkrieg ist das Land, die Erde komplett verwüstet. Die Nationen, wie wir sie kennen, existieren quasi nicht mehr. In dieser harten Umgebung kämpfen rebellische Menschen gegen feindliche Roboter. Die junge Kriegerin Deunan Knute hat ihr Leben ganz dem Kampf gegen die Maschinen verschrieben. Doch dann wird sie eines Tages von einem Einsatzteam in die Stadt Olympus gebracht. Hier leben Menschen und Bioroiden friedlich zusammen. Die Bioroiden sind so eine Art Mensch-Maschine-Klone, die den Neuaufbau der Menschheit durch ihre Arbeitskraft unterstützen sollen. Fortpflanzen dürfen die sich aber nicht. Schnell merkt Deunan, dass dieses Utopia, dass Olympus gerne wäre, ebenfalls in einem erbitterten Gefecht steckt. Die einen haben Angst, die Bioroiden könnten bald zu viel Macht erlangen und wollen diese vernichten. Die anderen haben Angst, die Menschen könnten wieder zu viel Macht erlangen und alles, was mühsam aufgebaut wurde, wieder zerstören. Und mittendrin steht die arme Deunan, ihr Robo-Partner (und ehemaliger Liebhaber) Briareos und die Suche nach dem „Appleseed“-Gen.

Ich sage es gleich vorweg: „Appleseed“ erzählt seine Geschichte etwas verworren und zu kompliziert. Ich bin selbst nicht mehr ganz so sicher, ob ich die Story wirklich richtig kapiert habe. In vielen Rückblenden oder einfach nur in Erzählungen einzelner Personen wird der große Konflikt erklärt. Dabei kommen aber so viele Charaktere ins Spiel, dass man leicht den Überblick verlieren kann, wer denn nun Mensch und wer Bioroid ist. Am Ende orientiert man sich einfach daran, wer wen am liebsten tot sehen würde, das ist am einfachsten. „Appleseed“ leidet im erzählerischen wohl sehr stark darunter, dass es auf dem Manga von Masamune Shirow basiert und sicher nicht alle Motive und Themen in ihrer Ausführlichkeit darlegen kann.

Aber ich will das mal vorsichtig so ausdrücken: Es ist im Endeffekt scheißegal! Man behält den groben Überblick der Story auf jeden Fall (beim zweiten Mal vielleicht sogar noch ein wenig mehr), ist aber von den Bildern, die man geliefert bekommt, eh voll überwältigt. „Appleseed“ ist feinstes Steampunk-Sci-Fi-Action-Spektakel, das vollständig am Computer entstand. Das war ja schon großer Selling-Point von „Final Fantasy“, aber nach diesem Film kann diese traurige Final Fantasy-Story echt einpacken.

Man merkt „Appleseed“ an, das die Macher „Ghost in the Shell“ als große Inspirationsquelle genutzt haben (und warum auch nicht, schließlich ist „Appleseed“-Schöpfer Masamune Shirow auch für „Ghost in the Shell“ verantwortlich). Auf jeden Fall bekommen wir mit Deunan eine ebenso starke weibliche Hauptfigur wie Major Motoko Kusanagi. Nur ist Deunan halt kein Cyborg. Dafür bekommt sie aber im Laufe des Films so eine Art „Neon Genesis Evangelion“ Roboter-Rüstung in der sie dann so richtig zuschlagen kann. Gemeinsam mit Robo-Kumpel Briareos, der mit seinen Robo-Hasenohren etwas merkwürdig aussieht, geht Deunan den Dingen auf den Grund.

„Appleseed“ ist – trotz verworrener Story – ein wirklicher Hingucker. Sei es nun die übergroße Stadt Olympus, die fetten Kampfroboter am Ende oder die wilden Straßenschlachten gegen Rebellen – die Action haut rein und sieht in dieser Anime-untypischen 3D-Darstellung extrem gut aus. „Appleseed“ hält ein schnelles Tempo, überflutet seinen Zuschauer mit tollen Bildern und bietet sympathische Helden. Ich glaube nicht umsonst, hat’s da noch einen zweiten Teil und eine ganze Serie gegeben. Denn der Stoff bietet genügend Freiraum für allerlei Geschichten… die man im Serienformat vielleicht auch ein wenig ausführlicher erzählen kann 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (der ewige Kampf Mensch gegen Maschine – in sehr stylischen Bildern)

Advertisements
15 Kommentare leave one →
  1. 8. Juni 2012 07:13

    Von welchem Appleseed sprichst du jetzt? Die 88er OVA war ja eher putziger Trash, gerade mit der englischen Synchro, die für mich aber dazu gehört. Der Film von 2004 war dann etwas gewöhnungsbedürftig animiert, aber inhaltlich so toll, daß man das irgendwann vergessen hat. Und Ex Machina habe ich dann nach ein paar Minuten ausgemacht, weil mir diese Computeroptik so auf den Senkel ging, daß ich – zudem müde – nichts kapiert habe. Ab da war ich dann raus. Keine Ahnung, was auf Super RTL läuft.^^

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2012 09:38

      Oh, hätte ich vielleicht noch sagen sollen, hatte aber irgendwie gehofft, das Bild würde das klären. Also, ich rede von der neuen Variante von 2004. Ich fand die Animationen zwar auch gewöhnungsbedürftig, aber nur so etwa für fünf Minuten. Der Look ist eigentlich echt cool… nur die Story etwas verworren erzählt.

      Die Fortsetzung habe ich jetzt noch nicht gesehen!

  2. therudi permalink
    8. Juni 2012 08:51

    Hab nur die Fortsetzung gesehen, aber die war ganz großes Tennis gewesen.

  3. 8. Juni 2012 13:02

    Animes sind ja schon lange nicht mehr sooooo mein Ding. Solche Sachen wie Chihiro und so weiter kenne ich gerade einmal vom Namen. Wenn Zeichentrick oder Animation, dann halte ich mich eher an die amerikanischen Produkte. Mit denen komme ich von Look und Geschichte besser zurande.

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2012 14:40

      Aber da entgeht dir echt was, Dos! Das solltest du wirklich mal nachholen. Ich meine, wenn du dich jetzt schon dem deutschen Film annäherst, kannst du das auch gleich noch ausprobieren 😉

  4. 8. Juni 2012 16:57

    Der Look von Teil 2 ist schon gewöhnungsbedürftig, ansonsten fand ich Ex Machina genau so gut wie den hier besprochenen ersten Teil. Ich kann Dir Teil 2 also auch nur wärmstens ans Herz legen. Das Original von 1988 ist eigentlich naiver Trash. Aber solltest Du auch da Zugang zu haben, ist er auch eine winzige Empfehlung wert. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      10. Juni 2012 19:43

      Willkommen, Schlombie!!!

      Also, „Ex Machina“ will ich mir nach dem ersten Teil auf jeden Fall noch anschauen. Vielleicht dann auch noch die Serie. Und sollte ich den alten „ersten“ Teil finden, schaue ich den auch… für naiven Trash muss ja auch hin und wieder mal Zeit sein 😉

  5. 10. Juni 2012 18:19

    Vor langer, ganz langer Zeit gesehen. Gute und passende Kritik. Vll. muss ich den auch mal wieder auskramen. Ganz klar ein Anime, den man auch als Nicht-Anime-Fan gesehen haben kann.

    • donpozuelo permalink*
      10. Juni 2012 19:50

      Danke!!! Ich finde, dass „Appleseed“ schon eher was für Fans ist. Als Nicht-Fan steigt man vielleicht dann doch eher mit Miyazaki ein. Obwohl… wenn man hiermit einsteigt, dann ist man auch gleich gut gewappnet 😉

Trackbacks

  1. Schmiede dein eigenes Schicksal! « Going To The Movies
  2. Fast schwerelose Freibeuter | Going To The Movies
  3. Gangsta Robot No. 1 | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: