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Schneewittchen Reloaded

30. Mai 2012

Es war einmal ein verrücktes Kinojahr, in dem anfangs alles nur auf eins gewartet hat. Doch dann kam alles ganz anders: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist in diesem Jahr der Größte im ganzen Land?“ Und die traurige Antwort lautete: „Nun ja, eigentlich der Rächer vier, doch Schneewittchen ist viel besser als ihr!“ Komischer Spiegel, aber wo er Recht hat, hat er Recht! Auch wenn 2012 das Jahr der „Avengers“ ist, so gewinnt die Grimm’sche Maid am Ende doch den Pokal. Schließlich gab’s in diesem Jahr nur einen „Avengers“-Film, aber gleich zwei mit Schneewittchen.

Nach dem „Immortals“-Debakel konnte ich mich aber nicht dazu hinreißen lassen, Tarsem Singhs Variante „Mirror Mirror“ zu gucken. Zu viel wurde da im letzten Jahr zerstört. Das Vertrauen ist erst einmal futsch… und der bonbonbunte Trailer, der so was wie ein Disney-Schneewittchen mit vielen singenden Vögeln erwarten ließ, konnte seine Überzeugungsarbeit bei mir nicht erfüllen. Aber zum Glück war da ja noch eine Variante – die Anti-Disney-Variante, dessen Trailer gleich sehr viel netter aussah. Zumal: Wenn ich die Wahl zwischen Charlize Theron, die nackt aus einem Milchbad kommt, und Julia Roberts mit ihrem Froschgrinsen habe, dann wähle ich definitiv immer die Milch. Milch ist ja auch gesund!

Also statt „Mirror Mirror“ doch lieber „Snow White and the Huntsman“. Klingt ja auch gleich viel martialischer. „The Huntsman“… grrrrr… und wenn der dann auch noch von Thor persönlich gespielt wird, kann ja eigentlich nicht viel schief gehen. Naja, außer vielleicht die Tatsache, dass „Twilight“-Babe Kristen Stewart das Schneewittchen spielt, dass vor der ach so bösen Charlize Theron flüchtet, nur um gemeinsam mit ein paar Zwergen, dem Huntsman Chris Hemsworth und ein paar Soldaten gegen die böse Königin anzutreten.

„Snow White and the Huntsman“ fängt an, wie wohl jede Version des Märchens anfängt: Es war einmal… blabla… Haar schwarz wie Ebenholz, Lippen rot wie Blut… böse Königin kommt… und merkt, dass Schneewittchen die Schönste im ganzen Land ist. Alles wunderbar… bis zu dem Augenblick, wo Kristen Stewart uns weismachen möchte, sie wäre Schneewittchen. Problem dabei ist nur, dass die liebe Kristen weder hübsch ist noch richtig schauspielern kann. „Twilight“ hat sie höchstwahrscheinlich auch Ewigkeiten hin versaut, denn alles was sie in diesem Film tut, ist folgendes: Laufen, treudoof in die Kamera schauen, laufen, ein wenig betroffen in die Kamera schauen, laufen… und so weiter und so fort. Kristen Stewart ist für mich in diesem Film die absolute Fehlbesetzung des Schneewittchens. Gut, vielleicht wirkt ihre zerbrechliche und scheue Art zu schauspielern im ersten Augenblick passend für das arme verfolgte Mädchen, nur ist dies die Variante des Märchens, in der Schneewittchen ein paar Eier wachsen und sie mit ganzer Macht zurück schlägt, sich nichts gefallen lässt. Mit einer Kristen Stewart funktioniert das leider nicht.

Aber was soll’s… alle anderen sind dafür umso besser. Allen voran Charlize Theron als böse Königin. Gut, sie ist auch die einzige, die in wirklich coolen Kostümen richtig fies sein darf, aber das macht sie wirklich mit solch einer Hingabe, dass man ihr dann doch lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. Auch Chris Hemsworth schlägt sich wacker. In Anbetracht der Tatsache, dass sich sein Huntsman aber nicht sonderlich von seinem nordischen Gott unterscheidet, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Gebt Hemsworth einen Hammer oder eine Axt und er wird sie mit tödlicher Sicherheit schwingen. Und ja selbst die Zwerge sind in „Snow White and the Huntsman“ hochkarätig besetzt: Ray Winstone, Bob Hoskins oder Nick Frost geben den Zwergen ihr Gesicht. Allerdings nutzt Regisseur Rupert Sanders nicht das volle Potenzial seiner Zwerge aus. Ich meine, wer einen Nick Frost als Zwerg hat und den kaum zu Wort kommen lässt, ist selber Schuld.

Aber wir wollen nicht zu streng mit Sanders sein, wenn man bedenkt, dass „Snow White and the Huntsman“ sein allerallererster Langfilm überhaupt ist. Wer den Trailer gesehen hat, erkennt, dass Sanders aus der Werbung kommt. Rupert Sanders hat das Auge für sehr ästhetische, atemberaubende Bilder und die bietet auch der Film. Leider immer nur hier und da ein bisschen, aber immerhin. Wenn sie kommen, dann bleiben sie im Kopf. Ansonsten darf man Rupert Sanders für sein Spielfilm-Debüt eigentlich nichts weiter vorwerfen… außer vielleicht der Tatsache, dass „Snow White and the Huntsman“ nach dem Märchen-Anfang ein klein wenig zum Filme-Raten einlädt: Da sieht die Wanderschaft mit den Zwergen ein klein bisschen so aus, als würde Frodo mit seinen Gefährten nach Mordor wandern. Dann ist da ein verzauberter Wald, dessen Bewohner ganz, ganz, ganz doll an die Waldwesen aus „Prinzessin Mononoke“ erinnern. Und noch in dem gleichen Wald scheint auch Ridley Scott sein „Legend“ gedreht zu haben. Ridley Scott ist ohnehin ein gutes Stichtwort, erinnert die finale Schlacht doch sehr stark an Scotts „Robin Hood“.

Und es gibt noch viele andere solcher Aha-Momente, was man kritisch sehen könnte, aber nicht muss. In seiner Gesamtheit ist „Snow White and the Huntsman“ ein gelungener Fantasy-Film mit starken Bildern und einer großartigen bösen Königin. Mit ein bisschen mehr Tiefgang – gerade wenn es um Schneewittchen und ihre Beziehung zum Huntsman geht – wäre Rupert Sanders Film wirklich ein großartiger Schneewittchen-Film geworden. Aber ich tendiere ja bei Regie-Debüts eh immer dazu, ein Auge zu zu drücken… und ich glaube, das darf man hier auch. Bis auf Kristen Stewart, versteht sich.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Disney dreht sich wahrscheinlich gerade im Grab, aber bei all den Märchenverfilmungen kann man dieser eine Chance geben)

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16 Kommentare leave one →
  1. 30. Mai 2012 08:35

    Die arme Kristen. Dabei war sie in Panic Room so gut.

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2012 09:00

      Das war ja auch noch bevor sie ihren „Twilight“-Höhenflug erlebte!

  2. 30. Mai 2012 12:30

    Deinem Kinokonsum muss man Respekt zollen.

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2012 12:39

      Danke, danke! 😉

      Dazu muss ich aber sagen, dass ich einfach mit dem Glück gesegnet bin, mir einige Filme in kostenlosen Pressevorführungen anschauen zu dürfen.

  3. 2. Juni 2012 01:44

    Der film wäre gut und hatte auch gute ansätze und Theron und Hemsworth sind wirklich gut aber leider macht Bella mit ihrem Underacting sehr viel oder fast alles kaputt…ach ja die Zwerge waren auch noch toll

    • donpozuelo permalink*
      2. Juni 2012 09:47

      Bella macht fast alles kaputt… doofe Kuh. Soll mal lieber weiterhin in der Sonne glitzern.

      Die Zwerge fand ich toll, hätte mir aber ein wenig mehr gewünscht. Wie gesagt, wie kann man einen Nick Frost zu untergehen lassen???

      • 2. Juni 2012 11:25

        Nick Frost und Bob Hoskins und Ian McShane!…aber ja Nick Frost kam dann stellenweise doch ziemlich zu kurz

  4. 2. Juni 2012 13:18

    Ich oute mich einfach mal und sage, dass ich Kristen Stewart an sich schon ziemlich heiß finde – gut nicht in Twilight, aber den habe ich nunmal leider gesehen. In Panic Room und nicht zu vergessen in Into the Wild zeigt sie ja auch schauspielerisches Können. Ich bin mal gespannt.

    • donpozuelo permalink*
      2. Juni 2012 13:42

      Ich sage ja nicht, dass Sie nicht gut aussieht. Nur schauspielern kann sie nicht.

      • 2. Juni 2012 13:53

        Dann insistiere ich noch einmal darauf, dass sie in Into the Wild – in einer Nebenrolle – durchaus gut geschauspielert hat.

        • donpozuelo permalink*
          2. Juni 2012 15:17

          Das stimmt. Aber mittlerweile ist ihr der Ruhm, glaube ich, zu Kopf gestiegen. Die muss ja nichts mehr machen und trotzdem rennen alle bei der Erwähnung ihres Namens ins Kino.

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