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Paradise Falls

28. Mai 2012

Es gibt Filme, die machen es einem nicht leicht. Wollen sie nun ernst genommen werden oder nicht? Wollen sie subtil sein oder uns ihre Botschaft direkt mit der Bratpfanne vor den Kopf hauen? Man kann sich da manchmal nie so ganz sicher sein. Nehmen wir folgendes Beispiel: Eine süße alte Oma fängt plötzlich an, schlimme Worte in den Mund zu nehmen, krabbelt dann emsig wie eine Ameise die Wand hoch, verdreht gekonnt wie in „Der Exorzist“ ihren Kopf, lässt sich fallen und beißt sich durch einen Männerhals, um anschließend mit einer Schrotflinte beseitigt zu werden. Ganz ehrlich gesagt, eine sehr schräge Szene, die mich stark an Filme wie „Evil Dead“ erinnert und mich daher eher zum Lachen bringt. Und nehmen wir nur mal die von mir gewählte Überschrift „Paradise Falls“… ein Name für ein Restaurant, in dem eine Gruppe Menschen auf die Apokalypse wartet. Achtung, Bratpfanne!

Dies sind nur zwei Beispiele, die aber deutlich zeigen, dass Scott Stewarts „Legion“ nicht unbedingt zu den Filmen gehört, die man sich nüchtern anschauen sollte. Und dabei klingt der Film an und für sich recht vielversprechend: Paul Bettany spielt Erzengel Michael, der sich gegen Gott stellt. Gott hat nämlich die Schnauze voll von uns und löst die Apokalypse aus. Michael mag uns aber doch noch ein klein wenig, kommt auf die Erde, schneidet (!) sich seine Flüge ab, bewaffnet sich „Matrix“-Style mit dem ein oder anderen Schießgewehr und macht sich auf in die Wüste. Hier nämlich – in dem kleinen Schnellimbiss mit dem zauberhaften Namen „Paradise Falls“ lebt die letzte Hoffnung der Menschheit. Ja genau, der gefallene Engel mit Waffen ist NICHT die letzte Hoffnung, sondern ein noch ungeborenes Baby. Das befindet sich im Bauch der Kellnerin Charlie (Adrianne Palicki). Gemeinsam mit Besitzer Bob (Dennis Quaid), dessen Sohn und noch ein paar Imbiss-Besuchern stellt sich Michael also gegen die Apokalypse. Und dieses Mal ist der Zorn Gottes keine einfach Flutwelle, sondern besessene Menschen und ein wütender Engel Gabriel (Kevin Durand).

Stewarts “Legion“ möchte großes Action-Kino sein, aber wie gesagt, nach der Nummer mit der Oma wurde der Film eher lächerlich. In schlecht kopierter „Dawn of the Dead“-Manier rennen die merkwürdigen Krieger der Apokalypse gegen die Imbiss-Bude und schon hier dachte ich, dass Gott coolere Arten hat, uns umzubringen als mit irgendwelchen Zombie-Viechern, die gar keine richtigen Zombies sind. Aber alles an diesem Film schreit halt nach „Dawn of the Dead“ und das macht es alles nur noch schlimmer. Welle um Welle kommt auf die kleine Gemeinschaft zu… aber solange noch Munition im Lauf ist, klappt das schon. Fand ich irgendwie merkwürdig… selbst Engel Gabriel muss ordentlich was einstecken. Und der hatte noch seine Flügel. So ganz haut das in „Legion“ alles nicht hin.

„Legion“ möchte ein Horror-Action-Film sein, aber ist weder noch. Wirklicher Grusel kommt nicht auf, auch wenn die Anfangsbilder mit den Horden vor dem Restaurant schon ein wenig cool aussehen. Nur auch hier gilt: So was sah in Filmen wie „Resident Evil“ wesentlich besser aus. Von der Action wollen wir gar nicht erst sprechen. Man denkt, göttliche Wesen halten mehr aus, so ist es aber nicht. „Legion“ degradiert sich daher in Sachen Action zu einem sinnlosen Baller-Spektakel, dass mich irgendwie ständig an das Spiel „Plants vs. Zombies“ erinnert hat. Da baut man seine Verteidigung auf, die Zombies kommen brav in Wellen… und man ballert einfach drauf los. Mit Pflanzen wohlgemerkt. Klingt albern, ist aber wenigstens lustig.

Einzig kleiner Pluspunkt sind Stewarts Darsteller. Paul Bettany als rettender Engel, Dennis Quaid als fluchender Restaurant-Besitzer und Adrianne Palicki als neue Mutter des Heilland – alle Figuren in diesem Film sind von irgendwas genervt, jede Figur entwickelt ihre eigene Persönlichkeit und macht sogar neugierig. Den Darstellern gelingt es tatsächlich, ein bisschen Leben in diesen Film zu bringen. Ein Film, der – wenn ich ganz ehrlich sein soll – eher wie die Vorgeschichte für etwas Größeres wirkt. Was hier in knapp 100 Minuten passiert, würden andere in 15 Minuten abarbeiten und sich dann darum kümmern, wie das Neugeborene die Welt wieder ins Gleichgewicht bringt.

Am Ende bleibt man mit vielen Fragen zurück: Was passiert jetzt? Warum ist Gottes Zorn so verhältnismäßig lahm, wenn er doch einfach alles in einem Feuerregen plattmachen könnte? „Legion“ übernimmt sich meiner Meinung nach mit seiner biblischen Idee und lässt Gott eher wie den Teufel darstehen – so mit Kindermord und fiesen Monstern. Vielleicht hätte man einfach nur die Bezeichnungen ändern sollen und ein wenig mehr Kreativität bei den Action-Sequenzen zeigen können, dann hätte „Legion“ richtig Spaß machen können. So kann man nur auf Gottes Gnade hoffen, um diesen Film schnell wieder zu vergessen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Bibel-Action ohne Sinn und Kreativität)

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12 Kommentare leave one →
  1. 28. Mai 2012 08:21

    Ja der Film ist teilweise echt gut (Actionsequenzen, Special Effects) aber dann wieder echt lahm…man hättte defintiiv mehr daraus machen können aber idee dahinter ist wirklich gut…hätte mir irgendwie wirklich noch gewünscht dass der Teufel auch plötzlich ins Spiel eingreift…von wegen er braucht die Menschen um von ihren Sünden zu leben und so

  2. 28. Mai 2012 08:22

    btw. mich erinnerte es teilweise zeimlich stark an Terminator

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2012 08:31

      „Terminator“ – ja stimmt. Ein klein wenig schon. Allerdings frage ich mich, ob ein zusätzlicher Auftritt des Teufels nicht zu viel gewesen wäre. Dann hätte man noch mal seine Beweggründe erklären müssen, dann hätte man noch einen Krieg zwischen Himmel und Hölle inszenieren müssen und und und…

      Was soll’s? Bleiben wir dann doch lieber bei „Dogma“, wenn es um gute Engelchen-Filme gehen soll 😉

      • 28. Mai 2012 08:32

        stimmt…oder Gods Army!

        • donpozuelo permalink*
          28. Mai 2012 08:34

          Oh ja, oder der. Sollte ich mal wieder gucken, wo du ihn jetzt erwähnst! Christopher Walken, Baby!!!!!

  3. 28. Mai 2012 10:55

    „Ich brauche meine Bibel!“ 😀

    Der Film war einfach nur lächerlich und den Charakteren konnte ich nix abgewinnen. Quaid macht einfach wieder sein King-of-constipation-Gesicht und auch der Rest weiß nicht wirklich zu überzeugen. Die Engel waren ganz gut dargestellt, weswegen ich es schade finde, dass der Großteil der Gegner dann einfach nur von Engeln besessene Menschen waren.

    Es war damals echt gut, dass ich mir den Film in einer größeren Gruppe angesehen habe, denn anders ist der wirklich nicht zu ertragen. Da fand ich „Priest“ von Stewart leicht besser, auch wenn der ebenfalls kein großer Wurf war.

    Im Zweifelsfall also wirklich lieber God’s Army oder Dogma. ^^

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2012 11:22

      „Legion“ sollte man wahrscheinlich wirklich nur in einer größere Gruppe und unter Einfluss von ein klein wenig Alkohol schauen, dann könnte der Film ganz lustig sein. Für alles andere ist die Zeit eigentlich echt zu schade. An „Priest“ traue ich mich jetzt ehrlich gesagt noch weniger ran.

      „King of Constipation“-Gesicht… 😀 😀 😀 das muss ich mir merken. Sehr schöne und vor allem sehr treffende Beschreibung!

  4. 28. Mai 2012 19:17

    Die gleiche Bewertung wie bei mir damals. Ziemlicher Schwachsinn der Film, Priest fand ich dann aber dann ziemlich gut.
    Bei dem hier war ich einige Male beim Fremdschämen. Nee nee 😀

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2012 20:22

      Großer Schwachsinn, aber immerhin ein weiterer Pluspunkt für „Priest“. Vielleicht schaue ich mir den Film dann doch noch mal an.

  5. 30. Mai 2012 17:24

    Ts, Bibel und Film – das klappt doch nur wenn die Monty Pythons sich dazu eine Geschichte ausdenken und Brian auf die Welt loslassen.

    • donpozuelo permalink*
      31. Mai 2012 08:56

      Stimmt! 😀 Dann klappt es wunderbar.

Trackbacks

  1. Der Sci-Fi-Western-Horror-Priester | Going To The Movies

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