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Ganz in schwarz

23. Mai 2012

Hollywood liebt Filmreihen – geplant oder ungeplant. Egal. Solange die Kuh Milch gibt, wird sie gemolken. Witzig finde ich dann immer nur, wie uns das alles als vollkommen geplant präsentiert wird. Gut, manchmal haut das ganz gut hin (man nehme nur „Back to the Future“ – da haben die Fortsetzungen das Ganze sehr schön weitergeführt), manchmal geht das aber auch in die Hose (da nehme man nur „Der Pate 3“ – gefühlte 30, tatsächlich so um die 16 Jahre nach dem zweiten Teil und irgendwie ein Griff in die Kloschüssel). Aber Trilogie klingt einfach… hach, das klingt einfach gut. Trilogie… das ist ein Epos, eine Saga, eine große Erzählung, die sich natürlich auch viel schöner in einer DVD-Box wiederfindet, als wenn man es bei nur zwei Filmen belassen hätte.

Und Trilogien haben es schwer: Ich habe immer so das Gefühl, dass die Filmdreier, die nicht geplant sind, nach einem Schema ablaufen. Teil 2 wird – nach Erfolg von Teil 1 – einfach nur ein warmer Aufguss des Originals mit ein paar kleinen Verbesserungen. Nur bloß auf keinen Fall am Erfolgsprinzip rütteln. Teil 3 gestaltet sich dann schon schwieriger, weswegen hier gerne der Sprung zurück genutzt wird: Das Prequel. Erzählen wir dann doch einfach mal, wie es vor dem ersten Teil war. Hauptsache, wir können es am Ende „Trilogie“ nennen.

So ähnlich scheint es auch den „Men in Black“ ergangen zu sein: Mit dem ersten Film hatte Regisseur Barry Sonnenfeld einen großen Erfolg. Zu Recht, denn die Idee, der Männer in Schwarz war schon witzig. Aliens, die mitten unter uns sind – so ein wenig waren die „Men in Black“ ein guter Platzfüller für die Leere, die „Akte X“ hinterlassen hatte. War zumindest bei mir so. Aber das Konzept funktionierte: Action, Komik, irre Aliens und Will Smith und Tommy Lee Jones als gut funktionierendes Duo. Dann kam Teil Zwei, und wenn ich ehrlich sein soll, auch Zweifel daran, ob man die Männer in Schwarz wirklich noch sehen muss. Es war nett, aber nichts neues mehr.

Und so wartet man schon ein wenig gespannt, was wohl der dritte Teil für Neuerungen bringen wird. Barry Sonnenfeld entschied sich für ein vielleicht etwas gewagt anmutendes Experiment: Eine Zeitreise! Zeitreise, das klingt nach Prequel! Und ein wenig ist das auch so: Agent J (Smith) reist in die Vergangenheit, um zu verhindern, dass Agent K (Jones) ermordet wird. Denn das fiese Alien Boris (Jemaine Clement) will das Errichten eines Schutzschildes um die Erde verhindern. Also reist J in die Vergangenheit – ins Jahr 1969 und trifft hier auf den jungen K (Josh Brolin).

Die „Men in Black“-Reihe lebte von Anfang an von zwei Dingen: den Aliens und den „Men in Black“ Will Smith und Tommy Lee Jones. Die Aliens sind auch im dritten Teil recht eigenwillig, sehen teilweise sehr schräg aus und haben gekonnte Tarnungen. Viel wichtiger ist für die Reihe aber dieses Hin und Her zwischen J und K. Alt trifft Jung – vielleicht ein wenig wie Riggs und Murtaugh aus „Lethal Weapon“. Jones spielt den alten Griesgram und Smith erfüllt seine Rolle als ständig quatschender Chaot. Das hat immer gut funktioniert und funktioniert auch zu Beginn vom dritten Teil… nur ist Tommy Lee Jones dann weg und im Jahr 1969 treffen wir plötzlich auf Josh Brolin. Und mit Brolin ist Regisseur Sonnenfeld ein echter Glücksgriff geglückt.

Brolin schafft es, die Essenz von Tommy Lee Jones‘ Figur beizubehalten, fügt dem Ganzen aber auch seine eigene Note zu.Wir lernen Agent K in seinen Anfangszeiten kennen – hier noch nicht ganz so emotionslos und nüchtern wie später in der Zukunft. Brolin und Smith funktionieren zusammen genauso gut wie Smith mit Jones – und das ist wohl die größte Errungenschaft des Films: eine neue „alte“ Figur zu integrieren, ohne das es zu aufgesetzt wirkt. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass Josh Brolin einfach eine coole Sau ist (Verzeihung!). Mit dem jungen K wühlt Sonnenfeld auch ein wenig in der Vergangenheit von Agent J. Das ist rührend und fast schon ohne Klischees.

Auch der Trip in die Vergangenheit ist weniger schlimm als man denken könnte. Zeitreisen sind ja eh immer so eine Sache: Die können gut funktionieren, die können aber auch richtig blöd sein. Zum Glück trifft ersteres auf „Men in Black 3“ zu. Sonnenfeld belebt die 60er – mit Hippies, diesen Fönfrisuren und einem spannenden Showdown vor der Mondlandung. Und mal ehrlich, welche Ära würde sich besser für getarnte Aliens eignen als die 60er??? Da hat Sonnenfeld seine Möglichkeiten teilweise ganz gut genutzt, teilweise hätte ich mir da aber auch noch ein wenig mehr in die Richtung gewünscht.

Aber gut… wie man vielleicht schon merkt: „Men in Black 3“ kann man sich anschauen. Nach dem schwachen zweiten Teil kommt Sonnenfeld mit voller Wucht zurück. Die Reise ins Jahr ’69 kommt gut, Brolin ist ein klasse Jones-Ersatz und der Film macht einfach Spaß.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein kleiner Sprung für Agent J, aber ein großer Sprung für die „Men in Black“)

15 Kommentare leave one →
  1. 23. Mai 2012 14:55

    Kein Wort über Jemaine? Ich geh heulen 😦

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2012 17:09

      Nein, mach das nicht. Jemaine liefert ganz klar die beste Bösewicht-Rolle ab, die die „Men in Black“ seit ihrem ersten Film je gesehen haben. Wie konnte ich das nur vergessen, zu erwähnen. Verzeihung!!!

      • 23. Mai 2012 23:24

        Nach oder zusammen mit Loki imho auch der beste Bösewicht des Jahres. Imho.

        • donpozuelo permalink*
          23. Mai 2012 23:30

          Na, da gebe ich den Kelch dann doch fast lieber an Boris. 😉 Der sah wenigstens auch richtig nach Bösewicht aus.

  2. 23. Mai 2012 19:03

    9 Punkte? Wow ich wollte den Film ja erst so in ein gewissen Zeit oder gar nicht sehen, da Teil 2 dafür sorgte dass die Reihe bei mir untendurch war…aber 9 Punkte! könnten diese Meinung natürlich schnell ändern 😀

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2012 19:20

      Ja, Teil 2 habe ich auch nur grob in Erinnerung, wenn ich ehrlich sein soll, habe ich den sogar nie zu Ende gesehen. War mir dann doch eine Nummer zu lahm. Aber der dritte Teil ist echt eine Überraschung. Dank dem Zeitsprung und Josh Brolin und – für Owley noch einmal – auch dank einem guten Bösewicht mit Jemaine Clement ist der Film schon seine 9 Punkte wert 😉

      • 23. Mai 2012 19:28

        Tsss…der Jemaine ist doch sicher überbewertet 😛

        • donpozuelo permalink*
          23. Mai 2012 19:42

          Nicht so ganz… aber natürlich wollen wir es mit ihm auch nicht übertreiben. Einzig überbewertet ist Nicole Scherzinger… ich frage mich heute noch, warum ausgerechnet die Frau mit ihrem 2-Minuten-2-Sätze-Auftritt hier in Berlin überhaupt über den Roten Teppich gelaufen ist 😉

  3. 23. Mai 2012 22:35

    Ach, ich mochte auch den zweiten Teil. Der Mops hatte unvergleichliche Auftritte 😀
    und es gab Lara Flynn Boyle…
    Ich freue mich schon. Habe ich das überlesen oder warst Du in der 2-Fassung?

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2012 23:32

      Meinst du, ob ich 2- oder 3-D geguckt habe? Wenn ja, dann 3D. Aber mittlerweile ist das ja alles Geschmackssache. Auf jeden Fall hat „MIB3“ ein paar sehr schöne 3D-Momente.

  4. 28. Mai 2012 00:30

    Sehr interessant. Ich fand es fragwürdig, ob Josh Brolin als jüngere Ausgabe von Tommy Lee Jones durchgehen würde, aber anscheinend überzeugt er 🙂

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2012 08:32

      Willkommen, Kim!!!

      Ja, Brolin überzeugt wirklich. Zumal er im Original auch sehr stark wie Tommy Lee Jones anhört.

      • 28. Mai 2012 11:04

        Sehr interessant! Vielleicht schaue ich ihn mir doch an! :S

        • donpozuelo permalink*
          28. Mai 2012 11:23

          Also wenn dir vor allem der erste Teil auch nur ansatzweise gut gefallen hat, dann kann ich den Kinogang nur empfehlen!

Trackbacks

  1. Review: MEN IN BLACK 3 | ChristiansFoyer

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