Zum Inhalt springen

Leben und Tod

18. Mai 2012

Kann es sein, dass Christina Ricci sich mehr und mehr zu einer kleinen (!) Exhibitionistin entwickelt? Ich kann mich in letzter Zeit an keinen Film erinnern, in dem die gute Frau nicht blank zieht. In „Black Snake Moan“ hat sie kaum was an – außer diesen viel zu kleinen Hot-Pants (Skandal!!!) und einer netten, von Samuel L. Jackson gesponsorten 10-Meter-Eisenkette. Zurzeit macht die Gute sich für Robert Pattinson in „Bel Ami“ frei und zeigt da dem geneigten Zuschauer auch, was sie außer Schauspielern sonst noch so kann bzw. hat. Wer also immer noch nicht genug von einer (halb)nackten Christina Ricci hat, dem kann ich (neben „Black Snake Moan“) nun auch noch den Film „After.Life“ empfehlen. Obwohl… vielleicht ist empfehlen das falsche Wort. Aber von vorne:

Die junge Lehrerin Anna (Ricci) ist nicht allzu glücklich mit ihrem Leben und dann auch noch ihre Freund Paul (Justin Long), der sich einfach nicht dazu durchringen kann, ihr seine Liebe zu gestehen. An einem unheilvollen Abend lässt sie Paul in einem Restaurant sitzen und gerät wenig später in einen Autounfall. Als sie wieder aufwacht, liegt sie auf dem Tisch von Eliot Deacon (Liam Neeson), seines Zeichens Leichenbestatter. Eliot erklärt der verdutzten Anna daraufhin, sie sei tot. Und er werde sie nun auf ihrem letzten Weg begleiten. Doch wie das immer so ist, wenn dir jemand erzählt, du wärest tot, glaubt Anna dem guten Mann kein Wort.

Es klingt im ersten Augenblick ein wenig nach „The Sixth Sense“. So war es zumindest bei mir – Liam Neeson spricht mit toten Menschen. Aber Liam Neeson spielt hier ja nicht die Hauptrolle. Vielmehr geht es um Anna, die nach dem Aufwachen in der Leichenhalle Zweifel bekommt – an ihrem Tod, an ihrem Leben. Zweifel Nr. 1: Ist sie wirklich tot? Es fühlt sich alles danach an, und doch besteht irgendwo in einer kleinen Ecke die Möglichkeit, dass Eliot selbst nur ein kranker Psycho ist, der Anna festhält. Zweifel Nr. 2: Hat sie ihr Leben wirklich gut gelebt? Eliot fungiert wie so eine Art Gewissen, der Anna immer wieder vorhält, was sie alles falsch gemacht hat. Immer dann, wenn sie sich an ihr Leben klammern will, führt Eliot ihr vor, dass sie eigentlich gar kein vernünftiges Leben geführt hat.

Der polnischen Regisseurin Agnieszka Wojtowicz-Vosloo gelingt es verdammt gut, diese ganzen Zweifel auch auf den Zuschauer zu projizieren. Es gibt immer wieder diese Momente, in denen Eliot Sachen durchblitzen lässt, dass irgendwas nicht zu stimmen scheint. Hier gelingt es Wojtowicz-Vosloo wahnsinnig gut, die Story zweigleisig zu fahren. Irgendwann weiß man als Zuschauer selbst nicht mehr, was man eigentlich denken soll. Dazu kommt ein wirklich großartiger Liam Neeson, der den Spagat zwischen good-guy/ bad-guy exzellent vollführt. Scheint sowieso so eine Rolle zu sein, in der Neeson mal versucht gegen sein Actionheld-Image anzugehen. Ein fieser Satan im Kittel.

Doch es geht ja nicht um Neeson, sondern um Christina Ricci. Man darf so viel sagen: Sie sieht gut aus in ihrem kleinen roten Nichts und sie sieht gut aus in ihrem kleinen Nichts. Schauspielerisch könnte man sich schon darüber streiten, ob Ricci hier in „After.Life“ wirklich was Besonderes abgibt. Sie weint, sie schreit, sie flucht – ein wenig mehr Verzweiflung hätte es schon sein dürfen, ein wenig mehr Kampfesmut und Vehemenz auch. Aber immerhin kann sie mit ihren großen Kulleraugen überzeugend verwirrt in die Kamera gucken.

Die Idee, die hinter „After.Life“ steckt, ist schon sehr interessant: Es hätte ein wirklich spannender Gruselthriller sein können, nur dafür hätte Wojtowicz-Vosloo a) das Tempo ein wenig beschleunigen müssen und b) weniger nackte Ricci und mehr Wendungen mit einbauen sollen. Man kann sich „After.Life“ auf jeden Fall anschauen, denn selten hat es jemand so gut geschafft, sein Publikum in falsche Richtungen zu führen wie „After.Life“.

Ich weiß also nach wie vor nicht, ob ich euch den Film nun wirklich empfehlen soll oder nicht. Wegen der Grundidee würde ich „Ja“ sagen, fürs ganze Drumherum eher ein „Vielleicht“. „After.Life“ hat was und bleibt auch lange nach dem Abspann noch im Gedächtnis. Vielleicht hat sich Wojtowicz-Vosloo einfach dabei verkalkuliert, einen philosophischen Thriller machen zu wollen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (interessante Geschichte, die etwas lahmt)

8 Kommentare leave one →
  1. 18. Mai 2012 06:25

    Wusste auch nicht ganz, was ich von dem Film halten sollte. Einerseits interessantes Konzept, andererseits extrem schleppend umgesetzt. Im Endeffekt war mir am Ende fast egal, ob sie noch lebt oder nicht und das sprich ja schon für sich. ^^

    • donpozuelo permalink*
      18. Mai 2012 14:25

      Naja, also so schlimm fand ich es dann doch nicht. Vielleicht hat mich einfach das Konzept schon so sehr überzeugt, dass ich es am Ende dann doch gerne gesehen habe. 😉

  2. 19. Mai 2012 06:35

    Love Ricci. Must watch. Ugh.

  3. 19. Mai 2012 17:31

    Ich füge dich mal unserer Blogroll hinzu. Wirklich schicker Blog! 🙂

  4. 21. Mai 2012 18:18

    Zum Thema Ricci: Gibt es da nicht noch einen Film, in dem sie eine Pornodarstellerin werden will? Zumindest würde er gut in das Rollenaufgebot passen, in dem sie sich irgendwie festgefahren hat.
    Nun, das Konzept klingt auf jeden Fall interessant, ich merke ihn mir mal vor.

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2012 14:22

      Gute Frage, könnte schon sein. Würde tatsächlich gut in ihre Filmographie passen 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: