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Sic semper tyrannis!

16. Mai 2012

Charlie Chaplin hat es 1940 vorgemacht, wie man einen „Großen Diktator“ wirkungsvoll vorführt. Aus einem gefürchteten Mann macht Chaplin in nur kurzer Zeit eine absolute Witzfigur. Chaplins Diktator wird ein kleiner Mann, der mit Weltkugeln spielt und verzweifelt versucht, sich Gehör zu verschaffen. Meisterhaft spielt Chaplin mit den Elementen jener diktatorischen Figur – man nehme allein nur die Szene, in der der Große Diktator seine merkwürdige, vollkommen unverständliche Rede hält. Sei es nun von der Körperhaltung, dem Schreien und Keifen – in diesem Augenblick hat Chaplin diesen furchtbaren Mann in allen seinen bekannten Einzelheiten auf die Leinwand gebracht. Chaplins Film zeigt, wie man mit Diktatoren auf die Schippe nimmt und dennoch eine eindeutige Botschaft vermittelt.

Botschaften vermittelt Sacha Baron Cohen auch gerne. Irgendwie… zumindest ist er stets bemüht, uns die Dummheit Einfältigkeit der Amerikaner aufzuzeigen. Ob nun als „Borat“ oder „Brüno“ – seine Mockumentaries sind geliebt und gefürchtet zugleich. Dabei muss ich sagen, dass mir Cohen in seinen Kinoauftritten immer nur bedingt gefallen hat. Irgendwann, so ging es mir zumindest, war die Luft einfach raus. Für mich war das dann immer so der Beweis dafür, dass es als 30-minütuge „Ali G Show“ besser funktionierte als im Kino. Doch in seinem neuesten Streich versucht Cohen gleich mehrere neue Dinge: 1) Er verwendet eine ganz neue Figur, indem er 2) einen Diktator karikiert und das Ganze 3) mal nicht als gefakte Dokumentation verarbeitet.

Stattdessen ist sein „Der Diktator“ als richtiger Spielfilm angelegt. Admiral General Aladeen (Cohen) ist Herrscher über das kleine afrikanische Reich Wadiya, dass er mit strenger Hand regiert. Die UN erzürnt er durch sein neues Waffenprogramm, bei dem seine Wissenschaftler auch waffenfähiges Uran anreichern. Dafür soll er sich in New York rechtfertigen, doch in dem Land der westlichen Teufel angekommen, schmiedet seine sonst so loyale rechte Hand Tamir (Ben Kingsley) einen fiesen Plan: Er will Aladeen durch einen Doppelgänger ersetzen, Demokratie in Wadiya einführen und dessen Ölreserven an reiche Länder verkaufen. Aladeen entgeht nur knapp und bartlos dem Tod durch seinen Killer und kommt bei der Veganerin Zoey (Anna Faris) unter. Auf sich allein gestellt, muss Aladeen den Einzug der Demokratie in sein Land verhindern.

Fangen wir mit den guten Sachen an: „Der Diktator“ ist anfangs wirklich witzig. Aufgemacht wie eine wirre Mischung aus News-Report und „MTV Cribs“ lernen wir das Leben des Diktators kennen. Von goldenen Palästen über eigene olympische Spiele bis hin zu einer gekauften Nacht mit „Transformers“-Babe Megan Fox – Cohen fährt die üblichen Klischees über reiche Ölscheichs auf, die wir so kennen. Hier spürt man noch, dass Cohen große Ambitionen hat. Großes Problem: Diese ersten Szenen kennt jeder schon aus den zahlreichen Trailern zum Film. Heißt also, Cohen muss mit mehr punkten.

Aber mit dem Eintreffen in den USA flacht „Der Diktator“ von Minute zu Minute ab und erlebt nur selten wirklich witzige Momente. Und das sind dann die Augenblicke, in denen „Der Diktator“ sich an Cohens bisherige Mockumentaries orientiert – wie zum Beispiel, wenn Aladeen mit seinem Freund einen Hubschrauberflug über New York macht. Während er sich auf Arabisch über einen Porsche 911 unterhält und sich gespannt auf das große Feuerwerk bei der Freiheitsstatue freut, hören die amerikanischen Mitreisenden nur 9/11 und Bumm-Bumm. Köstlich… aber das war’s dann auch schon wieder.

Die Verwechslungsnummer hat man in anderen Filmen schon besser gesehen und die Liebesgeschichte zwischen Cohen und Faris hat den Namen nicht wirklich verdient, bedient sie sich doch auch nur der einfachsten Klischees.

Cohen hangelt von flachen Witzen zu flachen Witzen, geht hier und da mal gekonnt (und auch ungekonnt) unter die Gürtellinie und vergisst dabei seine wichtigste Aufgabe: Einen Diktator lächerlich zu machen und ihn so zu entmachten. Vielleicht wäre „Der Diktator“ als Mockumentary lustiger gewesen, man weiß es nicht… Ich könnte jetzt schreiben, dass sich Fans von Cohen diesen Film ruhig anschauen können, denn wenn es eins in diesem Streifen gibt, dann genug Cohen. Aber das wirklich Witzige an „Der Diktator“ findet man eigentlich nicht im Film, sondern in der PR-Maschinerie rund herum… ob nun Cohens Oscar-Auftritt, die Pressekonferenzen oder Interviews mit etwa Larry King – da war Cohens Diktator witzig, im Film nur bedingt. Es gibt also einen Grund, warum der Film nur „Der Diktator“ und nicht „Der Große Diktator“ heißt 😉

Wertung: 4 von 10 Punkten (flache Story, deren witzigste Momente man schon im Trailer gesehen hat)

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11 Kommentare leave one →
  1. 16. Mai 2012 10:51

    Dem Owley nach hätte ich den Film angesehen, aber wenn ich das jetzt lese… DANKE! 😉 Etz weiß ich nicht, was ich tun soll.

    • donpozuelo permalink*
      17. Mai 2012 18:26

      Sorry! Ich kann ja auch nur schreiben, wie es mir dabei erging. Aber ich finde nicht, dass man sich diesen Film so unbedingt anschauen muss. Ich glaube, als DVD für einen entspannten Abend zu Hause reicht der vollkommen aus.

      • 17. Mai 2012 18:43

        Hoffentlich liest Owley nicht mit. Ich glaube ich vertrau dir und schau lieber 21 Jump Street. 😀

        • donpozuelo permalink*
          17. Mai 2012 18:50

          Der ist ja im Moment eh mit Geburtstag-Feiern beschäftigt. Also auf zu „21 Jump Street“ 😉

  2. 16. Mai 2012 11:34

    Ach, du bestätigst meine schlimmsten Befürchtungen: Der Film hält nicht, was er verspricht und hat sein Pulver schon im Vorfeld verschossen. Ich denke mal, für einen Kinobesuch wird es bei mir auch nicht reichen. Schönes Schlusswort übrigens!

    • donpozuelo permalink*
      17. Mai 2012 18:27

      Danke! Und ja, er hält nicht wirklich, was er verspricht. Und er verspricht ja eine Menge. Vielleicht hätte Cohen seinem alten Konzept doch treu bleiben sollen.

  3. 17. Mai 2012 12:32

    Hm, hört sich nach dem typischen Komödien-Problem an. Die besten Witze werden in den Trailer gepackt, um die Menschen ins Kino zu locken. Immerhin habe ich den Trailer noch nicht bis zum Auswendiglernen in der Endlosschleife laufen lassen. Dennoch überlege ich mir jetzt zwei Mal für den Kinobesuch Geld zu bezahlen.

    • donpozuelo permalink*
      17. Mai 2012 18:28

      Überleg es dir ruhig auch noch ein drittes und viertes Mal und entscheide dich dann dafür, vielleicht mal in die DVD reinzuschauen, wenn sie dann mal rauskommt. Ich denke, das dürfte ausreichen! 😉

  4. 20. Mai 2012 12:09

    Der Anfang und die Hubschrauberszene waren wirklich auch das einziger lustige und zusammen mit dem Soundtrack die einzigen wässrigen Argumente dem Film jemanden überhaupt zu empfehlen. Cohen ist ja eignetlich gar keine schlechter Komiker nur sollte er endlich mal lernen dass man auch mit Niveau witzig sein kann.

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2012 19:38

      Danke schön! Genau so sieht es aus. Vielleicht sollte Cohen auch einfach mal feststellen, dass er möglicherweise doch nur ein guter TV-Komiker ist.

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