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Ein Hoch auf den iPod

4. Mai 2012

Gute Literatur für Kinder scheint sich nach einem ganz bestimmten Schema zu orientieren: Ein Einzelgänger, vielleicht als Loser verschrien, hat ein ach so schweres Leben. Vielleicht ist die Familie auch ein wenig zerrüttet, manchmal reicht es aber auch, wenn es an der Schule nicht so gut läuft. Doch dann irgendwann kommt dieser Augenblick, in dem aus dem nüchternen Alltag was ganz Besonderes wird. Sei es, weil man auf eine Zauberschule geladen wird, der neue beste Freund ein Vampir ist oder weil man irgendwelche Superkräfte hat.

Je nach Autor entsteht aus so einer Prämisse ein Buch oder gar eine ganze Reihe… und da Hollywood bei erfolgreichen Büchern nicht „Nein“ sagt, bekommen wir das dann auch als Film. Nur leider funktioniert das nicht immer so gut wie bei Zauberlehrlingen oder Vampir-Liebhabern. Und das, obwohl es bei „Percy Jackson“ um griechische Mythologie geht, um Medusa, Zeus, Poseidon und den Minotaurus. Spätestens seit der Neuauflage von „Kampf der Titanen“ wissen wir ja, dass Hollywood den alten Kram liebt. Aber seit „Kampf der Titanen“ wissen wir auch, dass Hollywood trotz der großen Vielfalt an möglichen Geschichten aus der Antike nichts daraus macht. Doch entweder Autor Rick Riordan hat sich über fünf Bände nichts wirklich kreatives einfallen lassen oder „Harry Potter“-Regisseur Chris Columbus hat es einfach nicht geschafft, Riordans „Percy Jackson“ gut auf die Leinwand zu übertragen. Auf jeden Fall beweist auch „Percy Jackson“, dass man griechische Mythologie ganz übel verhunzen kann.

In „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ wird Götterherrscher Zeus (Sean Bean) sein Herrscherblitz gestohlen. Angeblich von Poseidons Sohn Percy (Logan Lerman). Doch der hat ganz andere Probleme: Gequält von Dyslexie und ADHS hat es Percy nicht so leicht an seiner Schule… und dann verwandelt sich eine Aushilfslehrerin vor seinen Augen in eine Furie und will ihm ans Leder. Da wird es Zeit, dass Percy die Wahrheit über sich erfährt. Er ist ein Halbgott. In einem Camp für Halbgötter (!!!) lernt er von dem Zentauren Chiron (Pierce Brosnan) alles, was notwendig ist. Doch als seine menschliche Mutter von Hades entführt wird, macht Percy sich auf die Suche.

„Percy Jackson“ hat es wahrlich nicht leicht. Es wirkt alles zu sehr gewollt: Der arme Junge, der plötzlich ein Held wird. Sein ADHS ist dann doch nur die unbändige Götterkraft in ihm und die Dyslexie kommt daher, dass sein Gehirn auf Alt-Griechisch gepolt ist. Im Buch mag das alles noch gut erklärbar sein, im Film wirkt das alles sehr albern. Albern, vor allem deshablb, weil es zwar ernst gemeint, aber nicht ernst genommen werden kann. Es wird dem Zuschauer einfach so in zwei Sätzen erklärt und dann geht’s weiter. Kurz Kräfte erforschen und dann geht’s los. Auf große Reise nach irgendwelchen Perlen, mit denen man am Ende wieder aus der Unterwelt fliehen kann.

Das ist ein schönes Schnitzeljagd-Motiv, dass dem Film seine drei Episoden liefert, die jedes Mal in einem großen „Boss-Kampf“ endet. Zuerst in Uma Thurman als Medusa dran (hier darf dann auch dem iPod gehuldigt werden), anschließend kommt die Hydra dran (die zugegebenermaßen schon ziemlich cool aussah) und dann ein kleiner Drogentrip in Las Vegas. Da steckt zwar viel Potenzial drin, wirkt aber in sich nicht ausgewogen. Es sind halt aneinandergefügte Geschichten, die dann am Ende ein großes Epos ergeben sollen: Percy rettet seine Mutter.

Im Buchformat kann ich mir das alles noch sehr nett vorstellen, zumal man da halt auch die Zeit hat, die Reise zu den einzelnen Orten etwas besser zu beschreiben und den Charakteren Freiraum zur Entwicklung zu geben. Filmisch klappt das mal so gar nicht. Logan Lerman bringt es einfach nicht überzeugend rüber und daran scheitert dann auch der Rest. Von einem Augenblick auf den nächsten wird er vom Außenseiter zum Halbgott, aber das scheint ihn alles nicht zu wundern. Er lernt alles sehr schnell, es scheint ihn auch nichts wirklich daran zu stören. Hier wird einfach sofort losgelegt – keine Panik, keine Verweigerung, kein Versuch, rationale Lösungen für unnatürliche Vorgänge zu finden. Aber gut, was glaubt man nicht alles als Kind.

Insgesamt hätte ich mir „Percy Jackson“ schon recht spannend vorgestellt, aber die Story wirkt krude zusammengeschrieben und Hauptdarsteller Lerman gelingt es nicht, seiner Figur richtiges Leben einzuhauchen. Er wirkt die ganze Zeit oberflächlich und albern. Da helfen auch nicht Pierce Brosnan, Sean Bean, Uma Thurman, Rosario Dawson oder Catherine Keener – wobei ich mich sowieso frage, wie all diese Schauspieler in diesen Film geraten sind.

Man muss sich schon ein wenig über Chris Columbus wundern, denn er scheint doch zu wissen, wie man mit Literatur umgeht. Sein „Percy Jackson“ ist langatmig, vorhersehbar und unfreiwillig komisch. Einige Effekte sind ganz nett, aber das Gesamtpaket ist einfach nur schlecht. Da bietet die griechische Sagenwelt so viele Möglichkeiten und keine wird verwendet… oder vielmehr werden zu viele auf einmal verwendet. Alles muss mal erwähnt werden, aber kaum etwas wird richtig zu Ende geführt. Somit wird der Film eine fantasielose Aneinanderreihung von fantastischen Figuren und Erzählungen und weiß am Ende nicht, was es nun eigentlich sein sollte.

Trotz allem scheinen die Produzenten-Götter befriedigt worden zu sein, denn Teil 2 um Halbgott Percy ist wohl in der Mache. Die wollen es einfach nicht einsehen… vielleicht muss sie doch erst der Zorn des Zeus treffen, damit sie aufhören, so schlechte Geschichten über die antiken Götter zu erzählen.

Wertung: 3 von 10 Punkten (Halbgott oder nicht, Percy Jackson ist langweilig)

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15 Kommentare leave one →
  1. 4. Mai 2012 16:59

    Den Film habe ich bis jetzt bewusst ausgelassen. Welch ein Glück. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      4. Mai 2012 21:57

      Ein wahres Glück. Kann man wirklich nicht gebrauchen, umso mehr schockiert es dann doch, dass sie Geld für einen zweiten Teil zusammengekratzt haben. Vielleicht hätte es da doch besser ein Reboot sein sollen 😉

  2. 4. Mai 2012 17:26

    Jap der Film ist eine billige Möchtegern Harry Potter Kopie!

    • donpozuelo permalink*
      4. Mai 2012 21:57

      Auch wenn ich Harry Potter nur entfernt kenne – das trifft vollkommen zu. Und das obwohl Columbus doch bei Potter mitgemischt hat. Traurig, das Ganze!!!

  3. 5. Mai 2012 22:40

    Also damals als er lief, fand ich ihn gar nicht so schlecht.
    Für Kinder ist der doch gut. Was der mit Harry Potter zu tun hat, weiß ich allerdings nicht.

    • donpozuelo permalink*
      6. Mai 2012 13:54

      Also Kindern würde ich den auch nicht unbedingt zeigen. Außer sie zu Tode zu langweilen. Und was der mit Harry Potter zu tun hat: Na schau dir die Ausgangspostion von Potter und Jackson an, dann weißt du es. Ich glaube, Percy Jackson ist so der Versuch gewesen, dem britischen Potter einen amerikanischen Gegenspieler zu geben. Jackson kommt auch auf sowas wie eine Schule, hat ein nettes kleines Familiengeheimnis, Zauberkräfte, etc. Auch wenn ich mich mit Harry Potter nicht so sehr auskenne, sind die Parallelen vorhanden. Nur beim Potter-Jungen hat es alles viel besser funktioniert.

      • 6. Mai 2012 14:27

        Also nein nein. Ich habe ja ein paar „Versuchskinder“ im passenden Alter in der Freundschaft und Kinder mögen einfach schon mal nicht unbedingt das, was die Großen glauben was sie mögen sollten. Percy Jackson ist ein netter Versuch die Kids mit der griechischen Mythologie vertraut zu machen und auch Harry Potter ist nicht der erste Kinderroman, der ein Kind mit seinen ungewöhnlichen Eigenschaften vertraut macht und an geheimnisvolle Orte, bzw. Schule führt. Nur weil Potter der Populärste ist, ist er nicht automatisch das Non-Plus-Ultra. Ich nenne das das Madonna-Syndrom. Sie hat auch absolut nichts neu erfunden, greift nur bereits bestehende Mode auf und alle jauchzen wie genial sie ist. 😉

        • donpozuelo permalink*
          6. Mai 2012 21:42

          Das mag wohl alles stimmen, aber ich biin jetzt auch nicht unbedingt der Potter-Experte. Trotzdem ist die Tatsache, dass Percy Jackson eine amerikanische Antwort auf Potter sein sollte, nicht vollkommen abwegig.

  4. 6. Mai 2012 13:04

    Ich weiß noch, ich hatte den größten Spaß an dem Film, als ich mich über ihn in schriftlicher Form auslassen durfte. Dass jetzt tatsächlich eine Fortsetzung in der Mache ist, überrascht mich, erschreckt mich zutiefst – ich hatte wenigstens mit einem kleinen finanziellen Flop geliebäugelt. Nun gut, der zweite Teil wird vielleicht ja erneut gutes Verriss-Material 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. Mai 2012 13:55

      Ja, ein guter Film, um sich auszulassen 😉 Und der zweite Teil wird dem sicherlich in nichts nachstehen. 😉

  5. 7. Mai 2012 07:25

    Fand den gar nicht sooo abartig schlecht, als ich ihn mir angesehen habe obwohl die Story – um mal die Untertreibung des Jahrtausends zu liefern – ein wenig lückenhaft ist und Logan Lerman habe ich bisher in jedem Film abgrundtief gehasst.^^

    Die Grundidee, griechische Mythologie in die Neuzeit zu übertragen gefällt mir an sich gut, hapert aber an der Umsetzung und die letzte Rettung in dem Film sind wirklich die großen Namen in den Nebenrollen.

    Dennoch würde ich wohl 1,2 Pünktchen mehr geben, da ich schon deutlich schlechteres gesehen habe. Liegt vielleicht auch daran, dass ich von Chris Columbus nach seinen Harry Potter Umsetzungen nicht viel erwartet habe. 😉

    • donpozuelo permalink*
      7. Mai 2012 08:54

      😀 Ich kannte Chris Columbus vorher gar nicht als Regisseur. Gereizt hatte mich eigentlich auch nur diese Übertragung der Mythologie in die Neuzeit. An sich ein witziges Konzept, dass sicherlich gut gekommen wäre, wenn man es ein wenig intelligenter verarbeitet hätte. So fand ich es einfach nur albern und langweilig.

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