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Einfach jeder mit jedem

2. Mai 2012

Hollywood-Produzenten sind kalkulierende „Bösewichte“… aber das ist ja nichts Neues. Aber was jetzt kommt, ist schon echt sehr gemein. Frage: Wie verkauft man die Verfilmung eines französischen Romans aus dem Jahr 1885? Gut, man könnte was mit Zombies versuchen – das dürfte ja für Abe Lincoln demnächst gut funktionieren. Aber wir reden ja jetzt nicht von Action, sondern von einem Buch über einen armen Schlucker, der sich nach und nach hochschläft. Ein Kostümfilmchen, in dem viel geredet wird. Eigentlich die Art von Film, die für die zahlungskräftigen jungen Zuschauer vollkommen uninteressant sind. Doch das sieht natürlich ganz anders aus, wenn man die Hauptrolle dem begehrtesten Glitzer-Vampir gibt. Dann dürfte selbst ein langatmiger Kostümfilm genügend Geld einspielen.

Allerdings kann ich immer nicht verstehen, was an Robert Pattinson nun dran ist. Ich hatte bis jetzt zwei Mal das „Vergnügen“, den Mann auf Pressekonferenzen reden zu hören. Und jedes Mal hatte ich das Gefühl, der kriegt nur zusammenhängende Sätze hin, wenn man sie ihm vorher aufschreibt. Aber gut, fürs Reden lieben in die Teenie-Mädchen ja auch nicht. Der Rob ist Vampir – und das sollte er vielleicht auch bleiben. Doch kann man nicht ewig so weitermachen… Rob muss sich auf das Ende von „Twilight“ vorbereiten und seine Fühler mal so langsam ausstrecken.

Getan hat er das jetzt mit dem Film „Bel Ami“ – wie gesagt, ein Kostümfilm basierend auf dem gleichnamigen Roman von Guy de Maupassant. Darin spielt Pattinson den armen Soldaten Georges Duroy, der dank eines reichen Freundes einen Job bei der Zeitung bekommt. Doof nur, dass Duroy so richtig nicht schreiben kann. Zum Glück hilft ihm die charmante Frau seines Freundes Madeleine Forestier (Uma Thurman). In die verliebt sich Duroy, wird jedoch abgewiesen. Gut, dass da die junge Clotilde (Christina Ricci) und die anhängliche Madame Walter (Kristin Scott Thomas) warten. Duroys Weg nach oben steht nichts mehr im Weg – denn schließlich beeinflussen die Frauen ihre reichen Männer und das ist gut für Duroy.

Tja, was soll man über „Bel Ami“ sagen? Ein wirklich großer Film ist das nicht. Es geht um Sex, es geht um Liebe, es geht um Betrug. Jeder macht mit jedem rum. Duroy macht sich als Callboy die Lust der Frauen zu nutze, um an das Geld ihrer Männer zu kommen. Wer weiß, ob Pattinson die Rolle gewählt hat, um die sexuelle Frustration aus den „Twilight“-Filmen endlich mal abzubauen. Auf jeden Fall darf er sich hier zu ein paar sehr netten Frauen ins Bett legen. Dabei ist aber sein George Duroy auch nur einer von diesen Typen, die es okay finden, zu betrügen, aber plötzlich verletzt sind, wenn die Frau es ihm gleich tut. Versteh einer diese Welt.

Aber kommen wir kurz zurück zu Pattinsons Versuch, den Edward Cullen abzulegen. Er kann in die Kamera grinsen und er kann Damen umgarnen, so richtig überzeugend ist das jedoch nicht. Weitaus besser sieht es da bei Pattinsons Damen aus. Da hätten wir die durchtriebene Uma Thurman, die sich den jungen Soldaten gefügig macht. Oder die wirklich verliebte Christina Ricci, die einzige Frau in diesem Film, mit der der arme Soldat wirklich was anfangen sollte – schließlich liebt sie ihn auch ohne Geld. Und dann ist da noch Kristin Scott Thomas, die einfach nur das brave Lamm spielt, die zu nahe an das böse Tier Mann gerät. Was Pattinson nicht schafft (nämlich zu überzeugen), das machen die drei Damen des Films mit Leichtigkeit.

Doch am Ende fragt man sich schon, was Maupassant uns eigentlich mit dieser Geschichte sagen möchte: Männer sind Schweine? Spiel mit den Gefühlen anderer und du erreichst dein Ziel? Irgendwie fragwürdige Botschaften, die die zahlreichen Pattinson-Anhänger durch diesen Film mitgeteilt bekommen. Vielleicht ist das aber auch gut so, dann lernen sie umso schneller, dass selbst ein Robert Pattinson nun mal nicht im Sonnenlicht glitzert.

„Bel Ami“ hat schon seine spannenden Momente, doch das Intrigenspiel um Einfluss und Macht hätte einen Zacken schneller und aufregender inszeniert werden können. Am Ende leidet der Film unter der Last der großen Namen, weil sich die beiden Regisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod weniger um die Geschichte, als vielmehr um die korrekte Darstellung ihrer Schauspieler kümmern. Mit der vierten Adaption des Romanstoffes kommt wohl auch nichts Neues mehr hinzu und das ist schade. So macht sich dieser Film nämlich selbst obsolet. Nur die Hoffnung auf die „Twilight“-Fans bleibt…

Wertung: 4 von 10 Punkten (wir lernen zwei Dinge: 1) auch Männer können sich hochschlafen und 2) es sind am Ende doch die Frauen, die über alles bestimmen)

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3 Kommentare leave one →
  1. 2. Mai 2012 18:06

    „Wer weiß, ob Pattinson die Rolle gewählt hat, um die sexuelle Frustration aus den „Twilight“-Filmen endlich mal abzubauen.“
    – großartiger Satz 😀

    Lass mich raten: Den Film hast du dir wohl auch nicht ausgesucht. Klingt irgendwie wenig verlocken, da mir der Hype um Pattinson ebenfalls vollkommen unerklärlich bleibt.

    • donpozuelo permalink*
      3. Mai 2012 10:19

      Danke! 😉

      Nein, den FIlm habe ich mir auch nicht wirklich selber ausgesucht. Hatte den allerdings auch schon auf der Berlinale gesehen. Aber ab jetzt darf sich ja auch jeder andere von diesem Film überzeugen… oder auch nicht 😉

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