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Was würdest du tun?

23. April 2012

Jedes Genre ist irgendwann ausgelutscht. Dass war beim Sandalenfilm so, beim Western oder auch beim Monster-Film. Zu viele Filme mit immer den gleichen Grundlagen – das geht dem Zuschauer irgendwann auf den Geist. Und dann steht ein Genre vor dem Scheideweg: Aussterben oder Weitermachen. Ausgestorben sind Genres ja nie, sie machen weiter… nur halt auf andere Weise. Zuerst kommen die Parodien, die meistens ein leichtes Spiel haben, weil sie altbekanntes einfach nur herrlich auf die Schippe nehmen müssen. Dann kommt vielleicht eine kleine Pause… und irgendwann kommt einer daher, der nimmt sich nur bestimmte Grundelemente und macht mal was, was ein klein wenig anders ist.

Im Moment haben wir ja unser Zeitalter der Comic-Verfilmungen – duh, schließlich kommt ja bald ein Superhelden-Team ins Kino, dass hoffentlich unsere Welt rocken/ retten wird. Aber auch die Superhelden sind dem ein oder anderen schon zu viel (aber wohl definitiv noch nicht am Aussterben). Da greifen dann die Parodien an: Filme wie „Kick-Ass“ oder „Super“ nehmen die kostümierten „Freaks“ auf den Arm. Zeigen uns, wie albern Helden sein können, wenn man sie nicht völlig ernst nimmt.

Tja, und so ist auch Platz für Filme über… ja, die Menschen hinter den Superkräften. Und die Frage „Was würdest du tun?“ bzw. wenn man den deutschen Untertitel zu „Chronicle“ nimmt: „Wozu bist du fähig?“

Josh Tranks „Chronicle“ fängt so an, wie so die ein oder andere „Akte X“-Folge früher anfing: Ein merkwürdiges Loch im Waldboden, drei Jungs, die da reinklettern und plötzlich mit telekinetischen Kräften versehen sind. Für Andrew (Dane DeHaan), seinen Cousin Matt (Alex Russell) und dessen Freund Steve (Michael B. Jordan) beginnt eine aufregende Zeit. Anfangs sind die neuen Kräfte Grund zu kleinen, harmlosen Streichen, doch alle drei werden stärker und besonders Andrew wächst gefährlich über sich hinaus.

Ich muss es gleich vorweg sagen… einfach damit es raus ist: „Chronicles“ ist ein großartiger Film. Vergesst die Voruteile über „Found Footage“-Filme! Vergesst die Vorurteile über einen weiteren Superhelden-Film! Vergesst einfach alles!

Kommen wir zu Punkt 1: Jeder weiß, dass ich kein großer Fan von „Found Footage“ bin. Scheiß Wackel-Kamera, blöde Schnitte, komisches Bild – und am Ende sieht man nur sehr wenig. Der Kamera-Mann in „Chronicle“ ist Andrew, der sein Leben an der Highschool und sein Zuhause mit der Kamera begleitet. Da müsst ihr schon ein paar Wackler über euch ergehen lassen. Aber ruhig Blut, irgendwann kommt Telekinese ins Spiel und die Kamera gleitet sanft und dank Sony HD auch hochauflösend über das Geschehen und liefert spektakuläre Bilder. „Chronicle“ kann sich sehen lassen!!!

Kommen wir zu Punkt 2: „Chronicle“ ist kein Superhelden-Film. Vielmehr erfüllt Josh Trank den Wunsch, den wir alle wohl schon mal hegten: Superkräfte haben. Aber Andrew, Matt und Steve ziehen sich keine Kostüme an und retten Unschuldigen das Leben. Erst einmal wird trainiert, es werden Grenzen ausgetestet und eine Menge Spaß mit den neuen Fähigkeiten gehabt. „Chronicle“ wirkt in den ersten Minuten erstaunlich frisch und macht richtig Laune. Die Streiche der drei Jungs sind teilweise schon echt witzig.. halt Sachen, die ich wohl auch gemacht hätte. Aber wie schon Spidey lernen musste: „Mit großer Kraft Macht kommt große Verantwortung!“ und bald gerät alles aus dem Ruder.

Josh Trank geht es irgendwann nicht mehr um die Kräfte, sondern um die Menschen. Was passiert mit ihnen? Besonders bei Andrew, der Außenseiter, der von seinem Vater geschlagen wird, dessen Mutter schwer krank ist, zeigen sich erste Zeichen von Größenwahn. Oder ist er am Ende einfach nur ein Junge, der sich selbst schützen will?

Das Finale von „Chronicle“ erinnerte mich schwer an Katsuhiro Otomos „Akira“ – nur halt ohne das ganze Militär. Josh Trank haut ordentlich auf die Pauke, bietet reichlich Action, verliert dabei aber nie aus den Augen, dass es ihm letzendlich um die Menschen geht. Dass das tatsächlich auch so gut funktioniert, liegt sehr stark an den drei Darstellern. Trank verzichtet auf große Namen und hat damit mehr als nur Erfolg. Dane DeHaan, der mich sehr an einen jungen Leonardo DiCaprio erinnert hat, ist wirklich großartig: Den verletzten Jungen, der sich an diesen Strohhalm Superkraft klammert, stellt er absolut glaubwürdig dar. Auch seine beiden Kollegen wirken allein und im Team absolut überzeugend und sorgen dafür, dass man wie gebannt im Kinosessel sitzt.

Eigentlich habe ich gar nichts von „Chronicle“ erwartet, bin sogar mit großer Skepsis in diesen Film gegangen – und mal ehrlich, das Ganze hätte auch böse in die Hose gehen können. Ist es aber überhaupt nicht: Trank bietet den wohl ersten Superhelden-Film, der gar kein Superhelden-Film ist. Mit einem guten Gespür für Witz, Dramatik und Action liefert Trank eine Art „Coming-Of-Age“-Film. Nur halt mit einer kleinen Prise Superkräften.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ich will auch Superkräfte und ich bin auch anständig… VERSPROCHEN!!!)

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14 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    23. April 2012 13:44

    Geil.. Muss.. Film.. gucken!! Mir ist der Film sofort beim ersten Trailer aufgefallen – ich hätte nur nicht geahnt, dass der auch was taugt.. Aber jetzt muss ich den ja zwangsläufig ansehen.. ^^

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2012 15:41

      Erste Trailer fand ich so lala… aber nach ein paar guten Kritiken und zwei Stunden, die irgendwie überbrückt werden mussten, habe ich ihn mir dann doch angesehen. Und zum Glück hat der Trailer noch nicht alle guten Szenen gezeigt 😉

  2. 23. April 2012 15:52

    Ich stimme dir bekanntlich völlig zu, und dabei war ich ja auch nicht von Anfang an der grösste Fan. Aber der Film war echt gut.

    Und ich sehe, ich bin nicht der einzige, den Dane DeHaan an LDC erinnerte – musste immer schmunzeln. Glaube aber, dass Alex Russell bessere Chancen hat, Fuss zu fassen, der Typ ist charismatischer und wirkt unverbraucht.

    Im Übrigen kommt mit grosser Macht grosse Verantwortung. Kraft brauchts dazu keine 😉

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2012 16:02

      Verflucht… auch noch falsch zitiert. Wird korrigiert.

      Was die Thematik DeHaan-Russell angeht, bin ich zum Teil bei dir. Ich tippe ja darauf, dass DeHaan durch diesen Film mehr solcher „gestörter“ Persönlichkeiten angeboten bekommen wird. Das macht ihn aber irgendwann vielleicht auch besser. Russell ist charismatischer… ist aber auch ein bisschen typischer American Boy. Kann es jetzt auch nicht besser erklären… aber in langer Hinsicht könnte DeHaan das Rennen vielleicht doch noch für sich gewinnen.

  3. 24. April 2012 07:41

    Hm, ich bleibe trotzdem skeptisch. Liegt einfach am Thema. Der Film kommt sicher bal auf irgendeinem Privatsender, da kann ich ja dann mal reinschauen.

    • donpozuelo permalink*
      24. April 2012 08:59

      Irgendwann kommt der sicher auch im TV. Aber dann bitte nicht zu sehr ärgern, ihn nicht im Kino gesehen zu haben 😉

      Ich kann deine Skepsis schon verstehen, aber sie ist in diesem Fall eigentlich wirklich unbegründet. Ist wirklich super gemacht!

  4. 24. April 2012 12:29

    Nur die Punkteanzahl nachgesehen und dadurch, dass du nicht der einzige bist der so hoch bewertet, wird er wahrscheinlich noch diese Woche gekuckt!

    • donpozuelo permalink*
      24. April 2012 13:40

      Diese Woche??? Etwa als Kontrast-Programm zu „The Avengers“ 😀

      • 24. April 2012 13:44

        Muss fast, denn Avengers ist mindestens schon 2mal eingeplant 😉

        • donpozuelo permalink*
          24. April 2012 13:51

          Richtig so!!! Und du bist ja schon mehr als nur bald dran mit der ersten Sichtung!!! Gemeinheit!!! 😉

  5. 24. April 2012 22:01

    Schon wieder so eine 10 von 10… Also, so allmählich werft ihr mit großen Wertungen um euch, sie verlieren ja beinahe ihre Aussagekraft – beinahe. Chronicle ist tatsächlich mal einer der Filme, deren Trailer wenig sagen, Spannung aufbauen und dann tatsächlich noch mehr rausholen, als man gedacht hätte.
    Mir gefielen Kamera und vor allem Schnitt echt gut, die Story ist ziemlich tragisch, aber wahrscheinlich bleibt mir davon wenig im Gedächtnis. Deshalb sollte ich auch alsbald mal für eine Review in die Tasten hauen

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2012 07:42

      Naja, so oft haue ich die 10 nun auch nicht raus. Nur wenn sie wirklich berechtigt ist 😉 Und weil ich dieses Mal wirklich extrem überrascht worden bin, weil ich ja vorher eigentlich gar nicht in diesen Film wollte. Aber eben weil es kein ganz so typischer Found Footage-Kram ist, ist der schon echt gut!!!

      Aber dann hau mal in die Tasten und wir reden später weiter 😉

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