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Fürchte Mutters Rache!

20. April 2012

Es ist in Science-Fiction-Filmen doch immer so: Entweder die Aliens sind gut oder böse. Sind sie böse, dann wollen sie uns vernichten, uns versklaven oder auffressen. Sind sie gut, möchten sie am liebsten das Gleiche machen. Schuld daran, ist der Mensch selbst: Kaum haben die guten Aliens uns näher kennengelernt haben, erkennen sie, dass Menschen niederträchtig und unglaublich brutal sind. Des Menschen größter Feind ist der Mensch selbst. Das muss auch so ein gutes Alien irgendwann erkennen und sich dann schon fragen, was hier eigentlich falsch gelaufen ist.

Aber man muss kein Alien sein, um das festzustellen. Doch lieber versuchen wir, uns nicht so zu sehen. Ist vielleicht so eine Art Selbstschutz-Mechanismus. So sieht es zumindest auch in dem südkoreanischen Film „Bedevilled“ aus. Hier wird die junge Hae-won (Ji Seong-won ) Zeugin, wie ihre alte Schulfreundin Kim Bok-Nam (Seo Young-hee) gequält wird. Bok-Nam lebt auf einer kleinen Insel mit ihrer kleinen Tochter und ihrem Mann. Doch Bok-Nam wird von der kleinen Inselgemeinschaft am laufenden Band gedemütigt. Die alten Weiber lassen sie schuften, ihr Mann und dessen Bruder „teilen“ sie sich. Bok-Nam nimmt diese Qualen auf sich – für ihre Tochter. Doch als sie erfährt, dass ihr Mann das kleine Mädchen missbraucht, will Bok-Nam mit ihrer Tochter fliehen. Leider kommt ihr Mann ihr zuvor und bringt dabei Bok-Nams Tochter um. Jetzt hat die junge Frau nichts mehr zu verlieren und nimmt blutige Rache.

Eigentlich ist „Bedevilled“ wieder mal ein klassischer asiatischer Rachefilm… es fängt alles noch ganz ruhig an, irgendwann kippt die Situation und dann kommt der Rachefeldzug. Natürlich mit ordentlich viel Kunstblut und ein paar Szenen, die die Idylle der kleinen Insel vollkommen zerstören. Regie-Debütant Jang Chul-Soo lässt sich Zeit und lässt uns an jedem grausamem Detail aus Bok-Nams Leben teilhaben. Dadurch baut er eine sehr angespannte Atmosphäre auf: Die ganze Zeit über möchte man Bok-Nam zu rufen, sie soll sich endlich wehren. Aber sie ist nur allein, hat Angst um ihre Tochter und fügt sich ihrem Schicksal.

Rettung scheint mit der Ankunft von Bok-Nams alter Freundin Hae-won zu kommen. Und hier entfernt sich „Bedevilled“ von den üblichen Rachethrillern. Denn mit Hae-won kommt eine Figur ins Spiel, die jeder Mensch sein könnte. Ein Mensch gefangen in seiner eigenen Welt, der aus Angst oder welchen Gründen auch immer weg schaut. Und man möchte Hae-won wirklich dafür schlagen, dass sie nichts weiter tut außer wegschauen, ihren beschaulichen Urlaub vor dieser grausamen Kulisse abzuhalten. Hae-won steht für eine ganze Gesellschaft aus Egoisten und Wegschauern, die sich vorwiegend um ihr eigenes Wohl kümmern. „Hauptsache, mir passiert nichts!“ und genau da beginnt man wie so ein Alien von außen auf die Menschen zu schauen. Warum tut sie das nur? Hilf doch endlich! Aber Hae-won tut nichts und sorgt somit nur noch für mehr Gewalt, obwohl sie doch eigentlich die Rettung sein könnte. Und so beginnt man auch die vermeintliche Retterin zu hassen.

Langsam entwickelt sich „Bedevilled“ vom Drama über ein tragisches Menschenschicksal zu einem blutigen Feldzug gegen Bok-Nams Peiniger. Dadurch dass Regisseur Jang Chul-Soo so gute Vorarbeit leistet, wirkt diese Rache unglaublich befreiend. Schockierend (vor allem wegen der extremen Gewaltdarstellung), aber befreiend. Wenn schon keiner hilft, muss Bok-Nam sich selber helfen. Und da sie eh nichts mehr zu verlieren hat, wird ihre Rache umso schrecklicher.

„Bedevilled“… grausam-schönes Rachedrama, das uns den Spiegel vorhält und ganz leise fragt: „Was hättest du getan?“ Somit gelingt Jang Chul-Soo das Kunststück einen Rachethriller mit Moral zu drehen. Ein Film, der sich nicht hauptsächlich auf den Akt des Tötens konzentriert. Ein Film, der sich alle Seiten anschaut und wie ein gutmütiges Alien anschließend nur traurig mit dem Kopf schüttelt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (krasses Plädoyer gegen das Wegschauen)

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7 Kommentare leave one →
  1. 20. April 2012 08:57

    Bist in letzter Zeit etwas auf dem Rache Trip 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. April 2012 09:06

      Wie kommst du denn nur darauf??? Ich bezeichne es lieber vorsichtig als „Asia-Woche“ beim Don!!! 😉 Was kann ich denn dafür, dass mich da vorwiegend die Rachethriller ansprechen. Sind ja aber auch alle verdammt gut gemacht.

      • 20. April 2012 09:08

        Ja soltle mich auch mehr dort heranwagen…aber manchmal hats auch ziemlich krankes Zeug dabei…you know | Asians |

        • donpozuelo permalink*
          20. April 2012 10:14

          Es gibt da schon viel krankes Zeugs, aber zum Glück genauso viel gutes. Wie man vielleicht diese Woche bei mir gesehen hat. Und ich mag die Tatsache, dass man nie genau weiß, was man am Ende bekommt. 😉

        • 20. April 2012 10:48

          Dass ist das wovor ich mich so ein bisschen fürchte 😛

  2. 21. April 2012 01:56

    Kleine konstruktive Anregung: Wenn ich solche Überschriften im Reader lese, dann tendiere ich eher dazu, sie zu überlesen, weil sie nicht wirklich etwas aussagen. Schon gar nicht, daß es um einen Film gehen wird. Allgemein ist aus dem Post dann auch nicht deutlich entnehmbar, um welchen Streifen es sich denn nun handeln soll. Vielleicht bin ich da arg konservativ, aber entweder ein eindeutiger Titel oder zweite Überschrift wären echt hilfreich. In diesem Fall hätte ich eben beinahe einen doch recht interessant klingenden Film übersehen und vielleicht nie kennengelernt.

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2012 15:43

      Kritik entgegen genommen. Nur ist halt der „Mystery-Title“ schon von Anfang an meine Sache gewesen. Über eine zweite Überschrift habe ich auch schon mal nachgedacht. Vielleicht werde ich das demnächst mal anbringen! 😉

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