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Die wunderbare Welt des Wladimir

2. April 2012

Ich gebe es zu: Ich bin voreingenommen! Wenn nur die Erwähnung „Deutscher Film“ fällt, dann schalte ich von vornherein erst mal ab. Deutscher Film – was ist das schon? Entweder tragische Vergangenheitsbewältigung (die dann und wann auch mal international etwas mehr Beachtung findet) oder (romantische) Komödien. Und da wir Deutschen ja für unseren übersprühenden Humor bekannt sind, ist jede deutsche Komödie ein Lacher (husthustNICHThusthust). Wenn ich mir dann noch überlege, dass Leute wie Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer fast schon so etwas wie Aushängeschilder für das deutsche Kino sind, dann wird mir erst so richtig schlecht.

Beste Voraussetzungen also für mich, wenn mir mein Chef die Premiere von „Russendisko“ in die Hand drückt. „Russendisko“ – das ist die Vergangenheitsbewältigung des russischen Autors Wladimir Kaminer – jetzt verfilmt mit Matthias Schweighöfer. Da hätte eigentlich mein Kopf platzen müssen. Die Tatsache, dass ich diesen Text hier noch verfassen kann, spricht dafür, dass ich nur leichte Hirnschäden davon getragen habe. Vielleicht gerade noch genug, um das hier auch zu Ende zu bringen.

Also Schweighöfer als Russe im Berlin der Wiedervereinigung. Super, was habe ich mich auf diesen Film gefreut! Vor allem, weil die Geschichte auch so furchtbar spannend klang: Die drei Freunde Wladimir (Schweighöfer), Mischa (Friedrich Mücke) und Andrej (Christian Friedel) entfliehen im Sommer 1990 dem russischen Heimatland und wollen ihr Glück in Berlin versuchen. Andrej will Reichtum, Mischa will Musik und Wladimir will einfach nur das Leben genießen. Doch es kommt natürlich alles ein wenig anders: Mischa darf nur drei Monate bleiben, Wladimir verliebt sich in Olga (Peri Baumeister) und Andrej bekommt Heimweh. Schwierige Zeiten also für unsere drei Russen.

Und schwierige Zeiten für mich im Kinosaal. Eigentlich ist Kaminers Buch „Russendisko“ ja ein großer Erfolg gewesen. Aus 52 kurzen Erzählungen über das Leben in Berlin, die Liebe und Musik – halt alles, was das Buch „Russendisko“ ausmacht – hat Drehbuchautor und Regiedebütant Oliver Ziegenbalg (ein Name, der nur noch von Hermine Huntgeburth getoppt wird) zu einer… ja, was eigentlich ist dieser Film? Ostalgie-Imigranten-Musik-Liebeskomödie? Der verzweifelte Versucht, so was wie „Die wunderbare Welt der Amelie“ nach Berlin zu holen? Ich weiß es nicht. Ich kann’s nicht sagen. Wie schon erwähnt: Ich bin schwer voreingenommen.

Hier nun also mein Versuch, ganz ganz objektiv zu bleiben: „Russendisko“ ist erträglich. Auch wenn es hier um Russen geht, hat Ziegenbalg in weiser Voraussicht darauf verzichtet, Schweighöfer und Co. mit russischem Akzent spielen zu lassen (sonst wäre ich wirklich schreiend aus dem Kino gelaufen). Anfangs zeigt der Film auch noch recht ansprechend, die freudige Ankunft der drei Jungs, die sich so mit Ach und Krach durch ihr neues Leben schlagen – und dabei mehr als nur einmal unverschämtes Glück haben. Ich hoffe inständig, dass Kaminer das alles in seinem Buch mit sehr viel mehr Charme und Witz beschrieben hat, denn so wirklich lustig ist der Film grade mal nicht. Es gibt ein paar witzige Szenen, die natürlich auf das Migranten-Integrationsthema abzielen. Wirklich zum Lachen ist „Russendisko“ aber nicht. Vielleicht hier und da mal ein Schmunzeln. Das war’s.

Wirklich gut an „Russendisko“ ist die Tatsache, dass es kein Schweighöfer-Film, sondern tatsächlich ein Ensemble-Stück geworden ist. So kann Herr Schweighöfer sein großes schauspielerisches Talent ein wenig ruhen und die anderen machen lassen.

Ich bin nach diesem Film mit drei Erkenntnissen aus dem Film gekommen: 1) Schweighöfer ist und bleibt furchtbar. 2) Kaminers Buch ist bestimmt interessant zu lesen, aber nicht sooo interessant fürs Kino und 3) Den Balkan-Rock des Soundtracks werde ich noch den Rest des Tages im Ohr haben.

Wertung: 5 von 10 Punkten (kein Glanzstück, aber ertragbar – sofern man mit Russen-Rock und Schweighöfer nicht schon komplett bedient ist)

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13 Kommentare leave one →
  1. 2. April 2012 08:28

    Ach als Soundtrack gibts Balkan-Rock? Das ist in der Tat seltsam 😉

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2012 13:13

      Naja, es ist alles dabei – erinnerte mich halt mehr an Balkan-Rock, auch wenn’s wohl eher Russen-Rock heißen müsste!

  2. 2. April 2012 09:27

    Na ja, so einseitig ist es um den deutschen Film auch wieder nicht bestellt. Schließlich gibt es ja auch noch den realistischen Film à la Berliner Schule. Ich bin z.B. ein großer Fan von Christian Petzold. Abseits davon ist es allerdings schon eher düster …

    Ach, und Matthias Schweighöfer: Ich werde immer ganz schwermütig, wenn ich ihn im Zusammenhang mit so einem Schund sehe, war er für mich doch einst so vielversprechend – damals, als er Baal und Schiller spielte. Was ist nur passiert? Til Schweiger vermutlich …

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2012 13:15

      Til Schweiger ist zu vielen passiert 😉 Und ja, es gibt die Ausnahmen hier und da… aber mich stört halt einfach nur, dass deutscher Film ständig deutsche Geschichte behandeln muss und nicht einfach mal Film sein kann. Es muss immer irgendeine große Belehrung für den Zuschauer dahinter stecken!

      • 2. April 2012 14:06

        Jene Berliner Schule tut das aber eben NICHT!

        • 2. April 2012 14:24

          Da gehe ich völlig mit Miss Stephen einig. 🙂 Empfehlung: Schau dir mal Christoph Hochhäuslers „Falscher Bekenner“ an! Keine Belehrung, keine Vergangenheitsaufarbeitung; einfach ein Einblick in die Seele eines jungen Menschen, der mit sich selber nicht zurechtkommt – und in Träume, später eben in „falsche Bekenntnisse“ flüchtet.

        • donpozuelo permalink*
          2. April 2012 14:48

          Ok, gut. Ich lasse mich da gerne eines besseren belehren. Und da ich ja – wie schon gesagt – eh keine Ahnung von deutschem Film habe, werde ich mir den Film mal merken.

  3. 2. April 2012 09:34

    Ums mal als Schweizer mit beinahe geballter Wut zu sagen: Der deutsche Film ist und war besser als er gemacht wird. Er besteht auch nicht nur aus Til Schweiger, sondern will geradezu entdeckt werden. Weshalb haben sich wohl ich und andere Blogger seit letztem März das aufgerissen, was aussieht wie Til Schweigers Kopf, um die Leute ein wenig für Werke auf unserem Sprachraum zu sensibilisieren? – Und weshalb mache ich wohl in regelmässigen Abständen weiter? Was ausser Pomp und Starletts hat Hollywood dem europäischen und eben auch dem deutschen Film entgegenzusetzen?

    Mit abgelassenem Dampf
    Whoknows 😉

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2012 13:18

      Ja, aber muss guter deutscher Film sich denn immer so verstecken? Ich bin ja fürs Entdecken von Filmen, aber dann muss ich sie auch irgendwann mal zu sehen bekommen. Ich rede hier natürlich rein von dem Kram, der in die Kinos kommt. Und da haben eben nun mal auch nur Schweighöfers und Schweigers die Nase vorn.

      UND: Ich vergleiche deutschen Film nicht immer zwangsläufig mit Hollywood. Klar hast du Recht, wenn du sagst, die haben auch nur Pomp und Starletts, aber die haben wenigstens ihren Platz gefunden. Deutscher Film schwebt für mich immer noch irgendwo in der Luft zwischen Vergangenheitsbewältigung und Erfolge-kopieren.

      Aber andererseits bin ich wahrlich auch keine gute Referenz, was deutschen Film angeht: Ich bin voreingenommen und schaue sie nur sehr selten!!!

    • 3. April 2012 08:04

      Das stimmt. Es gibt wirklich gute Deutsche Filme. Einige Filme von Detlev Buck zB. wie „Karniggesl“ oder „Wir können auch anders“ Die leben auch von einem geradzu köstlichen Humor. Und es gäbe da durchaus noch mehr gute Beispiele zu nennen. Aber der Großteil Deutsche Folme ist so, wie von donpozuelo beschrieben. Da passiert es schnell, dass man pauschalisiert. Der Mensch neigt dazu. So, wie er gern Hollywoodkino pauschalisiert als Pomp und Starlettkino, und dabei gern die wirklich guten Filme übersieht. Wie zB die frühen Kevin- Smith- Filme (auch die, wo schon oder noch ein Ben Affleck mitgespielt hat oder Matt Damon)-. Und da gäbe es, wie auch beim Deutschen Film, durchaus noch mehr zu nennen

  4. 2. April 2012 11:02

    Ich hab mir gestern Zweiohrküken angesehen und war überrascht wie schlecht er im Vergleich zum ersten Teil doch ist.

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2012 13:19

      Ich fand den ersten Teil schon super langweilig! 😉

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