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Es ist Schinkenabend!!!

28. März 2012

Was haben folgende Filme gemeinsam – „Der Rote Korsar“ und „Das Leben des Brian“? Auf den ersten Blick nicht sonderlich viel: „Der Rote Korsar“ ist ein Piratenfilm aus den 50ern mit Burt Lancaster. Es ist kein gewöhnlicher Piraten-Film, sondern möglicherweise der Piraten-Film der das Image des Piraten ein wenig sehr auf die Spitze treibt und mit möglichst viel Übertreibungen einen waschechten Piraten-Kapitän zeigt. Tja, und zu „Das Leben des Brian“ muss man nicht mehr viel sagen: Das passiert, wenn dunkelschwarzer britischer Humor auf Jesus trifft. Nur Piraten gibt’s in „Das Leben des Brian“ nicht. Also was haben beide Film dann gemeinsam?

Laut Peter Lord waren sie eine wichtige Inspirationsquelle für einen Film, in dem überspitzt dargestellte Piraten sich mit viel britischem Humor durch ein Abenteuer kämpfen. Und was wäre dazu noch britischer als ein waschechter Stop-Motion-Film! Schließlich hat Lord zusammen mit seinem Kollegen David Sproxton die Aardman-Studios aufgebaut, die uns widerum mit Klassikern wie „Wallace und Gromit“ versorgt haben. Und neben Schafen und Hühnern kommen jetzt also auch noch Piraten dazu.

Die Geschichte von „Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ ist schnell erzählt: Eigentlich ist der Piraten-Kapitän mit seinem Leben zufrieden. Seine Crew liebt ihn, sein etwas dicklicher Papagei Polly (die gar kein echter Papagei ist) liebt ihn noch mehr – was könnte man sich als Käpt’n eines Piratenschiffes noch mehr wünschen? Vielleicht wenigstens einmal „Pirat des Jahres“ zu werden. Doch das ist gar nicht so einfach – und so wird aus der Aufgabe, die größte Beute des Jahres zu machen, das größte Abenteuer, das dieser merkwürdige Haufen an Typen bisher erlebt hat – inklusive einer Begegnung mit dem berühmten Forscher Charles Darwin und der gefürchteten Königin Victoria.

Wer Aardman hört, der weiß Bescheid! Wer den Namen Aardman so noch nicht kennt, der weiß sicherlich spätestens bei der Erwähnung von „Wallace und Gromit“ Bescheid: Es geht um Stop-Motion-Filme. Das heißt im Klartext: Eine Menge Handarbeit im Zeitalter der Computer-Animation. Da stellt sich fast schon die Frage, warum sich jemand die Mühe macht, um allein rund 8000 verschiedene Münder zu kreieren, damit die Figuren sprechen können. Für Peter Lord ist die Begründung für Stop-Motion absolut simpel: „Ich glaube, die Leute wissen, dass es handgemacht ist, dass da mehr vom Menschen drin steckt als bei CG. Es ist das Wissen, dass das, was man auf der Leinwand sind, real ist, das man es tatsächlich anfassen könnte.“ Und da hat unser lieber Regisseur natürlich gar nicht mal so Unrecht – auch wenn so Kleinigkeiten wie der Himmel, das Meer und etwaige Feuer doch am Computer entstanden sind.

Aber hey, bei dem, was wir mit „Die Piraten – ein Haufen merkwürdiger Typen“ sonst so geboten bekommen, wollen wir mal nicht allzu kleinlich sein. Denn auch wenn die Geschichte vielleicht nicht soooo der Brüller ist, der Rest ist es auf jeden Fall. Angefangen bei einer Piraten-Crew, die besser nicht sein könnte bis hin zu einem mit Textkarten kommunizierendem Affen – was seine Figuren angeht, hat Peter Lord lustige und sympathische Charaktere erschaffen. Und das in jeder Hinsicht – sucht dir eine Rolle aus. Sie sind alle großartig. Lord gibt jeder noch so kleinen Figur das gewisse Etwas. Somit steckt man bei „Die Piraten“ in einem Dilemma: Man weiß gar nicht so recht, auf wen man sich denn nun konzentrieren soll, weil sie doch alle einfach nur genial sind. Das gilt im übrigen auch, wenn man mal nicht auf die Figuren achtet. Im Hintergrund – auf irgendwelchen Verbotsschildern, Werbeplakaten oder Aufdrucken – sind so viele versteckte Scherze, dass man nicht anders kann, als sich diesen Film noch mal und noch mal anzuschauen. Denn ich glaube, „Die Piraten“ gehört zu der Sorte von Film, die mit jedem weiteren Gucken einfach nur noch besser wird.

Peter Lord und seine Aardman-Studios beweisen wieder einmal mehr, dass Stop-Motion keineswegs altbacken, sondern etwas Einzigartiges ist. Dazu verpacken sie das Ganze in eine lustige Story, bei der sich selbst Johnny Depp bei seinem nächsten Auftritt als Pirat ruhig zwei, drei Scheiben mehr abschneiden darf.

Wertung: 10 von 10 Punkten (mit diesen Piraten würde ich jederzeit los segeln!)

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15 Kommentare leave one →
  1. 28. März 2012 08:07

    Normalerweise kann ich Filmen mit solchem Look (wie eben „Wallace und Gromit“) nicht viel abgewinnen, so aufwändig sie auch sein mögen. Aber das hier liest sich zugegebenermaßen wirklich hochinteressant, nicht nur wegen der immer reizvollen Piratenthematik. Vielleicht sollte ich es mal auf einen Versuch ankommen lassen…

    • donpozuelo permalink*
      28. März 2012 09:15

      Echt? Wie kann man Stop-Motion nichts abgewinnen? Ich liebe diese Filme.

      Aber gut, jedem das Seine 😉

      Auf jeden Fall solltest du diesen Piraten eine Chance geben. Ist eh tausendmal besser als jeder andere Piraten-Film der letzten paar Jahre.

  2. therudi permalink
    28. März 2012 10:36

    Auf den hätte ich auch Lust, aber leider läuft der in meiner Gegend (zumindest OV) nur Nachmittags (und in 3D) – von daher heißt es wohl auf die Blu-Ray warten.

    • donpozuelo permalink*
      28. März 2012 12:17

      Ach, den kann man sich auch in 3D gut angucken. Und soooo schlecht ist die Synchro nicht. Auch wenn natürlich nichts über OV geht. 😉

  3. 1. April 2012 18:20

    Oh wie genial 10 Punkte. Hach, dann muss ich aber schnell rein !

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2012 13:12

      Stop-Motion ist einfach Kult!!! 😉 Und die Piraten sind tausendmal besser als alle Karibik-Männer zusammen!!!

  4. 10. April 2012 20:53

    So, doch noch reingeschafft, leider nur in die 3D-Vorstellung. Relativ enttäuschend, das Ganze. Natürlich wie jeder Aardman wunderschön animiert, aber wie du richtig geschrieben hast: Die Story ist nicht der Bringer. Wirklich gelacht hab ich auch… zwei Mal, glaub ich, dabei ziehe ich britischen dem amerikanischen Humor vor. Das war mir alles schlicht zu wenig. Lieblos will ich nicht sagen, dafür steckt zu viel (Hand-)Arbeit drin, aber inspirativ-kreativ scheint da der Kopf dieses Mal den Händen einiges hinterher gewesen zu sein. Da unterhielt mich sogar „Flushed Away“ besser. Und das 3D war ein Witz, aber insofern hab ich das gern bezahlt, als dass Aardman bissl mehr Kohle bekommt. Solange nur der nächste Film nicht auch wieder von diesen flachen Piraten handelt.

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2012 13:34

      Ui, das tut mir ja echt schon ein wenig Leid, dass dir der Film nicht so gut gefallen hat. Vielleicht liegt es auch einfach zu sehr daran, dass du mir eigentlich jede Art von Stop-Motion vorsetzen kannst und ich bin glücklich 😉

      Vielleicht darf ich dir zur Entschädigung „Mary & Max“ vorschlagen. Der ist gut und mit wahnsinnig schöner Story!!!

  5. 11. April 2012 19:26

    Der ist gut und mit wahnsinnig schöner Story!!!

    Ich weiß. Aber danke 😉

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2012 20:31

      Aha. Na dann. Vielleicht „Fantastic mr fox“? 😉

  6. 12. April 2012 17:05

    Den fand ich, obschon ich Anderson-Fan bin, auch relativ enttäuschend.

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2012 17:22

      Damn!!! Ich kann mich ja hier gar nicht revanchieren…

  7. 14. September 2012 13:04

    Endlich gesehen. Ich fand den Film auch gut. Nicht so klasse wie du, aber gut. 🙂

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  1. 2012 « Going To The Movies

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