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Real American Heroes

26. März 2012

Als ich so sechs, sieben Jahre alt war, gab es eine höchst interessante (und jetzt im Nachhinein betrachtet auch äußerst clever konstruierte) Spielzeugserie, deren Name mir leider Gottes einfach nicht einfallen will. Auf jeden Fall verband da ein geschickter Spielzeughersteller (dessen Namen ich leider auch nicht mehr weiß) zwei Leidenschaften von Jungs: Dinosaurier und Actionfiguren. Was bedeutete, es gab wilde Krieger mit riesigen Schwertern, Äxten und Hammern, die auf noch wilderen Dinosauriern ritten. Ich beschreibe es vielleicht nicht richtig, aber in den Augen meines sechs oder siebenjährigen Ichs waren das großartige Spielsachen. Leider konnte ich meine Mutter nie ganz von diesen Dingern überzeugen – am liebsten hätte ich den riesigen Brontosaurier gehabt, der mit einem futuristischen Sattel ausgerüstet war, an dem allerlei Waffen hingen. Letztendlich, nach Wochen des Nörgelns, bekam ich wenigstens eine Figur: Ein Flugsaurier, bemannt mit einem fies aussehenden Krieger. Es war nicht viel, aber es war ausreichend.

Und dann setzt etwas ein, dass bei Kindern ein schönes Phänomen ist: Ich spielte mit diesem Flugsaurier stundenlang, erlebte die wildesten Abenteuer (in denen natürlich auch der Brontosaurier vorkam) und hatte mit nur einer einzigen Spielzeugfigur mächtig viel Spaß. Es braucht halt nur ein wenig Fantasie und schon klappt das.

Spielzeug kann Spaß machen, und wenn schon viele Figuren bereits Trickfilmserien hatten, warum sollten dann nicht auch normale Filme daraus entstehen? Mit „Transformers“ hat das ja schon ganz gut geklappt. Also her mit den Spielzeugfilmen, die kleinen Jungs dieser Welt sind sicherlich happy, wenn ihre wildesten Fantasien doch noch Wirklichkeit werden.

Und genau so wirkt dann auch Stephen Sommers „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“. Es klingt ein wenig wie James Bond, nur ohne den stilsicheren Auftritt eines Martini trinkenden britischen Agenten: Der fiese Waffenhersteller McCullen (Christopher Eccelston) hat mit Hilfe eines Wissenschaftlers, der anfangs nur „Der Doktor“ (Joseph Gordon-Levitt) genannt wird, eine Waffe entwickelt, die mit einem Schlag ganze Städte zerstören könnte: Es sind winzige Nanoroboter, die sich durch einfach alles fressen und alles vernichten. Und der gute McCullen hat auch vor, diese Dinger einzusetzen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wie gut, dass es da die Einheit der Joes gibt: Elitesoldaten aus aller Welt, die – natürlich – unter amerikanischem Kommando stehen, die beste Ausrüstung zur Verfügung haben und immer und stets einsatzbereit sind. Duke (Channing Tatum) und sein Freund Ripcord (Marlon Wayans) sind neu im Team und sollen bei der Wiederbeschaffung der Nanotechnik helfen.

„G.I. Joe“ fackelt nicht lange herum. Warum auch? Wir sind gekommen, um Action zu sehen und Action sollen wir bekommen. Keine fünf Minuten des Films sind vergangen, da geht schon so einiges in die Luft. Immerhin fängt Regisseur Sommers noch verhältnismäßig ruhig an, steigert sich aber im Laufe des Films gewaltig – bis selbst der gute Eiffelturm dran glauben muss. Wie schon gesagt, hier werden sicherlich zahlreiche Kindheitsträume wahr: G.I. Joe rettet die Welt. Mit viel Krach, Waffengewalt und coolen Sprüchen. Sommers Film darf man eine Actionorgie nennen, bei der Realität einfach mal ausgeschaltet wird. Aber, nicht vergessen, wir sehen hier Kindheitsfantasie. Da ist so etwas erlaubt.

Kindlich naiv ist dann auch der Story-Aufbau. Man darf halt wirklich nicht viel erwarten. Alles geht schön nach Schema F, das aber in größter Vielfalt. Jede Seite hat ein riesiges Team: da wären die ziemlich coolen Ninja-Kämpfer, die mit die besten Fights im ganzen Film liefern. Da hätten wir unsere Quoten-Witzemacher (natürlich Marlon Wayans), zwei nett anzuschauende Damen in engen Anzügen und unseren Held Channing Tatum. Viel schauspielerisches Talent ist hier von niemandem gefordert. Um aber nicht nur reines Action-Kino zu sein, macht sich Sommers die Mühe, in kurzen Rückblenden die Hintergrundgeschichten der wichtigsten Charaktere zu erzählen. Das hätte ziemlich albern werden können, funktioniert aber in diesem Fall ganz gut.

Was soll man noch weiter ausführen? „G.I. Joe“ ist kindgewordener Traum von einem Actionhelden. Die US-Army dürfte dieser Film sicherlich ein paar neue Bewerbungen eingebracht haben. „G.I. Joe“ ist wahrlich nicht das Gelbe vom Ei, aber auf seine Weise doch irgendwie unterhaltsam – sofern man sich nur immer wieder klar macht, dass das Drehbuch mit aller Wahrscheinlichkeit dadurch entstanden ist, dass ein Haufen Kinder befragt wurden, was denn da so alles passieren soll. Und die wollen viel Krach, viel Kawumm und viel Kaputt-Machen. Das kriegen sie dann auch!

Wertung: 7 von 10 Punkten (kann man sich mal ansehen – Trashkino als Blockbuster)

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7 Kommentare leave one →
  1. 26. März 2012 12:12

    Den hab ich mir aufgenommen. Allerdings bekam „The Hurt Locker“ letztes Wochenende den Vorrang. Den Film hier hol ich aber noch nach. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      26. März 2012 16:32

      „The Hurt Locker“ ist auch einfach der coolere „Kriegsfilm“. Ein wirklich großartiger Film. Kann man von „G.I. Joe“ zwar nicht behaupten, aber es ist zu ertragen und es unterhält ganz gut.

  2. 1. April 2012 18:19

    Den mochte ich auch ganz gerne. Wahrscheinlich geht Battleship dann auch so in die Richtung – ach ja einen zweiten Teil wird es ja auch noch geben… ach mit mag diese Krawallfilme einfach 😆

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2012 13:11

      Ja, mittlerweile haben diese Krawall-Filme auch einen Platz in meinem Herzen gefunden. Allerdings auch nicht alle. Mit „Transformers“ kann ich zum Beispiel immer noch nicht so viel anfangen 😉

      Und ja, so ähnlich wird „Battle Ship“ und Teil 2 wohl auch werden!!!

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