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Morituri te salutant

21. März 2012

Jede Science-Fiction-Geschichte hat ihre Wurzeln tief in der Vergangenheit. Von daher kommt jetzt erst mal ein wenig Geschichtsstunde: Ihr kennt doch sicherlich noch den Minotaurus? Der fiese Stier, der in einem riesigen Labyrinth gefangen gehalten wurde. Und dem alle neun Jahre sieben Jungen und sieben Mädchen ins Gefängnis geschickt wurden. Quasi Stierfutter! Aber alles Böse muss einmal bestraft werden und so kam es, dass der junge Theseus ins Labyrinth kam, den Minotaurus tötete und dank der Hilfe der Prinzessin Ariadne fliehen konnte. Diese bezaubernde Geschichte inspirierte die gute Frau Suzanne Collins. Allerdings nur der Teil mit den Jungen und Mädchen, die alle Jubeljahre für irgendwas geopfert werden.

In Collins‘ Fall wird diese Opferung in eine ferne Zukunft verlegt. Amerika ist nach einem nicht näher definierten Krieg in 12 Distrikte geteilt (der 13te wurde komplett platt gemacht), die vom Kapitol und ihrem Präsidenten eisern regiert werden. Jedes Jahr werden ein Junge und ein Mädchen aus jedem Bezirk ausgelost, die anschließend in den sogenannten „Hunger Games“ gegen einander antreten müssen. In einem Kampf auf Leben und Tod, bei dem es nur einen Gewinner geben kann. Hier setzt nun die Geschichte von „Die Tribute von Panem“ an: Die junge Katniss (Jennifer Lawrence) springt freiwillig für ihre jüngere Schwester ein und muss gemeinsam mit dem Jungen Peeta (Josh Hutcherson) aus ihrem Distrikt an den „Hunger Games“ teilnehmen.

Drei Bücher hat Collins um ihre tapfere Katniss geschrieben, die sich mehr als nur gut verkauft haben und nun natürlich auch verfilmt werden müssen. Schließlich ist „Harry Potter“ vorbei und die „Twilight“-Saga geht auch langsam ihrem Ende entgegen. Nun also „Die Tribute von Panem“. „Pleasantville“-Regisseur Gary Ross hat sich dem Stoff angenommen und präsentiert uns jetzt das große Spektakel. Ich hatte das Glück, den Film in einer Pressevorführung zu sehen, ansonsten wäre dieser Film möglicherweise ohne größere Beachtung an mir vorbei gegangen. Die Prämisse hatte mich von Anfang an einfach zu sehr an den japanischen Film „Battle Royale“ erinnert, in dem Takeshi Kitano Teenager gegen Teenager jagt. Aber beide Filme vereint nur diese Grundprämisse. Der japanische Film geht ordentlich ins Fleisch und spart nicht mit blutigen Szenen. Bei den Amerikanern geht es mehr um die Person, als ums Kämpfen. Und das lässt sich erstaunlich gut anschauen.

Bei einer Länge von fast zweieinhalb Stunden hat Ross genügend Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Und die nimmt er sich auch. Es fängt alles anders an, als ich es mir gedacht hatte: Katniss opfert sich für ihre Schwester, wird in die Hauptstadt gefahren und… nein, sie fängt nicht gleich an zu kämpfen. Denn die „Hunger Games“ sind ein absolutes Medienphänomen. Stanley Tucci führt uns durch das Anfangsstadium der „Hunger Games“, in denen die verschiedenen Teilnehmer vorgestellt, trainiert und vorbereitet werden. Hier lernen wir Katniss dann so richtig kennen – eine junge Kämpferin, die in dieser neuen Umgebung ein wenig überfordert ist, sich dann aber zum Publikumsliebling durchbeißt. Gleichzeitig gelingt es Ross dabei, auch noch ein wenig Medienkritik einzubringen: „Blut verkauft sich gut!“ So wie es halt ist.

Die Einführung lebt durch Mentor Woody Harrelson, die verrückte Betreuerin Elizabeth Banks und Ausstatter Lenny Kravitz. Hier funktioniert das Ensemble an Schauspielern hervorragend. Es ist mal witzig, mal spannend – immer mit einem Augenzwinkern und immer mit der Tatsache im Hinterkopf, dass die Figur der Katniss tiefgründig untersucht wird.

Wenn diese Einführung nach fast der Hälfte des Films vorbei ist, ist man heiß auf Kämpfe. „Lasst die Spiele beginnen“, möchte man schreien. Und dann geht’s auch schon los: Aus Jennifer Lawrence‘ Katniss wird so eine Art Rambo, die sich im Survival-Kampf vor laufender Kamera alleine beweisen muss. Auch das ist dem Film echt gut gelungen. Dank der guten Vorarbeit fiebert man richtig mit. „Lauf, Katniss, lauf. Überlebe!!!“

Jennifer Lawrence ist überzeugend genug, um ihr sowohl das überforderte kleine Reh am Anfang als auch die harte Kämpferin am Ende abzukaufen. Ob nun im Kreis der großen Namen oder allein im Wald – auf diese Frau kann man bauen. Nur eine Sache kann selbst eine gute Schauspielerin nicht verhindern. Nach all dem Lob schweift der Film dann doch irgendwann ins Kitschige ab. Auf einmal werden langjährige Regeln umgekippt und der armen Katniss wird so eine Liebesgeschichte aufgezwungen, mit der sie und der Zuschauer nichts anfangen können. Da hätte man ein wenig mehr Mut zu Trauer erwarten können, stattdessen muss das Happy End her. Das wirkt alles sehr dilettantisch – Hauptsache, man bekommt das offene Ende für den nächsten Teil hin Was aber nicht Schuld des Drehbuchs, sondern vielmehr der Vorlage ist. Die man jetzt eh nicht mehr ändern kann.

Im Großen und Ganzen bin ich von „Die Tribute von Panem – Hunger Games“ mehr als nur überrascht. Positiv! Guter und gründlicher Charakteraufbau sorgen tatsächlich für ein Mitfiebern. Wie gesagt, am Ende schwächelt ein ansonsten sehr guter Film – doch dank Jennifer Lawrence ist „Die Tribute von Panem“ sehenswert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Brot und Spiele fürs Volk der Zukunft – gut gemacht und spannend)

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31 Kommentare leave one →
  1. 21. März 2012 07:49

    Ich bin ja überrascht wie gut er bei den meisten (Blog-)Kritikern wegkommt…aber ich zugeben muss, dass ich ihn mir eigentlich nur wegen Jennifer Lawrence ansehe 😛

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2012 07:56

      Nicht wahr??? Ich war auch sehr erstaunt, hatte fast schon mit so ’ner Art „Twilight“-Verwurstung gerechnet. Aber das ist es zum Glück alles nicht. Das ist der bis jetzt beste Teenie-Film, ohne dass er nur Teenies anspricht 😉

      Und ja, Jennifer Lawrence allein ist den Besuch schon mehr als wert!

  2. 21. März 2012 08:37

    Werde mir den Film auf jeden Fall ansehen. Kenne zwar weder das Buch, noch bin ich ein Fan von Jennifer Lawrence, aber hin und wieder bin ich einfach Mitläufer 😀

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2012 12:56

      Das Gute an diesem Film ist, man muss das Buch nicht kennen. Ich kannte es auch nicht und es macht trotzdem alles Sinn! 😉 Auch wenn die Vorgeschichte nur ganz kurz abgehandelt wird, weiß man dennoch gut über alles Bescheid. Es ist eine gelungene Buchadaption geworden, wie ich finde.

  3. 21. März 2012 11:19

    Wir sind gleicher Meinung, auch wenn ich das Gefühl habe, dass du etwas weniger hart ins Gericht gehst mit der Charakterzeichnung. 🙂 Aber ja, ich war auch positiv überrascht.

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2012 12:55

      Was meinst du mit Charakterzeichnung genau? Mir hat das alles sehr gut gefallen. Ross lässt sich Zeit und baut zumindest Katniss ausreichend auf. Die Nebenrollen sind auch gut bestückt, einzig und allein Josh Hutcherson hat ganz schön zu kämpfen. Eigentlich zweiter Mann im Film kommt er nicht so wirklich zum Zuge.

      • 21. März 2012 13:53

        Pardon, ja ich meinte auch vorallem die Nebenfiguren. Woody Harrelson und Konsorte. Die waren einfach entweder gut, oder böse bzw. doof.

        • donpozuelo permalink*
          21. März 2012 14:10

          Ja, okay. Das stimmt bei einigen. Aber die Figuren rund um Katniss‘ Vorbereitungsteam fand ich eigentlich alle okay. Die Leutchen später im Wald und bei ihr im Bezirk waren so lala.

  4. 21. März 2012 11:21

    Mich hat dieses ganze Projekt immer abgeschreckt, weil ich mich mit diesen arg plakativen, unglaubwürdigen dystopischen Gesellschaftsszenarios generell nicht anfreunden kann, selbst wenn sie nur eine Parabel sein wollen.
    Aber neugierig bin ich nun doch, und da die Kritiken bisher tatsächlich recht positiv sind (vielleicht wegen den geringen Erwartungen?) und ich Jennifer mag, wage ich mich doch mal an einem hoffentlich ruhigen Nachmittag ins Kino. Mal sehen.

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2012 12:58

      Ich mag diese Gesellschaftsszenarien schon, mich hatte eher die Tatsache abgeschreckt, dass die Roman-Trilogie in der Jugendbuch-Abteilung steht. Aber ich kann dir da getrost versichern: Es ist wirklich gut. Es ist kein Jugendfilm und es ist auch nicht arg plakativ (über das unglaubwürdig kann man ja eh immer streiten).

  5. 21. März 2012 14:27

    Bis zum ersten Trailer wusste ich über die Bücher überhaupt nicht bescheid und finde die Geschichte auch nur mäßig interessant, als dass ich mich noch durch drei Bände lesen wollte. Aber Jennifer Lawrence war ja bisher immer eine hervorragende Charakterdarstellerin. Und wenn der Film nicht ins Twilight-Milieu streift, bin ich mal auf den Kinostart gespannt.

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2012 14:38

      Ich finde auch, wenn ich ehrlich sein soll, nur die Geschichte des ersten Bandes wirklich interessant. Danach hört es sich ein wenig nach Jeanne D’Arc an. Aber gut, zwingt uns ja zum Glück niemand, die Bücher jetzt auch noch zu lesen. Dazu haben wir jetzt die Filme und die sind wirklich gut. Und nein, sie streifen in keinster Weise ins Twilight-Milieu.

  6. 23. März 2012 00:18

    Aha, schon gesehen. Meine Freundin labert mich auch schon seit Monaten damit voll. Die Bücher kenne ich nicht, mag aber die Lawrence total gerne, werde in also sicher ansehen, auch wenn er unheimlich gehypt wird.

    • donpozuelo permalink*
      23. März 2012 07:25

      Ja, der wird momentan wirklich extrem gehypt. Da will wohl jemand sicher gehen, dass das wirklich das nächste große Film-Spektakel wird. Die Bücher kannte ich aber vorher auch nicht. Muss man auch nicht kennen, der Film unterhält auch so ziemlich gut. Wie gesagt, ein wenig wie „Battle Royale“. Kann man sich durchaus anschauen 😉

  7. 28. März 2012 08:39

    Da ich ihn jetzt auch gesehen habe, muss ich sagen, dass der Vergleich mit „Battle Royale“ durchaus passt. Wobei „The Hunger Games“ nicht annähernd so brutal ist. 😉

    • donpozuelo permalink*
      28. März 2012 09:13

      Wenn „Hunger Games“ auch nur in Ansätzen so brutal gewesen wäre wie „Battle Royale“, hätten die Marketing-Leute des Films ein Problem dabei gehabt, ihre Zielgruppe anzusprechen 😉

  8. luzifel permalink
    28. März 2012 10:49

    Wow.. Geiler Film. Habe den Montag Abend gesehen nachdem ich diesen Blogeintrag gelesen hatte und ich muss sagen, dass der Film echt böse ist. Sehr, sehr geil, aber auch unglaublich böse. Mir gefällt ja sehr wie schmutzig die Relation zwischen dem dekadenten, bunten und völlig überzeichneten Kapitol und dem Provinzen ist. Die Gefechte in der zweiten Hälfte des Films sind auch bitterböse. Da werden Charaktere aufgebaut, die man cool findet und dann werden die kaltblütig von einem anderen Kind umgelegt.. Echt böse.. Und vor allem finde ich es sehr eingängig und eher schon realistisch wie die weibliche Hauptfigur mit Schmerz und Verlust umgeht. Sie trauert, friert, denkt nach und die Verletzungen die man ihr beifügt schmerzen sie richtig. Und vor allem zögert sie jemanden zu töten oder verletzen wie es „echte“ Menschen auch tun würden..

    Ich kann nur sagen, dass ich hohen Respekt vor dem Machern dieses Films habe und fast versucht bin mir die Buchreihe zu kaufen, denn die klingt echt gut..

    Grüße,
    Luzifel

    • donpozuelo permalink*
      28. März 2012 12:16

      Freut mich ja sehr, dass dir der auch so gut gefallen hat. Obwohl ich jetzt von dir schon ein paar mehr „Battle Royale“-Vergleiche erwartet hätte 😉

  9. 21. Mai 2012 09:36

    Hatte ihn Samstag noch im Cinemaxx gesehen und bin nicht so begeistert. Er ist wirklich geschickt zusammengeklaut wie es heute so üblich ist und massenkompatibel zurechtgewürgt, wobei ich den Film für 12 jährige zu brutal finde. Dieser Hauptdarsteller ist grausig 😉

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2012 14:22

      „Zurechtgewürgt“ würde ich ihn jetzt vielleicht nicht bezeichnet. Gut zusammengeklaut trifft es da schon eher. Aber halt gut. „Battle Royale“ lässt grüßen. Klar, für 12-Jährige hier und da vielleicht ein wenig zu brutal, obwohl ich da immer nicht weiß, ob die das genau so sehen würden 😉 Und welchen Hauptdarsteller meinst du, männlich oder weiblich??? Weiblich fand ich okay, männlich ging gar nicht.

      • 22. Mai 2012 16:33

        Ich werde die Jungs meiner Freundin mal fragen, wobei die ja schon 14 werden, aber dafür auch die Bücher kennen.
        Den Knaben meine ich. Auf die Lawrence lass ich nichts kommen 😀

        • donpozuelo permalink*
          22. Mai 2012 16:45

          Sehr gut, so ist’s recht! Der Knabe war wirklich schrecklich. Vielleicht können sie den ja noch für den zweiten Teil austauschen 😉

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