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Trauzeugin in Nöten

19. März 2012

Es ist ja immer so: Erzählt man einem Menschen etwas über einen sehenswerten Film, verfällt man allzu schnell in Vergleiche. Vergleiche sollen dem Gegenüber anhand ihm bekannter Filme deutlich machen, was ihn denn so erwarten könnte. Aber Vergleiche sind immer so eine Sache: Man sucht nach Gemeinsamkeiten, sortiert dann im Kopf die Filme, die man so kennt und plötzlich vergleicht einer „Star Wars“ mit „Star Trek“. Spielt ja schließlich beides im Weltall. Doch da gehen die Probleme dann erst so richtig los – ein falsch gewählter Vergleich und schon können Erwartungen ganz, ganz böse ruiniert werden. Wenn allerdings mehrere Leute immer wieder den gleichen Vergleich ziehen, dann kann – könnte – man davon ausgehen, dass die Parallelen zutreffend sind. Man könnte! In manchen Fällen sollte man vielleicht besser nicht.

Zumindest durfte ich letztens in diese falsche Erwartungshaltungsfalle tappen. Ein Arbeitskollege brachte mir „Brautalarm“ auf DVD mit. Der sei ein wenig wie „Hangover“, nur halt mit Frauen. Gut, dachte ich. Diesen Vergleich hatte ich schon des Öfteren gehört. Es war also nicht einfach nur so daher gesagt.

Also ist „Brautalarm“ ein weibliches „Hangover“? Absolut, den in beiden spielt Las Vegas eine wichtige Rolle. Super-Vergleich, wenn wir uns dann an das „Star Wars“-„Star Trek“-Beispiel erinnern. In „Hangover“ suchen drei Typen ihren Freund in Las Vegas und müssen in einer Art Detektiv-Geschichte die einzelnen Puzzle-Teile einer Nacht zusammensetzen, um den baldigen Bräutigam zu finden. In „Brautalarm“ wollen die Damen rund um Annie (Kirsten Wiig) zwar auch nach Vegas, nur kommen sie da leider nie an. Der Vergleich hinkt also schon mal ein wenig. Und Detektiv-Geschichten darf man hier auch nicht erwarten: Im Endeffekt geht es nur darum, dass Annie von ihrer besten Freundin Lilian (Maya Rudolph) gefragt wird, ihre Trauzeugin zu werden. Dabei merkt sie aber immer mehr und mehr, dass in ihrem Leben nichts richtig funktioniert: sie hat keinen richtigen Job, keinen richtigen Mann (außer einem eitlen Jon Hamm 😉 ) und, wenn sie es sich genau anschaut, auch keine richtigen Freundinnen. Im Konkurrenzkampf mit Lilians neuer Freundin Helen (Rose Byrne) versucht Annie nun, sich auf die Hochzeit vorzubereiten.

Also ist „Brautalarm“ nun wirklich ein weibliches „Hangover“? NEIN!!! Außer der Tatsache, dass irgendwo Vegas erwähnt wird und es um die Zeit vor der Hochzeit geht, liegen meiner Meinung nach Welten zwischen beiden Filmen. Das hätte ich nur gerne vorher gewusst. Mit meiner „Hangover“-Erwartung wollte ich Lacher am laufenden Band. Aber selbst nach einer Stunde Laufzeit waren bei „Brautalarm“ nur ein paar wirkliche witzige Szenen. Das soll jetzt nicht heißen, „Brautalarm“ wäre nicht lustig. Die Bezeichnung Komödie ist schon gerechtfertigt, nur im Hintergrund ist es auch eine ziemlich traurige Geschichte.

Zumindest ist „Brautalarm“ mit mehr Tiefgang versehen als „Hangover“. Es geht hauptsächlich um Annie. Sie ist es, die mit den Vorurteilen und ihren eigenen Ängsten zu kämpfen hat. Sie macht sich wegen all der Frauen um sie herum Sorgen – die sind verheiratet, haben Kinder, haben scheinbar ein Leben, dass Annie nicht hat. Kirsten Wiig gibt ihrer Annie das gewisse Etwas, eine Ratlosigkeit, eine innere Zerrissenheit. Auf der einen Seite will sie sich gar nicht diesen anderen Vorstellungen unterwerfern, auf der anderen Seite hat sie aber auch Angst, ihre letzte beste Freundin zu verlieren.

Das Ensemble von „Brautalarm“ rund um Kirsten Wiig ist großartig. Gut, ich gebe zu, ich habe nicht verstanden, warum Melissa McCarthy ausgerechnet für diese Rolle eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle erhalten hatte. Aber gut, Oscars halt, das lassen wir mal unkommentiert. Rose Byrne gibt als Helen das mieseste Miststück seit langem. Der Frau möchte man einfach nur eine Ohrfeige geben. Der Kampf Wiig-Byrne bei der Verlobungsfeier ist genial.

Somit ist also eines wohl endgültig klar: Paul Feigs Film mit „Hangover“ zu vergleichen, wird dem Film nicht gerecht. „Brautalarm“ jagt nicht einfach nur von Gag zu Gag, sondern kümmert sich auch intensiv um das Gefühlsleben seiner Hauptfigur. Einfach nur lachen ist nicht bei „Brautalarm“, mitfühlen und leiden auch!

Wertung: 8 von 10 Punkten (nochmal: es ist kein „Hangover“ mit Frauen!!!)

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11 Kommentare leave one →
  1. 19. März 2012 10:51

    Ich habe hierzu schon viele gemischte Meinungen gelesen. Hat der Film wirklich so viel Kotzhumor? Das hat mich bisher immer abgeschreckt.

    • donpozuelo permalink*
      19. März 2012 11:55

      Es gibt nur eine einzige Szene, in der sie es mit dem Kotzhumor arg übertreiben. Also wirklich eine einzige Szene. Die reizen sie dann aber auch bis zum letzten aus. Doch zum Glück ist es nur die eine. Ansonsten ist der Film relativ „harmlos“.

  2. 19. März 2012 16:55

    Der Film ist doch bloss hangover mit Frauen! ;)…nö ernsthaft sollte ich immer noch mal ansehen

    • donpozuelo permalink*
      19. März 2012 17:01

      Oh Mann, lies doch mal richtig, was ich da schreibe!!! Mann!!! 😉 …nö ernsthaft, mach mal.

  3. 19. März 2012 19:11

    Furchtbar unlustiger Film, einer der Schlimmsten des vergangenen Jahres. Sicherlich kein Hangover mit Frauen, aber ein Hangover für Frauen.

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2012 08:45

      😀 So kann man das Ganze natürlich auch betrachten. Gänzlich unlustig würde ich ihn nicht nennen. Allerdings frage ich mich schon, woher die ganzen Kritiken damals kamen, es sei der lustigste Film des Jahres.

  4. 23. März 2012 00:16

    Oh man, schon wieder so eine Überraschung!
    So gut fand ich ihn nun nicht, stimme Dir aber zu, dass der Grundtenor eigentlich ziemlich traurig war. Insgesamt wars mir aber zu sehr unter der Gürtellinie, trotz der großartigen Kirsten Wigg.

    • donpozuelo permalink*
      23. März 2012 07:24

      So sehr unter der Gürtellinie fand ich es jetzt nicht, obwohl eine Szene (die mit der Lebensmittelvergiftung) wirklich nicht hätte sein müssen. Ich glaube, wenn ich den ganzen Film nicht unter der Prämisse „Ist wie Hangover“ geguckt hätte, hätte er mir sogar noch besser gefallen können. Mal schauen, ob ich mich je dazu hinreißen lasse, den noch ein zweites Mal zu schauen.

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  1. See Ya Later! | Going To The Movies

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