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Gott, hab‘ Erbarmen!!!

16. März 2012

Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als Nicolas Cage cool war? Es erscheint mir schon fast mehr wie ein Gerücht als eine Tatsache. Aber immer wenn ich Zweifel habe, dann muss ich an „Leaving Las Vegas“ denken, wo der Mann seine hohe Schauspielkunst bewies und mit einem Oscar belohnt wurde. Oder ich denke an Filme wie „The Rock“, „Con Air“ oder „Face/Off“, in denen Nic Cage einfach mal den Actionheld raushängen ließ und dabei auch noch richtig gut war. Aber dann… dann folgt lange Zeit gar nichts. Nur hier und da gelingt es ihm noch mal, sich als würdig zu erweisen (ich sage nur „Adaption“). Viel zu oft jedoch haut er in letzter Zeit nur noch den letzten Mist raus. Und reduziert seine Schauspielkunst auf zwei Dinge: Zum einen dieser Blick, der entweder sagt „Ich habe Verstopfung“ oder „Die Sonne ist so grell, ich kann nicht richtig gucken“. Dazu kommt dann noch der Versuch, mit besonders männlich-tiefer Stimme auch die albernsten Sätze seriös auszusprechen. Bei all den Gurken, die Cage in letzter Zeit so sein Eigen nannte, muss man schon mit dem Mikroskop schauen, um den Nicolas Cage von früher zu finden.

Und trotzdem gebe ich ihm immer wieder eine Chance. In der Hoffnung, es könnte doch noch mal DER Film dabei sein. Nachdem ich ihn in „Kick-Ass“ und sogar in „Duell der Magier“ halbwegs leiden konnte, war ich mir sicher: Es fehlt nicht mehr viel, und Cage finden den richtigen Film für sich. Tja… und dann habe ich Cages „neueste“ Filme mal unter die Lupe genommen: „Der letzte Tempelritter“ und „Drive Angry“. Doch auch diese beiden Filme erbringen nur den Beweis, dass Cage zwar furchtbar gerne möchte und dafür auch viel tut, aber scheinbar einfach nicht mehr kann. Oder er wählt seine Rollen nur noch im bekifften Stadium aus.

Nehmen wir beispielsweise „Der letzte Tempelritter“. Cage spielt – wer hätte es für möglich gehalten – einen Tempelritter, der zusammen mit seinem Tempelritter-Kollegen Ron Perlman eine angebliche Hexe in ein weit, weit entferntes Kloster bringen soll, wo dann über das Schicksal der armen Frau entschieden wird.

Um das Ganze mal mit einem Wort zusammenzufassen: „Schnarch!“ Was Regisseur Dominic Sena hier eigentlich machen wollte, war ein Abenteuer-Horror-Action-Historien-Film. Für einen Abenteuerfilm ist das alles zu vorhersehbar: Wir haben die brüchige Hängebrücke, einen dunklen Wald, ein paar Berge und dann das Kloster. Nichts, was einen vom Hocker haut. Die Horror-Effekte sind so alt und langweilig. Die Werwölfe sehen da selbst bei „Twilight“ besser aus, die Dämonen schocken vielleicht noch Kleinkinder. Im Bereich Action gibt’s ein wenig albernes Säbelrasseln, ein paar merkwürdige Einzeiler von Mr. Cage und das war’s. Und von Geschichte wollen wir mal gar nicht erst anfangen.

Nic Cage versucht, ein großer Held zu sein. Sogar ein ehrenhafter, der sich gegen Papst und Kirche stellt. Er will kein bloßer Befehlsbefolger sein. Ihm geht es um sein Gewissen. Aber wie schon so oft: Cage guckt ein wenig streng, spricht seine Sätze mit einigem Ernst und versucht, mit dem Schwert in der Hand nicht gleich vornüber zu fallen. Selbst „Hellboy“-Perlman kann als Buddy-Templer nicht punkten und verkommt zu einer winzigen Nebenfigur.

„Der letzte Tempelritter“ ist langweilig… und das in jeder Hinsicht. Cage versucht zwar, aber da sollte er dann doch lieber das Vermächtnis der Tempelritter wählen.

Nach diesem schlechten Wortwitz kommen wir dann zu Film Nummer 2: „Drive Angry“. Cage kriegt vom „Ghostrider“ scheinbar nicht genug. Um sich die Wartezeit auf den zweiten Teil zu versüßen, entschied er sich dazu, dem Ghostrider einfach mal ein Auto zu geben. In „Drive Angry“ ist Cage John Milton, ein Krimineller aus der Hölle, der nochmal zurückgekommen ist, um seine Enkelin aus den Klauen des verrückten Sektenführers Jonah King (Billy Burke) zu befreien. Hilfe bekommt er dabei von der hübschen Blonden Piper (Amber Heard), Stress dagegen vom Buchhalter der Hölle (William Fichtner).

Allgemein ist zu „Drive Angry“ eigentlich nur zu sagen: Es ist abgedrehter Trash mit ordentlich viel Gewalt. Wenn ich ehrlich sein soll, wären mir ein paar mehr gute Sprüche dazu noch lieber gewesen. Aber ich will ja gar nicht zu kleinlich sein. Wer Action und Gewalt haben will, der ist mit „Drive Angry“ gut bedient – nur nicht zu hohe Ansprüche stellen, da das Niveau eh schon ziemlich am Boden liegt (und trotzdem unterhält der Film ganz gut).

Großes Problem für Nic Cage ist folgendes: Sein John Milton ist einfach mal die langweiligste Figur des gesamten Films. Ohne Scheiß! Ein wütender Toter, der aus Rache der Hölle entflieht, um seine Enkelin zu retten. Das müsste doch der baddeste Motherfucker überhaupt sein. Klar, Milton ist brutal und kopiert sogar Mr. Smith, indem er gleichzeitig vögelt und ballert (aber Mr. Smith war einfach cooler dabei). Aber seine Sprüche sind zu flach, Cage spielt zu gelangweilt, als dass man wirklich Freude dran hätte, ihn zu sehen.

Tausendmal besser sind dagegen die Nebenfiguren. Allen voran William Fichtner als Buchhalter. Ein Mann im Anzug, unheimlich zynisch und dabei absolut emotionslos – besser hätte man den Buchhalter aus der Hölle nicht spielen können. Der Mann ist absolut genial!!! Große Klasse ist auch Billy Burke. Sonst eher Papa von der „Twilight“-Bella, jetzt charismatischer Psychopath mit Knochengehstock und Ziegenbärtchen. Fast genauso lässig wie der Buchhalter. Und selbst Amber Heard taugt mehr als Cage, und wenn sie nur gehörig Sex-Appeal auf den Bildschirm zaubert.

Somit gesehen ist „Drive Angry“ der Film, in dem Cage es schafft, sich selbst zum schwächsten Glied der Kette zu degradieren. Alle anderen Figuren haben das gewisse Etwas. Sie bleiben mit irgendeiner Masche im Gedächtnis – nur halt Nic Cage a.k.a. John Milton nicht.

Nach zwei weiteren Filmen bleiben wir dabei: Nic Cage zieht einfach nicht mehr. Es ist zwar beneidenswert, wie sehr er es versucht, aber vielleicht ist es einfach an der Zeit, einen Gang runterzuschalten. Mal in Ruhe ein Drehbuch auszusuchen. Vielleicht mal nicht die Hauptrolle zu spielen. Und endlich mal wieder richtig gut zu sein.

Wertung:

„Der letzte Tempelritter“: 3 von 10 Punkten (Cage ist wirklich der LETZTE Tempelritter!!!)

„Drive Angry“: 6 von 10 Punkten (William Fichtner ist genial, Billy Burke großartig, Amber Heard sexy… und was war Nic Cage nochmal??? Der spielt da mit??? Oh!!!)

6 Kommentare leave one →
  1. 20. März 2012 19:28

    Ich habe von einer vertrauenswürdigen Quelle names MagicChristian eigentlich gar nicht so schlechtes über Drive Angry gehört. Der einzige Grund mir den anzusehen, wäre William Fichtner. Der letzte Tempelritter kann mir allerdings getrost fernbleiben, selbst wenn in diesem der eigentlich irgendwie sympathische Neandertalerface Perlman mitspielt. ^^

    Und was die Rollenauswahl von Mr. Cage angeht, treffen die Jungs hier so ziemlich den Nagel auf dem Frontallappen.. 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2012 21:27

      „Drive Angry“ ist okay. Wie schon gesagt, die Nebenfiguren sind alle tausendmal besser als Cage – vor allem Fichtner. Den Tempelritter kann man aber getrost im Grab liegen lassen 😉

      Und das youtube-Video ist der absolute Hammer. Tragisch, weil da wahrscheinlich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit drin steckt.

  2. 23. März 2012 00:12

    Bei den Tempelrittern hatte ich so richtig meinen Spaß. Fand ich witzig und man hat es den Schauspielern auch angesehen, dass sie das Ganze nicht so ernst genommen hatten 🙂
    Drive Angry ebenso. Vielleicht ist es der unaussprechliche Cage Bonus *lach*

    • donpozuelo permalink*
      23. März 2012 07:22

      Tempelritter ging gar nicht. Furchtbarer Müll. Da war Drive Angry schon wesentlich erträglicher. Allein schon wegen der guten Nebendarsteller.

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