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Willkommen auf Barsoom!

7. März 2012

Der nächste Animation-Regisseur wechselt das Fach. Dabei frage ich mich immer ein wenig, wie schwierig es für diese Leute ist, plötzlich mit echten Schauspielern zu haben. Dürfte wahrscheinlich eine größere Umstellung sein: Plötzlich gibt es Widerworte und Divenalarm. Wie einfach da doch animierte Figuren sein müssen (obwohl bei all dem Performance-Capturing ist ja auch der Animationsfilm stark im Wandel und baut mehr und mehr auf reale Schauspieler). Nun ja, aber es ist trotzdem interessant: Nachdem letztens erst Brad Bird sich an „Mission: Impossible 4“ versucht hat, steht der nächste Animations-Oscar-Preisträger in den Startlöchern, um uns mit (größtenteils) realen Figuren zu verzaubern.

Andrew Stanton hat uns ins Meer entführt, um Nemo zu finden und er hat uns auf eine dreckige Erde geschickt, um mit Wall-E sauberzumachen. Jetzt jagt er uns auf den Mars, um gemeinsam mit einem Soldaten aus Amerika einen Bürgerkrieg zu verhindern. „John Carter“ ist eine Schöpfung des „Tarzan“-Autors Edgar Rice Burroughs, der mit seinem John Carter bereits 1912 die Idee zu einem „Superman“ erschafft. Denn John Carter landet auf wundersame Weise auf Mars – von seinen Bewohner Barsoom genannt – und weil dort die Gravitation eine andere ist, kann Carter auf einmal riesige Sprünge machen (es ist fast so, als könnte er fliegen) und er ist stärker als alle anderen. Na, Superman lässt grüßen. Aber nicht nur Superman. Wenn man allen möglichen Quellen Glauben schenken darf, dann ließ sich James Cameron von Burroughs zu seinem Film „Avatar“ inspirieren, während George Lucas – nach Kurosawa – wohl auch hier Ideen für „Star Wars“ entnommen hat. Und ja, das vierarmige Kriegervolk der Tars sieht den Bewohnern Pandoras schon recht ähnlich, und die Geschichte um die Rettung des Mars vor einer bösen, unheimlichen Macht kann auch an „Star Wars“ erinnern.

Aber kommen wir jetzt erst einmal zum wichtigeren Teil? Was kann man denn nun von „John Carter“ halten?

Der Film ist gut geworden. Nicht großartig, aber gut. Stanton gelingt es sehr eindrucksvoll, den Mars zu bevölkern. Da wir in diesem Teil (Burroughs schrieb insgesamt 10 Romane, es dürften also noch einige Teile folgen) hauptsächlich in den Städten Helium (die Guten) und Zadonga (die Bösen) sind, lernen wir noch nicht allzu viel von Barsoom kennen. Es geht also in diesem „John Carter“ erst einmal um den Bürgerkrieg auf dem Mars, in dem John Carter die Außenseiterrolle übernimmt, um Dank seiner über-normalen Fähigkeiten zu einem wichtigen Faktor wird. Natürlich ist „John Carter“ ein Disney-Film, also erwartet nicht zu viel Kriegsgemetzel. Aber erwartet auch nicht zu wenig Rumgekloppe.

Taylor Kitsch, der John Carter sein darf, kämpft gegen alle: vierarmige Tars, blinde weiße Affen und die Legionen von Zadonga. Das ist alle super in Szene gesetzt: Wenn „John Carter“ Fahrt aufnimmt, macht der Film einfach nur Laune. Klar, es ist alles ein wenig überspitzt. Und klar, muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass dieser John Carter wie ein Grashüpfer durch die Gegend springt. Aber es macht trotzdem irrsinnig viel Spaß, ihm dabei zu zusehen, wenn er Mars-Volk vermöbelt.

Doch neben reiner Action möchte Andrew Stanton mehr aus „John Carter“ machen: Es geht auch um Liebe, um Moral, um politische Intrigen. Mit Lynn Collins hat man da schon einen Leckerbissen zum Verlieben, die gleichzeitig aber ebenfalls gut austeilen kann (hallo, Prinzessin Leia). Bei den Themen Moral und Politik wird’s bei Stanton aber schnell etwas zu kitschig. Wenn Carter hin und her schwankt, ob er sich nun in diesen Krieg, der nicht seiner ist, einmischen soll, dann müssen große Dialoge dafür herhalten, die Taylor Kitsch und seine Schauspieler-Kollegen nicht immer glaubwürdig rüber bringen und bei denen man hier und da schon mal laut aufstöhnen möchte.

Aber trotzdem, ich glaube Stanton liefert mit „John Carter“ und all den zahlreichen Figuren eine solide Grundlage, auf die nachfolgende Filme gut aufbauen können. Stantons Film überzeugt hauptsächlich durch den Look und die Action, Taylor Kitsch wird sich noch ein wenig mehr in seinen John Carter reinfinden müssen, um einfach etwas mehr Empathie für die Figur entwickeln zu können. Ansonsten möchte ich fast meinen, dass wir hier den Anfang einer neuen und durchaus guten Weltall-Saga haben.

Wertung: 8 von 10 Punkten (aller Anfang ist schwer, aber „John Carter“ macht Hoffnung auf mehr)

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14 Kommentare leave one →
  1. 7. März 2012 09:46

    Werd ich mir morgen ansehen. Carters Kostümchen werd ich wohl auch nach Sichtung noch für das Lächerlichste des Kinojahres halten, auch wenn’s vorlagengetreu sein mag…

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2012 11:27

      Da erkennt man dann doch ein wenig, dass der Erfinder von „Tarzan“ hinter John Carter steckt, nicht wahr??? 😉

  2. 7. März 2012 13:47

    Also, ich weiß ja nicht recht. Hört sich nach guter Action und wenig dahinter an. Es wäre natürlich schön zu wissen, ob 3D sich lohnt, wahrscheinlich läuft er hier nämlich nur in der teuren Variante.

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2012 14:49

      Gutes Popcorn-Kino halt. Die Action und die Effekte funktionieren, die Story ist so lala… Aber in 3D sieht „John Carter“ echt super aus. Kann man sich ruhig anschauen.

  3. 7. März 2012 23:40

    Klingt gut. Interesse besteht jedenfalls schon mal. Kommt mir nur in die Quere mit Safe House und Haywire, wovon vermutlich Haywire den Zuschlag erhalten wird. 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. März 2012 09:14

      Haha. Also, ich würde „safe house“ den Vorrang geben. Und dann dem lieben Johnny vom Mars.

  4. 8. März 2012 21:40

    Deine 8 Punkte geben mir nur nochmals die Bestätigung, dass es eine gute Idee ist sich den Film anzusehen 😀

  5. 23. März 2012 00:01

    Ja der gefiel mir auch. Dieser Retro Style hatte was und die Tharks waren klasse 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. März 2012 07:20

      Ist fast schon ein wenig traurig, dass Disney den schon als Komplett-Flop verbucht und höchstwahrscheinlich nichts mehr damit machen wird.

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