Skip to content

Der Stoff, aus dem Träume sind

29. Februar 2012

Was sollen wir nur über diesen ganzen 3D-Hype denken? Seit James Cameron mit „Avatar“ das Kino erneut (ja, 3D im Kino gab’s sogar schon mit Alfred Hitchcock) in die dritte Dimension katapultierte, ist 3D wieder in. Und leider bei vielen auch schnell wieder out. Die Vorstellungen sind zu teuer und dann nutzen viele Regisseure die 3D-Effekte nur, um hin und wieder mal Objekte direkt auf uns zukommen zu lassen. Es gibt einfach zu viele Filme mit dem „3D-Gütezertifikat“, die es gar nicht verdient haben. Manchmal ist ein D weniger doch ausreichend. Wenn ich so über die Zeit nach „Avatar“ so nachdenke, gab’s bis jetzt erst so drei oder vier 3D-Filme, die die neue Technik auch wirklich gut umgesetzt haben. Weswegen ich ja mittlerweile der Meinung bin, wir sollten einen Aufruf starten: „3D ab jetzt bitte nur noch von Regisseuren, die schon vor dem 3D-Hype wussten, wie man vernünftig Filme dreht.“

Nach Camerons „Avatar“ und Spielbergs „Tim und Struppi“ kommt jetzt also Martin Scorseses „Hugo“. Eigentlich die Verfilmung eines Kinderbuchs, in Wirklichkeit ein weiterer Film, der sich dem Schwelgen in Erinnerungen an ein glorreiches Hollywood hingibt. Nachdem „The Artist“ dem Stummfilm huldigt – und zwar als Stummfilm in schwarz-weiß – wirbt Martin Scorsese für die Anfänge des Effekt-Kinos, der Zaubertricks des frühen Films. Aber nicht in Schwarz-Weiß und auch nicht stumm.

In „Hugo“ lernen wir Hugo (!) Cabret (Asa Butterfield) kennen. Der Junge lebt seit dem Tod seines Vaters (Jude Law) auf dem Pariser Bahnhof und kümmert sich um die Uhren. Nebenbei versucht er einen Apparatzu reparieren, den sein Vater gefunden hat – eine mechanische Figur, die zeichnen kann. Material für die Maschine klaut er sich unter anderem bei dem alten Verkäufer Georges (Ben Kingsley). Zusammen mit dessen Patentochter Isabelle (Chloe Grace Moretz) entdeckt Hugo bald, dass „Papa Georges“ Erfinder des merkwürdigen Apparats – und gleichzeitig der Filmzauberer Georges Méliès ist.

Für alle, die mit George Méliès nichts anzufangen wissen: Das ist nur mal so der Übervater der Filmeffekte, der schon in den frühen Jahren des Films damit herumexperimentierte. Seine „Reise zum Mond“ ist ein Klassiker und wohl der erste Science-Fiction-Film überhaupt. Aber bevor „Hugo“ anfängt, Méliès zu huldigen, müssen wir erst einmal durch Hugos Abenteuer, den Apparat zusammenzusetzen. Da muss ich tatsächlich sagen, scheitert Scorsese grandios! Und es tut mir weh das zu schreiben, aber so wirklich ergreifend ist die Geschichte nicht. Interessant ist, dass Asa Butterfields Hugo furchtbar langweilig ist. Langweilig ist vielleicht das falsche Wort. Oberflächlich und vorhersehbar trifft es da vielleicht schon besser. Klar, „Hugo“ ist ein tragischer kleiner Junge, aber so richtig überzeugend kommt das nicht rüber. Und wenn dann auch noch „Hit Girl“ Chloe Grace Moretz dazu kommt, wird Hauptfigur Hugo nur noch blasser. Dafür ist Isabelle aber toll und seit diesem Film liebe ich Moretz einfach nur noch mehr.

Aber zum Glück ist Hugos Geschichte irgendwann vorbei. Klingt komisch, ist aber tatsächlich so. Wenn Scorsese zur Mitte des Films Georges Méliès ins Spiel bringt, dann beginnt der wahre Zauber von „Hugo“. Scorsese lässt uns teilhaben am Leben des Méliès und zeigt uns, wie der seine grandiosen Fantasien mit viel Liebe auf Zelluloid bannte. Die Lebensgeschichte des Méliès von A bis Z in Kurzfassung: wir erleben die Ideenfindung, die Dreharbeiten und teilweise sogar die Filme selbst. Scorsese beweist hier, dass ihm an diesem Mann wirklich etwas liegt und baut ihm das schönste filmische Denkmal überhaupt.

Um Méliès gerecht zu werden, muss man sich natürlich filmtechnisch beweisen. Scorsese dreht in 3D und das sieht wirklich atemberaubend aus. Die Bilder besitzen wirklich eine fast schon greifbare Tiefe“ (versteht man das???). Scorsese benutzt keine billigen Tricks, sondern erschafft vielmehr eine plastische Welt, in der Zauberei und Film Hand in Hand gehen. Die fünf Technik-Oscars sind für „Hugo“ durchaus verdient – dieses alte Paris sieht toll aus und – nochmal – die Verwendung von 3D sitzt!

Alles in allem ist „Hugo“… ein recht eigenwilliger Scorsese-Film. Statt knallharter Mob-Gewalt und Mafia nun so eine Mischung aus Kinderfilm und Kino-Hommage. Während die Hommage wirklich sehr gelungen ist, kann Scorsese in Sachen Kinderfilm nicht punkten.

Trotzdem: Scorsese ist Scorsese und somit immer einen Blick wert.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Zeitreise mit Scorsese, die echt verdammt gut wird, wenn es um Méliès geht)

Advertisements
12 Kommentare leave one →
  1. 29. Februar 2012 12:09

    Der Film ist toll und hat die Oscars in den Kategorien auch zuercht geholt. Und mit dem 3D hast du vedammt…meiner Meinung sollte jeder Film vorher einer Komission vorgeführt werden um zu testen ob das 3D überhaupt notwendig ist…tss Star Wars Episode 1 XP

    • donpozuelo permalink*
      29. Februar 2012 18:10

      Die Idee mit der Kommission finde ich spitze. Und dann sollte man gleich all die Filme rausschmeißen, die im Nachhinein bearbeitet werden… tsss Star Wars.

      • 1. März 2012 00:37

        im Nachhinein bearbeiten sollte sowieso unter Todesstrafe gestellt werden!

        • donpozuelo permalink*
          1. März 2012 07:23

          Ich denke da nur an „The Last Airbender“ – meine erste und zum Glück auch einzige Nachbearbeitungsfehlentscheidung.

  2. 29. Februar 2012 13:10

    Mal eine Review, die nicht nur vom Film schwelgt und damit meine Erwartungen ein wenig zurückfährt. Leider läuft Hugo hier überhaupt nicht mehr, so dass ich ihn mir unter Umständen gar nicht in 3D angucken kann – nun irgendwo werden sie dank der 5 Oscars bestimmt noch mal die Rollen rausholen und den Film zeigen.

    • donpozuelo permalink*
      29. Februar 2012 18:12

      Der Film in seinem Hommage-Teil zum Ende ist schon toll, da kann man viel schwelgen. Aber es zählt ja immer das Gesamtkonzept und das ist halt gerade am Anfang etwas lasch. Die Kinderfilm-Nummer kommt bei Scorsese nicht ganz so überzeugend rüber. „Hugo“ bleibt trotzdem sehenswert.

  3. 1. März 2012 07:33

    Ach, ich mag auch die erste Hälfte des Films. Natürlich, und da geb ich dir Recht, spielt Chloe Grace Moretz den kleinen Hugo sowas von an die Wand, aber das war mir dann auch egal.

    • donpozuelo permalink*
      1. März 2012 08:44

      Die erste Hälfte ist in Ordnung, aber ich bin der Meinung, da steckte viel mehr Potenzial drin. Die Geschichte ist nett, aber im Großen und Ganzen war es für mich nur eine etwas längere Einleitung zum eigentlichen Thema 😉

Trackbacks

  1. Retro ist in « Going To The Movies
  2. Review: HUGO CABRET | ChristiansFoyer
  3. 2012 « Going To The Movies
  4. Buy or die! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: