Skip to content

Beton und Steinkohle

20. Februar 2012

Ich kann mit diesen „Found Footage“-Filmen immer nichts anfangen. Es fängt ja immer damit an, dass wir erfahren, dass irgendwer irgendwo Filmmaterial gefunden hat. Meist sind die Filmemacher tot oder verschollen, weswegen sich ein mutiger Jemand des Materials annimmt und es für uns in einem Film zusammenschneidet. Häufig im Horror-Genre angesiedelt bescheren uns die „Found Footage“-Filme schönste Wackelkamera-Bilder, eine kreischende Filmcrew und ein großes Mysterium, dass sich meist nur in irgendwelchen Geräuschen oder Schatten äußert, die die Kamera in letzter Minute doch noch – natürlich verwackelt und unscharf – einfängt. Der große Hype begann mit „The Blair Witch Project“, den ersten Vertreter findet man aber schon 1980 mit dem italienischen Film „Cannibal Holocaust“.

An und für sich ist die Idee hinter „Found Footage“ schon recht interessant, und wenn sich da mal jemand richtig Mühe mit machen würde, könnte ich diesem Subgenre des Horrors vielleicht auch mehr abgewinnen. Aber ich schwanke ja allein dann schon, wenn ich mir die Frage stelle, warum der Kameramann beim Laufen, etc. immer weiter fleißig versucht das Bild zu halten. Da ich selbst auch Kameraerfahrung habe, weiß ich, dass das in manchen Fällen, die uns „Found Footage“ liefert, gar nicht möglich ist. Trotzdem, „Found Footage“ scheint „in“ zu sein und so gibt es eine lange, lange Reihe von Filmen dieser Art.

Jetzt habe ich mir trotz meiner Abneigung gegen die ganze Wackelkamera-Filmchen doch noch einen angetan. Einen norwegischen sogar… und das sage ich deswegen, weil mir Norwegen als Filmland bis jetzt noch gar nicht unter gekommen ist. Aber jeder sollte seine Chance bekommen, vor allem, wenn der Film von André Øvredal so hochgelobt wird. Das Machwerk nennt sich „Trollhunter“.

Wie für „Found Footage“ üblich, hat irgendjemand eine Festplatte mit Material gefunden. Das Material stammt von den Studenten Thomas, Johanna und Kalle, die den vermeintlichen Bärenjäger Hans begleiten. Doch eines Nachts kommt Hans aus einem Wald gerannt, schreit irgendwas von einem „Troll“ und nur Sekunden später erscheint ein dreiköpfiger Riese vor dem Team. Mit Hilfe von einer Art UV-Blitzlicht-Gewehr versteinert Hans das Wesen und gibt sich als Agent einer offiziell nicht existierenden Organisation für den Schutz gegen Trolle aus. Hans soll untersuchen, warum vermehrt Trolle in Norwegen unterwegs sind. Das Team filmt ihn dabei.

Das Gute vorab: „Trollhunter“ ist zwar auch ein Wackelkamera-Film, aber es ist längst nicht so extrem wie ich erwartet hatte. Man übersteht den Film ohne größere Kopfschmerzen. Zumindest keine Kopfschmerzen, die durch das Material an sich verursacht werden. Der ganze Film an sich könnte schon eher dazu führen. Man kann „Trollhunter“ nur als Trash abtun, alles andere wäre zu hochgegriffen. Als Horrorfilm funktioniert das Ganze nicht, weil unheimliche Stimmung eigentlich nur selten aufkommt. Und wenn das dann doch mal der Fall sein sollte, wird diese Atmosphäre des Gruselns durch das recht lustige Troll-Design wieder zunichte gemacht. Als Komödie funktioniert „Trollhunters“ dann auch nur bedingt: manche Sachen wie zum Beispiel Betonsteine und Holzkohle als Köder, Starkstromleitungen als elektrischer Zaun oder wirres Troll-Fachwissen sind schon eine spaßige Verwurstung von Troll-Mythen. Dazu kommt, dass die Trolle halt wirklich sehr lustig aussehen: da gibt es den schon erwähnten Troll mit drei Köpfen, irgendein Vieh, dass nur einen Arm zu haben scheint oder meine Lieblinge, die Penis-Nasen-Trolle (weil die Nasen einfach mal aussahen wie… naja, ihr wisst schon). Das Problem an diesen komischen Momenten ist, dass sie teilweise unfreiwillig komisch wirken. Der Film möchte an einigen Stellen schon seriöser sein als seine Geschichte es ist.

Insgesamt gesehen fand ich „Trollhunter“ wenig spannend. Die Schauspieler geben sich zwar sehr viel Mühe und sich auch sympathisch, selbst die Troll-Idee ist sehr nett, aber der Film an sich zieht sich ein wenig wie Kaugummi. Mit der Zeit werden Hans‘ Geschichten und Troll-Zerstörungsmethoden auch ein wenig albern. Den Film als Trash zu bezeichnen, würde den Film in der Hinsicht retten, als dass man ihn noch weiterempfehlen könnte. Dann aber auch nur an Freunde des Trash. Und eigentlich mag ich ja auch Trash, aber ich mag kein Found Footage. Was bleibt übrig? Ein etwas gelangweilter Don, der nach dem guten Start des Films doch reichlich mit Gähnen beschäftigt war.

Wertung: 5 von 10 Punkten (witzige Idee, deren Potenzial für mehr Komik aber nicht genutzt wird und deswegen hin und wieder zu ernst wirkt)

Advertisements
16 Kommentare leave one →
  1. 20. Februar 2012 07:48

    Ich mag den Film trotz allem. Für uns mag das Trolldesign komisch erscheinen, in Norwegen sind Trolle das Normalste von der Welt. Die sehen halt so aus. Obwohl dú mit allen Kritikpunkten recht hast, würde „Trollhunter“ bei mir noch, sagen wir… 2 Sympathiepunkte mehr bekommen.

    • donpozuelo permalink*
      20. Februar 2012 09:06

      Na gut, recht haste. Sympathiepunkte könnte er ein, zwei bekommen. Ich fand ja auch das Trolldesign teilweise richtig gut. Problem bei mir war nur, dass mich der Rest des Films nicht so sehr fesseln konnte. Irgendwann war für mich Schluss.

      (Und ja, ich meinte „Köder“. Sonst macht’s ja kein Sinn, den armen Köter als Köder zu nehmen?!?!?!?!!?)

  2. 20. Februar 2012 07:48

    Ach so – meinst du wirklich „Köter“? Oder doch eher „Köder“?

  3. 20. Februar 2012 09:14

    Hhmmm…Penisnasen.

    • donpozuelo permalink*
      20. Februar 2012 09:33

      Ja, Penisnasen!!! Das muss man sich erst einmal durch den Kopf gehen lassen! 😉

  4. 20. Februar 2012 09:56

    Auch wenn ich dieses Sub-Genre stinklangweilig finde (nebenbei schön zu sehen, dass ich nicht der Einzige bin 😉 ) klingt das an sich cool. Werde ich mir vielleicht doch mal antun. ^^

    • donpozuelo permalink*
      20. Februar 2012 11:29

      Na dann, ich bin gespannt, wie dir der gefällt! Was das Wackelbild-Genre angeht: Willkommen im Club!!! Der Film, der das richtig gut hinbekommt, muss meiner Meinung nach erst noch gemacht werden.

  5. 20. Februar 2012 11:35

    Und ich hatte ihn schon zuletzt in der Hand…jetzt hast du mich noch neugieriger gemacht. Ich hol ihn!

    • donpozuelo permalink*
      20. Februar 2012 12:26

      Echt??? Na dann… ich bin gespannt!!!

  6. 21. Februar 2012 16:58

    In letzter Zeit nerven mich Wackelkamera-Mockumentaries ungemein. Braucht erst wieder ein paar Jahre, bis die gehen…

    • donpozuelo permalink*
      21. Februar 2012 17:39

      Für mich würde ausreichen, wenn mal eine kommt, die wirklich Sinn macht! Aber darauf warten wir dann wahrscheinlich ein paar Jahre… also treffen wir uns wieder in der Mitte 😉

  7. 22. Februar 2012 22:06

    Ganz klar, Du hast den Film einfach nicht im richtigen Umfeld geguckt. Auf dem FFF im großen Kino mit einer gut gebierten Fangemeinde machte der Film wirklich Spaß. Ich kann mir aber vorstellen, dass er so weniger gut kommt. Schade.

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2012 22:21

      Gut gebiert war ich tatsächlich nicht bei der Sichtung. Aber ich möchte trotzdem bezweifeln, dass mir Alkohol geholfen hätte. Die Idee an sich fand ich super, bei der Umsetzung hätte man aber mehr draus machen können.

Trackbacks

  1. Was würdest du tun? « Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: