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L.A. Noire

15. Februar 2012

Auf das Spiel habe ich damals wirklich sehr gewartet: „L.A. Noire“. Aber als ich es dann hatte, war dann doch irgendwann die Luft raus. Ich gebe zu, dass ich es bis zum heutigen Tage nicht zu Ende gespielt habe. Anfangs fand ich das Spiel absolut genial: Man spielt den Polizisten Cole Phelps und durchlebt mit ihm seine Karriere beim LAPD. Der große Aufhänger für „L.A.Noire“ war ja die Tatsache, dass alle Figuren per Motion-Capturing-Verfahren zum Leben erweckt wurden und dass man gerade beim Verhören von Zeugen oder möglichen Verdächtigen auf die Mimik und Gestik der Person achten musste, um die richtigen Fragen zu stellen. Das war auch alles ganz toll, dazu dieses passende 40er Jahre Milieu – die Autos, die Musik, ein altes L.A. und ein Cop im Anzug mit Hut. Aber mit der Zeit wurde mir das Spiel dann doch ein wenig langweilig: Man fährt zum Tatort, sucht da ein wenig rum, fährt zu Zeugen oder Verdächtigen, befragt die, manchmal laufen die dann weg, dann rennt man hinterher, manchmal geben sie einem einen Tipp und dann verfolgt man den. Polizeiarbeit in ihrer ganzen Eintönigkeit. Nach drei, vier Fällen wurde mir das Ganze dann tatsächlich zu eintönig und ich legte „L.A. Noire“ beiseite.

Doch vor kurzem holte mich „L.A. Noire“ wieder ein. Nicht etwa, weil ich es wieder aus dem Schrank holte, um es zu spielen – nein, noch wird meine Spielzeit in Skyrim verbracht. Nein, es lag einfach daran, dass alles an Brian De Palmas „The Black Dahlia“ mich absolut an „L.A. Noire“ erinnert. Gut, gleich der erste Fall im Spiel beschäftigt sich mit dem Dahlia-Mord, aber auch alles andere passte irgendwie perfekt in meine Erinnerung an „L.A. Noire“.

„The Black Dahlia“ begibt sich auf Spurensuche um den wahren Fall der Ermordung der Elizabeth Short. Short hieß so, weil sie von ihren Freunden wegen ihrer Schönheit so genannt wurde. Nur leider ist gar nichts mehr schön an ihr, als sie tot gefunden wird: Ihr Mörder hat sie in zwei Teile gehackt, ihr die Organe entfernt und ihr Gesicht zerschnitten. Die Polizisten Lee Blanchard (Aaron Eckhart) und Bucky Bleichert (Josh Hartnett) sollen den Fall der „Black Dahlia“ aufdecken und geraten dabei in einen Sumpf aus Korruption, Pornografie und Mord.

Genre-Spezialist James Ellroy hat das Buch zu „The Black Dahlia“ geschrieben, und der gute Mann kennt sich mit alten Geschichten um schöne Frauen und korrpute Cops bestens aus. Schließlich lieferte er auch schon die Grundlage für Curtis Hansons „L.A. Confidential“. Mit „The Black Dahlia“ gibt er nun Brian De Palma die Gelegenheit, die schmutzigen 40er Jahre in L.A. Zu porträtieren. Und De Palma ist ein genial verzwickter Film noir gelungen. Allerdings mit ein paar kleinen Änderungen.

Statt dem einsamen Helden bekommen wir erst einmal ein furchtloses Duo. Mit Eckhart und Hartnett hat De Palma zwei gefunden, die perfekt in den 40er Jahre-Anzug passen. Eckhart ist der Erfahrene, Hartnett der Neuling – und der typische Noir-Erzähler der Geschichte. Und ich finde gerade bei solchen Geschichten den Einsatz des Erzählers immer sehr gelungen. Die Bindung zwischen Zuschauer und Protagonist wird so sehr stark… wir hören alle Gedanken von Bucky, stellen uns die gleichen Fragen und ziehen die gleichen Schlüsse. Naja gut, zum Schlüsse-Ziehen kommen wir erst später. Der Anfang mit zwei Protagonisten führt uns ein wenig in die Irre… schließlich geht es erst einmal gar nicht um Dahlia, sondern um ein altes Problem von Lee. Dann aber kommt Dahlia und die Ermittlungen überschlagen sich. Dazu wird alles noch zusätzlich erschwert, wenn statt einer Femme fatale plötzlich zwei auftauchen. Zum einen ist das Scarlett Johansson als Lees Freundin Kay, zum anderen ist das Hilary Swank als Starlet Madeline. Und wie für einen Noir typisch führen beide Femme fatales unseren Freund Bucky ins Chaos.

Und genau wegen diesem Chaos muss man bei „The Black Dahlia“ echt verflucht nochmal aufpassen. Hier hat wirklich jeder Dreck am Stecken, der auch nur einmal zu sehen ist. Und ähnlich wie der arme Bucky bekommen auch wir als Zuschauer das alles viel zu spät mit. De Palma erzählt seine Geschichte durchtrieben und undurchsichtig, bis zur letzten Minute lässt sich nicht sagen, wer was warum getan hat. „The Black Dahlia“ verlangt einen aufmerksamen Zuschauer und höchstwahrscheinlich auch eine zweite Sichtung, um all die Wege nachzuvollziehen, die Bucky zur Auflösung des Falls führen (wir können immerhin froh sein, dass De Palma uns eine Auflösung bietet, denn in Wirklichkeit wurde der Fall um die Black Dahlia nie aufgeklärt).

Aber einer Zweitsichtung steht in diesem Fall eigentlich nichts im Wege, denn „The Black Dahlia“ lebt die 40er Jahre. Die Bilder haben alle so einen leichten Sepia-Touch – passend zum Setting des Films. Der wahre Augenschmaus besteht aber darin, dass sowohl Johansson als auch Swank wahrhaftige 40er-Jahre-Leinwandgöttinnen hätten sein können. Gut ausgesucht, Mr. De Palma. „The Black Dahlia“ ist eine tolle Hommage an den Film Noir und an das L.A. der 40er.

„The Black Dahlia“ hat es zudem noch geschafft, dass ich es in Erwägung ziehe, mal wieder „L.A. Noire“ zu spielen. Und sei es nur, um es endlich mal zu Ende zu spielen und der Auflösung einen Schritt näher zu kommen 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (etwas kompliziert erzählt, aber trotzdem ein toller Film noir)

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13 Kommentare leave one →
  1. 15. Februar 2012 07:17

    Landet auf meiner klitzekleinen (wer’s glaubt) Must-Watch-Liste.

    Klingt jedenfalls sehr stark. Zu L. A. Noire: Ich konnte mich bis heute nicht überwinden dem Spiel überhaupt eine Chance zu geben. Die Demo hat mich damals tierisch abgeschreckt.

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2012 09:19

      Der Film ist wirklich gut. Wenn man auch so dieses Setting mag – und ich steh da ja total drauf – dann muss man sich den angucken.

      Und ja, „L.A. Noire“ sehe ich nach wie vor mit gemischten Gefühlen. Ein spannendes Konzept, dass mir persönlich nach ein paar Missionen dann doch sehr langweilig wurde.

  2. 15. Februar 2012 10:37

    Ach ja, Black Dahlia wollte ich damals eigentlich unbedingt im Kino sehen. Hab es dann aber doch nicht geschafft und hab ihn dann,wie so oft, total vergessen. Jetzt wird es offensichtlich mal Zeit das nachzuholen! Vor allem, weil ich auch wieder Lust auf einen guten Scarlett Johansson Film hätte. Kommt das nur mir so vor, oder hat sie sich in letzter Zeit etwas rar gemacht?

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2012 10:59

      Nein, das kommt dir nicht so vor. Die Frau ist wirklich in letzter Zeit selten zu sehen. Nur hier auf der Berlinale sieht man sie ständig auf Plakaten Werbung für Champagner machen. Mit leich betrunkenem Gesichtsausdruck – wie passend 😉

  3. 15. Februar 2012 14:45

    Black Dahlia ist natürlich bei den Namen (ach, Scarlett) und dem Regisseur schon interessant. Aber wie du ja erwähnst, ist der Film furchtbar kompliziert konstruiert – hätte nicht sein müssen. Obwohl ich den Film jetzt zwei/drei Mal gesehen habe, werde ich nicht wirklich warm damit (allerdings glaube ich, die Handlung verstanden zu haben).

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2012 15:37

      Kompliziert erzählt ist tatsächlich noch eine Untertreibung. Ich war über die verschiedenen Rückblenden am Ende schon sehr froh. 🙂

  4. 16. Februar 2012 17:17

    Mhh, na da hab ich ja endlich mal neues noir-futter. 😀

    Und was das Spiel angeht: das Ende ist super und purer Noir-Stil, also ruhig nochmal versuchen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2012 17:27

      Wenn du das sagst, werde ich „L.A. Noire“ noch eine Chance geben.

      • 20. Februar 2012 09:59

        Es rührt mich, dass mein Wort so ein Gewicht hat. 😀

        • donpozuelo permalink*
          20. Februar 2012 11:26

          Hast du jemals daran gezweifelt??? Wer in meinem Heimatland zur Uni geht, dem kann doch nur vertrauen! 😉

  5. 22. Februar 2012 22:10

    Oh ja den mochte ich auch, glaube ich (spaaaß), ist schon ne weile her… :-))

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