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Vergangenheitsbewältigung

10. Februar 2012

Eigentlich finde ich es immer sehr fies, Filmtrilogien im Kino zu sehen. Dann bekommst du im ersten Jahr den ersten Teil, wartest dann brav ein Jahr lang, bis der zweite Teil kommt. Und dann noch mal ein Jahr bis der letzte Teil bereit steht. Und das alles obwohl einige Regisseure ja alles auf einmal drehen. Aber gegen die fiesen Marketing-Strategien kommt man halt nicht an. Dann rennt man halt ins Kino und wartet. Vielleicht gibt’s dann zum zweiten Teil das Double-Feature, später das Triple-Feature… Wenn man sich das alles nicht antun will, muss man nur noch länger warten, holt sich die DVD-Box ins Haus, verschließt sich ein Wochenende lang bei Pizza und Chips in der Wohnung und haut sich die ganze Reihe hintereinander rein. Da besteht keine Gefahr wegen etwaiger Cliffhanger oder sonstiger fiesen Spannungsspielchen. Fünf Minuten und dann geht’s weiter.

Aber mal ehrlich, wer will schon bis zu DVD warten? Nachholen kann man solche Film-Sit-Ins immer noch. Und sie machen ja auch noch Spaß. Ich habe das mal mit „The Godfather“ und „Der Herr der Ringe“ gemacht. Da braucht man schon ordentlich Sitzfleisch. Ich weiß nicht, ob ich mir das im Kino antun könnte.

Tja, worauf wollte ich eigentlich hinaus??? Ach ja, richtig. Die langen Wartezeiten!!! Die nächste Trilogie steht uns ja mit David Finchers Variante zur „Millennium“-Trilogie ins Haus. Mit „Verblendung“ hat er ja schon einen formidablen Start hingelegt. Wenn das Geld stimmt, werden wir uns auch auf Teil Zwei und Drei freuen können. Für den Fall, dass man es mit dem Warten dann doch nicht so hat, gibt es ja noch die schwedischen Filmen. Dann weiß man zumindest schon einmal, wie es so mit Lisbeth Salander und dem guten Mikael Blomkvist weitergeht.

Da mich das natürlich nach dem berauschenden ersten Film sehr brennend interessiert hat, gab’s für mich dann die DVD-Box, wo neben „Verblendung“ auch „Verdammnis“ und „Vergebung“ in langen Director’s Cut-Fassungen steckten. Aber irgendwie hat mich die „Millennium“-Trilogie etwas sprachlos zurückgelassen.

Im zweiten Teil „Verdammnis“ bekommt es Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) mit einem russisch-schwedischen Mädchenhändlerring zu tun. Die Ermittlungen werden durch einen zweiten jungen Journalisten unterstützt, der Informationen darüber hat, dass selbst hohe Mitglieder der schwedischen Sicherheitspolizei in diesen Handel involviert sind. Doch kurz vor der Veröffentlichung wird eben dieser junge Journalist tot aufgefunden. An der Mordwaffe: die Fingerabdrücke von Lisbeth Salander (Noomi Rapace). Blomkvist glaubt an Lisbeths Unschuld und versucht sie, vor der Polizei zu beschützen. Währenddessen stellt Lisbeth ihre eigenen Nachforschungen an. Nachforschungen, die Großes offenbaren – über Lisbeth und Verschwörungen in der schwedischen Sicherheitspolizei. Um Lisbeths Vergangenheit geht es dann auch noch in Teil 3 – „Vergebung“. Mittlerweile befindet sich Lisbeth in Haft und ihr droht der Prozess. Ein Prozess, den die Sicherheitspolizei auf jeden Fall zu ihren Gunsten sabotieren will, um ihr dunkles Geheimnis zu wahren.

Neue Filme, neue Sichtweise auf die Figuren – da musste dann wohl auch ein neuer Regisseur her: Daniel Alfredson. Der gute Mann darf sich nun damit befassen die Figuren Salander und Blomkvist noch weiter auszubauen. Und in diesem Fall bleibt er dem ersten Teil treu: Auch „Verdammnis“ und „Vergebung“ lassen sich sehr viel Zeit, um beide Figuren ins richtige Licht zu rücken. Zum Glück kennen wir die beiden ja schon ein wenig, so kann man sich dann auch der Flut an Nebenfiguren widmen, die einen in beiden Filmen förmlich überrollen. In Buchform mag das alles vielleicht noch gut funktionieren, filmisch hat mich das an einigen Stellen echt überfordert. Zum Glück wird aber in irgendeinem Nebensatz immer noch mal erwähnt, wer das jetzt genau war.

Dass jetzt ein neuer Regisseur am Werk ist, fällt zum Glück nicht sonderlich negativ auf. Verwirrt hat mich nur, dass im Gesamtkonzept der erste Teil irgendwie vollkommen fehl am Platz wirkt. Teil Zwei ist zwar auch noch ziemlich spannend inszenierter Krimi, der aber schon die Vergangenheit von Lisbeth stärker in den Vordergrund drückt. Teil Drei wird dann fast schon mehr Gerichtsdrama. Eigentlich kann „Verblendung“ allein für sich stehen. Die Nachfolger greifen dann Kleinigkeiten davon auf, erzählen dann aber in ganz anderem Stil.

Allerdings, so finde ich, geht die Qualität mit jedem Teil etwas zurück und findet seinen traurigen Höhepunkt im dritten Teil, der sich hauptsächlich in einem Gerichtssaal abspielt und dabei leider Gottes auch recht vorhersehbar bleibt. Allerdings ist er notwendige Tatsache, wenn man einmal den zweiten Teil gesehen hat. Man kommt also nicht drum herum.

Im Großen und Ganzen sinkt meine Begeisterung für die „Millennium“-Trilogie ein wenig. „Verdammnis“ ist immer noch ein guter Film, der herrlich verstrickt Verschwörung, Lisbeths Vergangenheit und Krimi miteinander vereint. „Vergebung“ ist dann die logische Weiterführung, verliert sich aber im Gerichtsdrama. Die Figuren – vor allem Lisbeth – bleiben weiterhin stark und werden auch gut ausgebaut, aber so richtig stimmig ist das alles nicht mehr. Da wäre mir eine Weiterführung mit den beiden als Ermittlerduo doch irgendwie lieber gewesen.

Wertung:

„Verdammnis“ – 7 von 10 Punkten (Verwirrspiel um Lisbeth mit ein paar netten Story-Twist und einer großen Menge an neuen Figuren)

„Vergebung“ – 5 von 10 Punkten (irgendwie ein Tiefpunkt der Reihe – zu sehr Gerichtsdrama und nicht mehr so spannend wie noch die Vorgänger)

4 Kommentare leave one →
  1. 10. Februar 2012 08:30

    Ja, die beiden letzten Teilen sind nicht mehr so gelungen, das stimmt. Ich fand sie als Visualisierung der Bücher dennoch nett anzusehen.

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2012 09:41

      „Visualisierung der Bücher“ ist ein schöner Ausdruck. So zu sagen, die nette Art und Weise, dass sie an und für sich eigentlich schon ein wenig überflüssig sind. Da ich die Bücher nicht kenne, war das so zumindest ein schöner Abschluss der ganzen Sache. Auch wenn mir Teil 1 als Einzelfilm eigentlich komplett gereicht hätte.

  2. 10. Februar 2012 15:16

    Stimmt, die Flut an neuen Charakteren hat mich ziemlich überfordert, so dass ich meinen Vater des Öfteren nerven musste, wer denn gerade zu sehen war und was derjenige noch so macht.
    Vielleicht muss man für den vollen Durchblick die Bücher gelesen haben (die Harry Potter-Figuren in den Filmen kann man sich ohne Buchkenntnis wohl auch schwer zusammenreimen).
    Verblendung war auf jeden Fall noch der beste Film der Reihe.

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2012 22:09

      Flut von Charakteren trifft es ganz gut… Sinflut wahrscheinlich noch besser. War alles ein wenig unübersichtlich und hat irgendwann auch echt genervt. Vor allem, wenn dann plötzlich wieder einer tot oder verschwunden war.

      Naja, bleibt ja immer noch die Hoffnung, dass David Fincher vielleicht etwas Ordnung in dieses Chaos bringen kann.

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