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Kaputte Universen

27. Januar 2012

Dies ist ein Entschuldigungsschreiben. Naja, sowas in der Art zumindest. Vielleicht klingt Entschuldigungsschreiben zu ernst. Dann nennen wir es halt „Die Redigierung einer Meinung“. Was auch nicht viel besser klingt, aber es sollte ausreichen. Aber was soll eigentlich redigiert werden? Nun, hauptsächlich meine Meinung zu J.J. Abrams Serie „Fringe“ (ACHTUNG: Vor einigen SPOILERN werde ich euch nicht retten können! Wer die Serie noch nicht kennt, sollte sie vielleicht erstmal schauen, bevor er weiter liest!)

Nachdem wir die Insel und die Anderen verlassen hatten, entstand ein trauriges Serien-Vakuum. Ein Vakuum, das sich durch nichts ausfüllen ließ. Bis zu dem Zeitpunkt, als es plötzlich hieß, J.J. Abrams hat eine neue Serie. Natürlich sollte die nichts mit den Inselabenteuern aus „LOST“ zu tun haben. Das war ja schon abgefrühstückt. Stattdessen ging es um eine junge FBI-Agentin namens Olivia Dunham, die gemeinsam mit dem etwas durchgeknallten Professor Walter Bishop und dessen Sohn Peter merkwürdige Fälle aufklärt. Fälle, die meistens etwas mit den merkwürdigen Experimenten des Walter Bishop zu tun hatten, die dieser in früheren Jahren durchgeführt hatte. Experimente, die sein ehemaliger Partner und jetziges Mysterium William Bell zur Perfektion gebracht hatte.


Damals, in meiner ersten Rezension, gab ich „Fringe“ 7 von 10 Punkten und kam nicht drumherum, Vergleiche zu Chris Carters „Akte X“ zu ziehen. Von solchen Gleichnissen wollte Abrams natürlich nie etwas hören. Zu recht, nur vergaß unserer Lieblingsgeheimniskrämer dabei, dass er die Zukunft der Serie in groben Zügen kannte und wir uns nur mit dem befassen konnten, was wir gesehen hatten. Und das war in der ersten Staffel nun mal eine Art „Akte X 2.0“. Bei dieser Meinung bleibe ich auch nach wie vor: Ein FBI-Team untersucht Monster, absonderliche Phänomene, führt fragwürdige Experimente durch und recherchiert abstruse Theorien. In jeder neuen Folge gab’s irgendwas Neues zu untersuchen. Nur hin und wieder wurden ein paar Brotkrumen ausgeworfen, die auf mehr hoffen ließen. Aber das war alles. Nur dank einem großartigen John Noble als durchgeknallter, aber äußerst liebenswerter Dr. Bishop hatte ich die Geduld, „Fringe“ eine Staffel lang zu schauen. Trotz der am Ende auftauchenden Zwei-Welten-Geschichte, in der unser Team plötzlich in ein anderes Universum wechseln kann, hatte „Fringe“ wenig Eindruck hinterlassen.

Eigentlich ist es nur Maloney zu verdanken, dass ich dann doch irgendwann „Fringe“ noch eine Chance gab. Aber selbst der Anfang von Staffel Zwei brachte nicht viel Neues. Olivia, die am Ende von Staffel Eins, in das andere Universum sprang, taucht wieder auf. Aber fast augenblicklich geht alles wieder los wie bisher. Nur ein paar wirre Rückblenden lassen etwas erahnen. Auch hier wollte ich „Fringe“ schon wieder aufgeben. Eine Serie, die es solange nicht hinbekommt, mich so richtig zu fesseln, war doch das Anschauen nicht wert.

Aber dann… irgendwann gelingt der Serie der Sprung. Ab dem Zeitpunkt muss man auf jeden „Akte X“-Vergleich verzichten. Es ist Folge 16, die einfach nur „Peter“ heißt. Endlich enthüllt die Serie die Geschichte, wie Walter Bishop seinen sterbenden Sohn Peter rettet. Leider nur erst, als der schon tot ist. Aber Walter weiß von dem Paralleluniversum und zieht los, um den Peter auf der anderen Seite zu retten. Dabei geht aber einiges schief, und so muss der Peter von der anderen Seite auf unserer Seite bleiben.

Endlich!!! Nach einer Staffel und 16 Folgen markiert die Folge „Peter“ den Wendepunkt! Eine unglaublich lange Zeit, aber gut… manchmal muss man halt Geduld haben. Ab dieser Folge jedenfalls zeigt sich, was „Fringe“ für eine Serie sein will. Und endlich umarmt man auch das Konzept von zwei unterschiedlichen Welten. Universen, die sich sehr ähnlich sind. Auch dort gibt es eine Olivia, einen Walter, eine Fringe-Division, aber halt anders. Ab jetzt macht „Fringe“-Gucken richtig Laune. Zeit und Raum werden endlich aufgelöst… es gibt keine Grenzen mehr. Und endlich machen auch all die merkwürdigen Dinge Sinn. Denn: Durch Walters Tat zerrissen die Strukturen dieser beiden Welten. Mit der Folge, dass nur eine Seite überleben kann.

Das sind doch mal Voraussetzungen für eine Serie, wie sie größer und ambitionierter nicht sein können: Ein Wettlauf zwischen zwei Welten. Und immer mittendrin dieses unfassbare Trio. Und immer noch kann man nur dazu gratulieren, John Noble gefunden zu haben. Dieser Mann ist einfach absolut großartig. Ohne ihn und seine Art, Walter zu spielen, wäre diese Serie nur halb so sehenswert.

Aber was in Staffel Eins nur John Noble getragen hat, wird in den folgenden Staffeln wieder behoben. Endlich dürfen sich auch Anna Torv (Olivia) und Joshua Jackson (Peter) behaupten. Torv darf – dank der Tatsache, dass sie sich nun doppelt spielen muss – beweisen, dass sie nicht nur eine hübsche Blondine ist. Und Jackson wird so ein wenig den „Dawson’s Creek“-Speck los.

Alles in allem hat sich „Fringe“ viel Zeit gelassen, um das volle Potenzial der Idee an sich auszuschöpfen. Und vielleicht war das auch gut so, vielleicht aber auch nicht. Ich finde, man hätte ruhig schon früher, mehr draus machen können. Aber gut, Schwamm drüber. „Fringe“ gehört seit Staffel 2, Folge 16 zu meinen neuen Lieblingsserien. J.J. Abrams hat’s wieder mal geschafft… es geht auch ohne verwirrende Inselabenteuer.

Wertung: 9 von 10 Punkten (man musste wohl erst Vertrauen in die eigene Ideen gewinnen, aber wie gesagt: nach dem großen Wendepunkt in Staffel 2 geht’s richtig rund)

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12 Kommentare leave one →
  1. 27. Januar 2012 06:34

    Ich würde sogar soweit gehen und „Peter“ als eine der besten Folgen in irgrendwiener Fernsehserie bezeichnen….und natürlich die so vielen gestreuten Unterschiede zu unserem Universum die ich hier http://jasonauric.wordpress.com/2011/01/30/eine-gute-alternative/ schopn mal aufgelistet habe machen wirklich immer mehr Laune die Serie zu sehen…can’t wait till Season 4

    • donpozuelo permalink*
      27. Januar 2012 09:32

      Ja, deinen Alternativ-Artikel fand ich auch gut. Ist sowieso eine coole Sache mit dem anderen Universum. „Peter“ ist wirklich eine großartige Folge… ich würde zwar nicht so weit gehen, sie als eine der besten Folgen in irgendeiner Serie zu bezeichnen. Aber sie ist großartig geschrieben, sehr gut umgesetzt und sie hat mir meinen Glauben an „Fringe“ zurückgegeben.

  2. 27. Januar 2012 08:24

    So ist das mit „Fringe“ – startet relativ unspektakulär und ab Mitte der zweiten Staffel nimmt die Serie sowas von an Fahrt auf. Es ist eine wahre Freude! Gefällt mir aktuell sogar besser als damals „Lost“ – jetzt kommt es auf das Finale an 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Januar 2012 09:35

      Dieser unspektakuläre Start ist wirklich ein Ding. Mutig, mutig!!! Aber inzwischen ist die Serie auch bei mir der absolute Hit. Ich warte auch gespannt darauf, wie das wohl alles zu ende geht. Erst dann entscheide ich mich zu Vergleichen mit „LOST“ (zumal sich die ja eh nicht vergleichen lassen 😉 )

  3. 28. Januar 2012 23:34

    Oh ja, ich liebe Fringe auch und harre der vierten Staffel 😀

  4. 22. Februar 2012 18:48

    Ah, mal wieder eine Rezension zur gerade richtigen Zeit. 😉 Ich bin nämlich erst kürzlich wieder ins „Fringe“-Universum (oder sollte ich sagen, Universen?) eingetaucht, habe mich mit der ersten Staffel sehr viel besser anfreunden können als beim ersten Mal – John Noble ist einfach ein Genuss, und kleine Längen kann man ja immer überstehen, indem man einfach den Observer (a.k.a. Waldo für Erwachsene) sucht – und mir anschließend Season 2 zugelegt, die ich mir gerade anschaue. Der Staffelanfang ist bisher noch etwas schwach, aber jetzt habe ich neues Vertrauen geschöpft. 😀

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2012 20:02

      Waldo für Erwachsene… sehr gut gesagt 😉

      Ja, Vertrauen darfst du ruhig schöpfen, es wird wirklich richtig gut. Erstaunlich, dass die sich so viel Zeit gelassen haben. Aber lieber etwas mehr Zeit und dann wird’s gut, anstatt etwas mehr Zeit und es bleibt flach.

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