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Verhindern wir einen Krieg!

4. Januar 2012

Der arme Guy Ritchie. Dabei fing seine Karriere so vielversprechend an. Er brachte uns verdammt gute Gangster-Komödien und war eigentlich ein ziemlich sicherer Garant für gute Filme. Tja, und dann passierte es und er heiratete diese eine Frau, die ihm wirklich nicht gut getan hat. Eine Verbindung, aus der ein merkwürdiger Film entstand. Und dieser eine Film reichte aus, um die Reputation eines Mannes fast komplett zu zerstören. Aber halt nur fast… klar, man muss sich danach erst einmal wieder aufrappeln, sich erneut beweisen und durchläuft wohl den gleichen Prozess wie zu Beginn der Karriere: Man muss Kritiker und Zuschauer wieder von sich überzeugen. Gut, die ersten Filme nach Madonna waren weniger große Kritikererfolge, liefen eher mäßig in den Kinos an. War Ritchie da schon weg vom Fenster??? Nein, denn der Mann hatte eine kluge Idee: Ich nehme mir Englands berühmtesten Detektiv, lasse ihn von einem sicheren Kassenmagnet spielen und verpacke das Ganze in eine Form, die an meine alten Erfolge erinnert. Geboren war ein neuer alter „Sherlock Holmes“.

Ich gebe zu, als 2009 der erste Film mit Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als Dr. Watson herauskam, war ich nicht sonderlich angetan von dem Film. Es waren zwar ein paar nette Ideen dabei, aber was mich vor allem störte, war die Art und Weise, wie man diesen altehrwürdigen Detektiv darstellte. Zwar immer noch verdammt intelligent, aber in einer schrulligen Art und Weise, bei der ich schon Angst hatte, Holmes würde Downey Jr.s Jack Sparrow-Variante. Ich konnte mit dieser Neuinterpretation eines englischen Gentleman nicht wirklich viel anfangen. Das war mir da alles zu schrullig, zu abgedreht… möglicherweise einfach zu unerwartet. Obwohl… eigentlich hätte man es erwarten können. Aber gut, ich schweife ab.

Dass ich mir dann „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ anschauen würde, hätte ich nach dem ersten Teil stark bezweifelt. Aber es war Weihnachten, mein Bruder wollte den sehen und so sind wir ins Kino gegangen. Dieses Mal hatte sich Guy Ritchie für seinen Holmes etwas besonderes ausgedacht. Er verfilmte Sir Arthur Conan Doyles „Sein letzter Fall“, in dem Sherlock Holmes es mit seinem Erzfeind Professor Moriarty zu tun bekommt. Natürlich ist das nur sowas wie die Grundprämisse für Richtie. Alles andere wird umgeändert (schließlich stirbt Holmes in Doyles Geschichte – und was würde dann auch den Fortsetzungen werden, wenn Holmes im zweiten Teil schon sterben würde). Holmes entführt den lieben Dr. Watson auf seiner Reise in die Flitterwochen, um mit ihm eine Reihe von Bombenanschlägen zu untersuchen, die ganz offensichtlich auf das Konto des fiesen Professors („Fringe“-Bösewicht Jared Harris) gehen. Bombenanschläge, die in einem kriegsgefährdeten Europa für noch mehr Konflikte sorgen.


Guy Ritchie setzt die Ziele seines Detektivs ganz hoch: Verhindere einen Weltkrieg. Verhindere die Zerstörung Europas. Sonst kümmert sich für gewöhnlich ein anderer britischer Agent um solch große Angelegenheiten, aber wenn der noch beschäftigt ist, dann muss halt Holmes ran.

Wie gesagt, durch meine Vorerfahrung durch Teil 1 war ich dieses Mal besser vorbereitet. Und ich muss gestehen, „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ hat mir sehr viel besser gefallen als noch Teil 1. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Beziehung Holmes-Watson jetzt bereits eine festgelegte Grundgeschichte hatte und in Teil 2 einfach besser gezeigt werden konnte. Aber in „Spiel im Schatten“ funktioniert dieses Buddy-System echt ausgezeichnet. Robert Downey Jr. und Jude Law werfen sich gekonnt die Bälle zu und nutzen das komödiantische Potenzial gut aus. Es gibt viele schrullige Momente (Holmes als Frau), schöne Wortgefechte und Diagnosen. Die Dynamik zwischen den Figuren stimmt… besser als ich das aus dem ersten Teil noch in Erinnerung habe.

Interessant wird die Geschichte auch dadurch, dass wir den Bösewicht gleich von Anfang kennen. Zugegebener Maßen fehlte mir eine bessere Einleitung des Professor Moriarty. Eigentlich gibt es da nur, die dumpfe Erinnerung, dass am Ende von Teil 1 der Professor erwähnt wurde. In Teil 2 ist er dann sofort da. Hier bitte schön: Der Bösewicht. Anders in Teil 1, wo es ja darum ging, das „Wer“ zu erkunden, enthüllt „Spiel im Schatten“ das „Wer“ sofort und kümmert sich lieber um das „Warum“. Dadurch fehlt dem Film dieses geheimnisvolle Etwas aus Teil 1, hat dafür aber mehr Möglichkeiten, sich auf die dunklen Machenschaften des Professors zu konzentrieren.

Und das kann Guy Ritchie dann natürlich in bester Action-Manier verpacken. Es gibt wieder die aus dem ersten Teil bekannte Slow-Motion-Analyse Holmes‘ vor jedem Kampf. Dieses Mal allerdings trifft sie nicht unbedingt immer zu. Das Element der Überraschung und des Unberechenbaren lockert die Tatsache auf, dass wir den eigentlich Kampf schon vorher in Zeitlupe und mit Audiokommentaren von Holmes sehen durften. Aber dennoch: Ritchie liebt seine Zeitlupen… und ob nun im Kampf oder in einer sehr gelungenen Sequenz, in der Holmes und Watson durch einen Wald gejagt werden – es funktioniert. Die Action wirkt in „Spiel im Schatten“ echt gut.

Meine anfängliche Irritation aus Teil 1 ist nun verflogen: Holmes und Watson wirken frischer und besser aufeinander abgestimmt. Mit Jared Harris gibt’s einen geilen Bösewicht und was die Action angeht, hat „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ alles, was das Guy Ritchie-Herz begehren könnte. Zwar schwächelt auch wieder die Story…. aber mittlerweile sind wir solche Sachen ja gewohnt und lassen uns gerne von großen Explosionen und witzigen Einlagen ablenken.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der Herr Detektiv wird tatsächlich besser)

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17 Kommentare leave one →
  1. 4. Januar 2012 09:06

    Hm, nach dem Trailer bin ich etwas vorsichtiger geworden, was den neuen Sherlock Holmes anging. Sah mir nach sehr viel Action, ein paar Witzen und kaum noch Story aus. Allerdings kam letztens auch der BBC-Sherlock der Neuzeit zurück auf den Bildschirm (in UK) – und der macht einfach Lust auf mehr Holmes!

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2012 10:00

      JA, den BBC-Sherlock muss ich mir auch unbedingt noch anschauen. Aber der Guy-Ritchie-Sherlock ist dieses Mal ganz gut geworden. 😉 Kann man sich angucken!!

  2. 4. Januar 2012 10:58

    Stimmmt Harris hat in Fringe mitgespeilt…ich muss ehrlich zugeben, dassm ir der erste von der Story her minin besser gefallen hat mehr Wendungen und Twists und so, aber trotzdem war A Game of Shadows ein toller Film.

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2012 11:32

      Klar, weil Teil 1 die ganze Bösewicht-Geschichte lange im Versteckten hielt. Dadurch, dass man da wirklich nicht wußte, wer oder was eigentlich los ist, war Teil 1 spannender. Teil 2 wird durch die „Blossstellung“ des Bösewichts einen Teil des Mysteriums schon vorwegnimmt.

      Trotzdem gefällt mir Teil 2 besser. Die Chemie stimmt einfach eher zwischen Jr. und Law.

  3. Owley permalink
    4. Januar 2012 23:56

    Du hast Recht, Teil 1 hatte mehr Mystery und auch ein bisschen mehr Holmes-Coolness, zumindest wenn es darum ging, wie er den Fall löste. In Teil 2 kam sein Auge für Details ein bisschen zu selten zur Geltung. Dennoch beides einwandfreie Blockbuster.

    • donpozuelo permalink*
      5. Januar 2012 00:31

      Ich fand’s aber okay, dass dieses „Auge für Details“ seltener zur Geltung kam. Im ersten Teil war mir das teilweise zu oft drin. Hier war’s jetzt genau richtig… und das Endresultat nicht immer ganz so wie vorhergesagt. Und die letzte Szene mit dem Schachspiel war dafür doch Entschädigung genug, oder? 😉

      • Owley permalink
        5. Januar 2012 00:45

        Mhmja, ich dachte da auch weniger an Häufigkeit als Wichtigkeit, ich meine, im ersten Teil machte das den Schluss quasi aus, und hier wars nur eine Randnotiz. Und ja, die letzte Szene war natürlich nichtsdestotrotz klasse, für den Schweizer sowieso. 😀

        • donpozuelo permalink*
          5. Januar 2012 07:23

          Nicht nur für einen Schweizer 😀

  4. 13. Januar 2012 21:25

    Oh man, ich muss mich sputen, bevor er aus dem Kino raus ist!

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2012 00:16

      Naja, der wird wohl noch ein wenig laufen, oder??? Ist ja schließlich „Sherlock“. So schnell verschwindet der nicht 😉

  5. 22. Januar 2012 12:32

    OH GOTT DIE WALDSZENE. Augenpornografie.

    • donpozuelo permalink*
      22. Januar 2012 12:55

      Oh ja. Zusammen mit der Schachszene!!! Große Highlights des Films!!!

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