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Auch du Brutus, mein Sohn

2. Januar 2012

Schon zu Zeiten des alten Julius (und ja, möglicherweise auch schon weit davor) war Politik ein schmutziges Geschäft.. Weil Cäsar dank seiner großen Erfolge für das römische Volk zum Diktator auf Lebenszeit ernannt wurde, gerieten einige Senatoren auf die Palme. Und so kam es zu einer Verschwörung, die sich um eine zügige Abschaffung Cäsars bemühte. Also rennen rund 60 Männer eines Tages auf Cäsar zu und stechen ihn nieder… unter ihnen auch besagter Brutus. Was will uns das Ganze sagen? In der Politik gibt es keine Freunde. Und so stehen die Iden des März (also für alle Nicht-Lateiner der 15. März) für alles, was in der Politik schlecht ist.

Kein Wunder also, dass sich der liebe George Clooney für seine neueste Regiearbeit rund um das Thema Politik und Wahlkampf den gleichen Titel ausgesucht hat: „The Ides of March“. Ein bisschen amerikanischer Wahlkampf auf der Kinoleinwand… klingt langweilig??? Ganz im Gegenteil.

In „The Ides of March“ versucht George Clooney als demokratischer Gouverneur Mike Morris die Vorwahlen auf die Präsidentschaft zu gewinnen. Und seine Chancen stehen gut, schließlich hat er ein gutes Team aus Beratern um sich: zum einen den alten Hasen Paul (Philip Seymour Hoffman) und den Shootingstar der Berater-Szene Stephen (Ryan Gosling). Doch Stephen begeht einen folgenschweren Fehler: Er läßt sich auf eine Einladung vom gegnerischen Berater Tom (Paul Giamatti) ein. Als das rauskommt, fliegt Stephen. Als er zum Gegner wechseln will, will der ihn nicht mehr haben. Aber zum Glück hat Stephen noch ein As im Ärmel.


„The Ides of March“ fängt recht bescheiden an. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich mich in den ersten Minuten schon gefragt, ob ich im richtigen Film bin. Clooney zeigt gleich zu Beginn, dass er wirklich alles, was Rang und Namen hat, zu bieten hat. Nur irgendwie kommt die Story nicht voran: Wir sehen den stinklangweiligen Alltag eines Politberaters. Ewige Diskussion über Statistiken, Auswertung von Kommentaren, Überarbeitung von Strategien. Nichts deutet darauf hin, dass dies ein halbwegs interessanter Film sein könnte. Es ist schließlich alles, was wir bereits kennen: Menschen beraten und andere Menschen halten Reden. Es gibt den üblichen Clash zwischen Demokraten und Republikanern. Jeder will jeden ausstechen. Da kommen dann auch die in den Usa so beliebten Themen wie Religion oder Homosexualität zur Sprache. Kennen wir halt alles.

Bis zu einem gewissen Grad ist das an „The Ides of March“ auch interessant. Langweilig, aber interessant. Man muss als Zuschauer halt Zugeständnisse machen: Politik ist so! Wer Action haben will, sollte vielleicht ein anderes Kino wählen. Aber Moment… vor dem Verlassen des Saals sollte man vielleicht doch kurz innehalten. Denn nachdem uns Clooney das langweilige Gesicht der Politik mit all seinen herausgeputzten Politikern und ihren fein auswendig gelernten Phrasen gezeigt hat, holt Regisseur Clooney weit mit dem Hammer aus und zerstört diese wunderbare Welt. Und wir schauen hinter die Kulissen… aus den Menschen, die sich eben noch für Werte, Moral, Ehre und Integrität eingesetzt haben, zählt nur noch das eigene Überleben. Da wird einfach alles über den Tisch geworfen, was man vorher gesagt hat. Hauptsache ist, man gewinnt.

Mit dem Sturz des Protagonisten Stephen gewinnt „The Ides of March“ an einer unglaublichen Spannung und wird auf einmal mehr als nur interessant. Nicht nur, weil die schönen Fassaden alle bröckeln, sondern vor allem deshalb, weil man nicht sagen kann, was Stephen als nächstes tun wird, um seine eigene Haut zu retten. Und indem Stephen versucht seinen Hals zu retten, offenbart er die ganze Scheinheiligkeit, die hinter der Politik steckt.

Zum Glück für uns hat Clooney „The Ides of March“ wirklich stark besetzt… bis in die kleinste Nebenrolle stimmt hier einfach alles. Zum Glück hält sich Clooney vorwiegend zurück und überlässt vor allem Jungstar Ryan Gosling die Leinwand. „The Ides of March“ ist also kein George Clooney – der Schauspieler – Film, sondern ein weiterer Beweis dafür, dass der gute Clooney auch hinter der Kamera sehr gut ist. Er hat ein gutes Gespür für die Figuren. Gerade die Figur des Stephen ist mit Ryan Gosling echt gut besetzt – Gosling wird zum Brutus für Clooneys Morris, aber auf eine dezentere, aber nicht weniger wirkungsvolle Weise als mit einem Messer.

„The Ides of March“ vereint tolle Schauspieler zum einem ungeschönten Blick hinter die Kulissen der Politik, in der jeder Gedanke korrumpierbar ist. Zwar entwickelt sich der Film anfangs etwas schleppend, wird dann aber ziemlich schnell zu einem spannenden… ja, man könnte schon fast Politthriller sagen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Politik ist halt doch hoch spannend… und ein dreckiger Sündenpfuhl von Eitelkeiten)

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9 Kommentare leave one →
  1. 2. Januar 2012 08:55

    Hach…der Ryan. Hat sich durch Drive direkt an die Spitze meiner Lieblinge katapultiert. Bin gespannt, wie er sich anderweitig schlägt. The Ides of March läuft aber bei uns leider nur auf Deutsch, weswegen ich wohl oder übel auf die BluRay warte….

    • donpozuelo permalink*
      2. Januar 2012 11:29

      Drive habe ich leider noch nicht gesehen. Kommt erst Ende Januar bei uns in die Kinos. Aber schon in „The Ides of March“ ist Gosling echt super. Hatte den vorher gar nicht so sehr auf dem Schirm.

  2. 2. Januar 2012 14:00

    George Clooney UND Ryan Gosling in einem Film? Ich gehe morgen ins Kino.

    • donpozuelo permalink*
      2. Januar 2012 14:04

      😀 Nur bitte bedenken: Mr. Clooney hat längst nicht so viel Leinwandzeit wie manch einer vielleicht gerne hätte. Das ist Ryan Gosling vorbehalten.

  3. 2. Januar 2012 16:29

    Ryan Gosling wird ja langsam echt zu einem Omnipräsenten Schauspieler, habe ich das Gefühl. „The Ides of March“ wollte ich unbedingt gucken – und jetzt erst recht!

    • donpozuelo permalink*
      2. Januar 2012 17:25

      Ja, Gosling und Fassbender haben im Moment ihren Höhenflug. Und was ich besonders gut finde, ist die Tatsache, dass beide in verschiedenen Genres gut zu Recht kommen. Die können nicht einfach so in eine Schublade gesteckt werden.

  4. 13. Januar 2012 21:25

    Ja, klasse Film, da war ich auch begeistert 😀

Trackbacks

  1. Ab jetzt haben Sie fünf Minuten! « Going To The Movies
  2. Review: THE IDES OF MARCH | ChristiansFoyer

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